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	<title>Bolsonaro &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Bolsonaro &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Gesetzesinitiative PL 191 zu Bergbau und Wasserkraft in indigenen Gebieten: Kurz vor Verabschiedung?</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/gesetzesinitiative-pl-191-zu-bergbau-und-wasserkraft-in-indigenen-gebieten-kurz-vor-verabschiedung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Mar 2022 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[[Foto: Folgen von Bergbau in indigenen Territorien, hier: Indigenes Territorium Krenak, Minas Gerais, Foto: christian russau [2016] Der Gesetzentwurf PL 191 in Brasilien befasst sich laut Gesetzestext mit: &#8222;Regelt § 1 des Art. 176 und § 3 des Art. 231 der Verfassung, um die besonderen Bedingungen für die Erforschung und den Abbau von Bodenschätzen und&#8230;]]></description>
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<p>[Foto: Folgen von Bergbau in indigenen Territorien, hier: Indigenes Territorium Krenak, Minas Gerais, Foto: christian russau [2016]</p>
<p>Der Gesetzentwurf PL 191 in Brasilien befasst sich <a href="https://www.camara.leg.br/proposicoesWeb/fichadetramitacao?idProposicao=2236765" target="_blank" rel="noopener">laut Gesetzestext</a> mit: &#8222;Regelt § 1 des Art. 176 und § 3 des Art. 231 der Verfassung, um die besonderen Bedingungen für die Erforschung und den Abbau von Bodenschätzen und Kohlenstoffen sowie für die Nutzung von Wasserressourcen zur Stromerzeugung auf indigenem Land festzulegen, und sieht eine Entschädigung für die Einschränkung des Nießbrauchs an indigenem Land vor.&#8220;</p>
<p><a href="https://amazoniareal.com.br/bolsonaro-forca-aprovacao-pl-191/" target="_blank" rel="noopener">Amazônia Real berichtet</a>, wie die Bolsonaro-Regierung samt ihrer Unterstützer:innen diese PL 191 mit dem Argument auf die Kriegssituation Russlands in der Ukraine durchsetzen will. Auch in europäischen Medien wird darüer berichtet, wie Bolsonaro den drohenden Mangel an Kali-Dünger-Importen aus Russland nach Brasilien ausgleichen will, indem er den Bergbau in indigenen Territorien <a href="https://www.nzz.ch/international/bolsonaro-nutzt-ukraine-krieg-zu-verteidigung-von-amazonas-ausbeutung-ld.1672621" target="_blank" rel="noopener">vorantreiben wolle</a>. Der brasilianische Bundesabgeordnete Ricardo Barros von der Partei PP sammele demnach seit Donnerstag, 3. März, im internen System der Abgeordnetenkammer Unterschriften für den größten anti-indigenen Angriff der Regierung von Jair Bolsonaro, die PL 191. Bolsonaro sei es gelungen, beim Exekutivbüro einen Antrag zu stellen, damit der von der Exekutive verfasste Gesetzentwurf PL 191/2020 in Dringlichkeit bearbeitet werde. Wenn die Genehmigung erteilt werde, so Amazônia Real, werde der Bergbau in indigenem Land in Brasilien genehmigt werden. Die ökologische und soziale Katastrophe steht somit unmittelbar bevor.</p>
<p>Die Regierung nutze die Empörung über den Krieg Russlands gegen die Ukraine, um das Gesetz PL 191 zu verabschieden, das die Artikel 176 und 231 der Verfassung regelt und den Bergbau zulassen soll, der jetzt in den indigenen Gebieten (noch) als illegal gilt. Bolsonaros Argument ist, dass es im Amazonas Kali gebe, ein Mineral, das für die Herstellung von Düngemitteln verwendet wird, und ein Teil davon befände sich in indigenem Land. Durch die russische Invasion im Nachbarland werde es für Brasilien und den Rest der Welt schwierig werden, in der Landwirtschaft verwendete Düngemittel aus Russland zu beziehen.</p>
<p>&#8222;Wenn dieses Gesetz verabschiedet wird, ist es das Ende vieler indigener Völker in Brasilien&#8220;, verurteilte der Abgeordnete Nilto Tatto von der oppositionellen Arbeiterpartei PT dieses Vorpreschen bei der Gesetzesinitiative PL 191. &#8222;Sie nutzen den Moment aus, in dem alle von der Kriegssituation bewegt sind und sagen, dass der Bergbau auf indigenem Land genehmigt werden sollte, um Brasilien nicht zu schaden.&#8220; Auch der Abgeordnete Rodrigo Agostinho von der PSB warnt, es bestehe &#8222;die reale Gefahr, dass über diesen Gesetzentwurf in den kommenden Wochen abgestimmt wird. Die Regierung übt Druck aus. Unter dem Vorwand, die Düngemittelindustrie zu unterstützen, sollen in Wirklichkeit die Garimpeiros freie Hand bekommen&#8220;, so Agostinho. Die Kräfteverhältnisse im brasilianischen Nationalkongress scheinen derweil darauf hinzudeuten, dass die PL 191 durchgehen könnte, befürchten Beobachter:innen.</p>
<p>Am morgigen Dienstag findet in Brasilia eine große Kundgebung statt, zu der auch der Sänger Caetano Veloso aufgerufen hat und an der Hunderte von Institutionen, Künstler:innen und Persönlichkeiten teilnehmen werden. Diese Mobilisierung zusammen mit intrenationalem Druck mag die letzte Hoffnung sein, die Abgeordneten zum Schutz der indigenen Völker zu bewegen, aber andere umweltfeindliche Gesetzesentwürfe, wie die zur Erleichterung des Landraubs und der Zulassung von Agrargiften, wurden von diesem Kongress bereits mit deutlichen Mehrheiten durchgewunken und verabschiedet. Bolsonaro hatte bereits lange vor seiner Wahl angekündigt, wie seine indigenenfeindliche Politik aussehen werde. &#8222;Keinen Zentimeter Land mehr!&#8220; für die Indigenen, das war einer seiner zentralen Wahlsprüche. Und dies setzt er jetzt um. Seit 2019 wurde kein neues indigenes Territorium mehr ausgewiesen, und die bestehenden geraten jetzt ebenfalls unter Druck, sei es durch die noch anstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofes STF zur Stcihtagsregelung &#8222;Marco Temporal&#8220; oder wie jetzt diese Tage durch den Gesetzesentwurf PL 191. Düstere Zeiten.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<title>Brasilianische Agrarlobby fordert Austritt des Landes aus der ILO-169 Konvention zum Schutze der Rechte der indigenen Völker</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianische-agrarlobby-fordert-austritt-des-landes-aus-der-ilo-169-konvention-zum-schutze-der-rechte-der-indigenen-voelker/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Aug 2021 10:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bolsonaro]]></category>
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		<category><![CDATA[ILO 169]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie Bolsonaro sieht die mächtige Farmer:innenfraktion im brasilianischen Nationalkongress die ILO-169 als Hindernis für Entwicklung und Einschränkung der nationalen Souveränität. Der Weg für massive Inwertsetzung indigener Territorien für industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkraftwerke soll frei gemacht werden. Von Christian Russau Brasiliens Agrarlobby lässt in ihrem rücksichtlosen Kampf gegen kleinbäuerliche Strukturen und gegen indigene Territorien nicht&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie Bolsonaro sieht die mächtige Farmer:innenfraktion im brasilianischen Nationalkongress die ILO-169 als Hindernis für Entwicklung und Einschränkung der nationalen Souveränität. Der Weg für massive Inwertsetzung indigener Territorien für industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkraftwerke soll frei gemacht werden.</p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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<div id="attachment_2434" style="width: 2058px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-scaled.jpg" data-dt-img-description="Munduruku mit UN-Sonderberichterstatterin für indigenen Rechte (2016). Foto: christianrussau" data-large_image_width="2048" data-large_image_height="1536"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2434" class="size-medium wp-image-2434" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-300x225.jpg" alt="Munduruku mit UN-Sonderberichterstatterin 2016" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2021/05/munduruku-mit-un-sonderberichterstatterin-foto_christian-russau-scaled.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-2434" class="wp-caption-text">Munduruku mit UN-Sonderberichterstatterin für indigene Rechte (2016). Foto: christianrussau</p></div>
<p>Brasiliens Agrarlobby lässt in ihrem rücksichtlosen Kampf gegen kleinbäuerliche Strukturen und gegen indigene Territorien nicht locker, im Gegenteil: Sie verschärfen die Angriffe. Dies zeigt sich nicht nur in den Versuchen, die indigenen und sozialen Bewegungen auf dem Land zu kriminalisieren und durch einen Diskurs des Hasses gesellscaftliche Narrative zu etablieren, die gezielte Übergriffe auf Indigene und andere traditionelle Territorien und Landbesitze zu stimulieren, sondern auch an der strukturell-finanziellen Aushöhlung von staatlichen Umwelt- und Menschenrechtsorganen wie Ibama, ICMBio oder FUNAI. Dies zeigt sich auch in der Kürzung der staatlichen Programme wie Kleinkreditförderungen oder Aufkaufprogrammen regionaler, landwirtschaftlicher Produkte wie PAA oder PNAE, aber eben auch in diversen Gesetzesvorhaben wie der PL490, die eine Stichtagsregelung, den sogenannten „marco temporal“, vorsieht, um die juristischen Abläufe der Demarkationsprozesse indigener Territorien im Sinne der Interessen der Agrarlobby anzupassen. Dazu zählen auch die beiden auch als „Landraubgesetze“, „PL da grilagem“, genannten Gesetzesvorhaben, eines im Nationalkongress, die PL2633/2020, die andere im Senat als PL 510, die die illegale Aneignung von Land nachträglich legalisieren sollen – und, last but not least, Bolsonaros PL 191, die Bergbau, Wasserkraft und industrielle Landwirtschaft in indigenen Territorien legalisieren soll.</p>
<p>Und nun gesellt sich dazu der <a href="https://www.brasildefato.com.br/2021/08/17/bolsonaro-estuda-abandonar-tratado-sobre-direitos-indigenas-e-quilombolas-a-partir-de-setembro" target="_blank" rel="noopener">Versuch, Brasiliens Austritt aus der Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in die Wege zu leiten</a>.</p>
<p>Der offizielle parteiübergreifende Zusammenschluss im Brasilianischen Nationalkongress, die Frente Parlamentar da Agropecuária (FPA), hat am 12. August dieses Jahres <a href="https://fpagropecuaria.org.br/2021/08/12/a-denuncia-da-convencao-no-169-da-oit/" target="_blank" rel="noopener">ein Dokument auf ihrer Interpräsenz veröffentlicht, in der sie den Austritt aus der ILO 169 fordert</a>. Dort argumentiert die Farmerfraktion, die ILO 169 beschneide Brasilien in den „Befugnissen zur Gesetzgebung, Verwaltung, Ausarbeitung und Bewertung nationaler und regionaler Entwicklungspläne und -programme, zum Bau von Straßen, Wasserkraftwerken und anderen Infrastrukturmaßnahmen &#8211; kurzum, zu souveränen Entscheidungen über das, was für den Fortschritt und die Entwicklung des Landes am nötigsten“ ist. Daher fordert die FPA, dass Brasilien zum nächstmöglichen Zeitpunkt aus der ILO 169 austrete. Nach Regularien der ILO kann dies alle zehn Jahre geschehen, da Brasilien die ILO 2002 unterschrieben, könnte dieser Schritt bis zum 5. September 2022 vollzogen werden, so die Farmer:innenlobby.</p>
<p>Dies deckt sich mit Bolsonaros Vorstellungen. Denn auch er hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt verlautbart, der Austritt Brasiliens aus der ILO 169 sei dringend notwendig, um die Entwicklung des Landes nicht weiter zu behindern. Als erste schickte die Bolsonaro-Regierung im März 2019 Brasiliens Botschafterin bei der UNO in Genf, Maria Nazareth Farani Azevêdo, vor, die öffentlich auf die Möglichkeit verwies, dass Brasilien die ILO-Konvention 169 verlassen könnte. Dann folgte im Oktober 2019 das direkt dem Präsidenten Brasiliens unterstellte Sicherheitskabinett GSI, das laut einem Pressebericht vom 4. Oktober 2019 die Bundesanwaltschaft AGU aufforderte, ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichtshofs STF aus dem Jahre 2006, das die Rechtsgültigkeit der von Brasilien 2002 ratifizierten ILO-Konvention 169 auch auf Quilombolas (Nachkommen der Sklaverei entflohener Schwarzer) bestätigte, auf Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Laut dem damaligen Pressebericht erinnert das GSI-Dokument ebenfalls an den nächstmöglichen Kündigungszeitraum, sollte Brasilien sich entscheiden, aus der ILO-Konvention 169 auszutreten: Dies könne, so das GSI-Dokument, zwischen dem 5.9.2021 und 5.9.2022 geschehen. Als Begründung für einen möglichen Austritt Brasiliens erwähnt das GSI-Dokument die &#8222;Auswirkungen der ILO-Konvention 169 auf die Entwicklung des Landes&#8220;. Das GSI-Dokument schlägt die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vor, die einen neuen Vorschlag für ein Präsidaldekret erarbeiten solle, das den Modus Operandi der &#8222;vorherigen Konsultation indigener Völker und Stämme&#8220; neu regeln soll. Auch hier liefert das mittlerweile mehrheitlich von Militärs dominierte GSI gleich eine Begründung: die bisherige Anwendung der ILO 169 beeinträchtige &#8222;Projekte mit nationalem Interesse&#8220;.</p>
<p>Bolsonaro selbst hat nie einen Hehl aus seinem Hass auf Indigene gemacht. &#8222;Nicht einen Zentimeter wird mehr als indigenes Reservat demarkiert werden&#8220;, sollte er zum Präsidenten Brasiliens gewählt werden, tönte der damalige Abgeordnete und rechtsextreme Hauptmann a.D., Jair Bolsonaro, im April 2017. &#8222;2019 werden wir das indigene Reservat Raposa Serra do Sol zerlegen. Wir werden allen Ranchern Waffen geben&#8220;, kündigte er bereits 2016 an. Drei Jahre später wurde er Präsident von Südamerikas größtem Staat. Entsprechend fallen nun seine Angriffe auf indigene Rechte aus. Und es zeigt sich im übrigen in seiner Politpraxis: Die von der Verfassung von 1988 vorgeschriebenen neuen Ausweisungen der indigenen Gebiete als rechtlich geschützte Territorien (&#8222;Terra Indígena&#8220;) sind unter der Bolsonaro-Regierung entsprechend auf Null zurückgegangen.</p>
<p>Die ILO-Konvention 169 wurde von Brasilien 2002 unterzeichnet, 2004 ratifiziert und durch ein Präsidialdekret in nationales Recht umgesetzt. Laut Lesart des Obersten Gerichtshofs Brasiliens STF stehen internationale, von Brasilien unterschriebene Rechtsverträge unterhalb der Rechtsgültigkeit der Verfassung Brasiliens, aber oberhalb jedweden Gesetzes. Dies würde im Falle der verschiedenen oben genannten Gesetzesinitiative von Jair Bolsonaro und den ruralistas zur wirtschaftlichen Inwertsetzung der indigenen Territorien bedeuten, dass das in Art. 6 und 7 der ILO-Konvention 169 festgelegte Recht auf freie, vorherige und informierte Konsultation dem Präsidenten Jair Bolsonaro einen Strich durch die Rechnung machen könnte. In Artikel 6, Satz 2 der ILO-Konvention 169 heißt es: &#8222;Die in Anwendung dieses Übereinkommens vorgenommenen Konsultationen sind in gutem Glauben und in einer den Umständen entsprechenden Form mit dem Ziel durchzuführen, Einverständnis oder Zustimmung bezüglich der vorgeschlagenen Maßnahmen zu erreichen.&#8220; Wenn also ein künftig vom Brasilianischen Nationalkongress auf Betreiben Bolsonaros beschlossenes Gesetz zur Inwertsetzung indigener Territorien durch industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Staudämme in Konflikt mit der ILO-Konvention 169 zu kommen droht, wäre es für die Bolsonaros und Konsorten wichtig, dass Brasilien vorher aus der Konvention austrete.</p>
<p>Dreh- und Angelpunkt im Streit zwischen den wirtschaftlichen Inwertsetzungsinteressen einer Bolsonaro-Regierung und den Schutzinteressen der indigenen Völker Brasiliens im Kampf um ihre Territorien ist die Frage der in Artikel 6 erwähnten zu erreichenden &#8222;Zustimmung&#8220; der betroffenen Indigenen und wie die &#8222;Konsultation&#8220; im Einzelnen auszusehen habe. Und genau in diesem Spannungsbogen zwischen &#8222;Konsultation&#8220; und &#8222;Zustimmung&#8220; bewegt sich seit Jahren auch die Auseinandersetzung um die Auslegung der ILO-Konvention 169 in Brasilien.</p>
<p>Projektbetreiber und die Regierungen unterschiedlicher politischer Couleur in Brasília meinen meist, dass es reicht, Konsultationen in Form von abzuhaltenden Anhörungen durchzuführen. So ist es bei allen bisherigen Großinfrastrukturprojekten wie Überlandstraßen, Wasserkraftwerken und Staudämmen sowie Bergbaugenehmigungen geschehen. Es wurden Anhörungen durchgeführt, die oftmals nicht den Charakter einer freien, vorherigen und informierten Befragung hatten, die nicht &#8222;in gutem Glauben&#8220; abliefen und die schon gar nicht eine Abstimmung, womöglich gar mit einem Vetorecht der betroffenen Indigenen vorsahen.</p>
<p>Indigene Völker wie auch die zuständigen UN-Gremien und die ILO jedoch stehen klar auf dem Standpunkt, dass die ILO-Konvention die freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) vorschreibt, im Einklang mit der UN-Erklärung der Rechte der Indigenen Völker (UNDRIP), die ebenfalls in mehreren Fällen FPIC verbindlich vorschreibt, insbesondere, wenn Territorien und Lebensgrundlagen indigener Völker betroffen sind oder ein Projekt ihre Umsiedlung vorsieht. Dabei setzt freie und informierte Zustimmung voraus, dass zuvor echte Konsultationen in gutem Glauben (&#8222;good faith consultations&#8220;) stattgefunden haben. Nach Meinung von Indigenen, internationalen Rechtsexpert*innen und Menschenrechtsorganisationen sind Konsultation, Partizipation und Zustimmung alle drei gleichermaßen Grundbedingung des Rechtsschutzes für indigene Völker. Und wenn die „Zustimmung“ erforderlich ist, muss dies im Umkehrschluss heißen, dass ein Projekt nicht durchgeführt werden kann, wenn die betroffenen Gemeinschaften ihre Zustimmung nicht geben. Brasiliens Rechtssprechung hat dies aber bislang noch nicht entsprechend anerkannt.<br />
Bleibt die Frage, ob Bolsonaro und Konsorten den nun angestrebten Austritt Brasiliens aus der ILO 169 bewerkstelligen können? Leider ist diese Gefahr durchaus real. Denn dazu bedarf es zwar der Zustimmung der zwei Kammern, Abgeordentenhaus und Senat, des brasilianischen Nationalkongresses, aber da sich nun die mächtige Farmer:innenlobby darauf eingeschossen hat, wird es im Kongress nicht einfach werden, dies zu verhindern.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
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