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	<title>Entschädigungen &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Entschädigungen &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Brumadinho und kein Ende in Sicht</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brumadinho-und-kein-ende-in-sicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2022 10:18:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Dammbruch]]></category>
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		<category><![CDATA[Upstream-Dämme]]></category>
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					<description><![CDATA[Drei Jahre nach dem Dammbruch bei Brumadinho sind die Entschädigungen, der Rückbau der extrem bruchgefährdeten „Upstream“-Dämme und die strafrechtliche Verurteilung der Verantwortlichen noch immer nicht abgeschlossen. Von Christian Russau Morgen, am 25. Januar, jährt sich der Dammbruch von Brumadinho zum dritten Mal. Über 270 Menschen starben, es war zusammen mit dem Dammbruch von Mariana vom&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Drei Jahre nach dem Dammbruch bei Brumadinho sind die Entschädigungen, der Rückbau der extrem bruchgefährdeten „Upstream“-Dämme und die strafrechtliche Verurteilung der Verantwortlichen noch immer nicht abgeschlossen.</p>
<p>Von <a href="https://www.ouro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Morgen, am 25. Januar, jährt sich der Dammbruch von Brumadinho zum dritten Mal. Über 270 Menschen starben, es war zusammen mit dem Dammbruch von Mariana vom 5. November 2015 eine größten Umweltkatastrophen in der Geschichte Brasiliens. So die auch offizielle Lesart. Doch Betroffene, Angehörige und Aktivist:innen stellen klar: „Der Dammbruch war kein Unfall – er war ein Verbrechen.“</p>
<p>Es war der 25. Januar 2019. Ein Damm eines Rückhaltebeckens für die Erzschlammreste der Mine Córrego do Feijão brach. Die Betreiber- und Eigentümerfirma von Mine und Rückhaltebecken, die brasilianische Bergbaufirma Vale, erklärte, in dem gebrochenen Becken hätten sich 11,7 Millionen Kubikmeter Erzschlammreste befunden.</p>
<p>Nachdem der Damm des ersten Rückhaltebeckens gebrochen war, flutete der Erzschlamm den zweiten Damm des nächstgelegenen Rückhaltebeckens und überflutete auch dieses. Danach frass sich der Schlamm wie ein Tsunami weiter bergabwärts, zerstörte alles, was ihr in den Weg kam. Die Erzschlammwelle hatte unter anderem ein Betriebskantine mit sich gerissen, in der gerade viele Arbeiter:innen zu Mittag aßen, Busse, in denen Arbeiter:innen saßen, die von oder zur Betriebsschicht fuhren, wurden unter den Schlammmassen begraben. Mindestens ein Dorf wurde zerstört, auch kleine indigene und Quilombola-Territorien litten hinterher monatelang unter der schlechten Wasserqualität der in Mitleidenschaft gezogenen Flüsse.</p>
<p>Die Mine und das Rückhaltebecken gehören dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale S.A. Die Mine Córrego do Feijão samt Rückhaltebecken wurde 1956 von der Companhia de Mineração Ferro e Carvão in Betrieb genommen, 1973 wurde sie in die Thyssen-Tochterfirma Ferteco Mineração integriert, bevor sie 2003 von Vale S.A. übernommen wurde. Den nun gebrochenen Damm gebaut hat im Jahr 1976 die Thyssentochter Ferteco Mineração.</p>
<p>TÜV Süd aus München, namentlich die brasilianische Tochterfirma TÜV Süd do Brasil, hat im Auftrag von Vale und – so erklärt TÜV Süd auf der Homepage – „auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben (DNPM 70.389/2017) eine Periodic Review of Dams (Dokument vom 18. Juni 2018) und eine Regular Inspection of Dams Safety (Dokument vom 26. September 2018) durchgeführt.“ Vier Monate später brach der Damm. 272 Menschen starben, unter ihnen Marcelas Vater.<br />
„Der Dammbruch war kein Unfall – er war ein Verbrechen.“ Dies sagt Marcela Nayara Rodrigues. Sie macht eine Pause, hält inne, kämpft mit den Worten. Sie holt Luft. Dies war im Berliner Herbst 2019, Marcela war zusammen mit weiteren Angehörigen von Betroffenen und Aktivist:innen nach Berlin gereist, um u.a. eine Anzeige in München einzureichen und im Deutschen Bundestag mit Abgeordneten zu sprechen.</p>
<p>Marcela Nayara Rodrigues ist aus der Kleinstadt Brumadinho, im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, nicht weit von der Millionenmetropole Belo Horizonte entfernt. Brumadinho ist eine dieser kleinen Städte im Inneren des großen und weiten Brasiliens, dort, wo ein nicht geringer Teil des Bruttoinlandsproduktes erarbeitet wird, das den Regierenden in Brasília und den Firmenchefs in den Konzernzentralen so wichtig ist, weil es Ausdruck ist des Profits, den die Firmen erwirtschaften, erarbeitet aber mit den schweren Händen von Menschen, wie Marcelas Vater. Der hatte bei der Bergbaufirma Vale gearbeitet, viele Jahre, und damit die kleine Familie ernährt. Dann kam der Bruch.</p>
<p>Wen sieht Marcela für den Bruch als verantwortlich an? War es die brasilianische Firma Vale, die als Eigentümerin und Betreiberin der Mine und des Rückhaltebeckens für die Stabilität des Dammes verantwortlich war, oder lag die Verantwortung eher bei der aus Deutschland stammenden Firma TÜV SÜD, die den Damm im Jahr 2018 zwei Mal für bruchsicher erklärte? Marcela Nayara Rodrigues sieht in erster Linie Vale als Eigentümerin von Mine und Damm für die Sicherheit verantwortlich. „Und es ist das Unternehmen selbst, das sicherstellen muss, dass der Bergbau sicher abläuft und keine Arbeiter in Gefahr bringt. Und wenn Vale eine Firma zur Überprüfung der Sicherheit beauftragt, dann erwarten wir ein korrekt angefertigtes Sicherheitszertifikat.“ Aber, so betont Marcela: „TÜV SÜD wusste, dass der Damm ein Sicherheitsrisiko barg, trotzdem wurde die Stabilitätserklärung ausgestellt.“</p>
<p>Das Sicherheitszertifikat, das von den Mitarbeiter:innen von TÜV SÜD ausgestellt wurde, wird von vielen Betroffenen und deren Angehörigen angezweifelt. Im Nachgang des Bruchs bekannt gewordene Emails zeigen den Druck, den die Firma Vale auf TÜV SÜD aufbaute, die Sicherheit zu attestieren. Der Staatsanwaltschaft in Brasilien liegen auch Erkenntnisse darüber vor, dass mindestens zwei andere Consultingfirmen sich weigerten, die Sicherheit dieses Dammes zu zertifizieren. TÜV SÜD aber bestätigte die Sicherheit. Laut der Staatsanwaltschaft vorliegenden Erkenntnissen könnte dies aber wider besseren Wissens geschehen sein.</p>
<p>Claudia Müller-Hoff ist Rechtanwältin und arbeitet bei der in Berlin ansässigen Menschenrechtsorganisation ECCHR. Das ECCHR hat gemeinsam mit dem bischöflichen Hilfswerk Misereor im Oktober 2019 Klage gegen TÜV SÜD in Deutschland erhoben, auch gegen verantwortliche deutsche Manager haben sie Strafanzeige gestellt. Claudia Müller-Hoff sagte im Oktober 2019 im Interview mit KoBra: „Mindestens seit November 2017 hatte der Damm schwerwiegende Stabilitätsprobleme. Wir haben bewiesen, dass dies sowohl Vale als auch TÜV SÜD bekannt war. Sie haben dennoch die Stabilität des Dammes garantiert. Und da liegt der Kern des Problems für TÜV SÜD. Und die direkte Verbindung nach Deutschland in diesem Fall besteht darin, dass es einen direkt verantwortlichen Ingenieur gab, der den gesamten Prozess von hier aus überwachte. Dieser Herr ist laut mehreren Zeugenaussagen mehrmals nach Brasilien geflogen, um die Arbeit der Tochterfirma zu kontrollieren. Und wir wissen, dass die Ingenieure vor Ort den Damm nur mit seiner Zustimmung für sicher erklären konnten. Letztlich attestierten sie dem Damm Stabilität. Daher gehen wir davon aus, dass der deutsche Ingenieur sein Okay dafür gegeben hat.“</p>
<p>Diese Klage ist Teil eines Strafverfahrens gegen TÜV SÜD. Doch dessen Fortgang lässt noch auf sich warten.<br />
Derweil wurde in München ein Zivilverfahren gegen TÜV SÜD eröffnet, von einer anderen Kanzlei, die Entschädigungszahlungen fordern im Namen von Betroffenen. In Brumadinho sei „ein schreckliches Unglück geschehen“, räumte Florian Stork, Chef-Justiziar des TÜV Süd, damals gegenüber Medien. Er wolle „das Leid überhaupt nicht infrage stellen“, aber: TÜV SÜD sehe „keine rechtliche Verantwortung“ für die Katastrophe des 25. Januar 2019.</p>
<p>Das Gericht wird auch hier prüfen müssen: War den Verantwortlichen bei Vale und TÜV Süd bewusst, dass der Damm der Mine Córrego do Feijão schwer bruchgefährdet war und haben sie also wider besseren Wissens ein Sicherheitszertifikat ausgestellt? Das Gericht in München will im Februar 2022 ein Urteil in diesem Zivilprozess fällen. In Brasilien gehen die juristischen Klagewege der Betroffenen weiter, ebenso wie die Strafrechtsklage des ECCHR gegen TÜV Süd in Deutschland.</p>
<p>„Für mich ist die Anzeige eine persönliche Angelegenheit: Weil mein Vater beim Dammbruch getötet wurde und weil sich das korrupte Geschäft mit der Sicherheit ändern muss – denn es zerstört unsere Leben und unseren Planeten“, sagt Marcela Nayara Rodrigues. Ihren Vater brächte ein Urteil nicht zurück, aber vielleicht würde sich in Zukunft im brasilianischen Bergbau etwas ändern.</p>
<p>Etwas ändern: Brasiliens Politik, die jahrelang weggeschaut hatte bei den Risiken und sozialen Folgen des Bergbaus, die nur schaut auf die makroökonomischen Exportzahlen all der Erz-Pellets, die ins Ausland gehen, auch nach Deutschland, dass 45 Prozent seiner Eisenerzimporte aus Brasilien bezieht, jene Politik von Südamerikas größtem Staat war – gelinde gesagt – bergbaufreundlich. Dies ist sie auch noch heute, nur kurz nach dem Bruch, als die Medien der Welt auf das Land und seinen Bergbausektor mit all seinen ökologischen und sozialen Kosten schauten, da wurde die Politik kurz hektisch und veranlasste das Offensichtliche: das Ende der bruchgefährdetsten Tailing-Dämme: der „Upstream“-Dämme.</p>
<p>Groß war der Aufschrei nach dem Bruch des Dammes des Rückhaltebeckens der Vale-Eisenerzmine der Mine Córrego do Feijão in der Nähe des Dorfes Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais am 25. Januar dieses Jahres. So groß, dass selbst industrie-nahe, erzneoliberale Politiker*innen öffentlich erklärten, dass nun nach den zwei Brüchen von Mariana (5. November 2015) und Brumadinho (25. Januar 2019) die bruchanfälligsten unter den Dammkonstruktionen für Tailings (also Rückhaltebecken für meist verflüssigte Bergbauabfälle) &#8212; die sogenannten „Upstream“-Dämme künftig nicht mehr zugelassen werden und, mehr noch, die bestehenden bis 2021 zu deaktivieren und zurückzubauen seien. Diese Entscheidung, die unter medialem Druck, aber gleichwohl geschickt öffentlichkeitswirksam von der erzneoliberalen Bolsonaro-Regierung in Form ihres Umweltministers Salles kurz nach dem Brumadinho-Bruch verkündet worden war, ist bereits wenige Monate später, im August 2019, wieder gekippt worden. Ist die mediale Aufmerksamkeit gesunken, einige Zeit verstrichen, dann obsiegt wieder das industriefreundliche Interesse über den Schutz von Natur und Mensch.<br />
Die Dämme, die allein in Minas Gerais im „Upstream“-Verfahren gebaut wurden und in Betrieb sind, sollten ursprünglich bis 2021 die Maximallaufzeit erreicht haben und die Dämme stillgelegt werden. Doch später gab die Bundesagentur für Bergbaufragen ANM den Unternehmen bis zu sechs weitere Jahre Zeit, je nach Dammgröße. Bei der neuen Restlaufzeit wird die Größe des Speichers berücksichtigt, so die ANM damals. Eigentlich sollten alle „Upstream“-Dämme bis maximal zum 15. August 2021 in Betrieb sein. Durch die verlängerte Ausphasierung haben die Bergbauunternehmen die Arbeiten im September 2022 für Deponien mit bis zu 12 Millionen Kubikmetern Haldenvermögen, im August 2025 für bis zu 30 Millionen Kubikmeter große Anlagen und bis August 2027 für Bauten mit mehr als 30 Millionen Kubikmeter Füllmasse an Bergbauschlämmen abzuschließen.</p>
<p>Doch selbst dies industriefreundliche Herangehen hält Brasiliens Bergbauindustrie nicht ein. Ein Blick in den Bergbaubundesstaat Minas Gerais offenbart das Problem: von den 54 im Bundesstaat Minas Gerais existierenden nach dem „Upstream“-Verfahren gebauten Dämmen wurden 49 bislang nocht nicht zurückgebaut, heißt es in jüngst von der Landesumweltstiftung Fundação Estadual do Meio Ambiente (Feam) erstellten Studie.</p>
<p>Der Präsident des Industrieverbands des Bundesstaates Minas Gerais (Fiemg), Flávio Roscoe, <a href="https://www.hojeemdia.com.br/horizontes/tr%C3%AAs-anos-ap%C3%B3s-brumadinho-90-das-barragens-a-montante-ainda-n%C3%A3o-foram-descomissionadas-em-minas-1.872991" target="_blank" rel="noopener">bezeichnete jüngst</a> die angegebene Frist hingegen als „nicht realisierbar“. Er schätzt, dass der Stilllegungsprozess mindestens bis 2030 andauern wird. „Es hat keinen Sinn, eine nicht realisierbare Frist zu setzen. Der Gesetzgeber hat damals ein Datum festgelegt, ohne sich eingehend damit zu befassen, wie das überhaupt geschehen sollte“, so der Fiemg-Präsident Roscoe. Nach Angaben von Roscoe habe der Bergbausektor in den letzten drei Jahren bereits 16,7 Mrd. R$ – umgerechnet derzeit 2,7 Milliarden Euro – in Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit dieser Dämme und deren Stilllegung investiert. Laut der von Fiemg veröffentlichten Übersicht wurden sieben Staudämme bereits zurückgebaut und bei 12 weiteren erfolge deren Rückbau bis zum 25. Februar 2022. Insgesamt komme die Industrie somit auf 19 zurückgebaute Tailingdämme der Baumarke „Upstream“. Laut der Landesumweltbehörde Feam sind von den 54 stromaufwärts gelegenen Bauwerken in Minas Gerais aber bisher nur fünf „Upstream“-Tailingdämme zurückgebaut und befänden sich in der Phase der Umweltsanierung, der letzten Phase des Rückbaus von Dämmen, also des Neubepflanzen etc.</p>
<p>Viele Dämme (tailings) von Bergwerksdeponien werden nach dem „Upstream“-Verfahren gebaut, denn dieses ist das bei weitem kostengünstigste, aber eben auch das bruchanfälligste aller Tailingdammsysteme. Dann gibt es noch das Center-Verfahren und das Downstream-Verfahren. Das letzte, das Downstream-Verfahren, ist das teuerste, aber es ist das sicherste aller Tailing-Dammbau-Verfahren. Zur Erinnerung: die Statistik zu Dammbrüchen sagt, dass Tailingbrüche, also Brüche von Dämmen von Bergwerksdeponien, statistisch um den Faktor 10 häufiger brechen als Wasserkraftstaudämme (weswegen interessanterweise die International Commission on Large Dams (ICOLD) in ihrem 58.000 Staudämme umfassenden Register keine Dämme von Bergwerksdeponien aufnehmen mag, weil die ja dann die Statistik der Dammbrüche so verheerend aussehen lassen würden). Beim „Upstream“-Verfahren wird ein Damm errichtet, hinter diesen der Bergwerksschlamm gelagert, ist dieser dann nach einigen Jahren getrocknet, wird auf den Damm und einen Teil des dann (hoffentlich genügend) ausgetrockneten Materials ein neuer Damm errichtet, der dann wieder eine Schicht Schlamm aufnimmt. Dieser Prozess kann bis zu zehn Mal wiederholt werden, so dass es zu mehreren hundert Meter hohen Dammkonstruktionen kommen kann. Beim Center-Verfahren wird die Aufstockung jeweils auf dem Dammbereich vorgenommen, beim „Down-Stream“-Verfahren wird bergab die Dammerweiterung vorgenommen. „Upstream“-Dämme sind in Lateinamerika beispielsweise in Chile schon längst verboten. In Brasilien zieht sich das noch hin.</p>
<p>In die Länge gezogen werden auch die Entschädigungszahlungen für die Betroffenen, die die Bergbaufirma Vale leisten muss. Noch immer sind nicht alle entschädigt worden, noch immer laufen Prozesse, noch immer taktieren die Anwält:innen im Auftrag von Vale, berichten brasilianische Medien. Eigentlich schreibt Brasiliens Rechtssprechung dafür einen Maximalzeitrum von bis zu drei Jahren vor. Doch juristisch innovative Argumentationsmöglichkeiten finden sich immer, so <a href="https://www.brasildefato.com.br/2022/01/20/crime-da-vale-assessorias-explicam-como-ficarao-as-indenizacoes-individuais-dos-atingidos" target="_blank" rel="noopener">berichtet die Zeitung Brasil de fato</a>. So haben zum Beispiel viele der Betroffenen des Dammbruches von Mariana noch immer keine Entschädigung erhalten, auch die versprochenen und gerichtlich festgehaltenen Neusiedlungen wurden bisher nicht umfänglich fertiggestellt. Der Bruch von Mariana ist nun über sechs Jahre her. Der Weg für Gerechtigkeit ist lang, ob er je zum Ziel führt, bleibt fraglich.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Über 3 Jahre nach Dammbruch von &#8222;Mariana&#8220;: Rechtsstreite, Manöver und noch immer keine Entschädigungen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/ueber-3-jahre-nach-dammbruch-von-mariana-rechtsstreite-manoever-und-noch-immer-keine-entschaedigungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2018 14:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Dammbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Entschädigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Mariana]]></category>
		<category><![CDATA[Sammelklage]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 5. November jährte sich der Bruch des Rückhaltebeckens Fundão nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien zum mittlerweile dritten Mal. Und noch immer warten die Betroffenen auf eine angemessene Entschädigung. Währenddessen weigert sich die von den drei verantwortlichen Firmen &#8211; Samarco, Vale und BHP Billiton &#8211; eingesetzte Stiftung Renova, die für&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 5. November jährte sich der Bruch des Rückhaltebeckens Fundão nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien zum mittlerweile dritten Mal. Und noch immer warten die Betroffenen auf eine angemessene Entschädigung. Währenddessen weigert sich die von den drei verantwortlichen Firmen &#8211; Samarco, Vale und BHP Billiton &#8211; eingesetzte Stiftung Renova, die für die Aufräumarbeiten, Wiederherstellung und Entschädigungszahlungen zuständig ist, eine gerichtlich festgelegte turnusmässig anfallende Zahlung in Höhe von umgerechnet 12 Millionen Euro an die betroffenen Gemeinden auszuzahlen. Laut der <a href="https://www.em.com.br/app/noticia/gerais/2018/11/30/interna_gerais,1009321/fundacao-renova-so-paga-prefeitura-que-sair-de-acao-no-exterior.shtml" target="_blank" rel="noopener">Internetseite em.com.br</a> weigert sich die Stiftung Renova mit dem Argument, die Betroffenen könnten die Gelder erst ausgezahlt bekommen, wenn sie von einer von US-amerikanischen und britischen Anwält*innen in Großbritannien eingereichten Sammelklage Abstand nähmen. Die Stiftung selbst leugnet, diese Forderung als Gegenleistung erhoben zu haben, aber mehrere Anwält*innen, die die Bürgermeisterämter und Betroffenen vertreten, bestätigten dem Pressebericht zufolge das Vorgehen Renovas. Laut dem Pressebereicht hätten sich infolge des von Renova aufgebauten Drucks bereits die Hälfte der Bürgermeisterämter dafür entschieden, auf die Sammelklage zu verzichten, um stattdessen an die Gelder der Stiftung Renova zu kommen. Die zuständige Staatsanwaltschaft ihrerseits hat erklärt, diejenigen Bürgermeister*innen, die auf Renovas Vorschlag eingingen, auf Verstoß gegen die Grundsätze ordnungsgemässer Amtsführung zu verklagen.</p>
<p>Die anglo-amerikanische Anwaltskanzlei SPG Law hatte zum Stichtag der nach 3 Jahren drohenden Verjährung Anfang November dieses Jahres eine Sammelklage im Namen von derzeit geschätzt 240.000 durch den Dammbruch Geschädigten, darunter 21 Bürgermeisterämter und tausenden Kleinunternehmen und Firmen gegen die anglo-australische BHP Billiton, die ihren Sitz in Großbritannien hat, eingereicht. Bei der Sammelklage geht es um den von den Anwält*innen eingeforderten Streitwert in Höhe von bis zu fünf Milliarden britische Pfund. Ob die Klage in Großbritannien Aussicht auf juristischen Erfolg haben wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Neben den juristischen Aspekten stellt eine der großen Herausforderungen solcher Sammelklagen auch immer die Frage dar, inwieweit das Ganze ein Prozess ist, der von und mit den direkt Betroffenen gesteuert und geplant und durchgeführt wird.</p>
<p>Zum Hintergrund: <a href="https://cidse.atavist.com/schlammderzerstoerung#chapter-2871435" target="_blank" rel="noopener">Der Bruch des Rückhaltebeckens Fundão</a><br />
Am 5. November 2015 brach der Damm des Rückhaltebeckens Fundão nahe der Kleinstadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien. Millionen Kubikmeter an Bergwerksschlamm aus der Eisenerz-Mine der Firma Samarco und ein Tsunami aus Schlamm zerstörte mehrere Dörfer, 349 Häuser, Schulen und Kirchen. Die Flüsse Rio Gualaxo do Norte, Rio do Carmo und Rio Doce wurden verseucht. Insgesamt starben 19 Menschen. Samarco ist eine Aktiengesellschaft, die zu gleichen Teilen im Besitz der australisch-britischen BHP Billiton Brasil Ltda. und der brasilianischen Vale S.A. steht.</p>
<p>Laut Erhebung der US-amerikanischen Beraterfirma Bowker Associates stellt die Katastrophe von &#8222;Mariana&#8220; einen Dreifach-Negativ-Rekord in der Geschichte des Bergbaus dar: 1. Die Menge an ausgetretenem Schlamm: 32 bis 62 Millionen Kubikmeter, 2. Die Größe des betroffenen Gebiets: 680 Kilometern Flusslauf, 3. Die Schadenshöhe: 5 bis 55 Milliarden USD. Bis heute warten die betroffenen Menschen auf den Wiederaufbau ihrer Häuser und Dörfer und auch auf Entschädigung.</p>
<p>//<a href="http://www.outro-mundo.org">christian russau</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Staudamm Tucuruí: Nach über 40 Jahren erste Schadenbestandsaufnahme bei indigenem Volk der Assurini</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/staudamm-tucurui-nach-ueber-40-jahren-erste-schadenbestandsaufnahme-bei-indigenem-volk-der-assurini/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 May 2018 14:54:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Assurini]]></category>
		<category><![CDATA[Eletronorte]]></category>
		<category><![CDATA[Entschädigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Christian Russau Es hat 40 Jahre gedauert, bis überhaupt zum ersten Mal jemand Offizielles sich in Brasilien für die Folgen des in den späten 1970er Jahren gebauten Stauwerks Tucuruí für das indigene Volk der Assurini interessierte und dazu in das indigene Dorf der Betroffenen selbst reiste: Am 4. Mai fand in der Terra Indigena&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
<p>Es hat 40 Jahre gedauert, bis überhaupt zum ersten Mal jemand Offizielles sich in Brasilien für die Folgen des in den späten 1970er Jahren gebauten Stauwerks Tucuruí für das indigene Volk der Assurini interessierte und dazu in das indigene Dorf der Betroffenen selbst reiste: Am 4. Mai fand in der Terra Indigena Trocará in Tucuruí, im Bundesstaat Pará, eine Anhörung statt, die die Bundesstaatsanwaltschaft anberaumt hat, um endlich die Folgen des Staudammbaus Tucuruí für die Indigenen vor Ort zu untersuchen. Der entsprechende Untersuchungsprozess läuft in Brasilien seit acht Jahren, aber die Bundesstaatsanwälte haben es schwer, gegen die langsamen Mühlen von Brasiliens Justiz anzugehen.</p>
<p>In dem Klageprozess beantragt die Bundesstaatsanwaltschaft in Pará Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachung für die Schäden, die den indigenen Assurini durch den Bau des Wasserkraftwerkes von Tucuruí entstanden sind. Als eine der Entschädigungsmaßnahmen fordert die Bundesstaatsanwaltschaft die Errichtung sanitärer Einrichtungen in den betroffenen Gemeinden sowie eine Entschädigung in bar, <a href="http://radios.ebc.com.br/reporter-amazonia/2018/05/justica-faz-audiencia-sobre-impactos-da-hidreletrica-de-tucurui-em-terra">berichtet das staatliche Nachrichtenportal EBC auf ihrer Seite</a>.</p>
<p>In der mündlichen Verhandlung unter Vorsitz eines Richters berichtete der Anführer der Assurini, Pirá Assurini, dass sie damals aus der Ferne die Explosionen hörten, die zu der Bautätigkeit gehörten. Später kam es zu Überflutungen, die die Indigenen vorher nie in solchem Maße gekannt hatten, und sie verloren ihre landwirtschaftlichen und die aus der Sammelwirtschaft gewonnenen Früchte wie Kastanien, Maniok, Mais und viele von den am Ufer befindlichen Gummibäumen. Pira wies auch darauf hin, dass sein Volk sich nie wieder von den erlittenen Schäden wirtschaftlich erholt habe.</p>
<p>Ein Vertreter der staatlichen Energiefirma Eletronorte, die für den Bau und Betrieb des Dammes verantwortlich war und es noch heute ist, war auf der Anhörung zugegen. Laut Angaben ihres Rechtsanwalts setze sich die Firma für einen Dialog mit den betroffenen Indigenen ein, gab aber zu verstehen, dass im Moment die Situation der Firma wegen der anstehenden Privatisierung der Mutterfirma, Eletrobras, sowie wegen der gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens etwas ungünstig sei, um es der Firma zu ermöglichen, angemessene Entschädigungsangebote zu unterbreiten. Der anwesende Richter entschied daraufhin, eine Kommission aller Beteiligten sowie von Wissenschaftlern und Gutachter einzurufen, um die Frage der anfälligen Entschädigungszahlungen voranzutreiben.</p>
<p>Das Wasserkraftwerk Tucuruí machte Ende der 1970er Jahre den großen Anfang der Wasserkrafterschließung in der Region am Fluss Tocantins. Die erste Bauphase für 4.000 Megawatt (MW) erstreckte sich von 1975 bis 1984, die zweite Bauphase (Erweiterung auf 8.000 MW) dauerte bis 2002. 2.430 km2 wurden überflutet – knapp fünf Mal die Fläche des Bodensees. Das Ergebnis: Zerrüttete Sozialstrukturen, Massenarbeitslosigkeit nach Bauende und Malariaplage durch &#8222;totes Gewässer&#8220; machen Tucuruí zu einem Sinnbild für fehlgeleitete &#8222;Entwicklung&#8220; in der Amazonasregion.</p>
<p>Die Zahl der Umzusiedelnden, die Anspruch auf Entschädigung haben würden, wurde damals viel zu niedrig angesetzt und belief sich auf rund 30.000 Menschen. Die Beschränkung auf diejenigen, die über eingetragenes Privateigentum verfügten, war ein für die Region verfehlter Ansatz. So wurde ein viel zu geringer Teil der Betroffenen erfasst. Denn ein Großteil der traditionell im entsprechenden Gebiet Lebenden verfügte nicht über formale Grundstückstitel.</p>
<p>Ferner gab es Ungleichbehandlung bei der Entschädigung und Bevorteilung von Großgrundbesitzer/-innen. Insgesamt waren die Entschädigungssummen zu gering, die Bewertung von Grundstücken erfolgte deutlich unter dem Wiederbeschaffungswert. Fehlende Beteiligung, mangelnde Transparenz und fehlende Planung der Umsiedlung charakterisierten die Umsetzung dieses Großprojekts.</p>
<p>Die Unkenntnis und Fehleinschätzung informeller und kollektiver Formen der Landwirtschaft und des lokalen Tauschhandels (gemeinsame Nutzung der Wälder, Weidegebiete, etc.) führte beispielsweise zur Umsiedlung von Fischerfamilien fernab des Wassers. Die Bewohner/-innen von Tucuruí wurden erst 1997, 13 Jahre nach Fertigstellung des Staudamms, an das Stromnetz angeschlossen. Zahlreiche Gemeinden in der Umgebung des Kraftwerks, die von dessen Überlandleitungen betroff en sind, haben bis heute keinen Strom.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dammbruch Mariana: Staatsanwaltlicher Mahnbrief an die Stiftung Fundação Renova der Firmen Samarco, Vale und BHP Billiton</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/dammbruch-mariana-staatsanwaltlicher-mahnbrief-an-die-stiftung-fundacao-renova-der-firmen-samarco-vale-und-bhp-billiton/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Apr 2018 11:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[BHP Billiton]]></category>
		<category><![CDATA[Dammbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Entschädigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Samarco]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsanwaltschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tailing]]></category>
		<category><![CDATA[Vale]]></category>
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					<description><![CDATA[Sieben Staatsanwaltschaften sprechen deutliche Warnung an die Stiftung Fundação Renova der Firmen Samarco, Vale und BHP Billiton wegen Mißachtung der Rechte der Betroffenen aus. Von Christian Russau Über zwei Jahre nach dem Samarco-Dammbruch bei Mariana haben in einer nie dagewesenen gemeinsamen Aktion sieben Staatsanwaltschaften einen offiziellen Mahnbrief an die Stiftung Fundação Renova geschickt, in dem&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Sieben Staatsanwaltschaften sprechen deutliche Warnung an die Stiftung Fundação Renova der Firmen Samarco, Vale und BHP Billiton wegen Mißachtung der Rechte der Betroffenen aus.</em> </strong></p>
<p>Von <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
<p>Über zwei Jahre nach dem <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/VSA_Russau_Abstauben_in_Brasilien.pdf#page=124" target="_blank" rel="noopener">Samarco-Dammbruch bei Mariana</a></span> haben in einer nie dagewesenen gemeinsamen Aktion sieben Staatsanwaltschaften einen offiziellen Mahnbrief an die Stiftung Fundação Renova geschickt, in dem sie der Stiftung vorwerfen, bei ihren Wiederaufräum- und Kompensationsmaßnahmen die Rechte der vom Bruch des Fundão-Damms des Rückhaltebeckens der Bergbaufirma Samarco Betroffenen zu mißachten. Unterzeichnet haben den Brief die Bundesstaatsanwaltschaft MPF, die Bundesstaatsanwaltschaft für Arbeitsrecht MPT, die Landesstaatsanwaltschaften von Minas Gerais, MP-MG, und von Espírito Santo, MP-ES, sowie die Verteidigungsstaatsanwaltschaften Defensoria Pública des Bundes DPU sowie der Bundesstaaten Minas Gerais DP-MG und der von Espírito Santo DP-ES.</p>
<p>Die sieben Staatsanwaltschaften werfen der Stiftung Fundação Renova vor, den Tausenden von Betroffen nicht hinreichend Zugang zu Informationen zu gewähren und dabei der gerichtlich verordneten kostenlosen Zurverfügungstellung angemessenen Rechtsbeistands nicht nachzukommen. Zudem erfolge die Kadastrierung der Betroffenen, die die Grundlage für Wiedergutmachung und Entschädigung der erlittenen Verluste und Schäden ist, nicht in hinreichendem Maße, da zu viele Hürden und Hindernisse im Ablauf der eigentlich vorgeschriebenen Kadastrierungsprozesse zu verzeichnen seien und die erklärte Absicht der Stiftung, die Kadastrierung bis Mitte dieses Jahres per Stichtagsregelung abzuschließen, berge die Gefahr, dass zu viele der Betroffenen eventuell nie zu einer Kadastrierung ihrer berechtigten Anliegen gelangen könnten. Hinzu kommt der schwerwiegendste aller Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaften der Stiftung Fundação Renova sowie den Firmen Samarco, Vale und BHP Billiton gegenüber erheben: die bisherigen Maßnahmen zu Wiedergutmachung und zu Entschädigung der erlittenen Verluste und Schäden der Betroffenen seien bei weitem nicht ausreichend. Dies beträfe sowohl die Anwohner, deren Häuser und Grundstücke direkt zerstört wurden, die Angehörigen, deren Familienmitglieder durch die Schlammwelle aus dem Tailing-Bruch getötet wurden, die Fischer, die ihr Auskommen verloren haben und von denen die Fundação Renova nur diejenigen wohnend in einem Radius von einem Kilometer entlang der Flussläufe als betroffen kadastrieren und anerkennen mag, sowie die unbekannte Zahl der Anrainer (Schätzungen der Rückversicherungsgesellschaft Terra Brasis gehen von 3,5 Millionen betroffenen Menschen aus), deren Wasserversorgung monatelang, in etlichen Fälle bis heute in Mitleidenschaft beziehungsweise ganz unterbrochen wurde. Von den Millionen Kubikmetern Klärschlamms der Eisenbergbaureste, die noch immer entlang der Ufer und in den Flussläufen sowie in der Meeresmündung des Rio Doce noch immer abgelagert liegen, und den daraus resultieren gravierenden Umweltschäden, gar nicht erst zu sprechen.</p>
<p>Die sieben Staatsanwaltschaften haben sich daher entschlossen, <span class="link-external"><a class="external-link" href="http://www.mpf.mp.br/mg/sala-de-imprensa/noticias-mg/mps-e-defensorias-da-uniao-de-mg-e-do-es-expedem-recomendacao-para-frear-abusos-da-fundacao-renova" target="_blank" rel="noopener">in einem gemeinsamen Brief an die Stiftung Fundação Renova diese Mißstände anzuprangern</a></span> und haben der Stiftung eine Frist von 20 Tagen gesetzt, in der sie auf diese Vorwürfe reagieren müsse.</p>
<p>Die Stiftung Fundação Renova war infolge einer Übereinkunft zwischen den Regierungen von Bund und der zwei betroffenen Bundesstaaten, der beteiligten Staatsanwaltschaften sowie der Firmen Samarco, Vale und BHP Billiton gegründet worden, um die immensen Umweltschäden des Dammbruchs zu reparieren. Kritiker werfen den Firmen und den verschiedenen beteiligten Regierungen vor, bei der Einsetzung der Stiftung Renova ausgerechnet den <span class="link-https"><a class="external-link" href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/gaertners-boecke-und-des-teufels-details">Wolf im Schafspelz oder besser den Bock des Gärtners</a></span> als Oberaufseher für die Kompensationsmaßnahmen und Verhandlungen mit den Betroffenen gemacht zu haben. Statt die Betroffenen und die engagierte Zivilgesellschaft sowie unabhängige Wissenschaftler in die Stiftungsgremien aufzunehmen und dergestalt zu garantieren, dass die Stimmen der Betroffenen gehört und respektiert werden, entsched man sich für die Lösung aus Firmen- und Beamtenvertretern in den Organen der Stiftung.</p>
<p>Bei Mariana im Bundesstaat Minas Gerais <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://cidse.atavist.com/schlammderzerstoerung#chapter-2871435" target="_blank" rel="noopener">war am 5. November 2015 der Damm des Erzbergwerk-Tailings von Samarco gebrochen</a></span>. Millionen Kubikmeter an Bergwerksschlamm aus der Eisenerz-Mine der Firma Samarco und ein Tsunami aus Schlamm zerstörte mehrere Dörfer, 349 Häuser, Schulen und Kirchen. Die Flüsse Rio Gualaxo do Norte, Rio do Carmo und Rio Doce wurden verseucht. Insgesamt starben 19 Menschen. Samarco ist eine Aktiengesellschaft, die zu gleichen Teilen im Besitz der australisch-britischen BHP Billiton Brasil Ltda. und der brasilianischen Vale S.A. steht. Laut Erhebung der US-amerikanischen Beraterfirma Bowker Associates stellt die Katastrophe von Mariana einen Dreifach-Negativ-Rekord in der Geschichte des Bergbaus dar:</p>
<p>Die Menge an ausgetretenem Schlamm: 32 bis 62 Millionen Kubikmeter.<br />
Die Größe des betroffenen Gebiets: 680 Kilometern Flusslauf<br />
Die Schadenshöhe: 5 bis 55 Milliarden USD.</p>
<p>Bis heute warten die betroffenen Menschen auf den Wiederaufbau ihrer Häuser und Dörfer und auch auf angemessene Entschädigung.</p>
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