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	<title>Amazonas &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Amazonas &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Alles fliesst &#8211; in Amazonien bald nicht mehr so</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/alles-fliesst-in-amazonien-bald-nicht-mehr-so/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 11:01:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
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					<description><![CDATA[In Brasília wird der Ausbau von auch amazonischen Flüssen zu Wasserstraßen für den kostengünstigeren Transport von Soja, Weizen, Mais und Mineralstoffen nun doch schubartig vorangetrieben &#8211; lokale Gemeinschaften von Indigenen und Flussanwohner:innen sind entsetzt und kündigen heftigen Widerstand an. Von Christian Russau Das investigative Portal Amazônia Real veröffentlichte gestern eine umfangreiche Hintergrundrecherche zum von Brasília&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>In Brasília wird der Ausbau von auch amazonischen Flüssen zu Wasserstraßen für den kostengünstigeren Transport von Soja, Weizen, Mais und Mineralstoffen nun doch schubartig vorangetrieben &#8211; lokale Gemeinschaften von Indigenen und Flussanwohner:innen sind entsetzt und kündigen heftigen Widerstand an.</strong></em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Das investigative Portal <a href="https://amazoniareal.com.br/lula-planeja-privatizar-tres-hidrovias-da-amazonia/" target="_blank" rel="noopener">Amazônia Real veröffentlichte gestern eine umfangreiche Hintergrundrecherche</a> zum von Brasília geplanten massiven Ausbau von Wasserstraßen in Brasilien, darunter auch in Amazonien. Demnach unterzeichnete die Regierung Lula am 28. August dieses Jahres das <a href="https://www.planalto.gov.br/ccivil_03/_ato2023-2026/2025/decreto/D12600.htm" target="_blank" rel="noopener">Dekret Nr. 12.600</a>. Schon der Titel dieses Dekrets spricht Bände: Das Dekret &#8222;[r]egelt die Aufnahme öffentlicher Bundesprojekte im Bereich der Wasserstraßen in das Nationale Entstaatlichungsprogramm.&#8220; Damit wird die Umsetzung der neuen Politik zur Vergabe von Konzessionen für die Flüsse des Landes an den Markt &#8211; also eine neoliberale Privatisierung der Flüsse, so Kritiker:innen &#8211; einen Schritt weiter vorangebracht, und, besonders brisant: den Anfang dabei macht Amazonien.</p>
<p>Denn der Text des Dekrets bezieht explizit die Wasserstraßen der Flüsse Tapajós und Tocantins in Pará sowie den Rio Madeira in Amazonas und Rondônia in das Nationale Privatisierungsprogramm (kurz PND) mit ein. Das Projekt, mehr als 3.000 Kilometer schiffbare Abschnitte der Amazonasflüsse an die Privatwirtschaft zu übergeben, dient aber &#8211; so viel ist laut den Kritiker:innen eindeutig klar &#8211; den Interessen der Agrarindustrie und anderer Wirtschaftssektoren.</p>
<p><strong>Wo läge der wirtschaftliche Vorteil?</strong> Der Fall der geplanten Schiffbarmachung des amazonischen Tapajós-Fluss macht es klar (siehe hierzu auch: &#8222;<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/staudamm-schiene-schnitzel/" target="_blank" rel="noopener">Staudamm, Schiene, Schnitzel</a>&#8222;): Sollten die Wasserstraßenprojekte wie beispielsweise im Tapajós-Becken wie geplant realisiert werden, so erklären die Soja-Farmer:innen und ihre <em>ruralista</em>-Lobby im Nationalkongress schon lange explizit, dann würde dem brasilianischen Agrobusiness eine Kostenersparnis von satten 41 Prozent beim Transport ihrer Produkte blühen. Denn: Bislang, so klagen Soja-Farmer:innen vor allem im zentral gelegenen Mato Grosso, hätten sie bis zu viermal höhere Logistikkosten pro Tonne Soja als ihre Konkurrenten im Mittleren Westen der USA. Die geplanten Infrastrukturprojekte am Tapajós würden die Logistikkosten enorm senken und den Anbau von Soja im großen Stil in Regionen lohnenswert machen, die bislang von der Expansion der Agrarindustrie verschont geblieben waren. Dies würde brasilianische Agrargüter (und Mineralien) noch mehr auf dem Weltmarkt reüssieren lassen &#8211; zum Leidwesen der lokal von der Ausweitung der Agrargrenze und des Bergbaus in den An- und Abbaugebieten Betroffenen ebenso wie zum Leidwesen der lokal vom Wasserstraßenausbau Betroffenen.</p>
<p>Im Falle des Tapajós &#8211; so hatten bereits frühere Proteste um das Jahr 2016 gegen den damals noch geplanten Staudamm São Luiz do Tapajós (der Mitte 2016 am erbitterten Widerstand der Indigenen Munduruku scheiterte und von der Bundesumweltbehörde ad acta gelegt wurde) gezeigt &#8211; wurde klar, dass es beispielsweise am Tapajós nicht nur um Energieproduktion geht: Mit den Staudämmen sollten auch Transportwege ausgebaut werden: Sie sollten dazu beitragen, den Flusslauf zu regulieren und ihn so schiffbar zu machen. Dadurch sollen Wasserstraßenrouten für den Transport von Rohstoffen aus dem Bundesstaat Mato Grosso geschaffen werden. Die Staumauern würden dafür sorgen, dass Stromschnellen überflutet werden. Vier Schleusen sollten laut den damaligen Planungen am Tapajós entstehen, sechs am Teles Pires. Dann könnten dann auch größere Schiffe diese Regionen erreichen. Dazu sollen die Häfen in Santarém, Mirituba, Itaituba, Santana und Barcarena noch weiter ausgebaut werden. So würden die Infrastrukturprojekte nicht nur Energie liefern, sondern eben auch den kostengünstigen Transport von Rohstoffen bis an den Atlantik &#8211; und darüber hinaus &#8211; ermöglichen.</p>
<p>Am Vorabend der COP30 in Belém warnen nun Indigene und Umweltschützer:innen zum wiederholten Male &#8211; laut der Hintergrundrecherche von Amazônia Real &#8211; vor den sozialen Folgen und Umweltauswirkungen eines solchen Wasserstraßenbaus in Amazonien und prangerten die mangelnde Konsultation der betroffenen Indigenen Bevölkerung an, die ja eigentlich durch die ILO-Konvention Nr. 169 vorgeschrieben ist.</p>
<p><strong>Wie soll der Ausbau der Wasserstrassen in Amazonien vonstatten gehen und welche Ausmaße hätte dies?</strong> Das Projekt der Wasserstraße des Tapajós-Flusses umfasst etwa 250 Kilometer geplante schiffbare Strecke zwischen den Gemeinden Itaituba und Santarém im Bundesstaat Pará. Auf dem Tocantins-Fluss soll die Strecke sich über 1.731 Kilometer zwischen Belém (PA) und der Gemeinde Peixe (TO) erstrecken. Die Wasserstraße des Madeira sieht die Schifffahrt zwischen Porto Velho (Rondônia) und Itacoatiara (Amazonas) vor und verbindet sich mit dem Amazonas auf einer geschätzten Strecke von 1.075 Kilometern. Die Abschnitte durchqueren dabei Quilombola-, Flussufer- und Indigenengebiete sowie Naturschutzgebiete, so der gestrige Bericht von Amazônia Real.</p>
<p>Jedoch: Die spezifischen Studien für die Konzession der Wasserstraße Tapajós sind noch nicht abgeschlossen. Die Regierung behauptet jedoch, dass vorläufige Analysen der Bundesbehörde für Transport-Infrastruktur Dnit darauf hindeuteten, dass der Fluss das Potenzial sowohl für die Transportschifffahrt zwischen Häfen des eigenen Landes als auch für große Überseetanker als direkter Verbindung zu internationalen Häfen habe &#8211; sofern &#8211; so zitiert es Amazônia Real &#8211; &#8222;Korrekturbaggerarbeiten und Vertiefungsarbeiten&#8220; durchgeführt werden. Kein Wort von Schleusen, kein Wort davon, dass mit dem Bau von Schleusen dann auch wiederum die Gefahr des wohlfeilen Arguments des vermeintlich volkswirtschaftlich &#8222;sinnvollen&#8220; Baus von Staudämmen auch zur Energiegewinnung steigt, denn wenn man dann künftig schon Schleusen baut, dann käme mit der Schiffbarmachung des Tapajós wohl auch wieder der alte Plan des São Luiz do Tapajós wieder aufs politische Tapet. Nicht auszuschließen.</p>
<p>Jedenfalls, <strong>das Dekret 12.600 schreckt die Indigenen und Flussanwohnenden vor Ort auf</strong>. &#8222;Wir fühlen uns in unseren Rechten verletzt. Die indigenen Völker an den Ufern des Tapajós-Flusses wurden nicht angehört&#8220;, erklärte Lucas Tupinambá, stellvertretender Koordinator des Indigenenrats Tapajós und Arapiuns (Cita), der 14 indigene Völker des Unterlaufs des Tapajós-Flusses vertritt, gegenüber Amazônia Real. &#8222;Diese Wasserstraße ist nicht für uns, sie ist für Soja, sie ist für die großen internationalen Transportunternehmen. Was ist das für eine Entwicklung ohne die Beteiligung der Flussanrainer, der Fischer, der Indigenen? Was ist das für eine Entwicklung, die die Mutter der Fische tötet, die für uns Heiligste, nämlich die Flüsse, tötet?&#8220;, fragte Alessandra Korap Munduruku in ihren sozialen Netzwerken. &#8222;Die COP30 steht vor der Tür, aber wir sehen bereits jetzt, welche großen Vereinbarungen mit den großen Unternehmen getroffen werden.&#8220; Auricélia Arapiun, indigene Führerin des Volkes der Arapiun, Mitglied des Beratungsgremiums der Koordinierungsstelle der indigenen Organisationen des brasilianischen Amazonasgebiets (Coiab) und Koordinatorin des Verwaltungsausschusses der Nationalen Politik für die territoriale und ökologische Verwaltung indigener Gebiete (CG-PNGATI), betrachtet Präsident Lulas Dekret als direkten Angriff auf die Rechte traditioneller Völker, so wird sie von Amazônia Real zitiert: &#8222;Eine solche Nachricht von denen zu erhalten, die unsere Flüsse schützen sollten, die den gesamten Gesetzentwurf zur Zerstörung hätten ablehnen müssen, ist für uns indigene Völker, die vom Amazonasgebiet leben und davon abhängig sind, ein Schlag, dies ist ein Verrat. Es ist, als würde man uns in den Rücken fallen. Der Bau von Wasserstraßen passt nicht zu der Realität, in der wir leben. Es ist, als würde die brasilianische Regierung gegen den Kampf gegen die Klimakrise arbeiten.&#8220;</p>
<p>Hinzu kommt: Der Abschnitt des Tapajós-Flusses zwischen den Städten Itaituba und Santarém werde bereits jetzt schon durch den zunehmenden Transport von Agrarprodukten bedroht: &#8222;Die zunehmende Zahl großer Lastkähne, die auf dem Tapajós-Fluss an den Ufern unserer Gebiete vorbeifahren, hat direkte Auswirkungen auf unsere Lebensgrundlage, die Fischerei, und auch auf die Orte, an denen sich Fische und Schildkröten fortpflanzen&#8220;, beklagte Lucas Tupinambá gegenüber Amazônia Real. Und Auricélia Arapiun erklärte im Gespräch mit Amazônia Real, dass der Tapajós-Fluss vielfältigen Belastungen ausgesetzt sei, darunter Quecksilberverschmutzung, Staudamm- und Wasserkraftwerksprojekte, Häfen, die für den Transport von Agrarprodukten gebaut wurden, sowie die Auswirkungen von Pestiziden und schweren Dürren.</p>
<p><strong>Für die Indigenen verstärken die zusätzlichen künftigen Konzessionsprojekte eine Logik, die das Leben der Amazonasvölker missachtet</strong>: &#8222;Die Privatisierung des Flusses und der Bau von Wasserstraßen ist nicht für uns, sie ist nicht auf uns ausgerichtet, sie ist nicht auf unsere Bootsfahrten ausgerichtet, sie ist nicht darauf ausgerichtet, wie sehr wir für unseren Lebensunterhalt von diesem Fluss abhängig sind. Sie ist für die Agrarindustrie, für die großen Unternehmen, um deren Leben zu erleichtern, nicht unseres&#8220;, so zitiert Amazônia Real in ihrem Hintergrundbericht die Botschaft der Indigenen an die Welt.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Munduruku-Gebiet Sawré Muybu als Indigenes Territorium endlich demarkiert</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/munduruku-gebiet-sawre-muybu-als-indigenes-territorium-endlich-demarkiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Oct 2024 09:35:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Munduruku-Gebiet Sawré Muybu liegt am Tapajós-Fluss im brasilianischen Bundesstaat Pará, im Herzen Amazoniens. Politik und Unternehmen ebenso wie Goldgräber:innen und Holzfäller:innen haben seit Langem ein Auge auf dieses Gebiet geworfen, die Regierung und Unternehmen wollten dort den São Luiz do Tapajós-Staudamm errichten, der Tapajós soll schiffbar für die Soja- und Bergbauerzkähne gemacht werden, die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="parent-fieldname-text" class="">
<p><em>Das Munduruku-Gebiet Sawré Muybu liegt am Tapajós-Fluss im brasilianischen Bundesstaat Pará, im Herzen Amazoniens. Politik und Unternehmen ebenso wie Goldgräber:innen und Holzfäller:innen haben seit Langem ein <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/munduruku-sagen-nein-zu-bergbau-landwirtschaft-und-wasserkraftwerken-in-ihrem-territorium/" target="_blank" rel="noopener">Auge auf dieses Gebiet geworfen</a>, die Regierung und Unternehmen wollten dort den <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/umweltlizenzverfahren-fuer-staudamm-am-tapajos-gestoppt" target="_blank" rel="noopener">São Luiz do Tapajós-Staudamm</a> errichten, der <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/staudamm-schiene-schnitzel" target="_blank" rel="noopener">Tapajós soll schiffbar für die Soja- und Bergbauerzkähne</a> gemacht werden, die gleichen land- und bergbauwirtschaftlichen Produkte sollen über die <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/munduruku-wehren-sich-gegen-den-geplanten-bau-der-bahnlinie-ferrograo/" target="_blank" rel="noopener">Bahnlinie Ferrogrão</a> transportiert werden, ebenfalls in direkter Nähe des Munduruku-Gebietes und die garimpeiros ebenso wie die Holzfäller dringen in das Gebiet seit Jahren illegal ein, roden, verschmutzen und verseuchen Land und Wasser mit Quecksilber. Doch nach dem <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brief-der-munduruku-vom-oberen-und-mittleren-tapajos-und-vom-unteren-teles-pires/" target="_blank" rel="noopener">jahrelangen Widerstand</a> und Kampf der Munduruku ist das Gebiet von Sawré Muybu endlich demarkiert worden<a href="https://www.gov.br/funai/pt-br/assuntos/noticias/2024/ministerio-justica-declara-posse-da-terra-indigena-sawre-muybu-pa-ao-povo-munduruku" target="_blank" rel="noopener">endlich demarkiert worden</a>. Ein großartiger Erfolg der Munduruku!</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Am 25. September dieses Jahres wurde in Brasília ein großer Sieg errungen. Denn an diesem Tag ordnete der Justizminister Ricardo Lewandowski die Demarkierung des indigenen Landes der Munduruku in Pará an. Justizminister Ricardo Lewandowski bestätigte die Demarkation des indigenen Landes Sawré Muybu im Einzugsgebiet des Flusses Tapajós in Pará. Mit dieser Entscheidung dürfte ein 17-jähriger Kampf des Munduruku-Volkes um die Demarkation beendet werden, der durch den Vormarsch von Soja, illegalen Bergbau und den Bau der Ferrogrão-Eisenbahn und stets durch neue Staudammprojekte bedroht ist.</p>
<p>Der Streit dauert seit 2007 an, als Fachleute mit der Durchführung von Studien zur Abgrenzung des Gebiets beauftragt wurden. Im Jahr 2016 wurde die Dokumentation zur Demarkation genehmigt. Seitdem warten die Munduruku auf die Demarkation, was in den letzten fünf Jahren zu Protesten geführt hat. Im vergangenen Jahr hatte die <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/bundesstaatsanwaltschaft-mpf-justizministerium-muss-sawre-muybu-als-terra-indigena-demarkieren" target="_blank" rel="noopener">Bundesstaatsanwaltschaft dem Justizministerium 60 Tage Zeit gegeben</a>, um den Ministerialerlass zur Demarkation endlich zu unterzeichnen. Es dauerte noch rund ein Jahr, doch nun ist es vollbracht: Sawré Muybu ist ein demarkiertes Indigenes Territorium. Mit Lewandowskis Entscheidung hängt die Fertigstellung nun davon ab, dass die Zivilkammer die Genehmigung formalisiert und das Gebiet per Präsidialunterschrift homologisiert wird.</p>
<p>Alessandra Korap Munduruku befand sich auf Einladung der <a href="https://www.aswnet.de/themen/brasilien/indigene-munduruku-von-goldabbau-und-duerre-betroffen" target="_blank" rel="noopener">Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW)</a> gerade in Genf, als die Botschaft der Demarkation von Sawré Muybu sie erreichte. Wir dokumentieren hier die deutschsprachige Übersetzung <a href="https://www.instagram.com/reel/DAWt_oHt7om/?igsh=aDIyeTdqZmhtaTRk" target="_blank" rel="noopener">ihrer Rede</a>:</p>
<p>„Der Ministerialerlass ist unterschrieben worden. Das ist eine gute Nachricht!. Ich bin hier gerade in Europa, in Genf, aber wenn ich in Kürze zurückfahre, dann werde ich dort bei den Meinen sein! Es war ein langer Kampf, so vieles, was wir in die Wege geleitet haben: Wir haben die <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/bedroht-durch-goldgraeber-und-grossprojekte-indigene-munduruku-nehmen-die-sache-selbst-in-die-hand/" target="_blank" rel="noopener">Auto-Demarkation vorangetrieben</a>, wir haben Druck auf das Justizministerium ausgeübt, auf die Indigenenbehörde FUNAI, da haben wir sehr viel Druck ausgeübt, viel Kampf, wir haben <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/landkonflikte-umwelt/belo-monte/belo-monte-staudamm-indigene-wollen-sich-raeumung-widersetzen" target="_blank" rel="noopener">viele Besetzungen gemacht</a>, um zu sagen, dass dieses Territorium unseres ist! Als die Regierung damals entschied, den Staudamm São Luiz do Tapajós bauen zu wollen, da haben wir Munduruku mit der Bewegung Ipereg Ayu beschlossen, in den Kampf zu ziehen, um unser Territorium zu verteidigen und um zu zeigen, dass niemand, nicht einmal die [brasilianische] Bundesregierung dort einfach so ein Wasserkraftwerk auf unserem Gebiet errichten darf. Auch wenn die Regierung sagte, das sei nicht unser Land, so ist es doch unseres!</p>
<p>Deshalb haben wir die Auto-Demarkation gemacht, deshalb <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/traditionelle-voelker-gemeinschaften/wie-die-munduruku-das-protokollverfahren-zur-konsultation-wollen" target="_blank" rel="noopener">haben wir ein Konsultationsprotokoll erstellt</a>. In den Jahren 2013/2014 da kamen sehr viel Polizeieinheiten und sehr viele Forscher in unser Gebiet. Und unser Volk war sehr schlau, dass wir diesen den Eintritt verwehrten.</p>
<p>Ich bin sehr, sehr dankbar Allen, die an den Kampf des Volkes [der Munduruku] glauben. Ich bin sehr, sehr dankbar allen <em>Caciques</em>, allen <em>Pajés</em>, die mich immer gelehrt haben, dass wir dem Wald zuhören müssen, dass wir unseren Vorfahren zuhören müssen, die seit Tausenden von Jahren hier lebten. Ich habe sehr viel gelenrt von der Kraft dieser Frauen, die kämpfen, meine Kraft kommt von den Kämpferinnen, von den <em>Caciques</em>.</p>
<p>Ich bin auch sehr dankbar für unsere Jugend. Ich möchte allen gratulieren, aber auch sagen, obwohl wir jetzt die Demarkation haben, so wissen wir doch und wir werden es nie akzeptieren, wenn die Regierung etwas gegen uns macht. Heute leidet mein Volk unter den Waldbränden, unter der herrschenden Dürre, unsere Brunnen trocknen aus. So droht uns das Schiicksal, dass unsere Heimat doch irgendwann das Haus der Reichen, der weißen Männer mit viel Geld wird. Dagegen brauchen wir dringend Politiken der öffentlichen Hand in und für unser Territorium, wir brauchen Brunnen, Schulen, all dies ist unser Recht und unsere Rechte werden wir niemals veräußern.</p>
<p>Aber ich bin, als Alessandra, sehr glücklich, Teil dieses ganzen Kampfes zu sein, und ich höre immer unseren Anführern zu, so wie auch diese mich anhören, und im Gespräch fragen wir uns, ob dies oder das nun das Richtige ist, und dann sage ich manchmal, ich denke anders, dann sprechen sie und raus kommt dann eine noch bessere Meinung als nur die meine, meine bescheidene Meinung. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Munduruku-Regierung zu sein, dieses kriegerischen Volkes &#8211; und nicht Teil einer Regierung der Stadt zu sein, die sich umsonst verraten und verkaufen lässt. Kritik üben ist wichtig, und das tue ich viel und oft, und wenn meine <em>parentes</em> sprechen, dann höre ich zu, immer werde ich ihnen zuhören, ich werde nie auf andere hören, von der anderen Seite, weil die nicht unsere Realität kennen. Ich möchte mich bei Allen von ganzem Herzen bedanken.<br />
Sawé!“</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Neue Studie: Geplanter Staudamm Bem Querer am Rio Branco in Roraima &#8222;eines der ineffektivsten&#8220; Wasserkraftwerke</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/neue-studie-geplanter-staudamm-bem-querer-am-rio-branco-in-roraima-eines-der-ineffektivsten-wasserkraftwerke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Jun 2024 15:53:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Bem Querer]]></category>
		<category><![CDATA[Roraima]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Christian Russau Im nordbrasilianischen Bundesstaat Roraima wird seit dem Jahr 2007 der Bau eines Staudamms am größten Fluss des Bundesstaates, Rio Branco, geplant. das 650-MW-Wasserkraftwerk Bem Querer. Dieses würde samt Staureservoir einen 130 Kilometer langen und 519 Quadratkilometer großen See im Rio Branco bilden. Zum Vergleich: der Stausee von Belo Monte am Xingu-Fluss umfasst&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Im nordbrasilianischen Bundesstaat Roraima wird seit dem Jahr 2007 der Bau eines Staudamms am größten Fluss des Bundesstaates, Rio Branco, geplant. das 650-MW-Wasserkraftwerk <a href="https://www.epe.gov.br/pt/publicacoes-dados-abertos/publicacoes/story-map-da-uhe-bem-querer" target="_blank" rel="noopener">Bem Querer</a>. Dieses würde samt Staureservoir einen 130 Kilometer langen und 519 Quadratkilometer großen See im Rio Branco bilden. Zum Vergleich: der Stausee von Belo Monte am Xingu-Fluss umfasst 516 Quadratkilometer, bei einer propagierten Höchstnominalkapazität von 11 GW, die jedoch im <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/belo-monte-produziert-nun-viel-oder-wenig-strom/" target="_blank" rel="noopener">Jahresdurchschnitt deutlich unterboten werden</a>.</p>
<p>Die Energie würde nicht nur für Roraima, sondern auch für die Landeshauptstadt des Bundesstaates Amazonas, Manaus, sein; denn dort musste unlängst zur Stabilisierung der Stromversorgung ein 700-MW-Gaskraftwerk in Betrieb gesetzt werden. Doch nun hat das Netzwerk Fórum de Energias Renováveis de Roraima eine umfassende Studie vorgelegt, die belegen soll, dass der geplante Staudamm Bem Querer am Rio Branco in Roraima &#8222;eines der ineffektivsten&#8220; Wasserkraftwerke überhaupt wäre.</p>
<p>Die Umweltaktivist*innen und Wissenschaftler*innen, die sich <a href="https://energiasroraima.com.br/quem-somos/" target="_blank" rel="noopener">2019 zu dem Netzwerk zusammenschlossen</a>, veröffentlichten ihre jüngste <a href="https://energiasroraima.com.br/e-book-hidroeletrica-do-bem-querer-uma-usina-de-risco/" target="_blank" rel="noopener">Studie als E-Book</a>. Das Netzwerk sieht enorme Risiken und Unwägbarkeiten des Projekts, wie z. B. die Risiken im Zusammenhang mit dem Ausmaß des Hochwassers und dem Anstieg des Grundwasserspiegels. So weisen die Autor*innen der Studie des Netzwerks Netzwerk Fórum de Energias Renováveis de Roraima darauf hin, dass durch den Bau des Stauwerks Bem Querer weite Gebiete überschwemmt werden würden, darunter Wälder, städtische und ländliche Gebiete, landwirtschaftliche Betriebe und indigene Gebiete. Der Bau des Staudamms samt Stausee würde einen Anstieg des Grundwasserspiegels vor Ort bewirken und damit die Gefahr damit einhergehender Zunahme der Überschwemmungen, insbesondere in der Landeshauptstadt Boa Vista, erhöhen.</p>
<p>Die Analyse der Umweltaktivist*innen geht zudem davon aus, dass es zu wirtschaftlichen Verlusten im Überschwemmungsgebiet mit Auswirkungen auf Landwirtschaft, Straßen, Tourismus, Fischerei, Freizeit kommen werde. Als schwerwiegend wird auch die Gefahr der Zerstörung der Stromschnellen im Fluss angesehen sowie die Bedrohung für die rund 130 Kilometern Stränden und Sandflächen am Fluss angesehen. Dabei bedeute der Staudamm Bem Querer &#8211; so die Umweltaktivist*innen &#8211; ein hohes hydrologisches Risiko, da in den zunehmenden Trockenphasen somit nur geringe bis hin zu gar keiner Energieerzeugung während der Trockenzeit drohe. Hinzu kämen die hohen Methangasemissionen aus dem Stausee der Anlage. Und nicht nur werde der Transport auf dem Rio Branco für die lokale Bevölkerung, die den Fluss als Lebensader nutzt, unterbrochen für Boote, sondern auch die Fischpopulationen gerieten durch den Bau in Gefahr, da ihnen die Flusswanderung zu ihren Laichgründen abgeschnitten werde.</p>
<p>Für die lokale Bevölkerung, die oft vom Fischfang lebt, hätte dies erhebliche sozioökonomische Auswirkungen wie eine Verschlechterung der Gesundheitssituation, der Sicherheitsfrage, der Bildung, Lebenshaltungskosten und anderen Indikatoren, so die Studienautor*innen. Hinzu komme, dass Staudämme Sedimente zurückhalten, deren Verbringung flussabwärts normalerweise für Nährstoffeintrag flussabwärts sorgt. Ein weiteres Problem der Rückhaltung von Sedimenten im Stausee bewirkt, so die Erfahrungen vieler anderer Staudämme wie Santo Antonio, Jirau und anderen, dass die Sedimentablagerung vor dem Stauwerk die Energieausbeute der Leistung des Staudamms reduziert, was teure Ausbaggerungsarbeiten erfordert. Um das zu verhindern, setzen Staudammbefürworter*innen oft auf die perfide Taktik, den Bau weiterer Staudämme stromaufwärts zu propagieren, denn dann blieben die Sedimente dort hängen und müssten nicht teuer bei der eigenen Anlage abgebaggert werden. Günstig ist es dann, wenn diese flussaufwärts errichteten Staudämme andere Eigner haben, die sich dann mit dem Problem herumschlagen müssen. In der Endsumme folgen meist weitere Staudammbauten, sobald der erste in einem Fluss errichtet wurde. keine schönen Aussichten für Natur und Mensch vor Ort.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Proteste traditioneller Gemeinschaften gegen binationales Wasserkraft- und Wasserstraßenprojekt am Rio Madeira zwischen Brasilien und Bolivien</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/proteste-traditioneller-gemeinschaften-gegen-binationales-wasserkraft-und-wasserstrassenprojekt-am-rio-madeira-zwischen-brasilien-und-bolivien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2024 08:47:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
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		<category><![CDATA[Rio Madeira]]></category>
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					<description><![CDATA[Foto: Symbolbild frei fließende Flüsse. Foto: Verena Glass Im November 2016 unterzeichneten Brasilien und Bolivien im Rahmen eines Abkommens zwischen den teilstaatlichen Unternehmen Eletrobras, ENDE und CAF ein Abkommen über die erste Phase des binationalen Wasserkraftprojekts im Rio Madeira an der Grenze von Bolivien und Brasilien. Dort soll der rechte Amazonas-Zufluss mit seinen Weißwassermengen künftig&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Foto: Symbolbild frei fließende Flüsse. Foto: Verena Glass</p>
<p><em>Im November 2016 unterzeichneten Brasilien und Bolivien im Rahmen eines Abkommens zwischen den teilstaatlichen Unternehmen Eletrobras, ENDE und CAF ein Abkommen über die erste Phase des binationalen Wasserkraftprojekts im Rio Madeira an der Grenze von Bolivien und Brasilien. Dort soll der rechte Amazonas-Zufluss mit seinen Weißwassermengen künftig neben den bereits bestehenden großen Wasserkraftwerke Jirau und Santo Antônio noch ein weiteres Wasserkraftwerk, Ribeirão genannt, bekommen, das aus insgesamt zwei Staumauern bestehen soll und dergestalt nicht nur zur Stromgewinnung in Höhe einer Nominalkapazität von 3,7 GW, sondern auch zur Wasserpegelangleichung und mittels an den dann insgesamt vier Staumauern am Rio Madeira (bei Jirau, Santo Antônio je eine, bei Ribeirão zwei) einzubauenden Schleusen den Rio Madeira von Porto Velho aufwärts endlich schiffbar zu machen &#8211; ein alter Traum der Sojaexporteure aus dem neuen Boomgebiet AMACRO (die Abkürzung steht für die jeweiligen Anfangsbuchstaben der Bundesstaaten Amazonas, Acre und Rondônia). Doch traditionelle Gemeinschaften befürchten, mal wieder übergangen zu werden und protestieren. Dies berichten die Journalist:innen von <a href="https://oeco.org.br/reportagens/povos-tradicionais-se-articulam-contra-hidreletrica-binacional-no-madeira/" target="_blank" rel="noopener">OECO.org.br</a>.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Es war die international agierende Consulting Worley Parsons, die die Umweltverträglichkeitsprüfung durchführte sowie die Auswahl des besten Standortes für den am Rio Madeira zu errichtenden Staudamm Ribeirão festlegte. Worley Parsons ist Aktivist:innen, die sich um Biodiversität und Menschenrechte beim Bau von Großstaudämmen sorgen, keine Unbekannte, war Worley Parsons doch in der Vergangenheit an der Planung von zwei der heftigst umkämpften Staudammprojekte, <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/die-unertraegliche-leichtigkeit-der-umweltvertraeglichkeitspruefungen" target="_blank" rel="noopener">Belo Monte und São Luiz do Tapajós, beteiligt</a>. Worley Parsons begutachtete also und schlug als Ort für den besten Standort für das Kraftwerk im Hinblick auf die Realisierungskosten, den energetischen Nutzen sowie die positiven und negativen sozio-ökologischen Auswirkungen den Zusammenfluss von Rio Ribeirão (daher der Name für das Wasserkraftwerk) und Rio Madeira bei Nova Mamoré im brasilianischen Bundesstaat Rondônia und Nueva Esperanza in Bolivien errichtet werden.  Ribeirão hätte eine Kapazität von 3.772 MW &#8211; mehr als die Wasserkraftwerke Jirau und Santo Antônio.</p>
<p>Der zweite Staudamm soll am Zusammenfluss von Rio Yata und Rio Mamoré in Guajará-Mirim in Rondônia und Guayaramerín in Bolivien errichtet werden, um großen Schiffen die Fahrt vom oberen Rio Madeira nach Porto Velho zu ermöglichen. Dazu müsste das Flussbett ausgehoben werden, um Kanäle in den Abschnitten von Guajará-Mirim und im Bezirk Araras in Nova Mamoré zu bilden, und es müssten Schleusen an den Staudämmen von Ribeirão und Yata errichtet werden. Außerdem werden Schleusen an den Kraftwerken Jirau und Santo Antônio benötigt. Die Madeira-Wasserstraße ist derzeit 1.060 Kilometer lang und führt von Porto Velho nach Itacoatiara am Amazonas, durch die fast ein Zehntel des brasilianischen Binnenschiffsverkehrs fließt. Und der Hauptteil der Ladung: Soja, Soja, Soja.</p>
<p>Es wird mit einer Überflutungsfläche von 319 Quadratkilometern gerechnet (176 Quadratkilometer in Bolivien und 143 Quadratkilometer in Brasilien), von der schätzungsweise 4.000 Menschen betroffen sein werden, berichtet Oeko.org.br. Überflutet würden Gebiete in den Naturschutzgebieten Rio Ouro Preto und Rio Pacaás Novos in Rondônia sowie in den Schutzgebieten Arroyo Las Arenas, Lago San José und Reserva Silvestre Flüsse Tahuamanu und Orthon in Bolivien. Ebenfalls betroffen wären der Bahnhof von Iata, eine historische Stätte in Guajará-Mirim, und das Ramsar-Gebiet Rio Yata in Guayaramerín, eine Region im Mamoré-Becken, in der 24 bedrohte Wirbeltierarten, wie der Riesenotter, leben, so OEKO.</p>
<p>João Dutra, Mitglied des Nationalen Menschenrechtsrates der Bewegung der von Staudämmen Betroffenen MAB, wird von OEKO.org.br zitiert, dass die Studien &#8222;einseitig&#8220; durchgeführt wurden. &#8222;Guajará-Mirim galt einst als die grünste Gemeinde Brasiliens. Ein großer Teil davon ist Wald und traditionelles Gemeindeland&#8220;, sagt Dutra, &#8222;sie präsentieren das Projekt in einer sehr schönfärnbenden Art und Weise, ohne das Ausmaß der Probleme aufzuzeigen, die es für den Bauherrn mit sich bringen könnte.&#8220; Damit das binationale Wasserkraftwerksprojekt auf Madeira in Angriff genommen werden kann, müssen die Bestandsstudien von beiden Ländern genehmigt werden. Wenn dies der Fall ist, müssen Brasilien und Bolivien neue Abkommen unterzeichnen, um die nächste Phase durchzuführen, die eingehende technische, sozio-ökologische und wirtschaftliche Studien umfasst und schätzungsweise sechs Jahre dauern wird.</p>
<p>Doch es gibt Gegenwind. Auf einer öffentlichen Veranstaltung, organisiert von Eletrobras, der bolivianischen Empresa Nacional de Electricidad (ENDE) und der lateinamerikanischen Entwicklungsbank Banco de Desenvolvimento da América Latina CAF, die am 8. August 2023 in Guajará-Mirim in Rondônia stattfand, wurden die sogenannten Umweltfolgenstudien vorgetragen, als 40 Protestierende von traditionellen Gemeinschaften lautstark ihrem Ärger und Besorgnisse über das binationale Projekt zum Ausdruck brachten: “Não à hidrelétrica Ribeirão! Águas para a vida, não para a morte!” &#8211; Nein zum Wasserkraftwerk Ribeirão! Wasser für das Leben, nicht für den Tod!&#8220;. Dies berichtet OEKO ebenfalls in ihrer unlängst erschienenen Reportage. Die von Ribeirão in Zukunft betroffenen traditionellen Gemeinschaften fürchten die Umweltauswirkungen des Projekts auf Indigene, Sammler:innen, Fischer:innen und kritisieren, dass es bislang keine Partizipation der Betroffenen an dem Projekt gegeben hätte. OEKO berichtet über die anschließende Reaktion der Organisator:innen der Veranstaltung in Guajará-Mirim: Der Event wurde vorzeitig abgebrochen. Laut OEKO nahmen an dem Protest unter anderem Mitglieder der Indigenenvereinigung Associação Indígena Oro Wari, Fischer:innen der Colônia de Pescadores Z2 de Guajará-Mirim, Gummizapfer:innen der Organização dos Seringueiros de Rondônia (OSR) sowie Aktivist:innen des Comitê de Defesa da Vida na Bacia do Rio Madeira (Comvida) ebenso wie Vertreter:innen des Indigenenmissionrates CIMI und der Bewegung der Staudammbetroffenen MAB teil.</p>
<p>Gerônima Costa, Vorsitzende der Fischergemeinschaft Colônia Z2, erklärte gegenüber OEKO die Ursache für den Unmut der Protestierenden: &#8222;Der Typ sagte, die Studien seien schon gemacht. Wir müssetn dazu gar nicht mehr sagen. Man braucht uns nicht für die Abstimmung darüber. Die Techniker haben ihre Arbeit schon gemacht. Aber was ist das für eine Arbeit, die nicht die Gemeinschaft anhört?&#8220;</p>
<p>// Christian Russau</p>
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		<title>Brasilianische Zivilgesellschaft, Expert:innen und Umweltschützer:innen fordern Stopp neuer Wasserkraftwerke im brasilianischen Amazonasgebiet</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianische-zivilgesellschaft-expertinnen-und-umweltschuetzerinnen-fordern-stopp-neuer-wasserkraftwerke-im-brasilianoschen-amazonasgebiet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Nov 2023 20:38:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Christian Russau Mehr als 270 Organisationen, Expert:innen und Umweltschützer:innen haben ein Dokument (die Erklärung gibt es auch hier bei International Rivers auf Englisch) unterzeichnet, das einen Stopp neuer Wasserkraftwerke im Amazonasgebiet fordert: &#8222;Das Beharren auf der Rolle von Wasserkraftwerken als Quelle nachhaltiger und sauberer Energie bedeutet, das historische Erbe der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Mehr als 270 Organisationen, Expert:innen und Umweltschützer:innen haben <a href="https://oeco.org.br/wp-content/uploads/2023/11/2111-DECLARACAO-MORATORIA-HIDRELETRICAS-AMAZONIA-061123.pdf" target="_blank" rel="noopener">ein Dokument</a> (die Erklärung gibt es auch <a href="https://www.internationalrivers.org/news/more-than-270-organizations-experts-and-environmentalists-call-for-an-end-to-new-hydroelectric-dams-in-the-amazon/" target="_blank" rel="noopener">hier bei International Rivers auf Englisch</a>) unterzeichnet, das einen Stopp neuer Wasserkraftwerke im Amazonasgebiet fordert: &#8222;Das Beharren auf der Rolle von Wasserkraftwerken als Quelle nachhaltiger und sauberer Energie bedeutet, das historische Erbe der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Katastrophen zu ignorieren, die die im Amazonasgebiet gebauten Staudämme hinterlassen haben.&#8220; So heißt es in dem von mehr als 270 Organisationen der Zivilgesellschaft, Umweltschützer:innen und Expert:innen unterzeichneten Manifest, in dem ein Moratorium, d.h. die sofortige Aussetzung neuer Wasserkraftwerke im Amazonasgebiet, gefordert wird, bis die nationalen Energiepläne und die nationalen Programme zum Klimawandel und zur Energiewende überarbeitet sind.</p>
<p>Das Schreiben ist gerichtet an den brasilianischen Präsidenten, Luiz Inácio Lula da Silva, an die Umweltministerin, Marina Silva, an den Bergbau- und Energieminister, Alexandre Silveira, sowie an die Gouverneur:innen der im Amazonas-Gebiet liegenden Bundesstaaten. Das Dokument hebt die sozialen und ökologischen Auswirkungen früherer Wasserkraftprojekte hervor und verweist auf konkrete Beispiele für die große Umwelt-, Biodiversitätsschäden und auf die sozialen Folgen für die Lokalbevölkerung in der Region hin. Zur Begründung werden die negativen Folgen von Staudämmen, die in der Vergangenheit gebaut wurden, herangezogen, so z.B. der Bau des Wasserkraftwerks Balbina, des ersten großen Wasserkraftwerks im Amazonasgebiet, sowie der Staudämme von Tucuruí, Santo Antonio, Jirau, Teles Pires bis hin zum Wasserkraftwerk Belo Monte, dem letzten, das gebaut wurde.</p>
<p>Darüber hinaus werden in dem Dokument auch die zerstörerischen Auswirkungen von Kleinwasserkraftwerken auf die Region dargelegt. Der Erklärung zufolge kann eine Gruppe von sogenannten kleineren Wasserkraftwerke im selben Einzugsgebiet bis zu viermal größere Auswirkungen, da auch durch diese der Zusammenhang der natürlichen Flussläufe unterbrochen wird. &#8222;Es wird erwartet, dass sich dieser Verlust an Vernetzung durch kleine Wasserkraftwerke in Zukunft um 21 Prozent verschlimmern wird, wenn alle geplanten Vorhaben gebaut werden, was sich auf Flüsse auswirken wird, in denen mehr als 120 Arten von Wanderfischen leben &#8211; 14 von ihnen sind vom Aussterben bedroht und 20 von ihnen sind von großer Bedeutung für die kommerzielle Fischerei und die Freizeitfischerei&#8220;, so das Manifest.</p>
<p>Das Dokument zeigt auch die Notwendigkeit auf, nachhaltige Praktiken in der Region einzuführen und das brasilianische Energiepotenzial für einen sauberen Übergang mit weniger Auswirkungen auf die Regionen zu berücksichtigen. &#8222;Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise, die sich direkt auf die starken Schwankungen des hydrologischen Flusses und die Wasserknappheit auswirkt, müssen die Entscheidungen der Vergangenheit, die Brasilien zu einer fast vollständigen Abhängigkeit von der Energieerzeugung aus Wasserkraftwerken geführt haben, überprüft werden, und in sein Transitionsprogramm für den Übergang zur Energiematrix Anreize und Initiativen aufnehmen, die auf Energieeffizienz, das Repowering bestehender Wasserkraftwerke, den Ausbau von Wind-, Solar- und Biomassequellen und die Einführung dezentraler Mini- und Mikroerzeugung erneuerbarer Energien abzielen, wobei einkommensschwachen Gruppen und den am stärksten isolierten Gemeinden im Amazonasgebiet Vorrang eingeräumt wird&#8220;, so die Schlussfolgerung der Unterzeichnenden.</p>
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		<title>Geplanter Staudamm Tabajara: FUNAI und IBAMA müssen neue Umweltfolgenstudie zu indigenen Gebieten erstellen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/geplanter-staudamm-tabajara-funai-und-ibama-muessen-neue-umweltfolgenstudie-zu-indigenen-gebieten-erstellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Jul 2023 07:51:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene Territorien]]></category>
		<category><![CDATA[Tabajara]]></category>
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					<description><![CDATA[Bundesjustiz folgt Anträgen der Bundesstaatsanwaltschaften, dass vor weiteren Planungsschritten zur Errichtung des Wasserkraftwerks Tabajara am Rio Machado im brasilianischen Bundesstaat Rondônia eine umfassende Umweltfolgenstudie zu allen potentiell betroffenen indigenen Gebieten sowie angemessene Anhörungen durchgeführt werden müssen. Von Christian Russau Brasiliens Bundesjustiz ist den Anträgen der Staatsanwaltschaften von Rondônia und des Bundes gefolgt, dass vor weiteren&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bundesjustiz folgt Anträgen der Bundesstaatsanwaltschaften, dass vor weiteren Planungsschritten zur Errichtung des Wasserkraftwerks Tabajara am Rio Machado im brasilianischen Bundesstaat Rondônia eine umfassende Umweltfolgenstudie zu allen potentiell betroffenen indigenen Gebieten sowie angemessene Anhörungen durchgeführt werden müssen.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Brasiliens Bundesjustiz ist den Anträgen der Staatsanwaltschaften von Rondônia und des Bundes gefolgt, dass vor weiteren Planungsschritten zur Errichtung des Wasserkraftwerks Tabajara am Rio Machado im brasilianischen Bundesstaat Rondônia (GegenStrömung berichtete <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/wissenschaftlerinnen-sehen-gravierende-maengel-in-umweltvertraeglichkeitsstudie-fuer-den-staudamm-tabajara/" target="_blank" rel="noopener">wiederholt)</a> zunächst eine umfassende Umweltfolgenstudie zu allen potentiell betroffenen indigenen Gebieten sowie angemessene Anhörungen durchgeführt werden müssen. Die Justiz sah es als erwiesen als, dass entgegen der ursprünglichen Planungen nicht alle potentiell betroffenen indigenen Gebiete in die Risikoanlayse einbezogen wurden und dass etliche der potentiell betroffenen Gruppen entsprechend nicht konsultiert wurden, dies sei nun dringend nachzuholen, bevor weitere Planungsschritte für den Staudamm Tabajara in Erwägung gezogen werden könnten. Es sei von der Verfassung her verpflichtend, bei jedem Projekt, dass Gebiete und Rechte der indigenen Völker betreffe, entspreche Untersuchungen und Anhörungen vor Baubeginn zu erfolgen hätten. Dies berichten <a href="https://www.diariodaamazonia.com.br/mps-decide-pela-realizacao-de-novos-estudos-sobre-o-potencial-hidreletrico-em-machadinho-do-oeste/" target="_blank" rel="noopener">mehrere brasilianische Medien übereinstimmend</a>.</p>
<p>Nach Ansicht der Justiz werde die Realisierung des Wasserkraftwerks Tabajara am Machado-Fluss die indigenen Völker und Gemeinschaften &#8222;in ihrem Land und ihrer Lebensweise beeinträchtigen&#8220;. Brasiliens Indigenenbehörde Funai liess erklären, &#8222;die Studie über die indigene Komponente (ECI, Umweltfolgenstudie für Indigenen Völker bei Großprojekten, Anm.d.A.), in der nur das indigene Land Tenharim-Marmelos (TI) untersucht wurde, ohne die indigenen Territorien in der angrenzenden Nähe des Projekts ebenfalls zu berücksichtigen&#8220;, sei ein Fehler gewesen, so dass es &#8222;keine schlüssigen und tiefergehenden Studien über die mögliche Überflutung des südlichen Teils des indigenen Landes Tenharim-Marmelos&#8220; gegeben habe. Zudem habe die Funai (unter der vorherigen Leitung zur Amtszeit des rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro, Anm.d.A) mehrere indigene Gebiete, die in der Nähe des geplanten Wasserkraftwerks Tabajara liegen und von direkten und indirekten Auswirkungen des Projektvorhabens betroffen wären, gar nicht berücksichtigt. Hinzu käme, so die Funai, dass die ursprüngliche Studie auch nicht die in der Region in freiwilliger Isolation lebenden lebenden indigenen Gruppen berücksicht habe. Deshalb stimme Funai zu, die entsprechenden Studie neu zu erstellen und dabei die indigenen Gebiete Jiahui, Tenharim Rio Sepoti, Tenharim do Igarapé Preto, Pirahã, Ipixuna, Nove de Janeiro und Igarapé Lurdes ebenfalls zu berücksichtigen. Dazu sei es notwendig, Primärdaten zumindest aus den indigenen Gebieten Jiahui, Igarapé Preto und Igarapé Lourdes zu erhalten. Die anderen indigenen Gebiete können im Prinzip anhand von Sekundärdaten untersucht werden, so die Justiz.</p>
<p>Die Funai solle, so die Justiz, auch eine Feldstudie über den südlichen Teil des indigenen Territoriums Tenharim-Marmelos durchführen, um genauere Informationen über die Folgen der Überschwemmungen und eine mögliche dauerhafte Überflutung der gebiete infolge des potentiellen Staudammbauszu erhalten. Die Überschwemmungen gefährdeten nicht nur das Überleben der Menschen, sondern auch die Kultur der Indigenen, da der Ort für die Gemeinschaft als heilig gilt, betonte die Justiz den medienberichten zufolge. Auch die Auswirkungen auf Gebiete, in denen sich isolierte Gruppen bewegen, müssen analysiert werden.</p>
<p>Die Justiz legt zudem fest, dass die geforderten öffentliche Anhörungen und weitere einzuleitenden Projektfortschritte bei dem Projekt erst dann stattfinden dürften, wenn die von der Justiz nun eingeforderten neuen Hintergrundstudien abgeschlossen sind. Zuwiderhandlungen seitens der Projektplanenden oder Regierungsvertretenden werde mit einer Geldstrafe von 100.000 Reais belegt.</p>
<p>Bereits seit Jahren gibt es Streit um das Kraftwerk Tabajara. Das Kraftwerksprojekt Tabajara wurde 2013 in das Genehmigungsverfahren aufgenommen und stößt seither auf den Widerstand sozialer und indigener Organisationen. Im Jahr 2012 lehnte die brasilianische Umweltbehörde IBAMA die eingereichten Studien ab und verweigerte die Genehmigung. Am Ende desselben Jahres wurden jedoch neue Studien vorgelegt und diese wurden dann akzeptiert. Auch die Bundesstaatsanwaltschaft verfolgt den Fall und hat bereits mehrmals vor Gericht erfolgreich geklagt, bevor es nun zu dem neuen gerichtlichen Efolg für die Bundesstaatsanwaltschaft gab. Bereits zuvor hatten sich Wissenschaftler:innen zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass die Mängel in der Umweltstudie, die für den Bau des Kraftwerks vorgelegt wurde, vor allem für die indigenen Gemeinschaften und die Flussanrainer in der Region enorme Folgen haben könnten. Die Flussanrainergemeinschaften befänden sich – anders als von der Umweltverträglichkeitsstudie behauptet – sehr wohl noch im Einzugsgebiet des Machado-Fluss. Deshalb müsse sie in die Umweltverträglichkeitsstudien einbezogen werden. Zwar sei es nicht so, dass jede Anrainergemeinschaft direkt am Fluss lebe aber nichtsdestoweniger seien diese Gemeinschaften abhängig in Bezug auf die Lebensweise, den Fischfang, den Anbau im Überschwemmungsgebiet. Dieser Ansicht folgte nun die Bundesjustiz in ihrem Urteil.</p>
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		<item>
		<title>Alessandra Korap Munduruku eine der diesjährigen mit dem Goldman-Preis Ausgezeichneten</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/alessandra-korap-munduruku-eine-der-diesjaehrigen-mit-dem-goldman-preis-ausgezeichneten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 05:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Goldman-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Munduruku]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.gegenstroemung.org/?p=2860</guid>

					<description><![CDATA[GegenStrömung gratuliert! Von Christian Russau Alessandra Korap Munduruku ist eine der diesjährigen mit dem Goldman-Preis Ausgezeichneten. Der Goldman-Preis für Umwelt wird jedes Jahr an sechs Aktivisten aus verschiedenen Weltregionen verliehen. Alessandra wurde am Montagabend in San Francisco ausgezeichnet für ihren Kampf gegen die Schürflizenzen des britischen Bergbaukonzerns AngloAmerican in indigenen Territorien in Brasilien. Alessandra organisierte&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>GegenStrömung gratuliert!</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p><a href="https://www.goldmanprize.org/recipient/alessandra-korap-munduruku/#recipient-bio" target="_blank" rel="noopener">Alessandra Korap Munduruku ist eine der diesjährigen mit dem Goldman-Preis Ausgezeichneten</a>. Der Goldman-Preis für Umwelt wird jedes Jahr an sechs Aktivisten aus verschiedenen Weltregionen verliehen. Alessandra wurde am Montagabend in San Francisco ausgezeichnet für ihren Kampf gegen die Schürflizenzen des britischen Bergbaukonzerns AngloAmerican in indigenen Territorien in Brasilien. Alessandra organisierte den Widerstand der indigenen Gemeinden &#8211; vor allem der Frauen &#8211; in ihrem Kampf zum Schutz der indigenen Gebiete in Brasilien, gegen die Ausweitung des Bergbaus durch das britische Bergbauunternehmen Anglo American im brasilianischen Amazonas-Regenwald. Im Mai 2021 verpflichtete sich das Unternehmen, 27 genehmigte Forschungs- und Schüflizenzanträge für den Abbau in indigenen Gebieten zurückzuziehen, darunter das indigene Gebiet Sawré Muybu, das mehr als 400.000 Hektar Regenwald umfasst, in dem Alessandra aufwuchs. Dadurch wird ein &#8222;stark bedrohtes Gebiet Amazoniens &#8211; den größten Regenwald der Welt und eine weltweit bedeutende Kohlenstoffsenke &#8211; vor weiterem Abbau und Abholzung&#8220;, so die Goldman-Preis-Verleiher:innen auf ihrer Webseite.</p>
<p>Alessandra Korap Munduruku, 38, ist Mitglied der indigenen Munduruku-Gruppe von Sawré Muybu. Sie ist die Präsidentin der indigenen Vereinigung Pariri, die Gemeinden in der Region des Tapajós-Flusses unterstützt. Alessandra arbeitete früher als Lehrerin und engagierte sich in den letzten zehn Jahren im Kampf gegen die Abholzung der Wälder, den Ausbau der Wasserkraft mittels Staudämmen, gegen die Verschmutzung der Amazonas-Zuflüsse und den geplanten Ausbau des Tapajós-Flusses zur Wasserstarße zum vermehrten Transport von Soja und Mineralien. Dabei stieß ihr Engagement gegen Wasserkraft wie den <em>São Luiz do Tapajós</em>-Staudamm sowie ihr Einsatz für Menschenrechte auf heftigen Widerstand, auch &#8222;gegen die Beteiligung einer Frau an der Bewegung zum Schutz des Territoriums, aber sie blieb hartnäckig und änderte allmählich das vorherrschende Paradigma&#8220;, wie es in der Begründung für die Auszeichnung mit dem Goldman-Preis heisst. Schließlich wurde sie die erste weibliche Koordinatorin der Vereinigung der Indigenen von Pariri. Im Jahr 2018 beschloss Alessandra, Jura zu studieren, um die Munduruku-Gemeinschaften und den Amazonas-Regenwald besser zu vertreten und vor weiterer illegaler Ausbeutung durch Bergbau-, Holzfäller- und Bohrinteressen sowie anderen Bedrohungen ihrer Gebiete zu schützen.</p>
<p>Ein Bericht aus dem Jahr 2020 hatte enthüllt, dass Anglo American, eines der größten Bergbauunternehmen der Welt, 13 Forschungsanträge für Schürflizenzen im Munduruku-Gebiet gestellt hatte. Auf einer Versammlung im Dezember 2020 veröffentlichten 45 Kazik:innen und 200 Teilnehmer:innen eine offizielle Erklärung gegen weitere Bergbauaktivitäten und die Abholzung des Amazonas. Alessandra Korap Munduruku arbeitete mit dem Dachverband der indigenen Völker Brasiliens APIB und Amazon Watch zusammen, um einen offenen Brief an Anglo American zu verfassen, in dem die Erklärung der Versammlung zitiert und die Rücknahme der Genehmigungen im Amazonas-Gebiet gefordert wurde. In der erste Antwort bestritt Anglo American die genannte Anzahl der genehmigten Anträge und behauptete, keine Erkundungsgenehmigungen in indigenen Gebieten zu haben, schloss aber zukünftige Bergbauaktivitäten auf diesen Gebieten nicht aus. Gemeinsam mit Verbündeten schickte Alessandra daraufhin einen neuen Protestbrief, in dem sie eine Klarstellung und sofortige Maßnahmen von Anglo American zur Rücknahme der Genehmigungen forderte.</p>
<p>Infolgedessen wurde die Medienkampagne erweitert um gefilmte Aussagen von Gemeindemitgliedern und Fotos von Dörfern, die Schilder mit der Aufschrift &#8222;Anglo American raus aus Sawré Muybu&#8220; zeigen. Sie ging eine Partnerschaft mit Amazon Watch und Greenpeace ein, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erregen, und verbreitete als Sprecherin die Botschaft an allen möglichen Orten, einschließlich Konferenzen und internationalen Foren.</p>
<p>Im Mai 2021 erklärte Anglo American infolge des medialen Drucks, den die Proteste der Munduruku auslösten, seinen formalen Rückzug aus 27 Schürflizenzen in indigenen Territorien in Amazonien, darunter 13 Schürflizenzen im Territorium Sawré Muybu. Das Unternehmen informierte die brasilianische Regierung offiziell über den Rückzug und begründete dies mit Bedenken von Organisationen und indigenen Gemeinschaften.</p>
<p>GegenStrömung gratuliert unserer Freundin Alessandra Korap Munduruku!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wissenschaftler:innen sehen gravierende Mängel in Umweltverträglichkeitsstudie für den Staudamm Tabajara</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/wissenschaftlerinnen-sehen-gravierende-maengel-in-umweltvertraeglichkeitsstudie-fuer-den-staudamm-tabajara/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2023 15:44:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Flussanrainer]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Tabajara]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.gegenstroemung.org/?p=2838</guid>

					<description><![CDATA[Staudammbau hätte vor allem für die indigenen Gemeinschaften und die Flussanrainer in der Region Folgen, was in den Umweltfolgenstudien nicht angemessen berücksichtigt wurde, so die Kritik der Wissenschaftler:innen der Forschungsgruppe für Geographie und Raumplanung der Bundesuniversität Rondônia (Unir). Von Christian Russau Seit Jahren gibt es Streit um den Staudamm Tabajara (GegenStrömung berichtete). Gegen den am&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Staudammbau hätte vor allem für die indigenen Gemeinschaften und die Flussanrainer in der Region Folgen, was in den Umweltfolgenstudien nicht angemessen berücksichtigt wurde, so die Kritik der Wissenschaftler:innen der Forschungsgruppe für Geographie und Raumplanung der Bundesuniversität Rondônia (Unir).</em></strong></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Seit Jahren gibt es Streit um den Staudamm Tabajara (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilien-regierung-will-baulizenz-fuer-staudamm-tabajara-im-bundesstaat-rondonia-demnaechst-vergeben/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>). Gegen den am Machado-Fluss &#8211; einem Nebenfluss des Madeira, an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Rondônia und Amazonas &#8211; geplanten Bau des Staudamms Tabajara haben bereits die betroffenen Indigenen (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/indigene-gegen-staudamm-tabajara/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>), über 40 NGOs (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilien-ueber-40-organisationen-protestieren-gegen-den-plan-zum-bau-des-staudamms-tabajara-am-rio-machado/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>) und die Bundesstaatsanwaltschaft protestiert (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/bundesstaatsanwaltschaft-verklagt-funai-wegen-bedrohung-indigener-durch-staudamm-in-rondonia/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>) als auch die Bundesjustiz Einspruch erhoben, in dem sie die Neuerstellung der vorherigen Umweltfolgenstudien verhängte (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brasiliens-bundesjustiz-zwingt-funai-und-ibama-neue-impaktstudien-des-geplanten-staudamms-tabajara-auf-indigene-und-traditionelle-gemeinschaften-vom-staudammbauer-erstellen-zu-lassen/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>).</p>
<p>Nun hat sich die Forschungsgruppe für Geographie und Raumplanung der Bundesuniversität Rondônia (Unir) zu Wort gemeldet, <a href="https://g1.globo.com/ro/rondonia/noticia/2023/03/06/grupo-de-pesquisadores-aponta-falhas-no-estudo-ambiental-para-instalacao-da-hidreletrica-tabajara-em-ro.ghtml" target="_blank" rel="noopener">wie G1 berichtet</a>. Die Mitglieder der Gruppe sind der Meinung, dass die Mängel in der Umweltstudie, die für den Bau des Kraftwerks vorgelegt wurde, vor allem für die indigenen Gemeinschaften und die Flussanrainer in der Region Folgen haben könnten. Der Staudamm soll am Fluss Machado in der Region Machadinho D&#8217;Oeste (Bundesstaat Rondônia) gebaut werden. Für die Unir-Forscher ist es notwendig, eben diese Flussanrainergemeinden in die Studien über die Auswirkungen des Vorhabens einzubeziehen.</p>
<p>Die Flussanrainergemeinschaften befänden sich &#8211; anders als von der Umweltverträglichkeitsstudie behauptet &#8211; sehr wohl noch im Einzugsgebiet des Machado-Fluss. Deshalb muss sie in die Umweltverträglichkeitsstudien einbezogen werden. Zwar sei es nicht so, dass jede Anrainergemeinschaft direkt am Fluss lebe aber nichtsdestoweniger seien diese Gemeinschaften abhängig in Bezug auf die Lebensweise, den Fischfang, den Anbau im Überschwemmungsgebiet. &#8222;Es gibt eine ganze Logik, die mit den Flüssen zusammenhängt&#8220;, erläutert Maria Madalena De Aguiar Cavalcante, Doktorin der Geographie, gegenüber G1.</p>
<p>Das Kraftwerksprojekt Tabajara wurde 2013 in das Genehmigungsverfahren aufgenommen und stößt seither auf den Widerstand sozialer Organisationen. Im Jahr 2012 lehnte die brasilianische Umweltbehörde IBAMA die eingereichten Studien ab und verweigerte die Genehmigung. Am Ende desselben Jahres wurden jedoch neue Studien vorgelegt und diese wurden dann akzeptiert. Auch die Bundesstaatsanwaltschaft verfolgt den Fall und hat bereits vor Gericht erfolgreich geklagt (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brasiliens-bundesjustiz-zwingt-funai-und-ibama-neue-impaktstudien-des-geplanten-staudamms-tabajara-auf-indigene-und-traditionelle-gemeinschaften-vom-staudammbauer-erstellen-zu-lassen/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>), damit die Studien zu den Auswirkungen des Baus auf die angrenzenden Gemeinden und indigenen Gebiete ausgeweitet werden.</p>
<p>&#8222;Das indigene Land Tenharim Marmelo, das in der aktuellen Studie zur indigenen Komponente enthalten ist, und andere Ländereien laufen enorme Gefahr, betroffen zu sein, und in der Tat wurden sie nicht untersucht, sie haben nicht an einer öffentlichen Anhörung teilgenommen, sie wurden praktisch unsichtbar gemacht, und dieser Prozess der Unsichtbarmachung ist sehr häufig zu beobachten. Wie wollen Sie eine Studie über die indigene Komponente erstellen, ohne die Auswirkungen dieses Vorhabens untersucht zu haben?&#8220;, fragte damals die Bundesstaatsanwältin Gisele Bleggi.</p>
<p>In der Stadt Machadinho wurden nur zwei öffentliche Anhörungen abgehalten, um über die Errichtung des Kraftwerks zu diskutieren. Nach Angaben des MPF wurden die meisten der traditionellen Völker und Gemeinschaften, die von dem Bau betroffen wären, bisher nicht in die Diskussion einbezogen.</p>
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		<title>Brasilianische Zivilgesellschaft protestiert scharf gegen rassistische Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianische-zivilgesellschaft-protestiert-scharf-gegen-rassistische-aeusserungen-des-gouverneurs-des-bundesstaates-roraima/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2023 10:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Quecksilber]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht. Von Christian Russau Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht. Dies berichtet der Indigenenmissionsrat CIMI <a href="https://cimi.org.br/2023/01/em-nota-mais-de-60-organizacoes-repudiam-a-fala-desumana-do-governador-antonio-denarium-sobre-o-povo-yanomami/" target="_blank" rel="noopener">auf seiner Internetseite</a>, auf der die <a href="https://cimi.org.br/wp-content/uploads/2023/01/NOTA-DE-REPUDIO-AO-GOVERNADOR-ANTONIO-DENARIUM.pdf" target="_blank" rel="noopener">Protestnote auch in ganzer Länge zum freien Download zur Verfügung steht</a>. Der Protest richtet sich gegen die Äußerungen des Gouverneurs von Roraima, Antonio Denarium, die dieser über das Volk der Yanomami äußerte, in denen er behauptete, dass es bei Indigenen keine Unterernährung gäbe und dass &#8222;diese sich kulturell anpassen müssen, dass die nicht länger im Wald bleiben können, wie Tiere&#8220;. Die Organisationen und sozialen Bewegungen kritisieren Gouverneur Denarium vor allem auch angesichts der humanitären Krise, die zum Tod von 570 Kindern aus verschiedenen indigenen Gemeinden geführt hat, die direkt von der Praxis des illegalen Bergbaus betroffen sind, ein Umstand, für den die Bewegungen auch Denarium selbst mitverantwortlich machen. Denarium habe zwei Gesetze zur Unterstützung des Bergbaus in Roraima gebilligt. Die Organisationen gehen soweit, dem Gouverneur von Roraima direkt verantwortlich zu machen: &#8222;Er ist verantwortlich für den Völkermord an den Yanomami!&#8220;</p>
<p>Die Äußerungen Denariums seien äußerst rassistisch, vorurteilsbehaftet und unmenschlich und zeugten von einer völligen Unkenntnis des Gouverneurs über die Realität der indigenen Völker. Die Äußerungen zeugten von einem Mangel an Respekt und Sensibilität zu einer Zeit, in der mehrere Yanomami-Opfer an Malaria, akuter Unterernährung und anderen Krankheiten sterben, die hätten vermieden werden können. Daten verschiedener Einrichtungen wie der dem Gesundheitsministerium unterstehenden Gesundheitsstiftung Fiocruz deuteten darauf hin, dass die illegale Bergbaupraktiken mit hohen Malariaraten im indigenen Yanomami-Territorium kausal im Zusammenhang stünden. Gouverneur Denarium verstoße &#8211; ebenso wie der ehemalige Präsident Jair Bolsonaro &#8211; gegen die brasilianische Bundesverfassung und die Menschenrechte, wenn er nichts nichts tut, um die massive Invasion von Bergleuten zu verhindern, von denen viele von einem Netzwerk lokaler und nationaler Geschäftsleute unterstützt werden, im Gegenteil, er habe dieses Verbrechen während seiner ersten Amtszeit gefördert, so die Protestnote. &#8222;Wir fordern, dass der Gouverneur von Roraima angesichts einer solchen Bedrohung des Yanomami-Volkes wegen des Verbrechens des Völkermordes nach dem Gesetz bestraft wird&#8220;, schließt die Erklärung.</p>
<p>Der Zusammenhang von Unterernährung bei Indigenen, illegalem Bergbau und Quecksilbervergiftungen bis hin zu steigenden Malariafällen bedarf noch der genauen wissenschaftlichen Analyse, zumal zudem geklärt werden muss, welche Auswirkungen dabei der offensichtlich grob fahrlässige Umgang der Bolsonaro-Adminstration mit der knapp dreijährigen Covid-19-Pandemie hatte, aber erste Aussagen von wissenschaftlichen Fachleuten deuten auf Zusammenhänge hin. So <a href="https://www.uol.com.br/universa/noticias/azmina/2023/02/02/em-tres-aldeias-do-para-60-das-indigenas-estao-contaminadas-pelo-mercurio.htm" target="_blank" rel="noopener">berichtet das brasilianische Internetportal UOL</a>, dass der illegale Bergbau die Flüsse und die Fische mit Quecksilber verseucht, während er gleichzeitig durch Rodungen im Wald das Wild verscheuchen und auch die Wasserläufe verändert. So verschwänden nach und nach die wichtigsten Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung, infolgedessen kooptierten die Bergleute die einheimischen Arbeitskräfte mit dem Versprechen auf vermeintlichen Reichtum. Die in den Gemeinden zunehmende Ernährungsunsicherheit führe dazu, dass viele Indigene den Verzehr traditioneller Feld-, Jagd- und Fischereiprodukte aufgeben und stattdessen industriell gefertigte, stark verarbeitete Produkte essen, die sie von den Bergleuten bekommen. &#8222;Probleme wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Diabetes traten auf&#8220;, erklärte dazu Wissenschaftler Paulo Basta von der Fiocruz-Stiftung gegenüber Medien. Unterernährung und Anämie machten Frauen und Kinder anfälliger für die Auswirkungen von Quecksilber im Blut sowie für auch andere Krankheiten und die Ansteckung mit endemischen Krankheiten der Region, wie z. B. Malaria. &#8222;Was im Amazonas vor unserer Nase passiert, ist eine langsamere, aber mit der Zeit zunehmend chronischere Kontamination&#8220;, erklärt der Neurologe Erik Jennings dem Medienbericht zufolge. Für ihn werde die Schwere all dessen erst dann wahrgenommen, wenn viele Menschen unter kognitiven Veränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen und Reizbarkeit leiden. &#8222;Subtile Anzeichen, die für andere Krankheiten verantwortlich gemacht werden, hängen in Wirklichkeit mit dem Quecksilber zusammen&#8220;, erklärt er.</p>
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		<title>Drei neue Studien weisen auf die Biodiversitätsverluste durch Staudämme und Staureservoirs in Amazonien hin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jan 2023 09:34:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Frei Fließende Flüsse]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonien]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Dezember vergangenen Jahres sind unabhängig voneinander drei neue Studien zu den Folgen von Staudämme und Staureservoirs in Brasiliens Amazonien erschienen, die auf die Biodiversitätsverluste durch Staudämme hinweisen. Von Christian Russau Eine in der Zeitschrift Conservation Science and Practice veröffentlichte Studie warnt davor, dass auf temporäre Migrationen angewiesene Tierarten gegenwärtig durch fast 900 Wasserkraftwerke im&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Im Dezember vergangenen Jahres sind unabhängig voneinander drei neue Studien zu den Folgen von Staudämme und Staureservoirs in Brasiliens Amazonien erschienen, die auf die Biodiversitätsverluste durch Staudämme hinweisen.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Eine in der Zeitschrift <a href="https://conbio.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/csp2.12853" target="_blank" rel="noopener">Conservation Science and Practice veröffentlichte Studie</a> warnt davor, dass auf temporäre Migrationen angewiesene Tierarten gegenwärtig durch fast 900 Wasserkraftwerke im Amazonasbecken bedroht sind. Davon seien 434 fertig oder befänden im Bau, weitere 463 seien geplant. Die überwiegende Mehrheit der von den Wissenschaftler*innen untersuchten Projekte befinden sich in Brasilien, insbesondere in den Einzugsgebieten der Flüsse Tapajós, Araguaia und Tocantins. Die Wissenschaftler*innen errechneten, sollten alle diese Staudämme umgesetzt werden, so würden 18 von 93 Flüssen mit mehr als 500 km Länge unterbrochen sein &#8211; und somit die Wanderrouten vieler Wanderfische in Gefahr geraten. Von den 26 Flüssen über 1.000 km lang würden demnach nur neun ungestaut verbleiben.</p>
<p>Eine weitere Studie widmetet sich der Folgen der durch menschliche Eingriffe verursachten Waldfragmente im Amazonasgebiet und deren ökologischen Wechselwirkungen. Die in der <a href="https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(22)01896-6" target="_blank" rel="noopener">Zeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie</a>, an der Forscher*innen der staatlichen Universitäten von Campinas und Santa Cruz sowie weitere brasilianische Forscher*innen in Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich beteiligt waren, zeigt, wie Gebiete mit kontinuierlicher Vegetation ihre biologische Vielfalt zu bewahren vermögen im Gegensatz zu den durch Staureservoirs zu isolierten Gebieten gewordenen Gegenden, wo der Erhalt der biologischen Vielfalt nicht mehr gegeben ist wie in einem zusammenhängenden Wald. Die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in vom Menschen veränderte Landschaften ist den Forscher*innen zufolge die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt in terrestrischen Ökosystemen. Denn selbst wenn Arten in den verbliebenen Lebensräumen überleben, könnten die Populationen so klein werden, dass ökologische Interaktionen funktionell verloren gehen und lokale Interaktionsnetzwerke gestört werden, so die Studie. Dazu untersuchten die Forscher*innen Daten aus Erhebungen über Waldwirbeltiere und kombinierten dabei Modellierungen und Netzwerkanalysen, um zu untersuchen, wie die Struktur von Räuber-Beute-Netzwerken durch die Insellösung von Lebensräumen beeinflusst wurde, die durch ein Wasserkraftwerk im brasilianischen Amazonasgebiet verursacht wurden. Die Forscher*innen fanden heraus, dass die Netzwerkkomplexität, gemessen an der Interaktionsvielfalt, mit abnehmender Waldfläche nichtlinear abnahm. Während auf großen Waldinseln (&gt;100 ha) Beutetierarten mit 3-4 potenziellen Räubern verbunden waren, waren sie auf kleinen Inseln nur mit einem oder gar keinem Räuber mehr verbunden. Anhand von Aussterbesimulationen zeigen die Forscher*innen, dass die Unterschiede in der Netzwerkstruktur nicht durch das abundanzbedingte Aussterberisiko oder die Verfügbarkeit von Beutetieren erklärt werden können. Ihre Ergebnisse zeigten, so die Forscher*innen, dass der Verlust von Lebensraum zu einer abrupten Unterbrechung der terrestrischen Räuber-Beute-Netzwerke führen kann, wodurch Ökosysteme mit geringer Komplexität entstehen, die möglicherweise ihre Funktionalität nicht beibehalten. Die Freisetzung von Raubtieren auf einigen kleinen Inseln könne zu Kaskadeneffekten bei Pflanzen führen, die die Walddegradation beschleunigen, während Raubtier-Spillover auf anderen Inseln zu übermäßig ausgebeuteten Beutetierpopulationen führen könne. Die Analysen der Forscher*innen zeigten, dass der Schutz großer zusammenhängender Wälder neben der Erhaltung der Vielfalt für den Fortbestand von Interaktionsnetzwerken und damit verbundenen Ökosystemfunktionen erforderlich sei.</p>
<p>Eine dritte Studie &#8211; in der <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1462901122002209?dgcid=raven_sd_via_email" target="_blank" rel="noopener">Fachzeitschrift Environmental Science &amp; Policy veröffentlicht</a> &#8211; kartiert die Dichte von Dämmen sogenannter kleiner Wasserkraftwerke mit einer Leistung von bis zu 30 Megawatt und Aquakulturfarmen im Bundesstaat Rondônia und in der Stadt Manaus im Bundesstaat Amazonas. Sie ermittelten 6.507 kleine Staudämme in diesen Regionen und stellten fest, dass deren kumulative Auswirkungen &#8222;in der Summe tiefgreifend sein können&#8220;, was zu einem Verlust der biologischen Vielfalt und einer erhöhten Entwaldungsrate führt sowie Fischwanderungen verhindert und die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung beeinträchtigt.</p>
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