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	<title>Bergbau &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Bergbau &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Brasilianische Zivilgesellschaft protestiert scharf gegen rassistische Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianische-zivilgesellschaft-protestiert-scharf-gegen-rassistische-aeusserungen-des-gouverneurs-des-bundesstaates-roraima/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2023 10:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht. Von Christian Russau Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Eine Gruppe von 60 sozialen Bewegungen zusammen mit seelsorgerisch aktiven Organisationen hat eine Protestnote gegen die rassistischen Äußerungen des Gouverneurs des Bundesstaates Roraima, Antônio Denarium, veröffentlicht. Dies berichtet der Indigenenmissionsrat CIMI <a href="https://cimi.org.br/2023/01/em-nota-mais-de-60-organizacoes-repudiam-a-fala-desumana-do-governador-antonio-denarium-sobre-o-povo-yanomami/" target="_blank" rel="noopener">auf seiner Internetseite</a>, auf der die <a href="https://cimi.org.br/wp-content/uploads/2023/01/NOTA-DE-REPUDIO-AO-GOVERNADOR-ANTONIO-DENARIUM.pdf" target="_blank" rel="noopener">Protestnote auch in ganzer Länge zum freien Download zur Verfügung steht</a>. Der Protest richtet sich gegen die Äußerungen des Gouverneurs von Roraima, Antonio Denarium, die dieser über das Volk der Yanomami äußerte, in denen er behauptete, dass es bei Indigenen keine Unterernährung gäbe und dass &#8222;diese sich kulturell anpassen müssen, dass die nicht länger im Wald bleiben können, wie Tiere&#8220;. Die Organisationen und sozialen Bewegungen kritisieren Gouverneur Denarium vor allem auch angesichts der humanitären Krise, die zum Tod von 570 Kindern aus verschiedenen indigenen Gemeinden geführt hat, die direkt von der Praxis des illegalen Bergbaus betroffen sind, ein Umstand, für den die Bewegungen auch Denarium selbst mitverantwortlich machen. Denarium habe zwei Gesetze zur Unterstützung des Bergbaus in Roraima gebilligt. Die Organisationen gehen soweit, dem Gouverneur von Roraima direkt verantwortlich zu machen: &#8222;Er ist verantwortlich für den Völkermord an den Yanomami!&#8220;</p>
<p>Die Äußerungen Denariums seien äußerst rassistisch, vorurteilsbehaftet und unmenschlich und zeugten von einer völligen Unkenntnis des Gouverneurs über die Realität der indigenen Völker. Die Äußerungen zeugten von einem Mangel an Respekt und Sensibilität zu einer Zeit, in der mehrere Yanomami-Opfer an Malaria, akuter Unterernährung und anderen Krankheiten sterben, die hätten vermieden werden können. Daten verschiedener Einrichtungen wie der dem Gesundheitsministerium unterstehenden Gesundheitsstiftung Fiocruz deuteten darauf hin, dass die illegale Bergbaupraktiken mit hohen Malariaraten im indigenen Yanomami-Territorium kausal im Zusammenhang stünden. Gouverneur Denarium verstoße &#8211; ebenso wie der ehemalige Präsident Jair Bolsonaro &#8211; gegen die brasilianische Bundesverfassung und die Menschenrechte, wenn er nichts nichts tut, um die massive Invasion von Bergleuten zu verhindern, von denen viele von einem Netzwerk lokaler und nationaler Geschäftsleute unterstützt werden, im Gegenteil, er habe dieses Verbrechen während seiner ersten Amtszeit gefördert, so die Protestnote. &#8222;Wir fordern, dass der Gouverneur von Roraima angesichts einer solchen Bedrohung des Yanomami-Volkes wegen des Verbrechens des Völkermordes nach dem Gesetz bestraft wird&#8220;, schließt die Erklärung.</p>
<p>Der Zusammenhang von Unterernährung bei Indigenen, illegalem Bergbau und Quecksilbervergiftungen bis hin zu steigenden Malariafällen bedarf noch der genauen wissenschaftlichen Analyse, zumal zudem geklärt werden muss, welche Auswirkungen dabei der offensichtlich grob fahrlässige Umgang der Bolsonaro-Adminstration mit der knapp dreijährigen Covid-19-Pandemie hatte, aber erste Aussagen von wissenschaftlichen Fachleuten deuten auf Zusammenhänge hin. So <a href="https://www.uol.com.br/universa/noticias/azmina/2023/02/02/em-tres-aldeias-do-para-60-das-indigenas-estao-contaminadas-pelo-mercurio.htm" target="_blank" rel="noopener">berichtet das brasilianische Internetportal UOL</a>, dass der illegale Bergbau die Flüsse und die Fische mit Quecksilber verseucht, während er gleichzeitig durch Rodungen im Wald das Wild verscheuchen und auch die Wasserläufe verändert. So verschwänden nach und nach die wichtigsten Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung, infolgedessen kooptierten die Bergleute die einheimischen Arbeitskräfte mit dem Versprechen auf vermeintlichen Reichtum. Die in den Gemeinden zunehmende Ernährungsunsicherheit führe dazu, dass viele Indigene den Verzehr traditioneller Feld-, Jagd- und Fischereiprodukte aufgeben und stattdessen industriell gefertigte, stark verarbeitete Produkte essen, die sie von den Bergleuten bekommen. &#8222;Probleme wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Diabetes traten auf&#8220;, erklärte dazu Wissenschaftler Paulo Basta von der Fiocruz-Stiftung gegenüber Medien. Unterernährung und Anämie machten Frauen und Kinder anfälliger für die Auswirkungen von Quecksilber im Blut sowie für auch andere Krankheiten und die Ansteckung mit endemischen Krankheiten der Region, wie z. B. Malaria. &#8222;Was im Amazonas vor unserer Nase passiert, ist eine langsamere, aber mit der Zeit zunehmend chronischere Kontamination&#8220;, erklärt der Neurologe Erik Jennings dem Medienbericht zufolge. Für ihn werde die Schwere all dessen erst dann wahrgenommen, wenn viele Menschen unter kognitiven Veränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen und Reizbarkeit leiden. &#8222;Subtile Anzeichen, die für andere Krankheiten verantwortlich gemacht werden, hängen in Wirklichkeit mit dem Quecksilber zusammen&#8220;, erklärt er.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Offener Brief: 29 Bundestagsabgeordnete gegen PL 191 zur Freigabe von Bergbau und Wasserkrafterzeugung in indigenen Territorien</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/offener-brief-29-bundestagsabgeordnete-gegen-pl-191-zur-freigabe-von-bergbau-und-wasserkrafterzeugung-in-indigenen-territorien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 14:59:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[Foto: Staureservoir von Belo Monte. Foto:christian russau 29 Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, SPD, FDP und die Linke schicken zwei Offene Briefe an die Präsidenten des brasilianischen Abgeordnetenhauses und des Senats sowie an die Vorsitzenden und Vizevorsitzenden verschiedener Ausschüsse im brasilianischen Nationalkongress, in denen sie ihre Besorgnisse zum Ausdruck bringen über die drohende Verabschiedungen der Gesetzesinitiativen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Foto: Staureservoir von Belo Monte. Foto:christian russau</em></p>
<p>29 Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, SPD, FDP und die Linke schicken zwei Offene Briefe an die Präsidenten des brasilianischen Abgeordnetenhauses und des Senats sowie an die Vorsitzenden und Vizevorsitzenden verschiedener Ausschüsse im brasilianischen Nationalkongress, in denen sie ihre Besorgnisse zum Ausdruck bringen über die drohende Verabschiedungen der Gesetzesinitiativen PL 191 zur Liberalisierung von Bergbau und Wasserkrafterzeugung in indigenen Territorien und der PL 490/2007 mit dem Zwecke der Übertragung der Demarkation indigener Territorien von der Exekutive zur Legislative.</p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>29 Bundestagsabgeordnete haben heute, am 4. April, zwei Offene Briefe an ihre Kolleg:innen im brasilianischen Abgeordnetenhaus und im Senat versandt, in denen sich die Abgeordneten aus den Parteien von Bündnis90/Die Grünen, SPD, FDP und die Linke gegen die PL 191 und die PL 490 aussprechen und ihre Besorgnis über diese Gesetzesinitiativen zum Ausdruck bringen. Beide Briefe liegen GegenStrömung in <a href="https://deborah-duering.de/wp-content/uploads/2022/04/Brief-an-den-Brasilianischen-Nationalkongress.pdf" target="_blank" rel="noopener">deutscher</a> und portugiesischer Version im Original vor. Diese beiden Gesetzesinitiativen sind Teil einer Reihe von Gesetzesvorlagen, die &#8211; so die Abgeordneten des Deutschen Bundestages &#8211; &#8222;die Fragen der physischen, territorialen Integrität der indigenen Territorien, der Umweltgesetzgebung sowie der gerechten Landverteilung in Brasilien&#8220; beträfen. Wörtlich heißt es in dem Brief: &#8222;Mit großer Besorgnis haben wir zu Kenntnis genommen, dass in einer Abstimmung am 9.3.2022 die Entscheidung getroffen wurde, die PL 191/2020 als „dringlich“ einzustufen und sie noch im April zur Abstimmung kommen soll – trotz der Proteste indigener Organisationen und schwerwiegender verfassungsrechtlicher Bedenken, die u. a. vom Ministerio Público vorgebracht wurden.&#8220;</p>
<p>Sowohl Brasilien als auch Deutschland stünden &#8222;besonderen Hausforderungen durch die sich verschärfende Klimakrise gegenüber&#8220;, so die Abgeordneten. Die Lösungen dafür lägen &#8222;auch in bester Fortsetzung und Vertiefung der bilateralen Beziehungen beider Länder beim Schutz und Erhalt der für Brasilien und die Weltgemeinschaft so enorm bedeutsamen brasilianischen Biome wie Amazonien, Cerrado, Pantanal und Atlantischer Regenwald. Besondere Bedeutung muss der Achtung, dem Schutz und der Gewährleistung der indigenen Menschen- und Territorialrechte zukommen&#8220;, so die Abgeordneten.</p>
<p>Die Bundesrepublik Deutschland habe, so schreiben die Abgeordneten in ihren zwei wortidentischen Briefen an die brasilianischen Abgeordnetenkammer und den Senat weiter, &#8222;nicht zuletzt durch die wichtigen Erfahrungen im Rahmen unserer langjährigen strategischen Partnerschaft mit Brasilien, die unerlässliche Bedeutung der indigenen Völker und Gemeinschaften für den Walderhalt in Brasilien erkannt und die Fragen indigener Rechte und Walderhalt zu Schwerpunktthemen unserer bilateralen Entwicklungskooperation gemacht&#8220;. Dies drücke sich auch in der im vergangenen Jahr erfolgten Ratifizierung der Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz der Rechte indigener Völker durch den Deutschen Bundestag aus. Zu den nun im brasilianischen Nationalkongress anstehenden Gesetzesinitiativen PL 191 und der PL 490 finden die Abgeordneten folgende Worte: &#8222;Eine Ratifizierung der oben genannten Gesetzesinitiativen würde eine massive Gefährdung der Rechte der indigenen und traditionellen Völker und Gemeinschaften Brasiliens bedeuten. Wir bitten Sie daher, sich persönlich mit Nachdruck für die Ablehnung der oben genannten Gesetzesvorhaben einzusetzen.&#8220;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gesetzesinitiative PL 191 zu Bergbau und Wasserkraft in indigenen Gebieten: Kurz vor Verabschiedung?</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/gesetzesinitiative-pl-191-zu-bergbau-und-wasserkraft-in-indigenen-gebieten-kurz-vor-verabschiedung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Mar 2022 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Indigene Territorien]]></category>
		<category><![CDATA[PL 191]]></category>
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					<description><![CDATA[[Foto: Folgen von Bergbau in indigenen Territorien, hier: Indigenes Territorium Krenak, Minas Gerais, Foto: christian russau [2016] Der Gesetzentwurf PL 191 in Brasilien befasst sich laut Gesetzestext mit: &#8222;Regelt § 1 des Art. 176 und § 3 des Art. 231 der Verfassung, um die besonderen Bedingungen für die Erforschung und den Abbau von Bodenschätzen und&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="parent-fieldname-text" class="">
<p>[Foto: Folgen von Bergbau in indigenen Territorien, hier: Indigenes Territorium Krenak, Minas Gerais, Foto: christian russau [2016]</p>
<p>Der Gesetzentwurf PL 191 in Brasilien befasst sich <a href="https://www.camara.leg.br/proposicoesWeb/fichadetramitacao?idProposicao=2236765" target="_blank" rel="noopener">laut Gesetzestext</a> mit: &#8222;Regelt § 1 des Art. 176 und § 3 des Art. 231 der Verfassung, um die besonderen Bedingungen für die Erforschung und den Abbau von Bodenschätzen und Kohlenstoffen sowie für die Nutzung von Wasserressourcen zur Stromerzeugung auf indigenem Land festzulegen, und sieht eine Entschädigung für die Einschränkung des Nießbrauchs an indigenem Land vor.&#8220;</p>
<p><a href="https://amazoniareal.com.br/bolsonaro-forca-aprovacao-pl-191/" target="_blank" rel="noopener">Amazônia Real berichtet</a>, wie die Bolsonaro-Regierung samt ihrer Unterstützer:innen diese PL 191 mit dem Argument auf die Kriegssituation Russlands in der Ukraine durchsetzen will. Auch in europäischen Medien wird darüer berichtet, wie Bolsonaro den drohenden Mangel an Kali-Dünger-Importen aus Russland nach Brasilien ausgleichen will, indem er den Bergbau in indigenen Territorien <a href="https://www.nzz.ch/international/bolsonaro-nutzt-ukraine-krieg-zu-verteidigung-von-amazonas-ausbeutung-ld.1672621" target="_blank" rel="noopener">vorantreiben wolle</a>. Der brasilianische Bundesabgeordnete Ricardo Barros von der Partei PP sammele demnach seit Donnerstag, 3. März, im internen System der Abgeordnetenkammer Unterschriften für den größten anti-indigenen Angriff der Regierung von Jair Bolsonaro, die PL 191. Bolsonaro sei es gelungen, beim Exekutivbüro einen Antrag zu stellen, damit der von der Exekutive verfasste Gesetzentwurf PL 191/2020 in Dringlichkeit bearbeitet werde. Wenn die Genehmigung erteilt werde, so Amazônia Real, werde der Bergbau in indigenem Land in Brasilien genehmigt werden. Die ökologische und soziale Katastrophe steht somit unmittelbar bevor.</p>
<p>Die Regierung nutze die Empörung über den Krieg Russlands gegen die Ukraine, um das Gesetz PL 191 zu verabschieden, das die Artikel 176 und 231 der Verfassung regelt und den Bergbau zulassen soll, der jetzt in den indigenen Gebieten (noch) als illegal gilt. Bolsonaros Argument ist, dass es im Amazonas Kali gebe, ein Mineral, das für die Herstellung von Düngemitteln verwendet wird, und ein Teil davon befände sich in indigenem Land. Durch die russische Invasion im Nachbarland werde es für Brasilien und den Rest der Welt schwierig werden, in der Landwirtschaft verwendete Düngemittel aus Russland zu beziehen.</p>
<p>&#8222;Wenn dieses Gesetz verabschiedet wird, ist es das Ende vieler indigener Völker in Brasilien&#8220;, verurteilte der Abgeordnete Nilto Tatto von der oppositionellen Arbeiterpartei PT dieses Vorpreschen bei der Gesetzesinitiative PL 191. &#8222;Sie nutzen den Moment aus, in dem alle von der Kriegssituation bewegt sind und sagen, dass der Bergbau auf indigenem Land genehmigt werden sollte, um Brasilien nicht zu schaden.&#8220; Auch der Abgeordnete Rodrigo Agostinho von der PSB warnt, es bestehe &#8222;die reale Gefahr, dass über diesen Gesetzentwurf in den kommenden Wochen abgestimmt wird. Die Regierung übt Druck aus. Unter dem Vorwand, die Düngemittelindustrie zu unterstützen, sollen in Wirklichkeit die Garimpeiros freie Hand bekommen&#8220;, so Agostinho. Die Kräfteverhältnisse im brasilianischen Nationalkongress scheinen derweil darauf hinzudeuten, dass die PL 191 durchgehen könnte, befürchten Beobachter:innen.</p>
<p>Am morgigen Dienstag findet in Brasilia eine große Kundgebung statt, zu der auch der Sänger Caetano Veloso aufgerufen hat und an der Hunderte von Institutionen, Künstler:innen und Persönlichkeiten teilnehmen werden. Diese Mobilisierung zusammen mit intrenationalem Druck mag die letzte Hoffnung sein, die Abgeordneten zum Schutz der indigenen Völker zu bewegen, aber andere umweltfeindliche Gesetzesentwürfe, wie die zur Erleichterung des Landraubs und der Zulassung von Agrargiften, wurden von diesem Kongress bereits mit deutlichen Mehrheiten durchgewunken und verabschiedet. Bolsonaro hatte bereits lange vor seiner Wahl angekündigt, wie seine indigenenfeindliche Politik aussehen werde. &#8222;Keinen Zentimeter Land mehr!&#8220; für die Indigenen, das war einer seiner zentralen Wahlsprüche. Und dies setzt er jetzt um. Seit 2019 wurde kein neues indigenes Territorium mehr ausgewiesen, und die bestehenden geraten jetzt ebenfalls unter Druck, sei es durch die noch anstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofes STF zur Stcihtagsregelung &#8222;Marco Temporal&#8220; oder wie jetzt diese Tage durch den Gesetzesentwurf PL 191. Düstere Zeiten.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Illegale Goldschürferei untergräbt Fundamente der Überlandleitung von Belo Monte</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/illegale-goldschuerferei-untergraebt-fundamente-der-ueberlandleitung-von-belo-monte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Nov 2021 15:22:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Energiesicherheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Vordringen des illegalen Goldsuchens in Amazonien bedroht nicht nur Gesundheit und leben der dort lebenden traditionellen Bewohner:innen und vergiftet Boden, Luft und Wasser, sondern bedroht auch die Energieversorgung des Landes: Brasiliens Bundespolizei befürchtet Blackout in den Bundesstaaten Pará, Tocantins, Goiás und Minas Gerais, weil die Garimpeiros unter den Fundamenten der Stützpfeiler der Überlandleitung nach&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Vordringen des illegalen Goldsuchens in Amazonien bedroht nicht nur Gesundheit und leben der dort lebenden traditionellen Bewohner:innen und vergiftet Boden, Luft und Wasser, sondern bedroht auch die Energieversorgung des Landes: Brasiliens Bundespolizei befürchtet Blackout in den Bundesstaaten Pará, Tocantins, Goiás und Minas Gerais, weil die Garimpeiros unter den Fundamenten der Stützpfeiler der Überlandleitung nach Gold graben.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Dass die asphaltierten Straßen in Amazoniens Tropenwäldern wie Einfallstore für illegale Waldrodung fungieren, ist hinlänglich bekannt: 80 Prozent aller illegalen Rodungen im Großraum Amazoniens vollziehen sich entlang eines 30 Kilometer breiten Streifens quer der asphaltierten Straßen. Nun scheint sich zu zeigen, dass auch die in den Tropenwald gefrästen Schneisen der Führung der Überlandleitungen von Belo Monte als Einfallstore der Zerstörung fungieren, nur diesmal anders: Die Bundespolizei sah sich am Mittwoch, dem 17. November dieses Jahres gezwungen, einen Noteinsatz in Amazonien in die Wege zu leiten. Rund 65 Beamt:innen der Bundespolizei, 24 Polizist:innen der Bundesstraßenpolizei, 30 Militärs der Nationalgarde sowie drei Mitarbeiter:innen der Nationalen Bergbaubehörde und fünf Mitarbeiter:innen der Umweltbehörde Ibama sind bei der Operation &#8222;Guaraci&#8220; derzeit im Einsatz. Ihr Ziel: Festnahme illegaler Goldsucher:innen.</p>
<p>Laut Haftbefehlen werden derzeit 15 Personen gesucht. Ihr Vergehen: illegales Goldschürfen in der Xingu-Region. Jedoch musste auch die Bundespolizei in ihrer Mitteilung eingestehen, dass solch ein verhältnismässig großer Einsatz diesmal eher aus weiteren Gründen und Motivlagen erfolgte. Denn 15 Goldgräber:innen irgendwo in Amazonien, das regt in Bolsonaros Bergbau- und Goldgräber freundlicher Regierung in Brasília die Bundespolizei auf Weisung ihres Obersten Gebieters, des Präsidenten Jair Bolsonaro, normalerweise nicht so auf, ganz im Gegenteil: ein Bolsonaro applaudiert den Goldsucher:innen eher.</p>
<p>Was aber diesmal die Bundespolizei zu schnellem Handeln bewog: Die Goldsuchenden graben in der Erde auch neben und unterhalb der Stützfundamente der Überlandleitung des Staudamms von Belo Monte. Diese Stützfundamente messen 50 Meter Radius, nun aber scheinen Goldsuchende direkt dort nach Gold zu graben, was die Stabilität der Überlandleitung gefährde.</p>
<p>Diese Stromleitung reicht vom Fluss Xingu im Bundesstaat Pará <a href="https://tractebel-engie.com.br/pt/referencias/linha-de-transmissao-uhe-belo-monte" target="_blank" rel="noopener">über 2.000 Kilometer</a> durch die Bundesstaaten Tocantins, Goiás bis nach Minas Gerais. Sollte die Leitung wegen der illegalen Gräberei instabil und unterbrochen werden, drohe in mehreren Bundesstaaten ein Blackout, <a href="https://www.otempo.com.br/politica/governo/garimpo-ilegal-ameaca-abastecimento-de-energia-em-mg-go-to-e-pa-1.2571578" target="_blank" rel="noopener">so die Bundespolizei gegenüber Medien</a>, was der hauptsächliche Grund für den dringlichen Großeinsatz sei. &#8222;Die entsprechenden illegalen Aktivitäten bergen ein hohes Risiko, die Regelmäßigkeit der Stromverteilung und -versorgung im Lande zu beeinträchtigen, da die Xingu/Estreito-Übertragungsleitung den im Kraftwerk Belo Monte erzeugten Strom zu den wichtigsten Energieverbrauchszentren des Landes leitet&#8220;, so die Bundespolizei in einer Erklärung.</p>
<p>Die Operation Guaraci wird laut Medienberichten mit dem Ziel fortgesetzt, gegen den illegalen Gold- und Manganabbau in der Region Xingu in Pará vorzugehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erneute Bedrohungen gegen Alessandra Munduruku und Einbruch in ihr Haus</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/erneute-bedrohungen-gegen-alessandra-munduruku-und-einbruch-in-ihr-haus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Nov 2021 15:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Munduruku]]></category>
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					<description><![CDATA[Die international renommierte indigene Menschenrechtsverteidigerin Alessandra Korap Munduruku, die gegen Bergbau und Staudämme in dem Munduruku-Territorium kämpft, wird erneut bedroht, und nun wurde vor wenigen Tagen in ihr Haus eingebrochen. Nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr von der COP26 in Glasgow wurde das Haus von Alessandra Munduruku erneut überfallen. Die Kriminellen stahlen Dokumente, Speicherkarten von&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die international renommierte indigene Menschenrechtsverteidigerin Alessandra Korap Munduruku, die gegen Bergbau und Staudämme in dem Munduruku-Territorium kämpft, wird erneut bedroht, und nun wurde vor wenigen Tagen in ihr Haus eingebrochen.</em></p>
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<p>Nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr von der COP26 in Glasgow wurde das Haus von Alessandra Munduruku erneut überfallen. Die Kriminellen stahlen Dokumente, Speicherkarten von Überwachungskameras sowie Bargeld in Höhe von 4.000 Reais, Geld, das für die Durchführung des nächsten Treffens der Munduruku-Frauen vom Oberen und Mittleren Tapajós im Dezember dieses Jahres gedacht war. Während des Einbruchs waren Alessandra Munduruku und ihre Familie nicht zu Hause, <a href="https://www.dw.com/pt-br/casa-de-l%C3%ADder-ind%C3%ADgena-amea%C3%A7ada-sofre-nova-invas%C3%A3o-no-par%C3%A1/a-59811864" target="_blank" rel="noopener">wie Medien berichten</a>.</p>
<p>Alessandra hatte ihre Wohnung zwischenzeitlich verlassen, weil sie sich dort zunehmend unsicher fühlte. Am Tag vor der Tat waren angebliche Mitarbeiter:innen des örtlichen Stromversorgers bei ihr zu Hause und behaupteten, sie müssten die Stromzufuhr ihres Hauses unterbrechen. Daraufhin wurde Alessandra Munduruku misstrauisch und sie versuchte, sich die Informationen von dem Unternehmen bestätigen zu lassen, das ihr aber mitteilte, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Mitarbeiter:innen im Außendienst in der Region hätte. Aus diesem Grund verließ Alessandra Munduruku ihr Haus und suchte Schutz bei Freund:innen.</p>
<p><a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/morddrohungen-und-einschuechterungsversuche-indigener-menschenrechtsaktivistin-in-santarem" target="_blank" rel="noopener">Bereits in 2019 hatte es einen Einbruch in ihr Haus gegeben</a>, woraufhin Alessandra Munduruku mit ihrer Familie an einen sicheren Ort fliehen musste. Damals wurde Bolsonaro von einer Gruppe von deutschen Abgeordneten aufgefordert, Alessandra Munduruku von den brasilianischen Bundes-Sicherheitsbehörden schützen zu lassen, nachdem sie mehrere Morddrohungen bekam, was aber bisher nicht geschah.</p>
<p>&#8222;Dieser Einbruch, wie auch der vorangegangene, erfolgt nach einem Prozess, an dem sie teilnimmt und der aufgrund ihrer Anschuldigungen über die Geschehnisse in den indigenen Gebieten große Auswirkungen hat&#8220;, so Alessandra Mundurukus Rechtsanwältin, Luisa Câmara Rocha. Im November 2019 waren Eindringlinge bereits in das Haus von Alessandra eingebrochen. Bei dieser Gelegenheit nahmen sie einen Computer, USB-Sticks, Mobiltelefone, Speicherkarten und Berichte über die Aktivitäten und Forschungen des Volkes der Munduruku mit.</p>
<p>Kurz zuvor war sie in Begleitung anderer indigener Anführer:innen nach Brasília gereist, um die zunehmenden Übergriffe von Holzfällern und Bergleuten auf indigenes Land, das noch nicht abgegrenzt ist, anzuprangern. Während der COP26 in Glasgow prangerte Alessandra Munduruku die gleichen Probleme gegenüber der internationalen Öffentlichkeit an. Sie kritisierte dabei auch die Regierung des Bundesstaates Pará, die im Oktober ein Gesetz zur Einführung des Tages des Garimpeiro (Goldsuchers) erlassen hatte.</p>
<p>&#8222;Für uns ist es klar, dass versucht wurde, sie wegen ihrer politischen Tätigkeit einzuschüchtern. Im Haus befanden sich weitere Wertsachen, die hätten gestohlen werden können, aber es wurde nichts entwendet. Sie nahmen Dokumente mit Namen von Personen, Organisationen, Adressen und Speicherkarten mit, was die Ermittlungen erschwert&#8220;, so die Anwältin Rocha.</p>
<p>Alessandra war im September 2019 als Gast der ASW und des FDCL in Berlin, nahm an der Berliner Klimastreik-Demo von „Fridays for Future“ am 20.9.2019 Teil, sprach vor zigtausenden Schüler:innen am Brandenburger Tor.</p>
<p>// Christian Russau</p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Notfallkommuniqué der Widerstandsorganisationen des Volkes der Munduruku</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/notfallkommunique-der-widerstandsorganisationen-des-volkes-der-munduruku/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 May 2021 08:23:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Munduruku]]></category>
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					<description><![CDATA[GegenStrömung dokumentiert in deutschsprachiger Übersetzung das gestrige Notfallkommuniqué der Widerstandsorganisationen des Volkes der Munduruku zum Überfall des Goldschürfermobs auf die Aldeia Fazenda Tapajós &#160; // Originalquelle: https://movimentomundurukuiperegayuii.wordpress.com/2021/05/26/comunicado-emergencial-das-organizacoes-de-resistencia-do-povo-munduruku/ // Übersetzung: Christian Russau Notfallkommuniqué der Widerstandsorganisationen des Volkes der Munduruku Wir Munduruku fordern von den staatlichen Sicherheitskräften die sofortige Übernahme von Verantwortung, um die Menschen, Anführer:innen und&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>GegenStrömung dokumentiert in deutschsprachiger Übersetzung das gestrige Notfallkommuniqué der Widerstandsorganisationen des Volkes der Munduruku zum Überfall des Goldschürfermobs auf die Aldeia Fazenda Tapajós</em></p>
<div id="attachment_2446" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2021/05/casa-queimada-foto-Munduruku-Ipereg-Ayu.jpg" data-dt-img-description="Haus von Maria Leusa Kaba von Mob in Brand gesetzt. Fotoquelle mit freundlicher Genehmigung: Movimento Munduruku Ipereg Ayu" data-large_image_width="1024" data-large_image_height="576"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2446" class="size-medium wp-image-2446" src="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2021/05/casa-queimada-foto-Munduruku-Ipereg-Ayu-300x169.jpg" alt="Haus von Maria Leusa Kaba von Mob in Brand gesetzt." width="300" height="169" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/casa-queimada-foto-Munduruku-Ipereg-Ayu-300x169.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/casa-queimada-foto-Munduruku-Ipereg-Ayu-768x432.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/casa-queimada-foto-Munduruku-Ipereg-Ayu.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-2446" class="wp-caption-text">Haus von Maria Leusa Kaba von Mob in Brand gesetzt. Fotoquelle mit freundlicher Genehmigung: Movimento Munduruku Ipereg Ayu</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>// Originalquelle: <a href="https://movimentomundurukuiperegayuii.wordpress.com/2021/05/26/comunicado-emergencial-das-organizacoes-de-resistencia-do-povo-munduruku/" target="_blank" rel="noopener">https://movimentomundurukuiperegayuii.wordpress.com/2021/05/26/comunicado-emergencial-das-organizacoes-de-resistencia-do-povo-munduruku/</a></p>
<p>// Übersetzung: <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p><strong>Notfallkommuniqué der Widerstandsorganisationen des Volkes der Munduruku</strong></p>
<p>Wir Munduruku fordern von den staatlichen Sicherheitskräften die sofortige Übernahme von Verantwortung, um die Menschen, Anführer:innen und Kazik:innen zu schützen, die gegen die Invasion des Bergbaus in der Region Widerstand leisten.</p>
<p>Heute Morgen (26.5., Anm.d.Üb.) griff ein vom Bürgermeister der Gemeinde Jacareacanga angestachelter Mob aus Goldschürfer:innen die vor Ort befindlichen Niederlassungen der nationalen Streitkräfte und der Bundespolizei an, die in der Region zugegen sind. Der Mob versuchte, deren Gerätschaften zu verbrennen, und die Beamten antworteten daraufhin mit Tränengasbomben. Da es dadurch dem Mob nicht gelang, Gelände und Gebäude der Polizei- und Nationalen Sicherheitskräfte zu stürmen, griffen der Mob aus Bergarbeiter:innen und deren Gruppen von kooptierten Indigenen die Häuser unserer indigenen Anführer:innen an.</p>
<p>Damit überschritt die Gewalt gegen unser Volk der Munduruku alle Grenzen. Am Nachmittag des 26. Mai, gegen 12:30 Uhr, wurde das indigene Dorf Fazenda Tapajós, in dem die Koordinatorin der Frauen-Vereinigung Wakoborun, Maria Leusa Kaba, lebt, vom Mob bewaffneter Bergleute überfallen und angegriffen. Zwei Häuser wurden in Brand gesetzt, das Haus der Koordinatorin selbst und das ihrer Mutter, der Kazikin des Dorfes. Den Informationen zufolge wurde niemand verletzt, aber alle stehen unter Schock.</p>
<p>Darauf folgte die Ansage, der Mob werde in das Dorf von Ademir Kaba und Ana Poxo, den Anführer:innen unseres Volkes, ziehen und dort das Gleiche zu tun. Wir brauchen dringend den Einsatz von Polizeikräften, um die Kriminellen zu verhaften, die uns angreifen, und um unsere Anführer in Sicherheit zu bringen, damit diese ihre Arbeit weiterführen und die Eindringlinge aus unserem Land vertreiben können, sonst wird das alles nie enden.</p>
<p>Es ist inakzeptabel, dass trotz der Präsenz der Nationalen Streitkräfte in der Region das Dorf eines unserer wichtigsten Anführer von bewaffneten Männern überfallen wurde, die Kanister mit Gallonen von Benzin mit sich führten, die den Hass gegen uns alle schüren. Wir fürchten um das Leben derer, die unermüdlich dafür kämpfen, das Leben des Volkes der Munduruku und die Zukunft aller Menschen auf diesem Planeten zu verteidigen.</p>
<p>Für die Verteidigung des sauberen Flusses und des lebendigen Waldes sind wir Opfer der Todespolitik dieser Regierung, die uns auf unserem eigenen Territorium bewaffneten Bergleuten ausliefert.</p>
<p>Wir bitten dringend um die Präsenz der Bundespolizei, um weitere Gewalt, Morde und Massaker zu verhindern, die aus der Förderung illegaler Bergbauaktivitäten und der Straflosigkeit von Kriminellen resultieren, wie wir sie bei den Yanomami und hier im Gebiet Mundurukania erleben.</p>
<p>Unser Volk will nur in FRIEDEN LEBEN und UNSERE RECHTE RESPEKTIERT HABEN. Wir sind nicht diejenigen, die nach Gewalt fragen. Wir bitten nur um den Schutz unseres Landes und des Lebens der Indigenen durch den Staat, wie es die Bundesverfassung vorschreibt. Wir schreien um Hilfe.</p>
<p>unterzeichnet von: Movimento Munduruku Ipereg Ayu, Associação das Mulheres Munduruku Wakoborun, Associação Da’uk, Associação Arikico, Conselho Indígena Munduruku do Alto Tapaós- CIMAT</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vales Rückzug vom Ausstieg? Bergbau in Indigenen Territorien doch weiterhin auf der Konzernagenda?</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/vales-rueckzug-vom-ausstieg-bergbau-in-indigenen-territorien-doch-weiterhin-auf-der-konzernagenda/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2020 09:27:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene Territorien]]></category>
		<category><![CDATA[Vale]]></category>
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					<description><![CDATA[Entgegen vorherigen Aussagen scheint Vale am Bergbau in Indigenen Territorien doch weiter festhalten zu wollen. Recherchen der brasilianischen Seite von &#8222;The Intercept&#8220; legen nahe, dass der brasilianische Bergbaukonzern Vale entgegen Aussagen auf der Aktionärsversammlung vom 30. April dieses Jahres doch weiterhin auf künftigen Bergbau in indgenen Territorien in Brasilien setzen würde. Am Donnerstag, dem 30.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Entgegen vorherigen Aussagen scheint Vale am Bergbau in Indigenen Territorien doch weiter festhalten zu wollen.</em></p>



<p><em>Recherchen der brasilianischen Seite von &#8222;The Intercept&#8220; legen nahe, dass der brasilianische Bergbaukonzern Vale entgegen Aussagen auf der Aktionärsversammlung vom 30. April dieses Jahres doch weiterhin auf künftigen Bergbau in indgenen Territorien in Brasilien setzen würde.</em></p>



<p>Am Donnerstag, dem 30. April 2020 (<a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/nach-siemens-erklaert-sich-nun-auch-vale-gegen-bergbau-in-indigenen-territorien-erfolg-fuer-kritische-aktionaerinnen/">GegenStrömung berichtete</a>), hatte in Brasilien die alljährliche Hauptversammlung des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale stattgefunden. Dort haben, wie seit 2010 jedes Jahr, Menschenrechtsaktivist:innen des internationalen Netzwerks der von Vale Betroffenen (Articulação Internacional dos Atingidos e Atingidas pela Vale – AIAAV) durch den Kauf einer Aktie das dortige Rede- und Stimmrecht erlangt, das sie nutzen, um den Konzernvorstand direkte Fragen zu stellen und die allfällige Kritik am Konzerngebaren direkt ins &#8222;Herz der Bestie&#8220; zu tragen. Eines der vielen heiklen Themen, das die Aktivist:innen ansprachen, betraf die Fragen der von der rechtsextremen Regierung Bolsonaro angestrebten wirtschaftlichen Öffnung der indigenen Territorien für Bergbau und welche Position Vale diesbezüglich einzunehmen gedenke. Schließlich hält allein Vale hunderte an Schürf- und Förderanträgen und -lizenzen auf künftigen Bergbau in den eigentlich geschützten Gebieten.</p>



<p>Die damalige Antwort des Firmendirektors von Vale, Luciano Siani, auf die Fragen des Rechtsanwalts Danilo Chammas, Menschenrechtsverteidiger Articulação Internacional dos Atingidos e Atingidas pela Vale, der seit 2010 mit einer Aktie auf die Jahreshauptversammlung der Vale geht und dort den Konzernvorstand kritischen Fragen aussetzt, war diesmal aber unmißverständlich: &#8222;Wir haben nicht die geringste Absicht, Bergbau in indigenen Territorien zu betreiben.&#8220; Doch was ist mit den hunderten Anträgen auf Förderlizenzen, die die Vale innehält allein für indigenen Territorien? &#8222;Wir werden diese Anträge zurückziehen&#8220;, so der Vale-Chef laut einem Medienbericht beim Internetportal Terra über den auch GegenStrömung berichtete. Und auf der eigenen Webseite ließ Vale erklären, &#8222;dass es keine Mineralienforschung oder Bergbautätigkeiten irgendwelcher Art in indigenen Ländern in Brasilien durchführt, unabhängig davon, ob es sich um Bergbautitel oder Erwartungen des Gesetzes handelt, und dass es die geltende Gesetzgebung strikt einhält. Vale gibt auch an, dass in seinem Produktionsplan Mineralressourcen oder Mineralreserven in indigenen Ländern in Brasilien nicht berücksichtigt werden, und aus diesem Grund hat der neue Gesetzesentwurf keine Auswirkungen auf unser Geschäft.&#8220; Mit dem neuen Gesetzesentwurf meint Vale das von der Bolsonaroregierung in den Kongress eingebrachte Gesetzesvorhaben Lei 191/2020 zur künftigen Ausbeutung indigener Territorien in Brasilien durch Bergbau. Das klang, zum ersten Mal, als ein klares &#8222;Nein&#8220; von Vale nicht nur zu Bergbau in indigenen Territorien, nicht nur in Amazonien, sondern in indigenen Territorien in ganz Brasilien. In der Tat ein Fortschritt, ein kleiner zwar, vergegenwärtigt man sich die ganze Palette an Umweltschäden und sozialen Konsequenzen des Megabergbaus, den eine Firma wie Vale in Brasilien und weltweit verursacht, aber immerhin ein Schritt, ein Schritt, der dazu beitragen könnte, indigene Territorien, die in Brasilien unter Bolsonaro mehr denn je unter Druck stehen, zu schützen.</p>



<p>Mit dieser damaligen öffentlichen Erklärung hatte der zweite international agierende Großkonzern ein verbales &#8222;Nein&#8220; zu künftigen Bergbauaktivitäten in indigenen Territorien in Brasilien abgegeben. Das erste verbale &#8222;Nein&#8220; war als Twitter-Antwort von Siemens gekommen, auf den im August 2019 <a href="https://www.kritischeaktionaere.de/siemens/offener-brief-keine-equipment-lieferung-fuer-bergbauaktivitaeten-in-indigenen-territorien-in-brasilien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vom Dachverband der Kritischen Aktionär:innen und 21 weiteren deutschen Nichtregierungsorganisationen gesandten offenen Brief</a>, der neben Siemens auch an Thyssenkrupp gerichtet worden war, in dem die Organisationen von Thyssenkrupp und Siemens forderten: &#8222;Erklären Sie öffentlich, dass Ihr Unternehmen keine Zulieferungen von Maschinen oder Dienstleistungen für den in Brasilien drohenden Bergbau in indigenen Territorien zur Verfügung stellen wird!&#8220;</p>



<p>Thyssenkrupp berief sich in ihrer Antwort im August 2019 reichlich nichtssagend auf allgemeine Bekenntnisse zu Menschenrechten: &#8222;Thyssenkrupp bekennt sich eindeutig zu Nachhaltigkeit und verantwortlichem Wirtschaften. Klima- und Umweltschutz sowie die Achtung der Menschenrechte sind integraler Bestandteil unserer Unternehmenswerte, wie wir in unserem Verhaltenskodex und durch unser Bekenntnis zum Global Compact der Vereinten Nationen dargestellt haben.&#8220; Siemens, zuerst über den Twitter-Account der Siemens-Presseabteilung, dann auch in schriftlicher Antwort an die Initiator:innen des Briefs und dann auch dokumentiert anlässlich der diesbezüglichen Nachfrage des Business and Human Rights Center in Großbritannien, war da schon ein wenig deutlicher: &#8222;Wir haben aktuell &amp; planen auch künftig keine Geschäftsaktivitäten in indigenen Gebieten, in denen die brasilianische Regierung plant, Bergbauaktivitäten zu erlauben. Die Achtung der Menschenrechte ist zentraler Grundsatz bei Siemens, weltweit.&#8220;</p>



<p>Nun aber, so berichtet Hyury Potter in seiner Recherche für den brasilianischen Ableger der Investigativrechercheseite <a href="https://theintercept.com/2020/07/16/vale-minerar-terras-indigenas/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;The Intercept&#8220;</a>, dass das &#8222;Nein&#8220; von Vale offensichtlich nicht so gemeint war oder eben nur anders interpretiert wird. Denn Vale habe zum einen &#8211; nicht wie auf der Aktionärsversammlung angegeben 71 Lizenzanträge auf Bergbau-Exploration in indigenen Territorien &#8211; laut Auskünften über das brasilianische Informationsfreiheitsgesetz 236 solcher Explorations- und Förderanträge auf Bergbau in indigenen Territorien in Brasilien. Und die Recherchen von &#8222;The Intercept&#8220; ergaben, dass noch immer kein einziger der Anräge von der Firma, wie auf der Aktionärsversammlung eigentlich versprochen, zurückgezogen wurde. Aber mehr noch: In Brasilien verbietet die Verfassung den Bergbau in Indigenen Territorien. Deshalb hat die Bundesstaatsanwaltschaft bereits Ende 2019 acht Klagen gegen die Nationale Bergbaubehörde eingereicht, um den Schutz von 48 Indigenen Territorien zu erreichen, für die bislang Anträge auf Bergbauexploration und -förderung vorliegen. Und was macht Vale laut &#8222;The Intercept&#8220;? Vale bat die Bundesjustiz , in den acht Klagen als &#8222;Assistenz der Angeklagten&#8220; am Prozess mitwirken zu dürfen, da sie selbst von dem Antrag der Bundesstaatsanwaltschaft betroffen sei, habe sie doch in einigen der entsprechenden Gebiete Projektanträge auf Bergbau am Laufen. Die Bundesjustiz lehnte diesen Antrag Vales ab, gleichwohl beibt die Frage, verfolgt Vale nun weiter die Politik der geplanten Schürfungen und Exploration in Indigenen Territorien oder nicht?</p>



<p>Hyury Potter von &#8222;The Intercept&#8220; richtete zwei Anfragen an Vale. Die erste wurde am 18. Mai von Vale beantwortet, die Firma befände sich im Prozess der Neubewertung des Bergbauaktivitätenportfolios, dies beträfe auch in Teilen indigene Terrirtorien, einige der Anträge bezögen sich gar auf komplette Territorien. Im Juni, so berichtet &#8222;The Intercept&#8220;, habe Vale dann ihren Diskurs geändert. Vale habe ihm geantwortet, die Firma besässe 76 Anträge auf Explorationslizenzen in Indigenen Territorien, beantwortete nicht die Frage, warum Vale versicht habe, als &#8222;Assistenz der angeklagten&#8220; Bergbauagentur im Bundesprozess beteiligt zu werden und liess zudem die grundsätzliche Frage offen, ob die Firma Vale in Zukunft an Berbprojekten in Indigenen Territorien festhalten werde oder wie auf der Aktionärsversammlung zugesagt, sich aus solchem zurückziehen werde. Die Firma habe, so &#8222;The Intercept&#8220; geantwortet, &#8222;es liegt am brasilianischen Nationalkongress, diese Aktivitäten zu regelmentieren&#8220;. &#8222;The Intercept&#8220; wies auch darauf hin, dass die auf der Aktionärsversammlung getätigte Aussage über den Rückzug Vales von allen Berbauanträgen in Indigenen Territorien zwar dort mündlich getroffen und von der Presse konform berichtet wurde, aber merkwürdigerweise nicht im offiziellen Sitzungsprotokoll der Aktionärsversammlung auftauchte.</p>



<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org">christian russau</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Fadenkreuz von Bolsonaro</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/im-fadenkreuz-von-bolsonaro/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Feb 2020 15:29:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[ILO 169]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.gegenstroemung.org/web/?p=2023</guid>

					<description><![CDATA[Bolsonaro-Regierung droht mit dem Ausstieg aus der ILO-Konvention 169, um industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkraftnutzung in indigenen Territorien Brasiliens durchzusetzen. Von Camila de Abreu und Christian Russau Die deutsche Bundesregierung hat in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag festgehalten, dass es in dieser Legislaturperiode zu einer Unterzeichnung und Ratifizierung seitens Deutschlands der ILO-Konvention 169 zum Schutze der Rechte&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Bolsonaro-Regierung droht mit dem Ausstieg aus der ILO-Konvention 169, um industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkraftnutzung in indigenen Territorien Brasiliens durchzusetzen. </p>



<p><em>Von Camila de Abreu und Christian Russau</em></p>



<p>Die
  deutsche Bundesregierung hat in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag  
festgehalten, dass es in dieser Legislaturperiode zu einer  
Unterzeichnung und Ratifizierung seitens Deutschlands der ILO-Konvention
  169 zum Schutze der Rechte Indigener geben würde. Dies wäre ein 
starkes  Zeichen, an andere Länder, wie beispielsweise Brasilien, das 
einer von  Deutschlands sogenannten strategischen Partnern ist, deren 
aktueller  Präsident, der rechtsextreme Hauptmann a.D., Jair Bolsonaro, 
unverhohlen  damit droht, dass Brasilien aus der Konvention 169 
austrete.</p>



<p>Weitere  Infos zur Dringlichkeit, dass 
Deutschland die ILO-Konvention 169  unterzeichnen und ratifizieren muss,
 finden sich auf der Webseite: <a href="https://www.ilo169.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.ilo169.de/</a></p>



<p>„<strong>Nicht einen Zentimeter wird mehr als indigenes Reservat demarkiert werden“</strong></p>



<p>„Nicht  einen Zentimeter 
wird mehr als indigenes Reservat demarkiert werden“,  sollte er zum 
Präsidenten Brasiliens gewählt werden, tönte der damalige  Abgeordnete 
und rechtsextreme Hauptmann a.D., Jair Bolsonaro, im April  2017. „2019 
werden wir das indigene Reservat Raposa Serra do Sol  zerlegen. Wir 
werden allen Ranchern Waffen geben“, kündigte er bereits  2016 an. Drei 
Jahre später wurde er Präsident von Südamerikas größtem  Staat. 
Entsprechend fallen nun seine Angriffe auf indigene Rechte aus.  Die 
Indigenenbehörde FUNAI wird gezielt finanziell ausgedünnt und  
institutionell geschwächt, die Entscheidung über Demarkationen indigenen
  Landes entzog er als eine seiner ersten Amtshandlungen bereits im  
Januar 2019 per Präsidialdekret der FUNAI und übertrug es dem von  
eingefleischten <em>ruralistas</em>
 („Großfarmer*innen)“ dominierten Landwirtschaftsministerium, eine  
Entscheidung, der erst der brasilianische Nationalkongress eine Absage  
erteilte, indem er die Entscheidungskompetenz wieder der FUNAI zuteilte,
  woraufhin Bolsonaro sein Dekret im Juni noch einmal überarbeitete und 
 so die Kongressentscheidung umgehen wollte, bevor letztlich im Juni 
2019  der Oberste Gerichtshof STF endgültig entschied, dass die Frage 
der  Demarkationen bei der FUNAI, angegliedert dem Justizministerium, zu
  verbleiben habe. Augenscheinlich eine Niederlage für Bolsonaro, die er
  aber in der Praxis durch Nichtstun wieder wettmachte – sehr zum 
Schaden  indigener Rechte.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote1sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1</a></sup></p>



<p>Denn:  Die von der Verfassung von 1988 
vorgeschriebenen Ausweisungen der  indigenen Gebiete als rechtlich 
geschützte Territorien („Terra  Indígena“) sind unter der 
Bolsonaro-Regierung im Gesamtjahr 2019  entsprechend auf Null 
zurückgegangen.</p>



<figure class="wp-block-image"><a href="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/tabelle1.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/tabelle1-300x152.png" alt="" class="wp-image-10574"/></a></figure>



<figure class="wp-block-image"><a href="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/Kasten-1.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/Kasten-1-300x79.png" alt="" class="wp-image-10575"/></a></figure>



<figure class="wp-block-image"><a href="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/Kasten-2.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img decoding="async" src="http://blogs.taz.de/latinorama/files/2020/02/Kasten-2-300x128.png" alt="" class="wp-image-10576"/></a></figure>



<p><strong>Bolsonaro will indigene Territorien für industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkrafterzeugung freigeben</strong></p>



<p>Doch  nicht nur die gezielte Verschleppung der 
anstehenden  Demarkationsprozesse indigener Territorien ist Bolsonaro 
ein Anliegen.  Brasiliens seit Januar 2019 amtierender Präsident will 
obendrein die  bereits rechtlich sanktionierten und somit eigentlich 
geschützten  indigenen Territorien für wirtschaftliche Ausbeutung 
mittels  Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkrafterzeugung freigeben. 
Dazu hat er  im Februar 2020 einen (der Presse zunächst nicht 
freigegebenen)  Gesetzesvorschlag dem Nationalkongress in Brasília zur 
Abstimmung  überreicht.</p>



<p>Der  Gesetzentwurf sieht laut Mitteilung des 
Präsidialamts vor, dass die  indigenen Völker bei einer künftigen 
wirtschaftlichen Nutzung indigener  Territorien durch Dritte eine 
finanzielle Entschädigung erhalten. Diese  ist jedoch geringer angesetzt
 als vergleichbare Lizenzgebühren, wie zum  Beispiel bei der 
Ölexploration: Bei der Nutzung von Wasserkraft sollen  die Gemeinden 0,7 Prozent
 des Wertes der erzeugten Energie erhalten, im Falle von Erdöl, Erdgas  
und deren Derivaten würde dieser Wert bei zwischen 0,5 bis zu 1 Prozent
 des produzierten Wertes liegen. Im Fall von Bergbauaktivitäten soll die
  Ausgleichszahlung an die indigenen Gemeinden die Hälfte des  
üblicherweise entrichteten Wertes finanzieller Entschädigung für die  
Ausbeutung von Mineralressourcen betragen. Auch eine Kompensation, um  
die indigenen Völker für den Nutzungsausfall eines Teils ihres Landes zu
  entschädigen, ist vorgesehen, klare Berechnungsgrundlagen wurden aber 
 bisher nicht bekannt gegeben.</p>



<p>Die  Reaktion einer der Sprecher*innen des 
Zusammenschlusses der indigenen  Völker Brasiliens APIB, Sonia 
Guajajara, war eindeutig: „Ihr Traum,  werter Herr Präsident, ist unser 
Alptraum, unsere Vernichtung, weil der  Bergbau Tod, Krankheiten und 
Elend hervorruft und unsere Zukunft  zerstören wird. Wir wissen, dass 
Ihr Traum in Wirklichkeit unser  institutionalisierter Genozid ist, aber
 wir werden weder Bergbau, noch  Wasserkraftwerke in unseren Territorien
 erlauben.“</p>



<p><strong>Konsultation oder Zustimmung bei FPIC? Auch in Brasilien das zentrale Streitthema</strong></p>



<p>Obwohl Brasilien die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz der Rechte der indigenen Völker unterzeichnet hat, gibt der von Bolsonaro eingereichte Gesetzesentwurf den
  indigenen Völkern keine grundlegende Autonomie, um selbst zu  
entscheiden, ob sie ihr Land ausbeuten lassen wollen oder nicht. Die  
Gemeinschaften sollen zwar angehört werden, aber bei Projekten der  
Wasserkraft- oder Erdölexploration geht es nur um Konsultationen – ohne 
 ein Vetorecht. Letztlich könnte so die Exekutive des Landes über die  
Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden. Das  Vetorecht 
der indigenen Völker gilt bei Bolsonaros aktuellem  Gesetzesentwurf nur 
mit einer Ausnahme: bei Schürfrechten (der  sogenannte „garimpo“). Denn 
der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass die  Indigenen selbst (zum 
Beispiel Gold) schürfen können oder auch Dritte  damit beauftragen. 
Unklar ist, wie die Entscheidungen darüber ablaufen  sollen, wenn es in 
den indigenen Völkern unterschiedliche Ansichten und  Absichten darüber 
gibt. Der nun vorgeschlagene Gesetzestext sieht laut  Medienberichten 
vor, dass die Entscheidungen über Aktivitäten in den  Gemeinden von 
einem Beirat getroffen werden, die von den betroffenen  indigenen 
Völkern gebildet werden und deren Vertreter*innen von den  
Gemeinschaften „gemäß ihrer normalen Art und Weise“, Anführer*innen und 
 Delegierte zu wählen, ernannt werden. Angesichts unterschiedlicher  
Interessenslagen auch bei indigenen Völkern sind Streit und Zwist über  
Schürfrechte vorprogrammiert, ein Umstand, den ein Jair Bolsonaro sehr  
wohl zu nutzen weiß.</p>



<p>Erst  Ende Januar dieses Jahres hatte 
Bolsonaro erneut dargelegt, was er über  Indigene denkt. „Der Indio ist 
dabei sich zu ändern, sich zu  entwickeln. Der Indio wird uns immer 
ähnlicher. Also werden wir alles  tun, damit er in die Gesellschaft 
integriert und wirklich Besitzer  seiner Ländereien wird. Das ist es, 
was wir wollen.“ Zuvor hatte  Bolsonaro Indigene mit „Tieren in einem 
Zoo“ verglichen, was zurecht  heftigste Proteste der indigenen Völker 
Brasiliens hervorrief: „Die  Rede 
von Bolsonaro und seinem Team über indigene Völker ist  rückwärtsgewandt
 und behandelt uns respektlos, unsere Geschichte, unsere  Abstammung, 
und mißachtet unser politisches-bürgerliches Handeln in  Bezug auf den 
brasilianischen Staat. Der Präsident verglich uns mit  Tieren im Zoo, 
die in einem Käfig gefangen seien, wenn er es mit dem  Leben in unseren 
traditionellen Territorien vergleicht. Er macht absurde  Aussagen über 
unsere Lebensweise und über unsere Wünsche als  brasilianische 
Bürgerinnen. Ja, wir sind Brasilianerinnen! Wir sind  Indigene! Wir 
wissen, was wir wollen, und wir verlangen das Recht, vom  Staat zur 
Ausarbeitung und Umsetzung öffentlicher Richtlinien  konsultiert zu 
werden!“<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote2sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2</a></sup></p>



<p>Die ILO-Konvention 169 wurde von Brasilien 2002 ratifiziert<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote3sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">3</a></sup> und durch ein Präsidialdekret<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote4sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">4</a></sup>
 in nationales Recht umgesetzt. Laut Lesart des Obersten Gerichtshofs  
Brasiliens STF stehen internationale, von Brasilien unterschriebene  
Rechtsverträge unterhalb der Rechtsgültigkeit der Verfassung Brasiliens,
  aber oberhalb jedweden Gesetzes. Dies würde im Falle der  
Gesetzesinitiative von Jair Bolsonaro zur wirtschaftlichen Inwertsetzung
  der indigenen Territorien bedeuten, dass das in Art. 6 und 7 der  
ILO-Konvention 169 festgelegte Recht auf freie, vorherige und  
informierte Konsultation dem Präsidenten Jair Bolsonaro einen Strich  
durch die Rechnung machen könnte. In  Artikel 
6, Satz 2 der ILO-Konvention 169 heißt es: „Die in Anwendung  dieses 
Übereinkommens vorgenommenen Konsultationen sind in gutem Glauben  und 
in einer den Umständen entsprechenden Form mit dem Ziel  durchzuführen, 
Einverständnis oder Zustimmung bezüglich der  vorgeschlagenen Maßnahmen 
zu erreichen.“ Wenn  also ein künftig vom 
Brasilianischen Nationalkongress auf Betreiben  Bolsonaros beschlossenes
 Gesetz zur Inwertsetzung indigener Territorien  durch industrielle 
Landwirtschaft, Bergbau und Staudämme in Konflikt mit  der 
ILO-Konvention 169 zu kommen droht, wäre es für die Bolsonaros und  
Konsorten wichtig, dass Brasilien vorher aus der Konvention austrete.</p>



<p>Dreh-  und Angelpunkt im Streit zwischen den 
wirtschaftlichen  Inwertsetzungsinteressen einer Bolsonaro-Regierung und
 den  Schutzinteressen der indigenen Völker Brasiliens im Kampf um ihre 
 Territorien ist die Frage der in Artikel 6 erwähnten zu erreichenden  
„Zustimmung“ der  betroffenen Indigenen und wie die 
„Konsultation“ im Einzelnen auszusehen  habe. Und genau in diesem 
Spannungsbogen zwischen „Konsultation“ und  „Zustimmung“ bewegt sich 
seit Jahren auch die Auseinandersetzung um die  Auslegung der 
ILO-Konvention 169 in Brasilien.</p>



<p>Projektbetreiber  und die Regierungen 
unterschiedlicher politischer Couleur in Brasília  meinen meist, dass es
 reicht, Konsultationen in Form von abzuhaltenden  Anhörungen 
durchzuführen. So ist es bei allen bisherigen  
Großinfrastrukturprojekten wie Überlandstraßen, Wasserkraftwerken und  
Staudämmen sowie Bergbaugenehmigungen geschehen. Es wurden Anhörungen  
durchgeführt, die oftmals nicht den Charakter einer freien, vorherigen  
und informierten Befragung hatten, die nicht „in gutem
  Glauben“ abliefen und die schon gar nicht eine Abstimmung, womöglich  
gar mit einem Vetorecht der betroffenen Indigenen vorsahen.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote5sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">5</a></sup></p>



<p>Indigene  Völker wie auch die zuständigen 
UN-Gremien und die ILO jedoch stehen  klar auf dem Standpunkt, dass die 
ILO-Konvention die freie, vorherige  und informierte Zustimmung (Free, 
Prior and Informed Consent, FPIC)  vorschreibt, im Einklang mit der 
UN-Erklärung der Rechte der Indigenen  Völker (UNDRIP), die ebenfalls in
 mehreren Fällen FPIC verbindlich  vorschreibt, insbesondere, wenn 
Territorien und Lebensgrundlagen  indigener Völker betroffen sind oder 
ein Projekt ihre Umsiedlung  vorsieht. Dabei setzt freie und informierte
 Zustimmung voraus, dass  zuvor echte Konsultationen in gutem Glauben („<em>good faith </em>consultations“)
  stattgefunden haben. Nach Meinung von Indigenen, internationalen  
Rechtsexpert*innen und Menschenrechtsorganisationen sind Konsultation,  
Partizipation und Zustimmung alle drei gleichermaßen Grundbedingung des 
 Rechtsschutzes für indigene Völker. Und wenn die „Zustimmung“  
erforderlich ist, muss dies im Umkehrschluss heißen, dass ein Projekt  
nicht durchgeführt werden kann, wenn die betroffenen Gemeinschaften ihre
  Zustimmung nicht geben. Brasiliens Rechtssprechung hat dies aber  
bislang noch nicht entsprechend anerkannt.</p>



<p><strong>FPIC in Brasiliens Rechtspraxis der vergangenen Jahre: Zwei eklatante Beispiele</strong></p>



<p>Es war  nicht alles gut, allein dadurch dass 
Brasilien die ILO-Konvention 169  unterzeichnet und ratifiziert hat. 
Denn bei der Rechtsauslegung des  Wesensgehaltres von Gesetzen und 
Normen geht es immer auch um den  Widerstreit verschiedener Interessen –
 und wie mächtig jemandes  Interessen im Lande sind.</p>



<p>Eklatantestes  Beispiel dafür waren die 
Anhörungen, die in der Xingu-Region anlässlich  des Baus des Staudamms 
Belo Monte zur Zeit der Regierung Dilma  Rousseffs von der 
brasilianischen Arbeiterpartei PT durchgeführt wurden.  Die 
Informationen über die anberaumten Treffen in den Kreisorten  erreichten
 nicht alle Betroffenen, die obendrein oft keine finanziellen  
Möglichkeiten zur Teilnahme hatten; Anwesenheit von Militärpolizisten  
sowie eine technische Sprache von Fachleuten, die auf die Bevölkerung  
einschüchternd wirkten sowie eine begrenzte Zahl von Treffen, die eher  
den Charakter einer Aussprache hatten; eine Abstimmung und somit die  
Möglichkeit eines Vetos war nicht vorgesehen. Hinzu kam das perfide  
Argument, dass indigene Völker vom Bau von Belo Monte ja nicht im Sinne 
 der Brasilianischen Verfassung betroffen sein würden, da die Verfassung
  von 1988 Indigene nur dann als von Wasserkraftprojekten „Betroffene“  
ansieht, wenn deren Ländereien geflutet werden. Im Fall Belo Monte gehe 
 es aber „nur“ um eine Reduzierung der Wassermenge des Xingu-Flusses in 
 der Volta Grande („Große Flussschleife“) um 80 Prozent.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote6sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">6</a></sup></p>



<p>Die  Interamerikanische 
Menschenrechtskommission (Inter-American Commission  on Human Rights – 
IACHR) als Teil der Organisation Amerikanischer  Staaten (OAS) mit Sitz 
in Washington, D.C, hatte im April 2011 die  brasilianische Regierung 
offiziell aufgefordert, den Bau des Belo Monte  Damm-Komplexes zu 
stoppen, solange die erforderlichen Konsultationen indigener
  Völker nicht erfolgt seien. Der Staudammbau würde negative 
Auswirkungen  auf indigene und andere traditionelle Gemeinschaften des 
Xingu-Beckens  haben, besonders auf diejenigen, die an dem hundert 
Kilometer langen  Abschnitt der Volta Grande (Große Flussschleife) 
leben. Die  IACHR-Empfehlungen stimmten mit den Klagen seitens des 
Ministério  Público (in etwa: Bundesstaatsanwaltschaft) von Pará darin 
überein, dass  sie die brasilianische Regierung auffordern, Anhörungen 
durchzuführen,  so wie es die Verfassung vorsieht, und die Zustimmung 
zum Projekt zu  erreichen. Die Rousseff-Regierung war empört über die 
Empfehlungen, wies  diese als absurd<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote7sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">7</a></sup> zurück, stellte zwischenzeitlich die Geldzahlungen an die Organisation Amerikanischer Staaten ein, berief seinen entsandten Botschafter zurück und drohte unverhohlen mir einem potenziellen Austritt aus der OAS.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote8sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">8</a></sup> Letztlich geschah: Nichts. Belo Monte wurde fertiggestellt, erst vor wenigen Monaten wurde die letzte Turbine in Gang gesetzt.</p>



<p>Auch  beim Staudamm Teles Pires am 
gleichnamigen Fluss an der Grenze von Pará  zu Mato Grosso entschied 
zunächst ein Gericht einen Betriebsstopp, da  die betroffenen Indigenen 
nicht angemessen gehört wurden. Anfang  Dezember 2015 wurde in einem von
 der Bundesstaatsanwaltschaft  angestrengten Prozess in zweiter Instanz 
entschieden, dass das seit Ende  2015 in Betrieb befindliche 
Wasserkraftwerk Teles Pires die Rechte der  vom Staudamm betroffenen 
Indigenen Kayabi, Munduruku und Apiaká  verletzt. Das Gericht der 5ª 
Turma do Tribunal Regional Federal da 1ª  Região (TRF1) ordnete an, dass
 die Indigenen gemäß der freien,  vorherigen und informierten Zustimmung
 (Free Prior and Informed Consent,  FPIC) nach der Definition der ILO 
Konvention Nr.169 befragt und um  Zustimmung gebeten werden müssten. 
Eine solche Befragung und das  Einholen der erforderlichen Zustimmung 
sei weder durch die  brasilianische Regierung noch durch den Betreiber 
des Wasserkraftwerks  eingeholt worden, so das Gericht in zweiter 
Instanz, nachdem zuvor  Brasiliens Bundesregierung und die 
Staudamm-Betreiberin gegen die  gleichausgefallene, erstinstanzliche 
Verurteilung Widerspruch bei  Gericht eingelegt hatten. Das Gericht 
erklärte zudem die durch die  Umweltbehörde Ibama erteilte 
Baugenehmigung für rechtswidrig und folgte  darin der Staatsanwältin 
Eliana Torelly, die in ihrem Plädoyer in der  Gerichtsverhandlung der 
zweiten Instanz erklärt hatte, dass das  Wasserkraftwerk Teles Pires 
„die Verringerung der Fischarten, die  Verseuchung des Flusswassers, 
Abholzung [von Regenwald zur Folge gehabt]  und die natürlichen 
Ressourcen in Mitleidenschaft gezogen“ habe. Das  Gericht führte in 
seiner Urteilsbegründung zudem an, dass durch den  Staudammbau und die 
Flutung von 150 Quadratkilometer Landschaft die  Stromschnellen Sete 
Quedas zerstört wurden. Diese Stromschnellen von  Sete Quedas am Fluss 
Teles Pires<a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote9sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><sup>9</sup></a>
 aber, so das Gericht, seien für die indigenen Munduruku, die Kayabi und
  Apiaká heilige Orte. Dort lagerten bis zur Flutung für den Bau des  
Staudamms Teles Pires im Jahr 2013 die heiligen Urnen der Ahnen der  
Munduruku, Kayabi und Apiaká.<a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote10sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><sup>10</sup></a>
 Nur zwölf der Urnen wurden gerrettet und im Museum der Kleinstadt Alta 
 Florsta gelagert. Wegen der Unantastbarkeit heiliger, sakraler Stätten 
 sei eine Befragung und Zustimmung nach den Regeln der ILO-Konvention 
169  zur freien, vorherigen und informierten Zuistimmung (FPIC)  
unablässlich, so das Gericht in seiner Entscheidung vom Dezember 2015.</p>



<p>Das  Urteil zum Betriebsstopp war 
zwar ab Dezember 2015 rechtskräftig,  gleichwohl konnte der 
Betriebsstopp nie vollstreckt werden. Dies hängt  mit der sogenannten 
„suspensão de segurança“ zusammen. Diese steht für  den Verweis auf 
vermeintlich höherwertige, nationale Interessen. Die  „suspensão de 
segurança“ basiert auf einem Gesetz noch aus der Zeit der  
brasilianischen Militärdiktatur. Das Gesetz aus dem Jahre 1964  
definiert, dass das Außerkraftsetzen eigentlich verfassungsrechtlich  
vorgesehener Prinzipien mit dem Verweis auf höherwertige nationale  
Interessen durch die Regierung durchgesetzt werden kann. Dazu muss nur  
ein Mitglied des Obersten Gerichtshof eine diesbezügliche Eingabe  
machen, so dass der Bau oder laufende Betrieb des betreffenden Projekts 
 vorerst durch keine Gerichtsurteile behindert werden darf. Dennoch muss
  auch diese Rechtseingabe seitens des Obersten Gerichtshofs irgendwann 
 rechtskräftig und abschließend entschieden werden. Doch wann, das 
regelt  das Gesetz nicht. So wies der Bundesstaatsanwalt Felício Pontes 
Jr. in  seinem Plädoyer im Dezember 2015 vor Gericht darauf hin, dass 
„wir in  allen Instanzen gewonnen haben, dass der Staudamm nicht ohne 
die  vorherige Konsultation der Indigenen gebaut werden darf. Aber das  
Bauvorhaben wurde dennoch zum Abschluss gebracht. Die Indigenen leiden  
unter Krankheiten, die sie zuvor nicht hatten. Und das alles infolge  
einer politischen Entscheidung im Sinne der suspensão de segurança,  
einem Rechtskonstrukt aus der Militärdiktatur, einem Rechtskonstrukt,  
das es in einem demokratischen Land nicht geben dürfte.“</p>



<p>Die  Indigenen Munduruku, Kayabi und 
Apiaká protestieren weiter gegen die  Staudammbauten am Teles 
Pires-Fluss, wo ihre heiligen Stätten durch die  Wasserkraftwerke 
zerstört wurden. Es gab mehrere Baustellenbesetzungen  des 
Wasserkraftwerks São Manoel, das in Nähe des Wasserkraftwerks Teles Pires liegt.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote11sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">11</a></sup>
 Im Dezember 2019 besetzten 70 Munduruku das Museum der Kleinstadt Alta 
 Floresta und entnahmen die dort lagernden zwölf heiligen Urnen ihrer  
Vorfahren, die letzten erhaltenen Urnen aus dem überschwemmten heiligen 
 Ort der Stromschnellen von Sete Quedas und verbrachten die Urnen in ihr
  Territorium.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote12sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">12</a></sup></p>



<p>Den  Bau dieses umstrittenen 
Staudamms Teles Pires hatte übrigens die  deutsche Münchener 
Rückversicherungsgesellschaft gegen Schäden  rückversichert. Eine 
Vertreterin der brasilianischen Widerstandsbewegung  Movimento Xingu 
Vivo para Sempre war deshalb 2015 eigens zur  Hauptversammlung der 
Münchener Rück nach München gereist, um die  Konzernvorstände auf die 
Verstrickung der Firma beim Staudamm Teles  Pires am gleichnamigen Fluss
 anzusprechen. Ihr war es vorbehalten, die  entscheidende Frage zu 
stellen: „Am Teles Pires haben die Baufirmen  einen riesigen Wasserfall 
gesprengt: Dieser Wasserfall heißt Sete  Quedas. Für die Indigenen 
Kayabi, Apyaka und Munduruku ist Sete Quedas  ihr heiligster Ort. Wie 
würden Sie reagieren, wenn eine Baufirma  daherkommt und die Münchener 
Frauenkirche mit Bulldozern einreißt?“<a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote13sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><sup>13</sup></a>
 Der damalige Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard hatte darauf  
keine Antwort. Manchmal spricht Sprachlosigkeit dann doch Bände.</p>



<p><strong>Wehrhafte indigene Gemeinden vor Ort: Selbst-Erarbeitung eigener Konsultationsprotokolle</strong></p>



<p>Um dem  rechtlich noch ungeklärten Graubereich 
einer  ILO-Konvention-169-konformen Rechtssprechung Nachdruck zu 
verleihen,  haben in Brasilien ab dem Jahre 2014 mehr und mehr indigene 
Völker  eigenständig erarbeitete Verfahrensprotokolle erstellt, um 
dergestalt  ein rechtsgültiges Dokument in der Hand zu haben, mittels 
dessen sie  fordern, dass ihre Konsultation nach <em>ihren</em>
 Regeln ablaufen soll. Wichtige Elemente sind dabei oft die indigene  
Sprache, der Ort (in den Gemeinden selbst), die Zeit (wichtig wegen  
jahreszeitlichen Arbeiten wie Ernte oder religiösen Riten), die  
Zeitdauer (jede/r kann solange reden, wie er/sie will), die  
Entscheidung, wer überhaupt von den Nicht-Indigenen teilnehmen darf, die
  Notwendigkeit der Rückkoppelung mit dem Gemeinden, so nicht alle  
anreisen können sowie natürlich die Frage nach dem Veto-Recht.</p>



<p>Mittlerweile  gibt es an ein Dutzend 
solcher niedergelegter Verfahrensprotokolle in  Brasilien, sowohl von 
indigenen Gemeinden und Völkern, als auch von  anderen traditionellen 
Völkern und Gemeinschaften (Quilombolas,  Ribeirinhos, etc).<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote14sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14</a></sup>
 Am Ende dieses Textes findet sich beispielhaft das von den indigenen  
Munduruku erarbeitete Verfahrensprotokoll zur Konsultation in  
deutschsprachiger Übersetzung.</p>



<p>Die Bedeutung dieser autonom
  von den indigenen Gemeinschaften und Völkern erstellten  
Verfahrensprotokolle zur Konsultation sollte nicht unterschätzt werden. 
 2017 hatte erstmals ein Gericht eine Baugenehmigung für ein  
Bergbauunternehmen in Brasilien auf Basis des Rechtsarguments entzogen, 
 dass das von der betroffenen indigenen Gemeinschaft erstellte Dokument 
 zum Protokollverfahren der Konsultation von der Firma nicht befolgt  
worden war.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote15sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">15</a></sup>
 Als das bekannt wurde, begannen sich mehr und mehr indigene und andere 
 traditionelle Völker und Gemeinschaften der Erstellung solcher  
Protokolle zu widmen, ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote16sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">16</a></sup></p>



<p><strong>Bolsonaros Androhung der Kündigung der ILO-Konvention 169</strong></p>



<p>Die  Bolsonaro-Regierung jedenfalls gibt 
derzeit deutliche Anzeichen, dass  sie die ILO-Konvention 169 – und auf 
deren Basis die eigenständige  Erstellung von niedergelegten 
Protokollverfahren zur Konsultation  indigener und anderen 
traditioneller Völker und Gemeinschaften – als  Gefahr für ihre 
Anti-Indigenen-Rechte-Strategie ansieht und von daher  einen Ausstieg 
Brasiliens aus der ILO-Konvention 169 androht. Als erste  schickte die 
Bolsonaro-Regierung im März 2019 Brasiliens  
Botschafterin bei der UNO in Genf, Maria Nazareth Farani Azevêdo, vor,  
die öffentlich auf die Möglichkeit verwies, dass Brasilien die  
ILO-Konvention 169 verlassen könnte.<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote17sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">17</a></sup> Dann folgte im Oktober 2019 das
  direkt dem Präsidenten Brasiliens unterstellte Sicherheitskabinett 
GSI,  das laut einem Pressebericht vom 4. Oktober 2019 die 
Bundesanwaltschaft  AGU aufforderte, ein wegweisendes Urteil des 
Obersten Gerichtshofs STF  aus dem Jahre 2006, das die Rechtsgültigkeit 
der von Brasilien 2002  ratifizierten ILO-Konvention 169 auch auf 
Quilombolas (Nachkommen der  Sklaverei entflohener Schwarzer) 
bestätigte, auf Rechtmäßigkeit zu  überprüfen. Laut dem Pressebericht<sup><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote18sym" target="_blank" rel="noreferrer noopener">18</a></sup>
 erinnert das GSI-Dokument auch an den nächstmöglichen  
Kündigungszeitraum, sollte Brasilien sich entscheiden, aus der  
ILO-Konvention 169 auszutreten: Dies könne, so das GSI-Dokument,  
zwischen dem 5.9.2021 und 5.9.2022 geschehen. Als Begründung für einen  
möglichen Austritt Brasiliens erwähnt das GSI-Dokument die „Auswirkungen
  der ILO-Konvention 169 auf die Entwicklung des Landes“. Das  
GSI-Dokument schlägt die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vor, die einen 
 neuen Vorschlag für ein Präsidaldekret erarbeiten solle, das den Modus 
 Operandi der „vorherigen Konsultation indigener Völker und Stämme“ neu 
 regeln soll. Auch hier liefert das mittlerweile mehrheitlich von  
Militärs dominierte GSI gleich eine Begründung: die bisherige Anwendung 
 der ILO 169 beeinträchtige „Projekte mit nationalem Interesse“.</p>



<p>Diese Ankündigung sollten bei allen die Alarmglocken schrillen lassen.</p>



<p>Anhang:</p>



<p><a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/menschenrechte-gesellschaft/traditionelle-voelker-gemeinschaften/wie-die-munduruku-das-protokollverfahren-zur-konsultation-wollen"><strong>Wie die Munduruku das Protokollverfahren zur Konsultation wollen</strong></a></p>



<p>14.05.2017 | Übersetzung von Christian Russau</p>



<p>Die  indigenen Munduruku vom Oberen, Mittleren 
und Unteren Tapajós haben ein  Grundlagendokument erstellt, in dem sie 
erklären, wie eine rechtlich  korrekte Konsultation der Munduruku im 
Falle von Großprojekten wie  Staudämmen auszusehen habe. </p>



<p>Quelle:  Movimento Munduruku 
Ipereg Ayu, Associações: Da’uk, Pusuru, Wixaximã,  Kerepo und Pahyhyp: 
Protocolo de Consulta Munduruku, Jan. 2016, unter: <a href="http://fase.org.br/pt/acervo/biblioteca/protocolo-de-consulta-munduruku/" rel="noreferrer noopener" target="_blank">http://fase.org.br/pt/acervo/biblioteca/protocolo-de-consulta-munduruku/</a></p>



<p>Im Entstehensprozess des Dokuments,  
das in den indigenen Dörfern mit allen Munduruku 2015 gemeinsam  
debattiert und im Konsens verabschiedet wurde, war den Munduruku immer  
wichtig zu betonen, dass sie für sich selbst selbst reden und dass  
niemand Einzelnes ohne Weiteres für die Gruppe sprechen darf. Daher hier
  die Erklärung der Munduruku zum Protokollverfahren der Konsultation im
  Wortlaut:</p>



<p>„<em><strong>Wir, das Volk der Munduruku,</strong></em></p>



<p><em>wir wollen hören, was die  
Regierung uns zu sagen hat. Aber wir wollen keine Ausreden. Damit das  
Volk der Munduruku entscheiden kann, müssen wir wissen, was tatsächlich 
 geschehen wird. Und die Regierung muss uns anhören. Zuallererst fordern
  wir die Demarkation des Indigenen Territoriums Sawré Muybu. Auf gar  
keinen Fall akzeptieren wir eine Umsiedlung. Wir fordern von der  
Regierung zudem, dass unsere isoliert in unserem Land lebenden  
Verwandten geschützt werden und dass das Recht auf Konsultation der  
anderen Völker, wie der Apiaká und der Kayabi, die auch durch diese  
Projekte bedroht sind, garantiert werde. Außerdem fordern wir, dass den 
 durch die Staudämme im Tapajós betroffenen Gemeinden der Flussanwohner 
 von Montanha-Mangabal, Pimental und São Luiz ihr Recht auf Konsultation
  angemessen und ihrer besonderen Realität angepasst gewahrt werde.  
Genauso wie wir haben die Flussanwohner das Recht auf eigene  
Konsultation.</em></p>



<p><em><strong>Wer soll konsultiert werden?</strong></em></p>



<p><em>Die Munduruku aller Dörfer – des  
Oberen, Mittleren und Unteren Tapajós – müssen konsultiert werden, auch 
 diejenigen aus indigenen Gebieten, die noch nicht demarkiert wurden.</em></p>



<p><em><strong>Soll die Regierung nicht denken, wir seien gespalten:</strong></em></p>



<p>„<em><strong>Es gibt nur ein Volk der Munduruku“</strong></em></p>



<p><em><strong>Es sollen konsultiert werden:</strong></em></p>



<ul class="wp-block-list"><li>
<em>die weisen Alten, die pajés, die  
Geschichtenerzähler, die Kenner traditioneller Medizin, die Kenner der  
Wurzeln und der Blätter, diejenigen, die die heiligen Orte kennen.</em>
</li><li>
<em>die Kaziken und Anführer, die  
Krieger und Kriegerinnen. Die Kaziken sind miteinander vernetzt und  
teilen die Informationen mit allen Dörfern. Es sind sie, die alle  
zusammenrufen, damit wir debattieren, was wir machen werden. Die Krieger
  und Kriegerinnen unterstützen den Kaziken, gehen mit ihm und schützen 
 unser Territorium.</em>
</li><li>
<em>die Anführer, die Lehrer sind, und
  die, die für die Gesundheit zuständig sind, die also, die mit der  
ganzen Gemeinschaft arbeiten.</em>
</li><li>
<em>die Frauen, damit sie ihre  
Erfahrungen und Informationen weitergeben. Es gibt Frauen, die sind  
pajés, Hebammen und Kunsthandwerkerinnen. Sie bearbeiten das Feld, geben
  Ideen und Rat, bereiten das Essen zu, stellen medizinische Produkte 
her  und verfügen über ein großes und breites traditionelles Wissen.</em>
</li><li>
<em>die Universitätsstudenten, die  
Erzieher der Munduruku, die Ibaorebu-Studenten, die Jugendlichen und  
Kinder müssen auch konsultiert werden, weil sie die zukünftige  
Generation sind. Viele Jugendliche haben Zugang zu Kommunikationsmedien,
  lesen Zeitungen, gehen ins Internet, sprechen portugiesisch und kennen
  unsere Realität und haben aktiven Anteil an dem Kampf unseres Volkes.</em>
</li><li>
<em>unsere Organisationen (Conselho  
Indígena Munduruku Pusuru Kat Alto Tapajós – Cimpukat, Da’uk, Ipereg  
Ayu, Kerepo, Pahyhy, Pusuru und Wixaximã) müssen auch konsultiert  
werden, aber sie dürfen niemals alleine konsultiert werden. Die  
Stadtverordneten Munduruku sprechen nicht für unser Volk. Die  
Entscheidungen des Volks der Munduruku werden kollektiv getroffen.</em>
</li></ul>



<p><em><strong>Wie soll der Prozess der Konsultation ablaufen?</strong></em></p>



<ul class="wp-block-list"><li>
<em>Die Regierung darf uns nicht erst 
 dann konsultieren, wenn alle Entscheidungen schon getroffen sind. Die  
Konsultation muss vor allem anderen stattfinden. Alle Treffen müssen in 
 unserem Territorium stattfinden – in dem Dorf, das wir auswählen –, und
  nicht in der Stadt, nicht einmal in Jacareacanga oder Itaituba.</em>
</li><li>
<em>Die Treffen dürfen nicht zu Zeiten
  stattfinden, die die Aktivitäten unserer Gemeinschaft stören (also zum
  Beispiel nicht während der Feldarbeits-Saison des Feldfurchens oder 
des  Pflanzens; nicht während der Zeit des Kastanien-Sammelns, nicht 
während  der Zeit des Mehls, nicht während unserer Festtage; nicht am 
Tag des  Indigenen). Wenn die Regierung in unser Dorf zur Konsultation 
kommt,  dürfen sie nicht nur kurz einfliegen und am nächsten Tag wieder 
 weggehen. Sie müssen in Ruhe mit uns Zeit verbringen.</em>
</li><li>
<em>Die Treffen müssen in der Sprache 
 Munduruku abgehalten werden und wir entscheiden, wer übersetzen wird. 
In  diesen Treffen muss unser Wissen genauso anerkannt werden wie dies 
der  pariwat (nicht-indigener). Weil es sind wir, die wir die Flüsse 
kennen,  den Wald, die Fische und das Land. Es sind wir, die wir die 
Treffen  koordinieren, nicht die Regierung.</em>
</li><li>
<em>An den Treffen sollen die Partner 
 unseres Volkes teilnehmen: Die Bundesstaatsanwaltschaft, die von uns  
ausgewählten Partnerorganisationen sowie Fachleute unseres Vertrauens,  
die wir auswählen. Die Unkosten unserer Anwesenheit und die unserer  
Partner während aller Treffen gehen auf Kosten der Regierung.</em>
</li><li>
<em>Damit die Konsultation wirklich  
frei sein wird, werden wir auf den Treffen unter keinen Umständen  
bewaffnete pariwat (Militärpolizei, Bundespolizei, Bundesstraßenpolizei,
  Heer, Nationaler Sicherheitskräfte, Brasilianischen Geheimdienst oder 
 jedwede anderen staatlichen oder privaten Sicherheitskräfte)  
akzeptieren.</em>
</li><li>
<em>Wenn die Regierung mit Kameras  
ankommt, darf sie ohne unsere Autorisierung keine Aufnahmen machen. Zu  
unserer Sicherheit sollen die Treffen gefilmt werden und die Regierung  
muss uns die vollständigen Kopien der Aufnahmen übergeben.</em>
</li></ul>



<p><em><strong>Die von uns bisher angesprochenen Treffen teilen sich in folgende auf:</strong></em></p>



<ul class="wp-block-list"><li>
<em><strong>Treffen zum Beschluss über den Plan für die Konsultation: </strong></em><em>Die
  Regierung muss sich mit dem Volk der Munduruku treffen, damit wir eine
  Übereinkunft treffen, welchen Plan wir für die Konsultation festlegen.
  Dieser Plan für die Konsultation muss dieses Dokument hier in Gänze  
respektieren, da es erklärt, wie wir uns organisieren und wie wir unsere
  Entscheidungen treffen.</em>
</li><li>
<em><strong>Informationstreffen: </strong></em><em>Die
  Regierung muss sich mit unserem Volk treffen, in jedem Dorf einzeln, 
um  uns über ihre Vorhaben zu informieren und unsere Zweifel und 
Nachfragen  zu beantworten. Neben uns sollen die Partner unseres Volkes 
an diesem  Treffen jeweils teilnehmen.</em>
</li><li>
<em><strong>Interne Treffen: </strong></em><em>Nach
  diesen Informationstreffen brauchen wir Zeit zum Diskutieren unter uns
  über die Vorschläge der Regierung. Wir werden Zeit brauchen, um den  
Vorschlag den Verwandten, die nicht an den Informationstreffen  
teilnehmen konnten, zu erläutern. Des Weiteren wollen wir uns mit den  
Flussanwohnern (beispielsweise mit denen von Montanha-Mangabal) treffen 
 und beratschlagen. Wir werden unsere Partner zu unseren internen 
Treffen  hinzuladen. Aber die Regierung darf dabei nicht anwesend sein. 
Sollten  Unklarheiten oder neue Informationen aufkommen, dann muss die 
Regierung  weitere Informationstreffen mit uns und unseren Partnern 
abhalten.  Danach dann würden wir weitere Treffen mit unseren Partner, 
ohne die  Regierung, machen, um die Unklarheiten zu klären und um zu 
debattieren.  Egal wie viele Treffen dafür notwendig wären, damit das 
Volk der  Munduruku sich vollständig informiert</em>
</li><li>
<em><strong>Verhandlungstreffen:</strong></em> <em>Wenn
  wir hinreichende Informationen haben und mit unserem ganzen Volk  
debattiert haben, wenn wir also eine Antwort an die Regierung haben,  
dann muss die Regierung sich mit uns, in unserem Territorium treffen. An
  diesem Treffen sollen auch unsere Partner teilnehmen. Die Regierung  
muss zuhören und auf unseren Vorschlag antworten, selbst wenn unser  
Vorschlag anders als der von der Regierung sei. Und wir mahnen: Wir  
akzeptieren nicht, dass die Regierung Rechte so einsetzt, wie die, die  
uns eigentlich zustehen, aber nie respektiert werden, um uns letztlich  
reinzulegen.</em>
</li></ul>



<p><em><strong>Wie treffen wir Munduruku unsere Entscheidungen?</strong></em></p>



<ul class="wp-block-list"><li>
<em>Wenn ein Vorhaben uns alle  
betrifft, dann ist unsere Entscheidung eine kollektive. Die Regierung  
darf nicht nur einen Teil des Volks der Munduruku konsultieren (sie darf
  zum Beispiel nicht nur die Munduruku des Mittleren Tapajós oder nur 
die  des Oberen Tapajós konsultieren).</em>
</li><li>
<em>Keine Vereinigung der Munduruku  
entscheidet für das Volk der Munduruku, keine Organisation redet für  
unser Volk. Die Entscheidungen unseres Volks werden auf der  
Vollversammlung getroffen, die durch unsere Kaziken einberufen wird. Es 
 sind unsere Kaziken, die gemeinsam und zusammen Zeit und Ort der  
Generalversammlung festlegen und die Munduruku zur Teilnahme einladen.  
Auf diesen Versammlungen werden die Entscheidungen im Anschluss an die  
Debatte getroffen: Wir diskutieren und kommen zu einem Kosens. Wenn es  
nötig ist, diskutieren wir viel. Wir stimmen nicht ab. Wenn es keinen  
Konsens gibt, entscheidet die Mehrheit.</em>
</li></ul>



<p><em><strong>Was erwartet das Volk der Munduruku von dieser Konsultation?</strong></em></p>



<p>„<em><strong>Wir erwarten, dass die Regierung unsere Entscheidung respektiert. Wir haben Veto-Recht.</strong></em></p>



<p><em><strong>Sawe!!“</strong></em></p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote1anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1</a>Siehe
  hierzu ausführlich die Chronologie unter  
https://www1.folha.uol.com.br/poder/2019/08/bolsonaro-diz-que-errou-ao-insistir-em-demarcacao-de-terras-indigenas-pela-agricultura.shtml</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote2anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2</a>Siehe
  „Wir werden Widerstand leisten! SURARA! SAWÊ!“, unter:  
https://www.gegenstroemung.org/web/blog/wir-werden-widerstand-leisten-surara-sawe/</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote3anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">3</a>Ratifiziert
  durch den Kongress durch das DECRETO LEGISLATIVO Nº 143, DE 2002, 
siehe   
https://www2.camara.leg.br/legin/fed/decleg/2002/decretolegislativo-143-20-junho-2002-458771-convencao-1-pl.html</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote4anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">4</a>DECRETO
  Nº 5.051, DE 19 DE ABRIL DE 2004: Promulga a Convenção nº 169 da  
Organização Internacional do Trabalho – OIT sobre Povos Indígenas e  
Tribais, siehe  
http://www.planalto.gov.br/ccivil_03/_ato2004-2006/2004/decreto/d5051.htm</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote5anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">5</a>Siehe
  hierzu ausführlich „Os protocolos de consulta“, in: „Protocolos de  
consulta prévia e o direito à livre determinação“. Hrsg. von Verena  
Glass et al, Rosa-Luxemburg-Stiftung São Paulo, 2019</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote6anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">6</a>Siehe
  „Der Belo-Monte-Staudamm und die Rolle europäischer Konzerne.“ Von 
Tina  Kleiber und Christian Russau unter Mitwirkung von Heike Drillisch 
und  Herbert Wasserbauer. GegenStrömung, Juli 2014. Unter:  
https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2014/07/GegenStr{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}C3{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}B6mung_Belo-Monte-und-Europ-Konzerne_2014.pdf</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote7anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">7</a>Siehe https://www.conjur.com.br/2011-abr-05/oea-brasil-suspenda-obras-belo-monte-proteger-indigenas</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote8anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">8</a>Siehe http://global.org.br/programas/brasil-endossa-frente-de-enfraquecimento-do-sistema-interamericano-de-direitos-humanos/</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote9anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9</a>Nicht
  zu verwechseln mit den Wasserfällen Sete Quedas, die durch den Bau des
  Staudamms Itaipu an der Grenze zu Paraguay in den 1970er Jahren 
geflutet  wurden.</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote10anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">10</a>Siehe https://amazoniareal.com.br/o-valor-da-ancestralidade-para-os-munduruku-impresso-em-sete-quedas/</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote11anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">11</a>Siehe hierzu <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/erklaerung-anklage-des-volkes-munduruku">https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/erklaerung-anklage-des-volkes-munduruku</a> und <a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/indigene-kayabi-munduruku-und-apiaka-protestieren-weiter-gegen-das-wasserkraftwerk-sao-manoel-am-fluss-teles-pires-in-amazonien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.gegenstroemung.org/web/blog/indigene-kayabi-munduruku-und-apiaka-protestieren-weiter-gegen-das-wasserkraftwerk-sao-manoel-am-fluss-teles-pires-in-amazonien/</a> und <a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/besetzung-der-baustelle-des-wasserkraftwerks-sao-manoel-am-fluss-teles-pires/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.gegenstroemung.org/web/blog/besetzung-der-baustelle-des-wasserkraftwerks-sao-manoel-am-fluss-teles-pires/</a></p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote12anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">12</a>Siehe https://amazoniareal.com.br/povo-munduruku-resgata-12-urnas-funerarias-de-museu-no-mato-grosso/</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote13anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13</a>Siehe https://www.kritischeaktionaere.de/munich_re/1754/</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote14anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14</a>Siehe hierzu <a href="http://www.mpf.mp.br/atuacao-tematica/ccr6/documentos-e-publicacoes/protocolos-de-consulta-dos-povos-indigenas" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.mpf.mp.br/atuacao-tematica/ccr6/documentos-e-publicacoes/protocolos-de-consulta-dos-povos-indigenas</a>
 und „Os protocolos de consulta“, in: „Protocolos de consulta prévia e o
  direito à livre determinação“. Hrsg. von Verena Glass et al,  
Rosa-Luxemburg-Stiftung São Paulo, 2019, S. 109ff.</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote15anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">15</a>Siehe
  Felício Pontes Jr, in: „Protocolos de consulta prévia e o direito à  
livre determinação“. Hrsg. von Verena Glass et al,  
Rosa-Luxemburg-Stiftung São Paulo, 2019, S. 15</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote16anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">16</a>Siehe
  zusammenfassend „Protocolos de consulta prévia e o direito à livre  
determinação“. Hrsg. von Verena Glass et al, Rosa-Luxemburg-Stiftung São
  Paulo, 2019</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote17anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">17</a>Siehe https://valor.globo.com/brasil/coluna/brasil-e-voto-isolado-na-oit-e-ameaca-deixar-convencao-sobre-povos-indigenas.ghtml</p>



<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/2020/02/28/bolsonaro-regierung-droht-mit-dem-ausstieg-aus-der-ilo-konvention-169-um-industrielle-landwirtschaft-bergbau-und-wasserkraftnutzung-in-indigenen-territorien-brasiliens-durchzusetzen/#sdfootnote18anc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">18</a>Siehe
   
https://www1.folha.uol.com.br/poder/2019/10/grupo-do-governo-articula-revisao-de-consulta-a-indios-sobre-grandes-obras.shtml</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neues Berggeschrey in indigenem Land</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/neues-berggeschrey-in-indigenem-land/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Feb 2020 13:39:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene Territorien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.gegenstroemung.org/web/?p=2014</guid>

					<description><![CDATA[Bolsonaro macht ernst mit künftigem Bergbau in indigenen Territorien. Es war eines seiner großen Wahlversprechen, eines, das Panik bei indigenen Völkern Brasiliens und bei den sie unterstützenden Menschenrechtsverteidiger*innen auslöste, eines, das Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro nun in Angriff nimmt und damit indigenes Land für die wirtschaftliche Ausbeutung freigeben will: Bergbau und andere wirtschaftliche Aktivitäten, wie&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Bolsonaro macht ernst mit künftigem Bergbau in indigenen Territorien. Es war eines seiner großen Wahlversprechen, eines, das Panik bei indigenen Völkern Brasiliens und bei den sie unterstützenden Menschenrechtsverteidiger*innen auslöste, eines, das Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro nun in Angriff nimmt und damit indigenes Land für die wirtschaftliche Ausbeutung freigeben will: Bergbau und andere wirtschaftliche Aktivitäten, wie großflächige, industrielle Landwirtschaft sollen nach Wunsch des Präsidenten Bolsonaro künftig in indigenen Territorien in Brasilien erlaubt sein.</em></p>



<p>Der von Jair Bolsonaro vorgelegte Gesetzesvorschlag liegt derzeit 
noch unter Verschluss, wurde der Presse selbst nicht übergeben, sondern 
nur an den brasilianischen Nationalkongress weitergeleitet. Die 
Bolsonaro-Gesetzesvorlage sieht laut Medienberichten im Falle der 
künftigen Ausbeutung des Bodens indigener Territorien durch Dritte die 
Zahlung einer finanziellen Entschädigung an die indigenen Völker vor, 
dies jedoch in einer Höhe, die unter den Werten liegen, die z.B. an 
Lizenzgebühren bezahlt werden (wie bspw. bisher üblich bei der 
Ölexploration). Dem Vorschlag zufolge würden bei künftiger 
Wasserkraftnutzung die Gemeinden 0,7% des Wertes der erzeugten Energie 
erhalten, im Falle von Erdöl, Erdgas und deren Derivaten würde dieser 
Wert bei 0,5% bis 1% des produzierten Wertes liegen. Im Falle von 
Bergbauaktivitäten soll die Ausgleichszahlung an die indigenen Gemeinden
 50% des Wertes der finanziellen Entschädigung für die Ausbeutung von 
Mineralressourcen betragen. Es ist <a href="https://br.reuters.com/article/idBRKBN20022W-OBRTP" target="_blank" rel="noreferrer noopener">laut Medienberichten</a>
 auch eine Entschädigung für die dann künftig durch diese neue Nutzung 
eingeschränkte Landnutzung durch die Indigenen vorgesehen, um die 
indigenen Völker für den Nutzungsausfall eines Teils des Landes zu 
entschädigen. Dieser Entschädigungssatz für die Fläche des Landes, die 
von der Nutzung durch den neuen Betrieb verhindert bzw. verändert werde,
 soll von der brasilianischen Bundesregierung auf der Grundlage des 
Umfangs der Beschränkung berechnet werden, wobei klare 
Berechnungsgrundlagen bisher nicht bekannt gemacht wurden.<br /><br />Klar 
ist: Das Projekt gibt den indigenen Völkern wenig Autonomie, um selbst 
zu entscheiden, ob sie ihr Land ausbeuten lassen wollen oder nicht. 
Denn: Die Gemeinschaften werden zwar angehört, aber im Falle der 
Wasserkraft- oder Erdölexploration wird es nur eine Konsultation sein, 
ohne Vetorecht. Letztich kann der Präsident der Republik den jweiligen 
konkreten Explorationsantrag auf eine Lizenz zur Unterzeichnung 
weiterleiten. Die endgültige Genehmigung der Gesetzesvorlage werden die 
beiden Kammern des Kongress, Abgeordnetenkammer und Senat, treffen. <br /><br />Das
 Vetorecht der indigenen Völker gilt also nicht, mit einer Ausnahme. 
Bolsonaros Gesetzesvorschlag sieht im Falle von Garimpos 
(Bergbauschürfen) ein Vetorecht vor. In solchen Fällen könnten die 
Indigenen die Ausbeutung des Landes (theoretisch) verhindern. Denn der 
Gesetzesvorschlag sieht im Falle der Ausbeutung durch Garimpo vor, dass 
die Indigenen selbst den Garimpo durchführen können oder Dritte 
beauftragen könnten, dies zu tun. Unklar ist, wie die Entscheidungen 
darüber ablaufen sollen, wenn es in den indigenen Völkern 
unterschiedliche Ansichten und Absichten darüber gibt. Der nun 
vorgeschlagene Gesetzestext sieht laut Medienberichten vor, dass die 
Entscheidungen über Aktivitäten in den Gemeinden von einem Beirat 
getroffen werden, deren Mitglieder von den betroffenen indigenen Völkern
 gebildet werden und deren Vertreter*innen von den Gemeinschaften &#8222;gemäß
 ihrer normalen Art und Weise, Anführer*innen und Delegierte zu wählen&#8220; 
(so der Pressetext), ernannt werden. Angesichts unterschiedlicher 
Interessenslagen auch bei indigenen Völkern steht Streit und Zwist ins 
Haus, ein Umstand, den ein Jair Bolsonaro sehr wohl zu nutzen weiß&#8230; Es
 droht Übles in Brasilien.</p>



<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Christian Russau</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Morddrohungen und Einschüchterungsversuche gegen indigene Menschenrechtsaktivistin in Santarém</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/morddrohungen-und-einschuechterungsversuche-gegen-indigene-menschenrechtsaktivistin-in-santarem/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2019 15:11:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene Territorien]]></category>
		<category><![CDATA[Morddrohungen]]></category>
		<category><![CDATA[Tapajós]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.gegenstroemung.org/web/?p=1982</guid>

					<description><![CDATA[Nach Morddrohungen und einem gezielten Einbruch in ihre Wohnung hat die indigene Menschenrechtsaktivistin Alessandra Korap Munduruku Santarém vorerst verlassen müssen. Alessandra Korap Munduruku musste wegen Morddrohungen und einem offensichtlich der Einschüchterung ihrer Person geltenden Einbruch in ihre Wohnung mit ihrer Familie Santarém verlassen. Dies nur wenige Tage, nachdem sie die illegalen Aktivitäten von garimpeiros und&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Nach Morddrohungen und einem gezielten Einbruch in ihre Wohnung hat die indigene Menschenrechtsaktivistin Alessandra Korap Munduruku Santarém vorerst verlassen müssen. </em></p>



<p>Alessandra Korap Munduruku musste wegen Morddrohungen und einem offensichtlich der Einschüchterung ihrer Person geltenden Einbruch in ihre Wohnung mit ihrer Familie Santarém verlassen. Dies nur wenige Tage, nachdem sie die illegalen Aktivitäten von garimpeiros und Holzfäller öffentlich und auch die nach wie vor aktuellen Staudammpläne Brasílias für die Tapajós-Region angeprangert hatte. Alessandra Korap Munduruku war zusammen mit 50 anderen Indigenen am 20. November nach Brasília gefahren, um dort öffentlich das illegale Vorgehen der garimpeiros und Holzfäller in den indigenen Territorien anzuprangern. Dabei war sie gefilmt worden, dieses Video wurde in sozialen Medien geteilt, woraufhin Frau Korap Morddrohungen erhalten hat. Am vergangenen Samstag war die Familie außer Haus, nach ihrer Rückkehr stellten sie fest, dass in ihr Haus in Samtarém, Bundesstaat Pará, eingebrochen worden war. Die Einbrecher hatten Dokumente, ein Tablet, ein Handy und eine Speicherkarte einer Kamera mitgenommen, die Kamera aber selbst liegen gelassen. Der Fernseher wurde ebenfalls gestohlen, aber die Gasflasche, eines der am häufigsten gestohlenen Gegenstände in der Region, wurde zurückgelassen. Laut Frau Korap ereignete sich der Einbruch zwischen dem späten Nachmittag und dem frühen Abend dieses Samstags (30.11.).</p>



<p>Wegen des mutmaßlichen Zusammenhangs mit den Drohungen gegen ihre Person, hat Alessandra Korap Munduku zusammen mit ihrer Familie Santarém verlassen und bleibt zunächst bei Freundinnen. Am Sonntag hatte Frau Korap noch versucht, eine polizeiliche Anzeige auf der zuständigen Wache zu erstatten, wurde aber aufgefordert, am Montag zurückzukehren und es erneut zu versuchen während der regulären Dienstzeiten, die Wochenenddienstzeiten seien nur für Taten, bei den die Täterinnen in flagranti erwischt wurden.</p>



<p>Alessandra Korap Munduruku gibt der Regierung in Brasília seit langem eine Mitverantwortung für die Menschenrechtsverletzungen gegen Indigene, da der Hassdiskurs des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro die Gesellschaft vergifte, so Alessandra Korap Munduruku im Gespräch mit KoBra anlässlich ihres Besuchs in Berlin Ende September 2019. Dort sprach sie unter anderem vor 270.000 Menschen auf der Fridays for Future-Demo-Kundudgebung vor dem Brandenburger Tor.</p>



<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org">christianrussau</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
