Die Landesregierung von British Columbia erteilt Genehmigung für die Mine von Mount Polley zur Erhöhung der Tailing-Dammstruktur um 13 Meter auf insgesamt bis zu 77 Meter und ermöglicht damit eine Verlängerung der potentiellen Betriebsdauer des Minenkomplex, bei dem im Jahr 2014 ein Tailing-Damm gebrochen war und eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte Kanadas hervorgerufen hatte, um weitere acht Jahre.
Es ist in wenigen Wochen das Datum, das in British Columbia nicht wenigen in schauriger Erinnerung ist. Am 4. August des Jahres 2014 brach der Tailing-Damm der Mine von Mont Polley. Fast 12 Jahre ist es nun her, dass der Dammbruch in der Mount Polley Mine die Welt schockte. Vergleichbar zu den späteren Tailing-Dammbrüchen bei Mariana und Brumadinho (beide in Minas Gerais, Brasilien, die 2015 bzw. 2019 brachen) steht der Mount-Polley-Dammbruch ganz oben auf der Liste der Umweltkatastrophen, die auch enorme soziale Auswirkungen auf die lokal vor Ort vom Fließgewässer abhängigen lebenden Gemeinschaften hat.
Es war der 4. August 2014 als der Damm brach. Rund 17 Millionen Kubikmeter Wasser zusammen mit 8 Millionen Kubikmeter von Restschlämmen aus der Bergbautätigkeit ergossen sich in den Polley Lake, den Hazeltine Creek und den Quesnel Lake. Der Tailing-Damm brach aufgrund eines geotechnischen Versagens einer Schicht aus Gletscherlehm in den Fundamenten unterhalb des Damms. Es dauerte Jahre bis das betroffene Fließgewässer wieder halbwegs intakt wurde, unter hohen sozialen Folgen für die lokalen Anwohner:innen wie Indigene First Nations, die vom und mit dem Fluss leben.
Dieser Tailing-Dammbruch in Mount Polley führte deutlich vor Augen, welche Umweltrisiken in den weltweit geschätzten 18.000 Tailing-Dämmen steckt, zumal deren Zahl nicht ab-, sondern zunimmt, da die Zahl der Bergbaubetriebe steigt (obwohl es in etlichen Regionen aus verschiedensten Gründen weltweit mittlerweile zu Rückbauten kommt, nimmt die Gesamtzahl an Tailings noch immer zu). Hinzukommt, dass das Verhältnis von Abfall zu Erz tendenziell zunimmt und die Anfälligkeit derartiger Umgebungen für extreme hydrometeorologische Ereignisse in Zeiten des Klimawandels eher zunimmt, was das Bruchrisiko weiter erhöht.
Nun, fast zwölf Jahre nach dem Dammbruch von Mount Polley hat die Staatsregierung von British Columbia der Betreiberfirma erlaut, in dem Minenkomplex von Mount Polley die Dämme der Tailing-Rückhaltebecken um weitere 13 Meter zu erhöhen. Man beachte die Zahl: 13 Meter Erhöhung. Dies ist vor allem deshalb beachteswert, weil noch um vergangenen Jahr um die Erhöhung des Dammes um vier (4) Meter gestritten wurde. Nun haben die Ministerin für Umwelt und Parks von British Columbia, Tamara Davidson, und der Minister für Bergbau und kritische Mineralien, Jagrup Brar, der Mount Polley Mining Corporation „eine Genehmigungsverfügung für eine wesentliche Änderung an der Kupfer-Gold-Mine Mt. Polley erteilt, mit der die Höhe der Abraumhalde um 13 Meter auf 77 Meter erhöht werden soll“. So steht es schwarz auf weiß in der Bekanntmachung des Landesregierung von British Columbia (siehe hier).
Die Entscheidung der beiden Landesminister:innen basiere „auf einer umfassenden Überprüfung“, die in den vergangenen sieben Monaten vom Environmental Assessment Office (EAO) in Zusammenarbeit mit dem Major Mines Office des Ministeriums für Bergbau und kritische Mineralien durchgeführt wurde. Die Entscheidung stehe noch unter dem Vorbehalt von Genehmigungsänderungen gemäß dem Bergbaugesetz (Mines Act), die ebenfalls erforderlich sind, damit die Erhöhung der Dammhöhe umgesetzt werden kann. Und, so die beiden Landesminister:innen: „Die insgesamt genehmigte Bergbaufläche für Mt. Polley bleibt unverändert. Durch die Erhöhung des Damms vergrößert sich die Grundfläche der Abraumlagerstätte (oder des Absetzbeckens) um etwa 28 Hektar, einschließlich des zusätzlichen Verstärkungsmaterials zur Verbesserung der Dammstabilität. Weitere geringfügige Änderungen am Bergbaugelände betreffen Zufahrtsstraßen sowie die Verlegung von Stromleitungen und Transportwegen.“
In ihrer Entscheidungsbegründung schlossen sich demnach die Minister:innen den Schlussfolgerungen des Amtes für Umweltverträglichkeitsprüfung (EAO) an, wonach „die vorgeschlagenen Änderungen im Vergleich zu den bestehenden genehmigten Betriebsabläufen voraussichtlich keine wesentlichen neuen Auswirkungen haben werden“. Sie wiesen darauf hin, „dass die Auswirkungen durch die im Rahmen der Genehmigung vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen wirksam bewältigt würden, die alle gesetzlichen Anforderungen der geltenden Bergbauvorschriften erfüllen oder übertreffen müssen“. Kurzum: „Die Minister sind überzeugt, dass Umwelt- und Sicherheitsaspekte von technischen Experten gründlich geprüft wurden“, so die Regierungsbekanntgabe.
Und dann kommt es: „Im Rahmen seiner Prüfung der Änderung hat das EAO die Williams Lake First Nation und die Xatśūll First Nation konsultiert und sich um einen Konsens mit ihnen bemüht. Die First Nations nahmen am Bergbau-Prüfungsausschuss teil und brachten ihre Stellungnahmen zum Berichtsentwurf und zu den vorgeschlagenen Genehmigungsauflagen ein“, heißt es eher lapidar (siehe hier).
Die Vancouver Sun berichtet eine ein wenige differenzierte Geschichte dazu (nachzulesen hier): Die indigene Xatśūll First Nation, zu deren traditionellem Gebiet die Mount-Polley-Mine gehört, hat sich in der Vergangenheit gegen die Genehmigung zur Erhöhung ausgesprochen und dabei auf die Gefahr eines weiteren Dammbruchs in diesem Gebiet sowie auf ihrer Ansicht nach bestehende Informationslücken im Antrag der Mount Polley Mining Corp. verwiesen.
(Auch GegenStrömung hatte in der Vergangenheit berichtet: siehe hier).
Nach der Bekanntgabe der Erhöhungsentscheidung für Mount Polley um ganze 13 Meter am Donnerstag Nachmittag (Ortszeit) setze sich am gestrigen Freitag die Vancouver Sun in Verbindung mit den Xatśūll First Nations, die in der Vergangenheit gegen eine Erhöhung von Mount Poley justisch eingeschritten waren. Die Vancouver Sun berichtet: „Ein Sprecher der Xatśūll stand am Freitag für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung, bezeichnete das Genehmigungsverfahren jedoch in einem Schriftwechsel mit dem Amt für Umweltverträglichkeitsprüfungen als einen Vorstoß nach dem Motto „Erst genehmigen, dann prüfen“.
Hinzu komme, so die Vancouver Sun, dass im Jahr 2025 die Xatśūll-First Nation einen Antrag einreichte, mit dem sie die Aufhebung der Genehmigungen für den Ausbau von Mount Polley beantragte. Diese Klage wurde im August 2025 vom Obersten Gerichtshof von British Columbia abgewiesen. Die Vertreter:innen der Xatśūll-First Nation haben gegen diese Entscheidung aber Berufung eingelegt. Aber im jüngsten Finanzbericht von Imperial Metals wurde darauf hingewiesen, so zitiert es die Vancouver Sun, dass die Xatśūll in diesem Fall keine einstweilige Verfügung beantragen. Jedoch, so die Zeitung: „Eine Anhörung zu dieser Angelegenheit wird für den 22. und 23. Oktober dieses Jahres erwartet.“
Der Streit und Kampf um Mount Polley und um die von der Mine ausgehenden Gefahren sowie die Frage nach den Rechten der First Nations werden weitergehen, so viel ist sicher.






