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	<title>Tailing &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Tailing &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Zehn Jahre nach dem Samarco-Dammbruch bei Mariana urteilt ein Londoner Gericht: BHP Billiton haftet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 14:01:06 +0000</pubDate>
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<div id="attachment_3334" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-scaled.jpg" data-dt-img-description="Flusswasser des Rio Doce nach dem Dammbruch der Samarco. Foto: christian russau [2016]" data-large_image_width="2560" data-large_image_height="1920"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3334" class="size-medium wp-image-3334" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-300x225.jpg" alt="Flusswasser des Rio Doce nach dem Dammbruch der Samarco. Foto: christian russau [2016]" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2024/10/03-TI-Krenak-Wasser-2-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-3334" class="wp-caption-text">Flusswasser des Rio Doce nach dem Dammbruch der Samarco. Foto: christian russau [2016]</p></div>
<p>Laut übereinstimmenden Medienberichten von heute Morgen hat ein Londoner Gericht den anglo-australischen Bergbaukonzern BHP Billiton für den Bruch des Samarco-Tailing-Damms am 5. November 2015 in der Nähe der Kleinstadt Mariana im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais für haftbar erklärt. Das Urteil ist &#8211; trotz zehn vergangenen Jahren &#8211; ein Meilenstein, denn es eröffnet den Weg für die weiteren Phasen des Gerichtsprozesses, in denen dann die Höhe der Haftung festgelegt wird. Der Fundão-Tailing-Damm gehört der brasilianischen Firma Samarco, ein 50-50-Joint-Venture von VALE und BHP Billiton. Den Medienberichten zufolge (u.a. hier bei <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/nov/14/london-judge-rules-bhp-group-liable-for-brazil-2015-samarco-dam-collapse" target="_blank" rel="noopener">TheGuardian</a>) sah es das Gericht als erwiesen an, dass BHP für den Dammbruch von Fundão in Mariana vor zehn Jahren &#8222;verantwortlich war, der zur schlimmsten Umweltkatastrophe des Landes führte&#8220;. Laut den Medienberichten erklärte die zuständige Richterin Finola O&#8217;Farrell, dass BHP für den Dammbruch verantwortlich sei, obwohl es zum Zeitpunkt des Unglücks nicht direkter Eigentümer des Damms war. In einem mehr als 200 Seiten umfassenden Urteil schrieb sie demnach, dass das Risiko eines Dammbruchs &#8222;vorhersehbar&#8220; gewesen sei und dass es &#8222;offensichtliche Anzeichen für kontrahierende, gesättigte Abraumhalden und zahlreiche Vorfälle von Sickerwasser und Rissen&#8220; gegeben habe, so die Medienberichte. Die Richterin fügte demnach hinzu, dass &#8222;der Dammbruch hätte verhindert werden können&#8220;. Laut TheGuardian bringt etwa 600.000 Brasilianer:innen in der Frage einer möglichen Entschädigung in Höhe von etwa 36 Milliarden Pfund für die Katastrophe einen Schritt näher. Das Urteil vom Freitag befasste sich nur mit der grundsätzlichen Klärung der rechtlichen Haftung BHPs für die Katastrophe, während in einer zweiten Phase des Verfahrens die Höhe des Schadenersatzes festgelegt wird.<br />
Am 5. November 2015 war der Damm des Rückhaltebeckens Fundão nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien gebrochen. Millionen Kubikmeter an Bergwerksschlamm aus der Eisenerz-Mine der Firma Samarco und ein Tsunami aus Schlamm zerstörte mehrere Dörfer, 349 Häuser, Schulen und Kirchen… Die Flüsse Rio Gualaxo do Norte, Rio do Carmo und Rio Doce wurden verseucht. Der Tsunami aus Eisenerzschlamm und Schwermetallen schob sich wochenlang unerbittlich durch das Flusstal des Rio Doce, Heimat und Arbeitsplatz zigtausender Fischer:innen. Durch den Dammbruch starben 19 Menschen, unzählige weitere erlitten Schädigungen ihres Einkommens, Habs und Gut, konnten jahrelang nicht mehr fischen gehen, sehr lange war für hunderttausende Menschen entlang des Flusstales Rio Doce die Trinkwasserversorgung unterbrochen, das Wasser musste per Carro-Pipa (mit Lastern) herangeschafft werden. Krankheiten wie Hautreizungen, Asthma durch den nach einer Weile getrockneten Staub, der lose durch die Luft fliegt, psychische Krankheiten, all dies häufte sich in den Jahren nach dem Dammbruch. Und die Betroffenen und Opfer warten seit 10 Jahren auf eine angemessene und umfassende Entschädigung. Die bisher geleisteten Entschädigungen decken nicht den Gesamtschaden, so eine große Anzahl der Betroffenen in den vergangenen Jahren unisono in unzähligen Medienberichten.<br />
// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<title>Indigene Xatśūll legen Rechtsbeschwerde gegen Gerichtsurteil zur Erhöhung des Tailing-Damms der Mount-Polley-Mine in British Columbia ein</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/indigene-xatsull-legen-rechtsbeschwerde-gegen-gerichtsurteil-zur-erhoehung-des-tailing-damms-der-mount-polley-mine-in-british-columbia-ein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2025 14:07:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor elf Jahren und einem Monat brach der Tailing-Damm der Mine von Mount Polley. Der Dammbruch in der Mount Polley-Mine steht ganz oben auf der langen Liste der Umweltkatastrophen, die auch enorme soziale Auswirkungen auf die lokal vor Ort vom Fließgewässer abhängigen lebenden Gemeinschaften hat: Es war der 4. August 2014 als der Damm brach.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor elf Jahren und einem Monat brach der Tailing-Damm der Mine von Mount Polley. Der Dammbruch in der Mount Polley-Mine steht ganz oben auf der langen Liste der Umweltkatastrophen, die auch enorme soziale Auswirkungen auf die lokal vor Ort vom Fließgewässer abhängigen lebenden Gemeinschaften hat: Es war der 4. August 2014 als der Damm brach. Rund 17 Millionen Kubikmeter Wasser zusammen mit 8 Millionen Kubikmeter von Restschlämmen aus der Bergbautätigkeit ergossen sich in den Polley Lake, den Hazeltine Creek und den Quesnel Lake. Der Tailing-Damm brach aufgrund eines geotechnischen Versagens einer Schicht aus Gletscherlehm in den Fundamenten unterhalb des Damms. Es dauerte Jahre bis das betroffene Fließgewässer wieder halbwegs intakt wurde, unter hohen sozialen Folgen für die lokalen Anwohner:innen wie Indigene First Nations, die vom und mit dem Fluss leben.</p>
<p>Doch elf Jahre nach dem Bruch beantragte die Betreiberfirma der Mount-Polley-Mine, Imperial Metals, die Dämme der Tailing-Rückhaltebecken um weitere vier Meter zu erhöhen. Um den Betrieb der Mine auszubauen &#8211; und um die Gewinnmargen zu erhöhen. Denn die Produktion von Kupfer und Gold infolge des Abbaus der Mine erzeugt riesige Mengen an Abraum, der vor Ort in dem Tailing gelagert wird. Und je höher der Damm des Tailings, desto mehr Abraum kann dort gelagert werden. Anfang des Jahres hatte die Staatsregierung von British Columbia der Betreiberfirma erlaubt, in dem Minenkomplex von Mount Polley die Dämme der Tailing-Rückhaltebecken um eben jene weiteren vier Meter zu erhöhen &#8211; und die betroffenen indigenen First Nations hatte Klage dagegen eingereicht, da sie ihre verbrieften Konsultationsrechte mißachtet sahen (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/indigene-first-nation-aus-british-columbia-klagen-gegen-eine-erhoehung-der-tailing-daemme-von-mount-polley-wo-2014-ein-dammbruch-einen-ganzen-flusslauf-zerstoerte-und-verseuchte/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>). Anfang August hatte das in British Columbia zuständige Gericht entschieden (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/oberster-gerichtshof-von-british-columbia-tailing-damm-der-mount-polley-darf-erhoeht-werden/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>), dass die Konsultation der Provinzregierung mit den Xatsull ordnungsgemäß gewesen sei. „Ich halte die Konsultation in diesem Fall für gründlich, und vor allem hat der von der Provinz angewandte Prozess den Xatsull reichlich Gelegenheit gegeben, ihre Sichtweise darzulegen“, sagte der zuständige Richter. Vertreter:innen der First Nation erklärten laut Medienberichten in einer zitierten Stellungnahme, sie seien von dem Urteil enttäuscht. NUn aber zeigen sie, dass sie nicht nur enttäusct sind, sondern gegen dieses Urteil ankämpfen werden: Sie <a href="https://www.cbc.ca/news/canada/british-columbia/first-nations-mount-polley-mine-challenge-1.7624346" target="_blank" rel="noopener">reichten Beschwerde bei Gericht ein</a>.</p>
<p>Die Xatśūll First Nation hofft durch den Rechtseinwand, die kürzlich ergangene Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von British Columbia aufzuheben, mit der ihr Antrag abgelehnt wurde, die Erhöhung des Pegels des Tailing-Damms am Standort der Mount-Polley-Mine zu stoppen. Die First Nation Xatśūll sagen in ihrer Klage, dass die Genehmigung des Plans zur Erhöhung des Damms im Landesinneren von British Columbia um vier Meter durch die Provinz unzulässig war und ohne rechtmässige Konsultation der Betroffenen erfolgt sei. Das vorherige Urteil zur Erhöhung des Tailing-Dammes, so die Xatśūll, schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall für Umweltvorschriften und die Rechte der Indigenen. &#8222;Die Mount Polley Mine muss den Standards von 2025 für die Umweltüberwachung und den Schutz der Rechte der Ureinwohner entsprechen und nicht den begrenzteren Standards von vor fast 40 Jahren, was die Folge des Urteils ist&#8220;, ließen die Xatśūll First Nations gegenüber den medien verlauten. Die Xatśūll erklärten, dass sie keine weiteren Stellungnahmen oder Interviews geben werde, solange die Angelegenheit vor Gericht anhängig sei.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<item>
		<title>Oberster Gerichtshof von British Columbia: Tailing-Damm der Mine Mount-Polley darf erhöht werden</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/oberster-gerichtshof-von-british-columbia-tailing-damm-der-mount-polley-darf-erhoeht-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Aug 2025 09:16:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Urteil war mit Spannung erwartet worden &#8211; und erschüttert die indigenen First Nation, die die Klage vor dem Obersten Gerichtshof von British Columbia eingereicht hatten. Die Xatsull First Nation hatte in ihrer Klage dargelegt, die Genehmigung des Plans zur Anhebung des Damms um vier Meter durch die Provinz sei unzulässig und ohne &#8222;sinnvolle&#8220; Konsultation&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Urteil war mit Spannung erwartet worden &#8211; und erschüttert die indigenen First Nation, die die Klage vor dem Obersten Gerichtshof von British Columbia eingereicht hatten. Die Xatsull First Nation hatte in ihrer Klage dargelegt, die Genehmigung des Plans zur Anhebung des Damms um vier Meter durch die Provinz sei unzulässig und ohne &#8222;sinnvolle&#8220; Konsultation der Nation erfolgt. (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/indigene-first-nation-aus-british-columbia-klagen-gegen-eine-erhoehung-der-tailing-daemme-von-mount-polley-wo-2014-ein-dammbruch-einen-ganzen-flusslauf-zerstoerte-und-verseuchte/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>). Die Betreiberfirma der Mine &#8211; Imperial Metals &#8211; mit dem im Jahre 2014 gebrochenen Tailing Damm Mount Polley darf den Damm um weitere vier Meter erhöhen, urteilte das Gericht in British Columbia.</p>
<p>Nach übereinstimmenden Medien- und Hintergrundberichten (<a href="https://www.cbc.ca/news/canada/british-columbia/first-nations-mount-polley-mine-challenge-1.7602652" target="_blank" rel="noopener">hier</a> und <a href="https://www.ehn.org/b-c-court-greenlights-higher-mount-polley-tailings-dam-despite-first-nation-concerns" target="_blank" rel="noopener">hier</a> und <a href="https://thetyee.ca/News/2025/08/06/Mount-Polley-Tailings-Expansion-BC-Supreme-Court/" target="_blank" rel="noopener">hier</a>) entschied der zuständige Richter Michael Tammen am Mittwoch, dass die Konsultation der Provinzregierung mit den Xatsull ordnungsgemäß war. &#8222;Ich halte die Konsultation in diesem Fall für gründlich, und vor allem hat der von der Provinz angewandte Prozess den Xatsull reichlich Gelegenheit gegeben, ihre Sichtweise darzulegen&#8220;, sagte Tammen. Vertreter:innen der First Nation erklärten laut Medienberichten in einer zitierten Stellungnahme, sie seien von dem Urteil enttäuscht. &#8222;Es handelt sich um dieselbe Anlage, die 2014 das Gebiet der Xatsull zerstört hat – die schlimmste Bergbaukatastrophe, die jemals verzeichnet wurde. Die Auswirkungen schaden bis heute den Rechten, der Kultur und der Lebensweise unseres Volkes&#8220;, hieß es den Medienberichten zufolge in der Erklärung der Xatsull-Vertretung. &#8222;Wir werden die Entscheidung prüfen und unsere Optionen für die nächsten Schritte abwägen.&#8220;</p>
<p>Der Dammbruch von 2014 führte dazu, dass 25 Millionen Kubikmeter Schlamm in das Wassereinzugsgebiet des Flusses Fraser flossen, wodurch der Lebensraum der Lachse verseucht wurde und es zu einem der schlimmsten Bergbauunfälle Kanadas kam. Die Gold- und Kupfermine, die etwa 55 Kilometer nordöstlich von Williams Lake im zentralen Landesinneren von British Columbia liegt, nahm ein Jahr nach der Katastrophe den Betrieb in begrenztem Umfang wieder auf und kehrte im Juni 2016 zum Vollbetrieb zurück, nachdem sie die Genehmigung erhalten hatte, weiterhin Bergbauabfälle in den Quesnel Lake einzuleiten. Im März 2025 genehmigten die Behörden der Provinz die derzeitige Erhöhung um vier Meter, nachdem das Umweltprüfungsamt seine Aufgaben gemäß den Gesetzen zu den Konsultationsrechten der Indigenen von British Columbia als erfüllt angesehen hatte.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<item>
		<title>Frauen bei Entschädigungen für Dammbruch von Samarco systematisch benachteiligt</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/frauen-bei-entschaedigungen-fuer-dammbruch-von-samarco-systematisch-benachteiligt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Aug 2024 07:32:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die brasilianische Bundesjustiz hat in einem Urteil festgestellt, dass Frauen im Rahmen der Entschädigung für Schäden, die durch den im November 2015 bei Mariana erfolgten Dammbruch des Samarco-Tailings verursacht wurden, durch den Dutzende Gemeinden im Einzugsgebiet des Rio Doce bis hin zur Mündung bei Regência betroffen waren, systematisch benachteiligt wurden. In der Entscheidung wurde eine&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die brasilianische Bundesjustiz hat in einem Urteil festgestellt, dass Frauen im Rahmen der Entschädigung für Schäden, die durch den im November 2015 bei Mariana erfolgten Dammbruch des Samarco-Tailings verursacht wurden, durch den Dutzende Gemeinden im Einzugsgebiet des Rio Doce bis hin zur Mündung bei Regência betroffen waren, systematisch benachteiligt wurden. In der Entscheidung wurde eine Anpassung der Registrierungsmodalitäten verlangt, und die von Vale und BHP als Eigentümer der Samarco eingesetzten Renova-Stiftung, die für die Verwaltung des Wiedergutmachungsprozesses zuständig ist, muss nun die wesentlichen Informationen überprüfen, korrigieren und aktualisieren, damit die betroffenen Frauen Zugang zu den Finanzhilfe- und Entschädigungsprogrammen beantragen können.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Die Beschlüsse wurden von Richter Vinicius Cobucci vom Bundesregionalgericht der 6. Region (TRF-6) unterzeichnet. Dies berichtet die staatliche <a href="https://agenciabrasil.ebc.com.br/geral/noticia/2024-08/caso-samarco-juiz-ve-modelo-patriarcal-privando-mulheres-de-reparacao" target="_blank" rel="noopener">Agência Brasil</a>. Der Richter folgte den Argumenten, die in einer öffentlichen Zivilklage von sechs Justizbehörden vorgebracht wurden: der Bundesstaatsanwaltschaft MPF, der Staatsanwaltschaft von Minas Gerais MPMG, der Staatsanwaltschaft von Espírito Santo MPES, der Bundesanwaltschaft DPU sowie öffentlicher Pflichtverteidiger:innen der beiden Bundesstaaten Minas Gerais und Espírito Santo.</p>
<p>Die Staatsanwaltschaften legten in dem vorherigen Prozess dar, dass es während des von Samarco und seinen Mutterfirmen &#8211; Vale und BHP Billiton &#8211; eingeleiteten und von der Renova-Stiftung durchgeführten Wiedergutmachungsprozesses eine unterschiedliche Behandlung je nach Geschlecht gegeben habe. Sowohl in der Phase der Registrierung als auch bei der Umsetzung der Maßnahmen soll es zu Verstößen gekommen sein. Die sechs Justizbehörden fordern zudem eine angemessene Entschädigung.</p>
<p>Richter Vinicius Cobucci vertrat die Auffassung, dass die Renova-Stiftung bei der Registrierung eine bürokratische, ausgrenzende und vorurteilsbelastete Methode anwandte, die der Komplexität der Familienbeziehungen nicht Rechnung trug. Dies führte, so der Richter, dass die Frauen gegenüber den Männern in eine untergeordnete Position gerieten. Seiner Ansicht nach handelt es sich um ein patriarchalisches Modell, bei dem die Informationen auf die Figur des vermeintlichen &#8222;Familienoberhaupts&#8220; konzentriert wurden. Auf diese Weise wurde der wirtschaftliche und soziale Beitrag der Frauen unsichtbar gemacht und ihnen so der Zugang zu entsprechenden Wiedergutmachungsprogrammen verwehrt.</p>
<p>Nach fast neun Jahren sind vor den brasilianischen Gerichten immer noch mehr als 85.000 Klagen wegen der Tragödie anhängig, berichtet Agência Brasil. Die Verhandlungen zur Neuverhandlung des Abkommens auf der Suche nach einer Lösung für diese gerichtliche Haftung laufen seit mehr als zwei Jahren, aber die von den Bergbauunternehmen angebotenen Beträge haben die Erwartungen der Regierungen noch immer nicht erfüllt. In der öffentlichen Zivilklage, die auf die Rechtsverletzungen der Frauen hinweist, führen die sechs Justizbehörden verschiedene Probleme an. Obwohl die Zahl der Männer und Frauen im Register der Betroffenen ähnlich hoch sei, hätten die weiblichen Opfer an den von der Stiftung Renova durchgeführten Anhörungen zur Erhebung der Primärdaten nur in geringem Maße teilgenommen: Sie machten bei diesen Erhebungen zufolge nur 39 Prozent aller Betroffenen aus. Außerdem waren nur 34 Prozent der Frauen als wirtschaftlich Verantwortliche für den Haushalt aufgeführt. Die Staatsanwaltschaften erklärten, dass das Register die Bedingung der Möglichkeit zu Teilhabe an Entschädigungsprogrammen überhaupt sei, so dass die geringe Beteiligung an der Datenerhebung systematisch ausgrenzend wirke und die Realität der weiblichen Opfer verschleiert werde. Die Staatsanwaltschaften argumentierten darüber hinaus, dass die Renova-Stiftung das Konzept der patriarchalischen Familie übernommen hat, als sei dies die einzige Möglichkeit zur Bildung von Familien. Infolgedessen mussten viele Frauen die Zustimmung ihrer Ehemänner einholen, um Zugang zu den Daten zu erhalten und diese zu ändern. In der Klage wird auch darauf hingewiesen, dass der Wiedergutmachungsprozess keine geschlechtsspezifischen Maßnahmen vorsieht, wodurch die fehlende Gleichstellung der Geschlechter noch verstärkt werde.</p>
<p>Am 5. November 2015 war der <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/acht-jahre-nach-dem-dammbruch-der-samarco-bei-mariana" target="_blank" rel="noopener">Damm des Rückhaltebeckens Fundão nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien gebrochen</a>. Millionen Kubikmeter an Bergwerksschlamm aus der Eisenerz-Mine der Firma Samarco und ein Tsunami aus Schlamm zerstörte mehrere Dörfer, 349 Häuser, Schulen und Kirchen. Die Flüsse Rio Gualaxo do Norte, Rio do Carmo und Rio Doce wurden auf Hunderten von Kilometern verseucht, Tausende Kleinfischer:innen entlang der betroffenen Flussläufe waren jahrelanglang (und sind es teilweise noch heute) in Mitleidenschaft gezogen, lange war auch die Trinkwasserversorgung von zigtausenden Menschen im Einzugsgebiet des Rio Doce betroffen. Direkt durch den Dammbruch starben 19 Menschen. Unbekannt ist die Zahl der potentiellen Opfer, die durch Langfristschäden durch Schwermetall- und Staubbelastung der Eisenerzrückstände krak wurden oder ggf. daran sogar gestorben sein könnten. Samarco ist eine Aktiengesellschaft, die zu gleichen Teilen im Besitz der australisch-britischen BHP Billiton Brasil Ltda. und der brasilianischen Vale S.A. ist.</p>
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		<title>TÜV-zertifiziert! Über 5 Jahre nach dem Dammbruch von Brumadinho sind die Fragen nach Gerechtigkeit, Erinnerung, für das Auffinden aller Opfer, für die Rechte der Familienangehörigen und dafür, dass so etwas nie wieder passiert, noch immer offen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/tuev-zertifiziert-ueber-5-jahre-nach-dem-dammbruch-von-brumadinho-sind-die-fragen-nach-gerechtigkeit-erinnerung-fuer-das-auffinden-aller-opfer-fuer-die-rechte-der-familienangehoerigen-und-dafuer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 14:16:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Brumadinho]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 25. Januar dieses Jahres jährte sich mittlerweile zum fünften Male der schreckliche Dammbruch von Brumadinho. 272 Menschen starben, es war zusammen mit dem Dammbruch von Mariana vom 5. November 2015 eine größten Umweltkatastrophen in der Geschichte Brasiliens. So die auch offizielle Lesart. Doch Betroffene, Angehörige und Aktivist:innen stellen klar: „Der Dammbruch war kein Unfall&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Am 25. Januar dieses Jahres jährte sich mittlerweile zum fünften Male der schreckliche Dammbruch von Brumadinho. 272 Menschen starben, es war zusammen mit dem Dammbruch von Mariana vom 5. November 2015 eine größten Umweltkatastrophen in der Geschichte Brasiliens. So die auch offizielle Lesart. Doch Betroffene, Angehörige und Aktivist:innen stellen klar: „Der Dammbruch war kein Unfall – er war ein Verbrechen.“</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Es war der 25. Januar 2019. Ein Damm eines Rückhaltebeckens für die Erzschlammreste der Mine Córrego do Feijão brach. Die Betreiber- und Eigentümerfirma von Mine und Rückhaltebecken, die brasilianische Bergbaufirma Vale, erklärte, in dem gebrochenen Becken hätten sich 11,7 Millionen Kubikmeter Erzschlammreste befunden.</p>
<p>Nachdem der Damm des ersten Rückhaltebeckens gebrochen war, flutete der Erzschlamm den zweiten Damm des nächstgelegenen Rückhaltebeckens und überflutete auch dieses. Danach frass sich der Schlamm wie ein Tsunami weiter bergabwärts, zerstörte alles, was ihr in den Weg kam. Die Erzschlammwelle hatte unter anderem ein Betriebskantine mit sich gerissen, in der gerade viele Arbeiter:innen zu Mittag aßen, Busse, in denen Arbeiter:innen saßen, die von oder zur Betriebsschicht fuhren, wurden unter den Schlammmassen begraben. Mindestens ein Dorf wurde zerstört, auch kleine indigene und Quilombola-Territorien litten hinterher monatelang unter der schlechten Wasserqualität der in Mitleidenschaft gezogenen Flüsse.</p>
<p>Die Mine und das Rückhaltebecken gehören dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale S.A. Die Mine Córrego do Feijão samt Rückhaltebecken wurde 1956 von der Companhia de Mineração Ferro e Carvão in Betrieb genommen, 1973 wurde sie in die Thyssen-Tochterfirma Ferteco Mineração integriert, bevor sie 2003 von Vale S.A. übernommen wurde. Den nun gebrochenen Damm gebaut hat im Jahr 1976 die Thyssentochter Ferteco Mineração.</p>
<p>TÜV Süd aus München, namentlich die brasilianische Tochterfirma TÜV Süd do Brasil, hat im Auftrag von Vale und – so erklärt TÜV Süd auf der Homepage – „auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben (DNPM 70.389/2017) eine Periodic Review of Dams (Dokument vom 18. Juni 2018) und eine Regular Inspection of Dams Safety (Dokument vom 26. September 2018) durchgeführt.“ Vier Monate später brach der Damm. 272 Menschen starben.</p>
<p class="western"><a name="__RefMoveFrom__move167188279"></a><a name="_GoBack"></a><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Angeklagt sind 16 Einzelpersonen und zwei Unternehmen, doch auch fünf Jahre nach dem Dammbruch verzögern sich die Gerichtsverfahren gegen die brasilianischen Firma Vale und das deutsche Unternehmen TÜV Süd. Für die Katastrophe mit 272 Todesopfern wurde immer noch niemand zur Rechenschaft gezogen, beklagt im Mai dieses eine Delegation von Opferangehörigen</span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> AVABRUM während einer Rundreise durch Deutschland. Hier das Interview mit Josiane de Oliveira Melo und Nayara Cristina Dias Porto Ferreira, sowie mit der sie vertretenden Rechtsanwältin Thabata Pena Pereira vom Instituto Cordilheira. Dieses Interview erscheint auch in der neuen Ausgabe der ILA (<a href="https://www.ila-web.de/abo/ila-abonnieren" target="_blank" rel="noopener">hier können Sie ein Abo der ILA machen</a>)<br />
</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Seit dem Dammbruch von Brumadinho sind mittlerweile über fünf Jahre vergangen. Warum müsst ihr Familienangehörigen der Opfer immer noch um Gerechtigkeit kämpfen?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Nayara Cristina Dias Porto Ferreira:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Am 25. Januar 2019 verlor ich meinen Ehemann, Everton Lopes Ferreira, meinen Schwager, Thiago Barbosa da Silva, und weitere Verwandte und Freunde. Wir von der Opfer- und Familienvereinigung Avabrum kämpfen seit fünf Jahren für fünf Dinge: für Gerechtigkeit, für Erinnerung, für das Auffinden aller Opfer, für die Rechte der Familienangehörigen und dafür, dass so etwas nie wieder passiert. </span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Die Geschichte dieses Verbrechens soll wahrheitsgetreu und aus Sicht der Familienangehörigen erzählt werden. Wir kämpfen bis heute dafür, dass die Verantwortlichen in Brasilien und Deutschland vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Angeklagt sind 16 Personen und zwei Firmen, das Unternehmen Vale, Betreiberin der Eisenerzmine und des gebrochenen Damms des Rückhaltebeckens, und die Firma TÜV Süd, die die Sicherheit des Dammes vorher attestiert hatte. Die bisherige Straflosigkeit ist wie eine Verlängerung des Verbrechens. Wir Familienangehörigen denken, dass eine Verurteilung andere Verbrechen solcher Art verhindern würde. Es braucht dringend Gesetzesänderungen hin zu schärferer behördlicher Überwachung, damit diese Firmen endlich das Leben an erster Stelle setzen – denn ein Leben kann nicht mit Geld wiedergutgemacht werden.</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">In den Medien wird über den Dammbruch von Brumadinho oft als „Unfall“ gesprochen. Ihr Familienangehörigen hingegen sprecht immer von „Verbrechen“. Wieso?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Untersuchungen der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft haben nachgewiesen, dass es ein vorsätzliches Verbrechen war. Die Firmen wussten um die drohende Gefahr eines Dammbruchs. Sie wussten, dass die analysierten Sicherheitswerte nicht den Normen entsprachen, die Stabilitätsbedingungen waren zu unsicher. Trotzdem erstellte TÜV Süd das Sicherheitsgutachten. Sie entschieden sich also bewusst dafür, den Betrieb der Mine weiterzuführen und die Menschen nicht aus dem Gefahrengebiet zu evakuieren. Heute machen sie es sich einfach: TÜV Süd schiebt alle Verantwortung auf Vale, und Vale behauptet, es sei ein Unfall gewesen.</span></p>
<p class="western"><a name="__RefMoveTo__move167187029"></a><a name="__RefMoveTo__move167186871"></a> <span style="font-family: Times New Roman, serif;">Alle Beweise deuten auf ein Verbrechen mit einer sehr perfekten Ingenieursleistung hin. Deshalb akzeptieren wir Familienangehörigen nicht, dass es ein Unfall gewesen sei. Es war ein Verbrechen, das man hätte verhindern können. Sie kannten all diese Risiken. Im Jahr 2018 haben sie nach den ersten auftretenden Rissen für die dort Arbeitenden und Wohnenden eine Fluchtroute definiert.</span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Nayara Cristina Dias Porto Ferreira:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Aber wer versuchte, sich auf dieser Fluchtroute beim Bruch zu retten, ist gestorben. Sie lag direkt im Lauf der Bruchmasse. </span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Wie genau sehen Sie die Rolle von TÜV Süd dabei?</span></b></i></p>
<p class="western"><a name="__RefMoveTo__move167187080"></a><a name="__RefMoveFrom__move167187080"></a> <span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> TÜV Süd nutzt die Werbeslogans von mehr Sicherheit, mehr Werten, mehr Vertrauen. Und alle Welt glaubt das, weil es eine deutsche Firma ist. Es ist eine Firma, die weltweit Sicherheitsgutachten verkauft. Also müsste sie sich auch nach diesen Werten richten. In der Untersuchung der Bundespolizei finden sich mehrere E-Mails zwischen TÜV Süd-Angestellten in Brasilien und in Deutschland. Sie kannten das Bruchrisiko und sie berichten in den E-Mails, dass sie von Angestellten von Vale unter Druck gesetzt wurden, dieses Sicherheitsgutachten auszustellen, ansonsten würden sie andere Aufträge mit Millionensummen verlieren.</span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Nayara Cristina Dias Porto Ferreira: </b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Mit anderen Worten: Sie haben Geld gegen Leben eingetauscht.</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">In Brasilien und in Deutschland laufen Zivil- und Strafrechtsprozesse. Was ist der aktuelle Stand?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Thabata Pena Pereira:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Ich vertrete die Familienangehörigen Avabrum in den Strafrechtsprozessen. In Brasilien begann der Strafprozess gegen 16 Personen sowie die zwei Unternehmen im Jahr 2020. Fünf der angeklagten Personen sind Angestellte von TÜV Süd Brasilien, eine Person ist Angestellter bei TÜV Süd in Brasilien und in Deutschland. Aber es wurde erst einmal drei lange Jahre darüber gestritten, ob der Prozess vor einem Landes- oder einem Bundesgericht ausgetragen werden sollte. Ende 2022 entschied der Oberste Gerichtshof, dass es ein Bundesverfahren sein müsse. So musste der Prozess auf Bundesebene ab Januar 2023 komplett von vorne beginnen.</span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Auch in Deutschland wurde Anzeige erstattet. Im Oktober 2019 haben fünf Familienangehörige gemeinsam mit dem in Berlin ansässigen European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) sowie mit dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor eine Strafanzeige beim Landgericht München eingereicht. Zur Zeit warten wir noch immer auf eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erheben wird oder nicht.</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Es gibt in Brasilien viele weitere Dämme an Rückhaltebecken, die baugleich sind mit denen, die 2019 in Brumadinho und 2015 in Mariana brachen. Gibt es dort ähnliche Risiken?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> In Brasilien gibt es insgesamt 962 Dämme, nur 471 davon werden von den zuständigen Behörden überwacht. Neuesten Untersuchungen zufolge sind 62 dieser Dämme in kritischem Ausmaß bruchanfällig. Drei davon gelten der Untersuchung zufolge als zeitnah bruchgefährdet, zwei dieser Dämme gehören Vale und einer der Firma ArcelorMittal.</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Statistiken der vergangenen Jahre zeigten, dass Deutschland bis an die 50 Prozent des importierten Eisenerzes aus Brasilien bezieht. Sehen Sie eine Mitverantwortung der deutschen Firmen als Abnehmer in der Lieferkette?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span lang="es-EC"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span lang="es-EC"> Ja! </span></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Alle Abnehmer und Investoren sollten sicherstellen, dass das, was sie importieren oder finanzieren, vollumfänglich menschenrechtskonform und nicht verbrecherisch hergestellt wurde. Wenn sie bei der Prüfung Unregelmäßigkeiten, Verstöße oder Verbrechen feststellen, dann sollten sie dort nicht investieren beziehungsweise nichts von dieser Firma kaufen.</span></p>
<p class="western"><i><b><span style="font-family: Times New Roman, serif;">Seit Anfang 2023 gibt es hier in Deutschland das „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“. Rückwirkend kann dieses Gesetz nicht wirken, aber kann es ein weiteres Mariana oder Brumadinho verhindern?</span></b></i></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Josiane de Oliveira Melo:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Das ist ein wichtiges Gesetz. Die Lieferkettenverantwortung muss vom Ende bis hin zurück zum Anfang, zur einzelnen Mine gelten. Wir brauchen dringend eine Produktion ohne Blut. Wenn das Gesetz dazu dienen kann, die Firmen, die dieses Prinzip verletzen, zu bestrafen, dann wäre das genau das Richtige. </span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><b>Thabata Pena Pereira:</b></span><span style="font-family: Times New Roman, serif;"> Es ist enorm wichtig zu verstehen, dass dieses Gesetz maximal auf konkrete Produkte abzielt, nicht auf Dienstleistungen. Im Beispiel Brumadinho hieße dies, dass das Lieferkettengesetz zwar den Minenbetreiber Vale erfasst hätte, aber nicht den Zertifizierer TÜV Süd. Also muss dieses Gesetz noch überarbeitet und erweitert werden. Es muss auch all die Zertifizierer, die Banken und die Investoren erfassen. Und es braucht leichteren Zugang der Opfer zu den Gerichten hierzulande.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Konzernkritik an Vale seit nunmehr 15 Jahren</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/konzernkritik-an-vale-seit-nunmehr-15-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2024 06:07:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Dammbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Tailing]]></category>
		<category><![CDATA[Konzernkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Vale]]></category>
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					<description><![CDATA[Vale musste zum 15. Mal Kritischen Aktionärinnen und Aktionären des Internationalen Netzwerkes der von Vale Betroffenen Rede und Antwort stehen. Dabei geht es auch viel um Dammbrüche und die Verantwortung der Firma (sowie auch der deutschen TÜV Süd) für diese massiven Menschenrechtsverletzungen. Am 26. April dieses Jahres nahmen Kritische Aktionär*innen des Internationalen Netzwerkes der von&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vale musste zum 15. Mal Kritischen Aktionärinnen und Aktionären des Internationalen Netzwerkes der von Vale Betroffenen Rede und Antwort stehen. Dabei geht es auch viel um Dammbrüche und die Verantwortung der Firma (sowie auch der deutschen TÜV Süd) für diese massiven Menschenrechtsverletzungen.</em></p>
<p>Am 26. April dieses Jahres nahmen <a href="https://atingidosvale.com/assembleia-de-acionistas-da-vale-violencia-contra-comunidades-impactadas-por-mina-na-indonesia/" target="_blank" rel="noopener">Kritische Aktionär*innen des Internationalen Netzwerkes der von Vale Betroffenen (Articulação Internacional dos Atingidos e Atingidas pela Vale (AIAAV)</a> an der Jahreshauptversammlung von Vale S.A. teil, dem Bergbaukonzern aus Rio de Janeiro. Die Aktivist*innen der Articulação Internacional dos Atingidos e Atingidas pela Vale prangerten auf der diesjährigen Hauptversammlung erneut die Rechtsverletzungen des Bergbauunternehmens in Anwesenheit des Vorstands und Aufsichtsrates sowie der anwesenden Kleinaktionär*innen an. Jede/r kritische Aktionär*in hat mindestens eine Aktie des Unternehmens gekauft, um auf der Versammlung das Rede- und Stimmrecht zu erhalten und so die vom Bergbauunternehmen vorgelegten Daten zu missbilligen. Dieser kritische Aktionärsaktivismus wird von der Articulação seit dem jahre 2010 alljährlich begangen. Eine umfassende Analyse der ersten zehn Jahre Erfahrungen mit dieser Art der Menschenrechtsverteidigung gegen Konzerne bietet die <a href="https://atingidosvale.com/acionistas-criticos-10-anos-de-atuacao-da-articulacao-internacional-dos-atingidos-e-atingidas-pela-vale/" target="_blank" rel="noopener">Studie “Acionistas Críticos: os 10 anos de atuação da Articulação Internacional dos Atingidos e Atingidas pela Vale”</a> aus dem Jahre 2020.</p>
<p>In der ersten Abstimmung wurde von den Aktivist*innen unter anderem das Versäumnis des Bergbauunternehmens angeprangert, die Risiken seiner noch in Betrieb befindlichen Absetzbecken zu beseitigen, sowie seine Bereitschaft, ein neues Bergbauprojekt in der Serra do Gandarela (MG) zu verwirklichen, auch auf die Gefahr hin, dass Millionen von Menschen dadurch in Trinkwassernot geraten. Es wird erwartet, dass das Projekt des Bergbauunternehmens den Grundwasserspiegel senkt, die Wasserverfügbarkeit verändert, Quellen austrocknet und Wasserfälle gefährdet, was sich negativ auf die Wasserversorgung in der Metropolregion Belo Horizonte auswirken wird.</p>
<p>In der zweiten Abstimmung wurde unter anderem das Fehlen von Informationen über die Wiedergutmachungsmaßnahmen angeprangert, die Vale im Zusammenhang mit dem in Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais begangenen Verbrechen &#8211; dem Bruch des Tailings von Brumadinho &#8211; direkt und langfristig durchgeführt hat. „Bei der Bemessung der Kosten, die durch den Einsturz der Absetzbecken B-1, B-IV und B-IVA entstanden sind, hat es Vale S.A. auch versäumt, Angaben zu seiner Verurteilung für individuelle Schäden zu machen, eine Verpflichtung, die in dem globalen Abkommen, das sich mit kollektiven Schäden befasst, nicht vorgesehen ist“, heißt es in einem Auszug aus dem kritischen Votum. (Zu diesem Fall des Dammbruchs bei Brumadinho vom 25. Januar 2019 und der Frage der strafrechtlichen Mitverantwortung der deutschen Firma TÜV Süd, die die Sicherheit des kurz darauf gebrochenen Dammes zwei Mal attestiert hat, wird eine Delegation vom 13. Mai bis 18. Mai in Deutschland in den Städten München, Köln und Berlin zu Veranstaltungen und Gesprächen sein. Weitere Infos dazu <a href="https://www.fdcl.org/event/5-jahre-dammbruch-in-brumadinho/" target="_blank" rel="noopener">finden sich hier</a>).</p>
<p>In der dritten Abstimmung wurde unter anderem das Fehlen von Informationen über Unfälle &#8211; insbesondere Zusammenstöße &#8211; angeprangert, die von Zügen auf der Carajás-Bahn verursacht werden, die dem Unternehmen Vale gehört und Eisenerz zwischen Pará und Maranhão transportiert. Die Bahnlinie durchquert 22 Gemeinden, vier in Pará und 18 in Maranhão. Auf vielen Streckenabschnitten durchschneidet die logistische Struktur die Gebiete der indigenen Völker, der Quilombolas und der traditionellen Gemeinschaften, was dazu führt, dass Menschen und Tiere überfahren werden, was zu Todesfällen und Verstümmelungen führt.</p>
<p>In der vorletzten Abstimmung wurde das Fehlen detaillierter Informationen über die Methodik und den Inhalt des Schulungsprogramms zum Thema Menschenrechte sowie über die Durchführung der Due-Diligence-Prüfung bemängelt. „Das Unternehmen Vale S.A. hat in seinem Verwaltungsbericht 2023 einige Punkte mit positiven Ergebnissen aufgezeigt, indem es ‚Maßnahmen zur Stärkung seines Engagements für die Achtung und Förderung der Menschenrechte in seinen Betrieben‘ hervorgehoben hat und dass es in die Schulung der direkten und indirekten Mitarbeiter investiert hat, die für die Integration in die Unternehmenspolitik erforderlich ist“, heißt es in einem Auszug aus dem Votum.</p>
<p>In der fünften und letzten Abstimmung wurde berichtet, dass Vale versucht hat, sich über seine Holdinggesellschaft Vale Base Metals (VMB) als Weltmarktführer bei der Gewinnung und Verarbeitung von Nickel zu positionieren, das unter anderem für die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge verwendet wird. Diese Art des Bergbaus, die unter sozial-ökologischen Gesichtspunkten angeblich „nachhaltig“ ist, bildet keine Ausnahme von der Regel des Bergbaus insgesamt: Aneignung der natürlichen Ressourcen und Ausplünderung der materiellen Produktionsbedingungen und der Reproduktion des Lebens der traditionellen Völker und Gemeinschaften, so dass 5. und abschliessende Votum der Konzernkritiker*innen.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Hannover Re: Versicherer muss mehr Verantwortung für Menschenrechte übernehmen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/hannover-re-versicherer-muss-mehr-verantwortung-fuer-menschenrechte-uebernehmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lisa Kadel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 May 2024 15:01:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Tailing]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.gegenstroemung.org/?p=3193</guid>

					<description><![CDATA[Bildrechte: Gerd Fahrenhorst. Creative Commons 4.0. &#160; Nach der Munich Re besuchte GegenStrömung am 06.05.2024 auch die (virtuelle) Jahreshauptversammlung der Hannover Re. In Kooperation mit dem Dachverband der kritischen Aktionär*innen reichten wir detaillierte Fragen zur Ausübung der menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten der Hannover Re ein, insbesondere bei der (Rück-)Versicherung von Hochrisikoprojekten wie Staudämmen, Bergbau, Pipelines&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hannover_re_Hauptgeb%C3%A4ude.jpg"><em>Bildrechte: Gerd Fahrenhorst. Creative Commons 4.0</em></a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach der <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/munich-re-gegenstroemung-befragt-rueckversicherer-zu-wasserkraft/">Munich Re</a> besuchte GegenStrömung am 06.05.2024 auch die (virtuelle) Jahreshauptversammlung der Hannover Re.</p>
<p>In Kooperation mit dem Dachverband der kritischen Aktionär*innen reichten wir detaillierte Fragen zur Ausübung der menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten der Hannover Re ein, insbesondere bei der (Rück-)Versicherung von Hochrisikoprojekten wie Staudämmen, Bergbau, Pipelines u.ä. sowie auf dem entstehenden Wasserstoffmarkt.</p>
<p>Leider erhielten wir vom Vorstand kaum konkrete Antworten. Der<a href="https://www.kritischeaktionaere.de/hannover_re/fossiler-ausschluss-nicht-ambitioniert-genug-transparenz-bei-menschenrechten-ausbaufaehig-unser-gegenantrag/"> Gegenantrag der Kritischen Aktionär*innen</a> hatte bereits mangelnde Transparenz des Unternehmens über ihre Menschenrechtsprüfungen bemängelt.</p>
<p>Zu begrüßen ist, dass der Vorstand auf unsere Nachfrage hin zusagte, die Aufnahme der ILO Konvention 169 über die Rechte indigener Völker in die Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte des Unternehmens mit aufzunehmen. Die Konvention ist weithin als Standard anerkannt und wir können daher nur erwarten, dass diese Prüfung positiv ausfallen wird.</p>
<p>Hingegen kritisieren wir scharf, dass die Hannover Re keinerlei Bemühungen vorweisen kann, die Betroffenen der Katastrophen bei den von ihnen mitversicherten Staudämmen <a href="https://www.gegenstroemung.org/?s=hidroituango">Hidroituango</a> und dem Tailings Damm <a href="https://www.gegenstroemung.org/?s=mariana">Mariana</a> zu entschädigen.</p>
<p>Mit Sorge nehmen wir zudem wahr, dass die Hannover Re im Bereich Wasserstoff keinen Ausschluss von fossilem (sogenanntem &#8222;blauen&#8220;) Wasserstoff vorsieht.</p>
<p>Hier unsere Rede und Fragen im Wortlaut:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>mein Name ist Lisa Kadel, ich spreche für die Initiative GegenStrömung, die sich für menschenrechtskonformes Handeln deutscher Akteure im Ausland einsetzt.</p>
<p>Zunächst einmal danke ich dem Dachverband der Kritischen Aktionär*innen für die Möglichkeit, hier zu sprechen.</p>
<p>Der Dachverband Kritische Aktionäre hat gemeinsam mit der Initiative GegenStrömung und mit Betroffenen bereits in der Vergangenheit hier über Menschenrechtsverletzungen und ökologische Schäden im Zusammenhang mit von Ihnen versicherten Staudammprojekten gesprochen, insbesondere das Wasserkraftwerk Hidroituango, und und der Tailings Damm Mariana.</p>
<p>Ich bin heute hier, um daran anzuknüpfen und zu hören, was sich seitdem in Ihrem Unternehmen getan hat – in Bezug auf Staudämme, aber auch allgemein auf den Schutz von Menschenrechten in Risikosektoren, wie etwa auch Bergbau oder Pipelines und jegliche Großprojekte, die aufgrund ihres Flächenbedarfs zu Landkonflikten führen können.</p>
<p>Die Grundsatzerklärung der Hannover Rück zur Achtung der Menschenrechte sollte allen vorgelegt werden, die meinen, der Finanzsektor bräuchte im Gegensatz zur Industrie keine einheitlichen Regeln. Basierend auf der eigenen Risikoanalyse hat Hannover Re für das eigene Rückversicherungsgeschäft das größte Risiko potenzieller Auswirkungen auf Menschenrechte bei großen Bauprojekten wie Staudämme, Minen und Pipelines, den Betrieb von Minen sowie Unternehmen, die in Verbindung mit international geächteten Waffen stehen, identifiziert.</p>
<p>Es ist inkonsequent, dass Hannover Re zwar u.a. schwerwiegende Verstöße gegen die Rechte indigener Völker in das eigene ESG-Manual und ESG-Screening aufgenommen hat, die explizite Anerkennung der ILO-Konvention 169 und UN-Deklaration der Rechte indigener Völker mit deren Konsultations- und Zustimmungsrechten in der Grundsatzerklärung hingegen unterlässt.</p>
<p>Im Geschäftsbericht legt Hannover Re zudem nicht transparent dar, ob bzw. in welchem Umfang etwaige konkrete umwelt- oder menschenrechtlichen Missstände im Investment- oder Rückversicherungsgeschäft identifiziert worden sind, ob etwa Geschäfte genauer geprüft oder sogar abgelehnt werden mussten. Diese Transparenz ist wichtig, um nachvollziehen zu können, ob und wie Hannover Re die Auswirkungen und die Wirksamkeit der eigenen Maßnahmen bewertet und welche Schlussfolgerungen daraus für zukünftige Maßnahmen gezogen werden.</p>
<p>In Bezug auf Wasserkraft ist zu betonen, dass der fortschreitende Klimawandel bestehende Risiken verschärft, da die Auswirkungen von Überflutungen sich durch Dammbrüche massiv verschlimmern können. Hier geht es nicht um abstrakte finanzielle Risiken, sondern ganz konkret um Menschenleben. Zudem werden die Anlagen durch Dürren immer unzuverlässiger in der Stromproduktion. Zahlen der Internationalen Energieagentur für 2023 zeigen, dass trotz einem weltweiten Zubau von 20GW Wasserkraftkapazität die produzierte Strommenge zurückging. Zudem sind natürlich auch die altbekannten Probleme, von der Zerstörung des Flussökosystems über Methanausstoß aus den Reservoirs bis hin zu Zwangsumsiedlungen und anderen Menschenrechtsverletzungen weiterhin aktuell. Wir erwarten daher von Ihnen, dass Sie aus den früheren Projekten Konsequenzen gezogen haben und die Risiken von Staudämmen neu bewertet haben. Zudem erwarten wir im Sinne der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, dass Sie für Abhilfe und Entschädigung für die Betroffenen des bereits entstandenen Schadens sorgen.</p>
<p>Neben Staudämmen beobachten wir mit Sorge die menschenrechtlichen Risiken im Zusammenhang mit entstehenden Wasserstoffprojekten und würden auch hierzu gern mehr über Ihre Praktiken erfahren. Aus Klimaschutzgründen kann nur grüner Wasserstoff überhaupt eine Investitionsoption sein. Aber auch hier bestehen soziale und ökologische Risiken, insbesondere im Bereich Landnutzungsrechte und Wasserknappheit. Diese multiplizieren sich, wenn Projekte möglichst schnell und möglichst kostengünstig umgesetzt werden sollen. Unsere Erwartung an Sie sind ein Höchstmaß an menschenrechtlicher und ökologischer Sorgfalt bei der Auswahl Ihrer Kunden und die Einbeziehung potentiell Betroffener vor der Entscheidung für ein Projekt.</p>
<p>Nun zu meinen konkreten Fragen an Sie:</p>
<ul>
<li>Haben Sie konkrete Missstände in Bezug auf die Achtung der Menschenrechte in Ihrer Wertschöpfungskette identifiziert? Wenn ja, welche genau und was sind Ihre Maßnahmen, diese zu adressieren? Welche Schritte enthält ihre Risikoanalyse insbesondere bei Wasserkraft-, Wasserstoff-, Bergbau- und Pipelineprojekten, welche Betroffenengruppen werden dabei berücksichtigt?</li>
<li>Wie genau prüfen Sie das Vorliegen von free, prior and informed consent durch betroffene indigene Gruppen? Beabsichtigen Sie, die ILO Konvention 169 zu den Rechten indigener Gruppen in Zukunft explizit in Ihre Grundsatzerklärung mit aufzunehmen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wann?</li>
<li>Wie viele Anfragen, Hinweise und/oder Beschwerden haben Sie über Ihren Beschwerdemechanismus in Bezug auf arbeits-, umwelt- und menschenrechtliche Missstände erhalten? Was waren die Inhalte, wie haben Sie reagiert? Wie sehen die Ergebnisse Ihrer Prüfungen aus? In wie vielen Fällen prüfen Sie derzeit noch?</li>
<li>Haben Sie die Rückversicherungen von Projekten und/oder Versicherungen/Unternehmen aufgrund von umwelt- und menschenrechtlichen Bedenken/zu hoher Risiken in diesem Bereich abgelehnt? Wenn ja, um welche Fälle handelt es sich und aus welchen Gründen?</li>
<li>Würden Sie sich für verbindliche, gesetzliche Regeln für die klima-, umwelt- und menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten des Finanzsektors auch für die downstream-Wertschöpfungsketten bzw. Kundenbeziehungen aussprechen? Teilen Sie hier die Auffassung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass dies nicht nötig sei?</li>
<li>Wie viele Großstaudämme, Bergbauprojekte und Pipelines versichern Sie aktuell und wie hoch ist die abgedeckte Versicherungssumme insgesamt? In welchen Regionen befinden sich diese Projekte und wie hoch ist in den jeweiligen Regionen die Zahl der Projekte und die abgedeckte Versicherungssumme (ggf. prozentual zur Gesamtsumme)?</li>
<li>Wie viele Projekte zur Herstellung von Wasserstoff versichern Sie insgesamt? Um welche Art der Herstellung handelt es sich dabei (grün, blau, grau)? In welchen Regionen befinden sich diese Projekte und wie hoch ist in den jeweiligen Regionen die Zahl der Projekte und die abgedeckte Versicherungssumme (ggf. prozentual zur Gesamtsumme)?</li>
<li>In welcher Höhe mussten Sie im letzten Jahr für Schäden im Zusammenhang mit 1. Staudämmen und 2. Bergbauprojekten aufkommen? Um welche Schäden handelte es sich hier?</li>
<li>Wie bereits erwähnt, können Staudämme klimawandelbedingte Überflutungsereignisse verschlimmern und durch Starkregen und Überflutungen geschädigt werden und sind durch klimawandelbedingte Dürren unzuverlässig in der Stromproduktion. Wie berücksichtigen Sie dies bei der ökosozialen und finanziellen Bewertung von Projekten und bei der Auswahl Ihrer Kunden?</li>
<li>Zu Beginn meiner Rede rief ich bereits in Erinnerung, dass wir Sie gemeinsam mit dem Dachverband Kritische Aktionär*innen und Betroffenen in der Vergangenheit wiederholt auf Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit von Ihnen versicherten Wasserkraft- und Tailingsdämmen aufmerksam gemacht haben, insbesondere Hidroituango und Mariana. Welche Bemühungen haben Sie seitdem unternommen, die Betroffenen für erlittene Schäden zu kompensieren?</li>
</ul>
<p>Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und bin gespannt auf Ihre Antworten.</p>
<p>&nbsp;</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bei Staudämmen, Autobahnen, Industrieprojekten oder Agroindustrie: Brasilianische Zivilgesellschaft will mehr soziale Umweltgerechtigkeit und Teilhabe für Infrastrukturprojekte in Brasilien</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/bei-staudaemmen-autobahnen-indutrieprojekte-oder-agroindustrie-brasilianische-zivilgesellschaft-will-mehr-soziale-umweltgerechtigkeit-und-teilhabe-fuer-infrastrukturprojekte-in-brasilien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Apr 2023 07:47:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Tailing]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Teilhabe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.gegenstroemung.org/?p=2848</guid>

					<description><![CDATA[Mehr als 100 Organisationen fordern in einem Offenen Brief an die neue brasilianische Bundesregierung mehr Sensibilität, neue Wege, vorsichtigere Planung, bessere Risikoabschätzung und zivilgesellschaftliche Teilhabe bei anstehenden Infrastrukturprojekten in Brasilien. Von Christian Russau Die Erfahrungen der brasilianischen Zivilgesellschaft und Betroffenengruppen mit Großprojekten der Infrastruktur in Brasilien wie Staudämmen zur Wasserkraftgewinnung, Bergbau, Tailings, Überlandstraßen und Eisenbahnlinien&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mehr als 100 Organisationen fordern in einem Offenen Brief an die neue brasilianische Bundesregierung mehr Sensibilität, neue Wege, vorsichtigere Planung, bessere Risikoabschätzung und zivilgesellschaftliche Teilhabe bei anstehenden Infrastrukturprojekten in Brasilien.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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<p>Die Erfahrungen der brasilianischen Zivilgesellschaft und Betroffenengruppen mit Großprojekten der Infrastruktur in Brasilien wie Staudämmen zur Wasserkraftgewinnung, Bergbau, Tailings, Überlandstraßen und Eisenbahnlinien durch geschützte Gebiete mit oft traditioneller Bevölkerung, Fabriken und Ausweitung der agroindustriellen Landwirtschaft waren in den letzten Jahrzehnten keine Guten. Nun mit den Antritt der neuen Bundesregierung in Brasília, Lula 3, hat sich deshalb die Arbeitsgruppe Infrastruktur und sozial-ökologische Gerechtigkeit (<a href="http://gt-infra.org.br/" target="_blank" rel="noopener">GT Infra</a>) mit einem Offenen Bief an die neue brasilianische Bundesregierung zu Wort gemeldet, in dem sie mit Nachdruck mehr Sensibilität, neue Wege, vorsichtigere Planung, bessere Risikoabschätzung und zivilgesellschaftliche Teilhabe bei anstehenden Infrastrukturprojekten in Brasilien fordern. GT Infra ist ein Netzwerk brasilianischer zivilgesellschaftlicher Organisationen, das sich seit 2012 für sozial-ökologische Nachhaltigkeit bei Infrastrukturmaßnahmen, -programmen und -projekten einsetzt, insbesondere im Verkehrs- und Energiesektor, mit Schwerpunkt auf dem Amazonasgebiet. Die Erklärung in voller Länge von Mitte März dieses Jahres kann <a href="https://ecoa.org.br/wp-content/uploads/2023/03/Carta-Aberta_Novo-Governo_final_22mar23.docx.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier</a> nachgelesen werden.</p>
<p>&#8222;In Anbetracht der von Präsident Lula und seinen Ministern gemachten Zusagen, Umweltfragen als Querschnittsaufgabe in die Regierungspolitik aufzunehmen, auch mit Blick auf eine Null-Abholzung im Amazonasgebiet und andere Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, stellen wir im Folgenden eine Reihe von Empfehlungen für strategische Maßnahmen vor, um effektiv in diese Richtung zu gehen. Wir betonen, dass dieser Offene Brief eine Aktualisierung der Korrespondenz darstellt, die wir am 25.11.22 an Ihre Exzellenzen und das Übergangsteam Ihrer Regierung geschickt haben und die von etwa 100 Mitgliedern und Verbündeten der AG Infrastruktur unterzeichnet wurde. Wir müssen die alte, immer noch vorherrschende Vorstellung überwinden, dass Infrastruktur gleichbedeutend ist mit großen, sehr teuren und gut sichtbaren Ingenieursarbeiten, die von der Regierung und großen Unternehmen definiert und ausgeführt werden, ohne die Notwendigkeit von Transparenz und aktiver Beteiligung der Gesellschaft&#8220;, heißt es zu Beginn des Offenen Briefes.</p>
<p>Die unterzeichnenden des Offenen Briefes haben bei der Erstellung desselben mit lokalen Gemeinschaften, insbesondere im Amazonasgebiet, zusammengearbeitet, um Antworten auf die Frage zu finden: &#8222;Welche Infrastruktur brauchen wir, um unsere Lebensqualität zu verbessern und unsere Umwelt zu erhalten?&#8220; Die mehr als 100 unterzeichnenden Organisationen sind der Meinung, dass &#8222;eine neue Konzeption der Infrastruktur unerlässlich ist, um die Politik der neuen Regierung zur Einbeziehung von Umweltthemen in die Praxis umzusetzen&#8220;, heißt es in dem Brief. Dazu bräuchte es unter anderem eine neue Vision der Infrastruktur für eine nachhaltige Entwicklung &#8211; die Autor:innen des Schreibens betonen dabei, dass es notwendig sei, die Vorstellung zu überwinden, dass Infrastruktur gleichbedeutend mit Großprojekten ohne aktive Beteiligung der Gesellschaft sei. Im gegenteil: Teilhabe sei unerlässliche Vorbedingung für Infrastrukturvorhaben jedweder Größe. Die Gruppen fordrn zudem die Stärkung der strategischen Planung sektoraler Politiken und Programme &#8211; das Schreiben schlägt dazu die Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe vor, an der die Ministerien für Umwelt und Klimawandel, Planung, Verkehr, Bergbau und Energie, indigene Völker und Menschenrechte ressortübergeeifend beteiligt sind. Auch die Einbeziehung von Organisationen der Zivilgesellschaft wird vorgeschlagen. Mit dieser Empfehlung solle ein &#8222;robustes System von Kriterien, Indikatoren und Instrumenten für die Bewertung von Chancen, sozio-ökologischen Risiken und Alternativen bei der strategischen Planung von Infrastrukturarbeiten in der Vorprojektphase&#8220; entwickelt werden, so der Brief. Das Schreiben geht auch auf die Verbesserung der Projektmanagement-Instrumente und -Prozesse ein: Die Arbeitsgruppe Ifrastruktur GT Infra betont, dass die vorherige Analyse der Risiken und der sozio-ökologischen Auswirkungen durch technische, wirtschaftliche und ökologische Durchführbarkeitsstudien ebenso wie die Umweltverträglichkeitsstudien dringend verbessert werden müssten. Außerdem müssten diese Studien auf Transparenz und sozialer Beteiligung bei der Festlegung der Aufgabenstellung und anderen Phasen der Studien beruhen. Konkret werden Räume für Bürgerbeteiligung gefordert. Die Autor:innen raten zur Ausweitung und Stärkung der Bürgerbeteiligung in der Gesellschaft, einschließlich der potenziell betroffenen lokalen Gemeinschaften, wenn es um Entscheidungen über politische Maßnahmen, Programme und Infrastrukturprojekte geht.</p>
<p>Der offene Brief enthält auch Empfehlungen zur Stärkung der territorialen Governance, zur Überprüfung von Hochrisikoprojekten und zur Behebung von Schäden und sozioökologischen Verpflichtungen, zu Amazonasstädten, zur Rolle der Finanzinstitute, zur Infrastruktur und zu Plänen zur Bekämpfung der Entwaldung.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<title>Klage gegen NorskHydro in den Niederlanden wegen des massiven toxischen Austritts aus einem Klärschlammbecken der weltgrößten Aluminiumschmelze Alunorte in Barcarena</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/klage-gegen-norskhydro-in-den-niederlanden-wegen-des-massiven-toxischen-austritts-aus-einem-klaerschlammbecken-der-weltgroessten-aluminiumschmelze-alunorte-in-barcarena/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Oct 2022 15:35:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein niederländisches Gericht hat diese Woche entschieden, dass es für den Gerichtsprozess gegen den norwegischen Konzern Norsk Hydro zuständig ist. Die Klagen beziehen sich auf ökologische und soziale Schäden für die Bevölkerung der Region Barcarena in Pará, Brasilien, die die Betroffenen vor allem ab Anfang 2018 erlitten. Von Christian Russau Die Klage eingereicht hatten die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein niederländisches Gericht hat diese Woche entschieden, dass es für den Gerichtsprozess gegen den norwegischen Konzern Norsk Hydro zuständig ist. Die Klagen beziehen sich auf ökologische und soziale Schäden für die Bevölkerung der Region Barcarena in Pará, Brasilien, die die Betroffenen vor allem ab Anfang 2018 erlitten.</em></p>
<div id="attachment_2778" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-scaled.jpg" data-dt-img-description="Aus Bauxit wird Aluminium und daraus werden Alukapseln für den guten Geschmack des Kaffees: zu welchem sozialen und ökologischen Preis? Foto: christianrussau" data-large_image_width="2560" data-large_image_height="1920"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2778" class="size-medium wp-image-2778" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-300x225.jpg" alt="Aus Bauxit wird Aluminium und daraus werden Alukapseln für den guten Geschmack des Kaffees: zu welchem sozialen und ökologischen Preis? Foto: christianrussau" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2022/10/Alukapseln-Foto-christian_russau-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-2778" class="wp-caption-text">Aus Bauxit wird Aluminium und daraus werden Alukapseln für den guten Geschmack des Kaffees: zu welchem sozialen und ökologischen Preis? [Symbolbild] Foto: christianrussau</p></div>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Die Klage eingereicht hatten die Kanzleien aus Brasilien &#8211; Ismael Moraes Advocacia &#8211; und den Niederlanden &#8211; Lemstra van der Korst &#8211; sowie der global tätigen Anwaltsgruppe Pogust Goodhead, als Vertretung der von dem Auslaufen des Alunorte-Rückhaltebecken Betroffenen. Wie die Familien, die das Unternehmen anzeigten, in der Anzeige erklärten, &#8222;waren die Opfer giftigen Abfällen aus der Aluminiumverarbeitung ausgesetzt, die gesundheitliche Probleme verursachen können, wie z. B. ein erhöhtes Auftreten von Krebs, Alzheimer, Hautkrankheiten, Magenproblemen und Durchfall&#8220;, heißt es in der Beschwerde. Die Betroffenengruppen &#8211; zusammengeschlossen in der Vereinigung Caboclos, Indigene und Quilombolas des Amazonas (Cainquiama) haben in Brasilien bereits fünf Klagen gegen Alunorte eingereicht und sogar an einer vom Bundesgerichtshof genehmigten sogenannten TAC-Vereinbarung zwischen der Bundesstaatsanwaltschaft Ministério Público Federal (MPF) und dem Unternehmen teilgenommen. TAC steht für „Termo de Ajuste de Conduta“ – kurz TAC-Vertrag genannt – eine Art angepasste Durchführungsbestimmung für den Produktionsablauf des Werks. Nach Ansicht der Betroffenen war der TAC jedoch nicht ausreichend, und die Familien wurden noch immer nicht angemessen entschädigt, ebenso wenig wie die Behebung der Umweltschäden. So kam es dazu, dass die Betroffenen sich entschlossen, die Mutterfirma zu verklagen, und zwar in den Niederlanden. &#8222;Die fünf öffentlichen und kollektiven Zivilklagen, die in Brasilien eingereicht wurden, bilden die Grundlage für die in den Niederlanden eingereichte Klage, die eingereicht wurde, nachdem das vom brasilianischen Bundesgerichtshof ratifizierte Abkommen nicht alle von der betroffenen Bevölkerung geforderten Punkte berücksichtigt hatte. Andererseits erlauben Artikel 24 des brasilianischen Zivilgesetzbuches und die völkerrechtlichen Vorschriften der Europäischen Union, dass derselbe Sachverhalt im Herkunftsland und vor einem europäischen Gericht verhandelt wird&#8220;, erklärten die zuständigen Anwält:innen <a href="https://liberalamazon.com/news/hydro-will-be-tried-in-the-netherlands-for-crimes-in-the-amazon" target="_blank" rel="noopener">laut dem Pressebericht bei liberalamazon</a>.</p>
<p>Mit der Klage in den Niederlanden wird eine Entschädigung für etwa 11.000 Familien gefordert, die von der Produktion der von NorskHydro in diesem Bundesstaat betriebenen Aluminiumswerks Alunorte betroffen sind. Nachdem nun das Gericht über die Zuständigkeitsprüfung im Sinne der klagenden Betroffenengruppen positiv entshcieden hat, wird nun das Bezirksgericht Rotterdam in den Niederlanden über den Sachverhalt der Klage in einem Gerichtsprozess entscheiden. <a href="https://liberalamazon.com/news/hydro-will-be-tried-in-the-netherlands-for-crimes-in-the-amazon" target="_blank" rel="noopener">Dies berichtet die Website liberalamazon</a>.</p>
<p>Zu den Gemeinschaften, die von der Tätigkeit des Unternehmens betroffen sind, gehören traditionelle Bevölkerungsgruppen des Amazonasgebiets, wie Flussbewohner, indigene Völker und Quilombolas. Einer der Anwälte, Ismael Moraes, der die Vereinigung der Caboclos, Indigenen und Quilombolas des Amazonas (Cainquiama) vertritt, feierte die Entscheidung des Gerichts, den Prozess fortzusetzen. Er ist der Meinung, dass &#8222;die Entscheidung des niederländischen Gerichts, die Klage von Cainquiama anzunehmen, die Hoffnung auf eine unparteiische und faire Entscheidung ohne Einmischung des brasilianischen Staates und auf eine würdige Wiedergutmachung für diese Gemeinschaften weckt.</p>
<p><a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/die-roehre-die-niemand-in-der-firma-kannte" target="_blank" rel="noopener">Rückblick, Januar 2018</a>: Aus der weltgrößten Aluminiumschmelze Alunorte in Barcarena, im brasilianischen Bundesstaat Pará, traten im Januar 2018 große Mengen an rotgefärbten Abwässern aus, diese erreichten einen kleinen Bach und verbreiteten sich von dort in den umliegenden Dörfern aus. Die Anwohner:innen brachen in Panik aus, fürchteten, dass es sich dabei um giftige Abwässer des Rotschlammbeckens aus der Aluminiumproduktion handeln könnte. Die verantwortliche Firma &#8211; Alunorte, die dem norwegischen Konzern NorskHydro gehört &#8211; verwies zunächst auf den Starkregen der letzten Tage, erklärte die rote Färbung mit dem dort natürlich vorkommenden rotgefärbten Erdboden und versicherte, die Aluminiumschmelze sei sicher und erfülle voll und ganz alle Umweltvorgaben. Dann fanden die Anwohner:innen tote Fische in den Flüssen, den Anwohner:innen starben ihre Hühner, und die Kinder, die in Kontakt mit dem Wasser geraten waren, bekamen Hautausschlag. Alles ganz ungefährlich? Leider nein.</p>
<p>Eine Vorort-Inspektion eines unabhängigen Forschungsinstituts brachte dann den Skandal in seiner ganzen Dimension zutage: In dem rotgefärbten Wasser fand sich Blei in hohen Konzentrationen, auch bei Natrium, Nitrat und Aluminium lagen die gemessenen Werte über den Grenzwerten, bei Aluminium lag der Wert 25 Mal höher, als es die gesetzlichen Grenzwerte erlauben. Das rotgefärbte Wasser wies den Untersuchungen zufolge auch deutlich erhöhte ph-Werte auf. Und: Vom dem Klärbecken des Rotschlamm-Tailings gab es eine Überlaufröhre, durch die die Klärschlämme ungeklärt in die Umgebung entwichen. Alles mit Absicht, um sich billig per illegaler Verklappung aufwändiger Aufbereitung- und Lagerungskosten zu entledigen, wie das Forschungsinstitut Evandro Chagas (IEC) mutmaßte? Oder hatte jemand in der Firma einfach vergessen, dass es dort diese Röhre gab?</p>
<p>Erst nach der Veröffentlichung der Studienergebnisse durch das Forschungsinstitut IEC gestanden die Verantwortlichen der Alunorte ein, dass es eine laut eigenen Angaben ihnen nicht bekannte Röhre gibt. Die Firma sagte zu, den Vorfall aufzuklären und die Röhre umgehend zu verschließen. Doch da waren schon Unmengen an giftigen Stoffen aus den riesigen Klärschlamm-Tailings der Alunorte in die Umgebung entwichen und hat Mensch und Umwelt verseucht.</p>
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		<title>Bundesstaatsanwaltschaft verklagt Vale auf Entschädigungszahlungen an Indigene Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe wegen Brumadinho-Bruch</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/bundesstaatsanwaltschaft-verklagt-vale-auf-entschaedigungszahlungen-an-indigene-pataxo-und-pataxo-ha-ha-hae-wegen-brumadinho-bruch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2022 11:58:02 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Dammbruch]]></category>
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		<category><![CDATA[Vale]]></category>
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					<description><![CDATA[Mehr als drei Jahre nach dem Bruch des Rückhaltebeckens der Mine Córrego do Feijão bei Brumadinho will die Bundesstaatsanwaltschaft Entschädigungszahlungen an an vom Dammbruch betroffene Indigene Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe erreichen. Die Pataxó- und Pataxó-Hã-Hãe-Indigenen lebten in dem Dorf Naô Hohã am Ufer des Paraopeba-Flusses bei São Joaquim de Bicas im brasilianischen Bundesstaat&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mehr als drei Jahre nach dem Bruch des Rückhaltebeckens der Mine Córrego do Feijão bei Brumadinho will die Bundesstaatsanwaltschaft Entschädigungszahlungen an an vom Dammbruch betroffene Indigene Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe erreichen. Die Pataxó- und Pataxó-Hã-Hãe-Indigenen lebten in dem Dorf Naô Hohã am Ufer des Paraopeba-Flusses bei São Joaquim de Bicas im brasilianischen Bundesstaat MInas Gerais und waren gezwungen, ihr Land zu verlassen, als der Wasserlauf nach dem Dammbruch der Vale-Mine Brumadinho mit Schwermetallen verseucht war. Dorfstrukturen, Lebenswelt und Bestreitung ihres Lebensunterhalts wurden durch den Dammbruch nachhaltig geschädigt. Betroffene warten noch immer auf Entschädigung.<br />
</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Die <a href="http://www.mpf.mp.br/mg/sala-de-imprensa/noticias-mg/mpf-e-dpu-ajuizam-acao-para-reparacoes-individuais-a-indigenas-atingidos-pelo-desastre-da-mina-do-corrego-do-feijao" target="_blank" rel="noopener">Bundesstaatsanwaltschaft MPF und die Pflichtverteidigung der Bundesunion DPU haben gestern eine Zivilklage gegen Vale S/A eingereicht</a>, um das Bergbauunternehmen Vale dazu zu verpflichten, ein individuelles Wiedergutmachungsprogramms und Entschädigungszahlungen an die indigenen Familien der Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe des Dorfes Naô Xohã zu erreichen. Diese waren vom Bruch des Bergbaudamms (tailings) der Mine Córrego do Feijão bei Brumadinho betroffen. In der Klage fordern MPF und DPU die Zahlung von zusammengerechnet mehr als 1.000 Mindestlöhnen &#8211; insgesamt umgerechnet etwa 1,2 Millionen Reais an Entschädigungszahlungen &#8222;für materielle und immaterielle Schäden, die indigene Erwachsene, schwangere Frauen, ältere Menschen, Kinder, Jugendliche und Anführer erlitten haben, die von den Auswirkungen der Tragödie in einem Staudamm der Firma Vale in Brumadinho betroffen waren&#8220;, <a href="http://www.mpf.mp.br/mg/sala-de-imprensa/noticias-mg/mpf-e-dpu-ajuizam-acao-para-reparacoes-individuais-a-indigenas-atingidos-pelo-desastre-da-mina-do-corrego-do-feijao" target="_blank" rel="noopener">so MPF und DPU auf ihrer Internetseite</a>.</p>
<p>Konkret fordern MPF und die DPU als Entschädigung für individuell erlittene materielle und immaterielle Schäden die Zahlung von 737 Mindestlöhnen pro erwachsene Person, zusätzlich 61 Mindestlöhne pro schwangere Frau, 40 Mindestlöhne pro ältere Person, 111 Mindestlöhne pro indigenem Anführer und 60 Mindestlöhne pro Kind oder Jugendlichem in der jeweiligen Familiengruppe. der Betrofenen. Die Geschädigten sind die Mitglieder der indigenen Völker der Pataxó- und Pataxó-Hã-Hãe, die das Dorf Naô Hohã bilden, sowie auf weitere Familiengruppen, die dem MPF und der DPU gegenüber bereits ihr Einverständnis daran bekundet hätten, dass ihre jeweiligen Rechte auf individuelle Wiedergutmachung in dieser Aktion behandelt werden. Die MPF und die DPU fordern außerdem, dass die gleichen individuellen Entschädigungen den indigenen Völkern gewährt werden, die das Dorf Katurãma und einen davon entfernter wohnenden, unabhängigen Familienkern bilden, die aber ebenfalls vom Bruch des Brumadinho-Staudamms betroffen seien und die derzeit von privaten Anwält:innen unterstützt würden und direkt mit Vale verhandelten. Voraussetzung dafür, so MPF und DPU, sei, dass diese Betroffenen entsprechend den Regularien zur freien, vorherigen und informierten Befragung (FPIC) im Voraus konsultiert werden und ihre Absicht bekunden, dass ihre jeweiligen Rechte auf individuelle Entschädigungen auch in dieser Klage behandelt werden.</p>
<p>Ziel des MPF und der DPU sei es, so die beiden Institutionen, einerseits, die indigene Autonomie zu respektieren und die freie Wahl der Privatanwält:innen durch die indigene Bevölkerung zu wahren. In diesem Sinne greife die jetzt von MPF und DPU eingereichte Klage den parallel laufenden direkten Verhandlungen der indigenen Bevölkerung mit der verantwortlichen Firma Vale nicht vor, wenn sie weiterhin von privaten Anwält:innen unterstützt werden möchten. Andererseits sollen nach dem Willen der Justizorgane MPF und DPU die Gruppen in der jetzt eingereichten Zivilklage nicht ausgeschlossen und berücksichtigt werden. Durch die Aufnahme der Option für indigene Völker, die bereits direkt mit dem Bergbauunternehmen verhandeln, wollen die Institutionen das Risiko einer zukünftigen Verjährung des Rechts auf individuelle Wiedergutmachung vermeiden, so MPF und DPU.</p>
<p>Laut dem Fachgutachten, mit dem MPF und DPU die Klage begründen, wurden die genannten indigenen Völker der Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe durch den <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/politik-wirtschaft/brumadinho-und-kein-ende-in-sicht" target="_blank" rel="noopener">Brumadinho-Dammbruch</a> mehrfach geschädigt: verseuchtes Flusswasser, das zuvor als Trinkwasser, für Fischerei, Baden und Freizeit genutzt wurde, bis hin zu kulturellen und spirituellen Schäden, da der Paraopeba-Fluss, in dem sie ihre Rituale abhielten, nicht mehr nutzbar war. Dadurch wurden die gewachsenen Dorfstrukturen und deren Lebenswelten nachhaltig gestört. Auch erlitten die Indigenen indirekte Schädigungen durch den Dammbruch, so wurde die Tätigkeit des Kunsthandwerk nach dem Dammbruch kaum mehr ausgeübt, eine Tätigkeit, von der die Mitglieder der indigenen Gemeinschaft zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes abhingen, die aber nach dem Dammbruch unrentabel wurde, einerseits wegen der Knappheit und des Mangels an Rohstoffen, die durch den Dammbruch in Mitleidenschaft wurden, oder wegen des Verlusts an Ruhe, den diese Tätigkeit erfordert. Dies liege auch daran, dass das Leben der indigenen Bevölkerung nach dem Dammbruch von vielen Versammlungen auf der Suche nach Wiedergutmachung sowie von notwendigen Protesten und Demonstrationen bestimmt wurde. Für MPF und DPU ist klar: &#8222;Die Lebensumstände [der indigenen Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe] erfuhren eine tragische Wendung, die sich weitgehend um den Prozess der Wiedergutmachung drehte, und zwar in einer so akuten Weise, dass sie sogar ihre Lebenspläne und -projekte unterbrochen wurden&#8220;. MPF und DPU erinnern daran, dass &#8222;das Bergbauunternehmen Vale seine Pflicht zur Wiedergutmachung zugunsten der indigenen Gemeinschaft bereits durch die vorläufige Anpassungsklausel anerkannt hat, die am 5. April 2019 vom MPF zusammen mit den Völkern Pataxó und Pataxó Hã Hã Hãe des Dorfes Naô Xohã mit dem genannten Bergbauunternehmen unterzeichnet wurde und die das Recht der betroffenen indigenen Bevölkerung auf eine angemessene Wiedergutmachung der erlittenen Schäden auch aus individueller Sicht belegt.&#8220; Doch bislang sind die Entschädigungszahlungen noch nicht geflossen, so MPF und DPU. MPF und DPU wollen mit der Klage zudem verhindern, dass die Vorgänge verjähren und die Firma Vale sich aus der Verantwortung zöge, bevor das Wiedergutmachungsprogramm vollständig abgeschlossen sei.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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