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	<title>Großstaudämme &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Großstaudämme &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Der Belo-Monte-Staudamm und seine anhaltenden Auswirkungen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/der-belo-monte-staudamm-und-seine-anhaltenden-auswirkungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Drillisch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 14:11:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
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		<category><![CDATA[Feature]]></category>
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		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Anschluss an die Klimaverhandlungen (COP 30) in Belém in Brasilien hatte Heike Drillisch für GegenStrömung die Gelegenheit, an einer mehrtägigen Kanutour auf der Volta Grande des Xingu-Flusses teilzunehmen, die die dort lebenden und vom Belo-Monte-Staudamm betroffenen, indigenen Juruna organisierten. Der Belo-Monte-Staudamm ist der drittgrößte Staudamm der Welt und war gegen massiven Widerstand indigener Gemeinschaften&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Anschluss an die Klimaverhandlungen (COP 30) in Belém in Brasilien hatte Heike Drillisch für GegenStrömung die Gelegenheit, an einer mehrtägigen Kanutour auf der Volta Grande des Xingu-Flusses teilzunehmen, die die dort lebenden und vom Belo-Monte-Staudamm betroffenen, indigenen Juruna organisierten. Der Belo-Monte-Staudamm ist der drittgrößte Staudamm der Welt und war gegen massiven Widerstand indigener Gemeinschaften und lokaler Anwohner*innen durchgesetzt worden. 2016 wurden die ersten Turbinen offiziell eingeweiht, 2019 ging er vollständig in Betrieb.</p>
<p>Auch GegenStrömung hatte die Kampagne zum Belo-Monte-Staudamm unterstützt, da aus Deutschland u. a. der Turbinenlieferer Voith Hydro und die Versicherer Munich Re und Allianz an dem Projekt beteiligt waren. Die Kanutour bot nun die Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, welche Auswirkungen das Projekt langfristig zeigt und wie die indigenen Gemeinschaften damit umgehen.</p>
<p>Am ersten Tag machte stundenlanges Paddeln die Dimensionen des Stausees bewusst. An vielen Stellen ragen kleine Wälder aus toten Bäumen aus dem Wasser und bei den heißen Temperaturen Amazoniens lässt es sich erahnen, wie viel Wasser verdunstet und wie viel Methan freigesetzt wird. Ein großer Unterschied dann hinter der Staumauer, wo Schwärme kleiner Fischchen um das Boot herumsprangen und der Fluss lebendig war. Es gab  immer wieder kleine oder größere Stromschnellen zu überwinden,  durch welche Sauerstoff in den Fluss gebracht wird, ein Prozess, der die Wasserqualität verbessert. An einem Ruhetag erhielten die Teilnehmer*innen der Kanutour Einblicke in die Geschichte der Juruna, ihr großes Wissen über die Pflanzen- und Tierwelt und ihre jetzigen Anbaumethoden. Die Tour endete nach vier Tagen an einem phantastischen Wasserfall, wo der Überlieferung nach die Welt der Juruna &#8211; bzw. Yudjá, wie sie sich selbst bezeichnen &#8211; erschaffen wurde.</p>
<p>Für die Yudjá selbst war die Kanutour ebenfalls etwas Besonderes, die erste nach der Pandemie und etwas Einendes, da alle umliegenden Gemeinden daran beteiligt waren. Sie diente auch dazu, sich und der Welt zu zeigen: „Xingu vivo!“ Denn die Folgen des Staudammbaus machen sich nach wie vor sehr bemerkbar. Es kommen nur noch 30 % des Flusswassers durch diesen Flussabschnitt, was den Fischfang drastisch reduziert und das Ökosystem völlig verändert hat. So fehlt jetzt z. B. die Überflutung der Igapó-Wälder, durch die die Fische von den Früchten der Bäume besonders fett wurden und es musste eine ganz neue Methode des Fischfangs entwickelt werden. Die nicht-indigenen Flussanwohner*innen (Ribeirinhos) hat es besonders hart getroffen, denn sie haben noch weniger Rechte als die Indigenen und zehn Jahre nach der Flutung gibt es immer noch ungelöste Landkonflikte. Gleichzeitig wurden Orte per Straße an die Stadt angeschlossen mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen.</p>
<p>Für die Yudjá hat der Staudammbau das Leben daher komplett umgekrempelt. Weitere Probleme drohen durch eine Goldmine, die in direkter Nachbarschaft des Staudamms in Planung ist, was Landschaft und Fluss noch einmal extrem in Mitleidenschaft ziehen wird. Aber die Yudjá sind entschlossen, nicht aufzugeben, neue Einkommensmöglichkeiten im landwirtschaftlichen wie im touristischen Bereich zu entwickeln und ihre Forderung, dass sie an der Regulierung des Wasserabflusses beteiligt werden, durchzusetzen. Einen Teilerfolg haben sie immerhin erreicht: kürzlich wurde ihnen per Gerichtsurteil zusätzliches Land zugesprochen, was ihre Situation etwas verbessern wird.</p>
<p>Von Heike Drillisch</p>
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		<title>Rücktritt vom Rücktritt: Doch kein Ende der Großstaudämme in Amazonien?</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/ruecktritt-vom-ruecktritt-doch-kein-ende-der-grossstaudaemme-in-amazonien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 May 2018 15:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Großstaudämme]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Wissenschaftler Philip Fearnside weist in einem Beitrag auf die neuesten Entwicklungen in Brasiliens Politlandschaft hin, die das im Januar von hohen Ministerialbeamten verkündete Ende der Großstaudämme wieder rückgängig machen. Es war eine große Nachricht, die auch in GegenStrömungs Berichterstattung Widerhall fand: Anfang Januar kursierten in den Medien relativ zeitgleich drei Zitate von hohen brasilianischen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Der Wissenschaftler Philip Fearnside weist in einem Beitrag auf die neuesten Entwicklungen in Brasiliens Politlandschaft hin, die das im Januar von hohen Ministerialbeamten verkündete Ende der Großstaudämme wieder rückgängig machen.</strong> </em></p>
<p>Es war eine große Nachricht, die auch in <span class="link-https"><a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/brasilien-von-jetzt-an-wird-es-keine-grossen-wasserkraftwerke-mehr-geben/">GegenStrömungs Berichterstattung Widerhall fand</a>:</span></p>
<p>Anfang Januar kursierten in den Medien relativ zeitgleich drei Zitate von hohen brasilianischen Politikern, Beamten und Wirtschaftsvertretern, die das historische Ende der Phase von großen Wasserkraftwerken in Brasilien andeuteten. Der frühere Direktor der staatlichen Energieagentur Aneel und Präsident  der brasilianischen Wirtschaftsvereinigung der Energieverbraucher, Edvaldo Santana, deutete gegenüber Medien an, dass wohl von nun an keine großen Wasserkraftwerke mehr neu gebaut werden würden. Als Begründung führte er die Privatisierung der Eletrobras an, mittels derer die Regierung zuvor starken Einfluss auf Baugenehmigungen und Lizenzen habe nehmen könne und mit einer nun privatisierten Eletrobras sei &#8222;dies sehr viel schwerer&#8220;.</p>
<p>Der Präsident der staatlichen Energieforschungsagentur EPE, Luiz Augusto Barroso, erklärte nahezu zeitgleich, seine für die Ausarbeitung der Ausbaupläne bei Energieinfrastrukturprojekten verantwortliche Staatsagentur werde von an vermehrt prüfen, ob sich ein großes Wasserkraftprojekt überhaupt lohne. &#8222;Wir von der EPE haben uns entschlossen, einen Schritt zurückzutreten, um den gesamten Prozess dieser Großwasserkraftwerke neu zu strukturieren. Da gibt es eine Grundhaltung, dass jede Wasserkraft gut und billig sei. Und wir überprüfen jetzt, ob diese Projekte richtig sind. Es geht nicht darum, ein Wasserkraftwerk um jeden Preis zu errichten&#8220;, so Barroso. Barroso schätzte, dass von den in Brasilien bis 2050 bisher neu angedachten Wasserkraftwerken in einer Größenordnung von 50 Gigawatt &#8222;nur 23 Prozent Projekte sind, die nicht in indigene, Quilombola- und Naturschutzgebiete interferieren&#8220; würden. Diese Argumentation war zwar nicht neu, da dies genau die Argumentation der Umweltschützer, Indigenen, Flussanwohnern und weiteren Betroffenen ist, die seit Jahrzehnten durch Großstaudämme zur Zwangsumsiedlung, unter oft katastrophalen sozialen Umständen, gezwungen wurden. Neu aber war, dass dieses Argument nun, leicht gewandelt, aus regierungsnahen Kreisen hoher Beamter kam. Gleichwohl war die Argumentation leicht abgewandelt, denn die Motivation, die in erster Linie aus dem EPE-Präsidenten heraus spricht, ist die Kostenfrage. Und diese erläuterte, ebenfalls im gleichen Medienbericht, der dritte hochrangige Politiker, der am selben Tag sekundierte: &#8222;Wir haben keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen Großprojekte. Aber man muss die Sichtweise der Gesellschaft akzeptieren, die Vorbehalte gegen solche Projekte hat. Wir sind nicht bereit, die Kosten und Risiken zu verschleiern&#8220;, sagte der Generalsekretär des Ministeriums für Bergbau und Energie, Paulo Pedrosa.</p>
<p>Doch bereits wenige Tage später <a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/staudamm-jatoba-am-rio-tapajos-soll-voranschreiten/">erklärte die Nationale Energieagentur Aneel die Machbarkeitsstudien für das Wasserkraftwerk Jatobá am Tapajós-Fluss, zwischen Itaituba and Jacareacanga gelegen, für rechtens</a>. Wußte da die eine Behörde nicht, was die andere gerade entschieden hatte?</p>
<p>Nun gibt es dazu eine neue These. Der <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://news.mongabay.com/2018/05/damming-the-amazon-unfettered-after-brazilian-purge-commentary/" target="_blank" rel="noopener">US-amerikanische Wissenschaftler Philip Fearnside, der seit vielen Jahren in Amazonien lebt und forscht, weist in einem Beitrag</a></span> auf die neuesten Entwicklungen in Brasiliens Politlandschaft hin, die das im Januar von hohen Ministerialbeamten verkündete Ende der Großstaudämme wieder rückgängig machen würden. Denn die oben zitierten hohen Beamten, Paulo Pedrosa und Luiz Augusto Barroso, wurden nach Amtsantritt des neuen Ministers für Bergbau und Energie, Moreira Franco, mittlerweile durch andere auf ihren Posten ersetzt. Und seit Januar habe es, so Fearnside, keine weiteren Meldungen von Seiten der Regierung in Bezug auf weitere eingestellte Staudammpläne gegeben. Daher geht Fearnside davon aus, dass die Politik der Großstaudämme in Amazonien doch weitergehe. Ein Rücktritt vom erklärten Rücktritt.</p>
<p>Da hat sich dann wohl doch die stärkere Lobby durchgesetzt.</p>
<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
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		<title>Brasilien: &#8222;Von jetzt an wird es keine großen Wasserkraftwerke mehr geben&#8220;</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilien-von-jetzt-an-wird-es-keine-grossen-wasserkraftwerke-mehr-geben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jan 2018 13:57:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
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					<description><![CDATA[Brasilien deutet Ende von Plänen zum Bau von Großstaudämmen an &#8211; wir erklären, was das mit ökonomisch im Gegensatz zu politisch begründeten Großstaudammprojekten, mit internationalem Widerstand sowie mit der grid parity und dem Aufdecken der großen Korruptionsskandale in Brasilien der vergangenen Jahre zu tun hat. Von Christian Russau Anfang Januar kursierten in den Medien relativ&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Brasilien deutet Ende von Plänen zum Bau von Großstaudämmen an &#8211; wir erklären, was das mit ökonomisch im Gegensatz zu politisch begründeten Großstaudammprojekten, mit internationalem Widerstand sowie mit der grid parity und dem Aufdecken der großen Korruptionsskandale in Brasilien der vergangenen Jahre zu tun hat.</strong> </em></p>
<p>Von <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
<div id="attachment_1526" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1526" class="size-medium wp-image-1526" src="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-300x225.jpg" alt="Staudamm Belo Monte. Foto: Christian Russau" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-scaled.jpg 2048w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-100x75.jpg 100w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-150x113.jpg 150w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-200x150.jpg 200w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-450x338.jpg 450w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-600x450.jpg 600w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/07/DSCN7177-900x675.jpg 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-1526" class="wp-caption-text">Staudamm Belo Monte. Foto: Christian Russau</p></div>
<div id="attachment_1559" style="width: 235px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1559" class="wp-image-1559 size-medium" src="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-225x300.jpg" alt="Belo-Monte-Stromleitung. Foto: Christian Russau, März 2016" width="225" height="300" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-225x300.jpg 225w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-768x1024.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-1152x1536.jpg 1152w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-scaled.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-100x133.jpg 100w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-150x200.jpg 150w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-200x267.jpg 200w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-300x400.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-450x600.jpg 450w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-600x800.jpg 600w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2017/09/04-Belo_Monte-stromleitung-foto-russau-900x1200.jpg 900w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p id="caption-attachment-1559" class="wp-caption-text">Belo-Monte-Stromleitung. Foto: Christian Russau, März 2016</p></div>
<p>Anfang Januar kursierten in den Medien relativ zeitgleich drei Zitate von hohen brasilianischen Politikern, Beamten und Wirtschaftsvertretern, die das historische Ende der Phase von großen Wasserkraftwerken in Brasilien andeuteten. Der frühere Direktor der staatlichen Energieagentur Aneel und jetzige Präsident  der brasilianischen Wirtschaftsvereinigung der Energieverbraucher, Edvaldo Santana, <span class="link-external"><a class="external-link" href="http://epocanegocios.globo.com/Brasil/noticia/2018/01/fase-de-grandes-hidreletricas-chega-ao-fim.html" target="_blank" rel="noopener">deutete gegenüber Medien an</a></span>, dass wohl von nun an keine großen Wasserkraftwerke mehr neu gebaut werden würden. Als Begründung führte er die Privatisierung der Eletrobras an, mittels derer die Regierung zuvor starken Einfluss auf Baugenehmigungen und Lizenzen habe nehmen könne und mit einer nun privatisierten Eletrobras sei &#8222;dies sehr viel schwerer&#8220;.</p>
<p>Der Präsident der staatlichen Energieforschungsagentur EPE, Luiz Augusto Barroso, erklärte nahezu zeitgleich, seine für die Ausarbeitung der Ausbaupläne bei Energieinfrastrukturprojekten verantwortliche Staatsagentur werde von an vermehrt prüfen, ob sich ein großes Wasserkraftprojekt überhaupt lohne. &#8222;Wir von der EPE haben uns entschlossen, einen Schritt zurückzutreten, um den gesamten Prozess dieser Großwasserkraftwerke neu zu strukturieren. Da gibt es eine Grundhaltung, dass jede Wasserkraft gut und billig sei. Und wir überprüfen jetzt, ob diese Projekte richtig sind. Es geht nicht darum, ein Wasserkraftwerk um jeden Preis zu errichten&#8220;, so Barroso. Barroso schätzt, dass von den in Brasilien bis 2050 bisher neu angedachten Wasserkraftwerken in einer Größenordnung von 50 Gigawatt &#8222;nur 23 Prozent Projekte sind, die nicht in indigene, Quilombola- und Naturschutzgebiete interferieren&#8220; würden. Diese Argumentation ist zwar nicht neu, da dies genau die Argumentation der Umweltschützer, Indigenen, Flussanwohnern und weiteren Betroffenen ist, die seit Jahrzehnten durch Großstaudämme zur Zwangsumsiedlung, unter oft katastrophalen sozialen Umständen, gezwungen wurden. Neu ist, dass dieses Argument nun, leicht gewandelt, aus regierungsnahen Kreisen hoher Beamter kommt. Gleichwohl ist die Argumentation leicht abgewandelt, denn die Motivation, die in erster Linie aus dem EPE-Präsidenten heraus spricht, ist die Kostenfrage. Und diese erläuterte, ebenfalls im gleichen Medienbericht, der dritte hochrangige Politiker, der am selben Tag sekundierte: &#8222;Wir haben keine grunsätzlichen Vorbehalte gegen Großprojekte. Aber man muss die Sichtweise der Gesellschaft akzeptieren, die Vorbehalte gegen solche Projekte hat. Wir sind nicht bereit, die Kosten und Risiken zu verschleiern&#8220;, sagte der Generalsekretär des Ministeriums für Bergbau und Energie, Paulo Pedrosa.</p>
<p>Abgesehen von der geschickten politischen Breitseite, die die drei hochrangigen Politik und Beamten der derzeitigen Regierung gegen die Vorgängerregierungen unter Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2010) und Dilma Rousseff (2011-1016) damit lostreten, da unter deren Ägiden in der Tat die umstrittenen Großprojekte von Jirau, Santo Antonio und Belo Monte geplant, umgesetzt und gebaut wurden, wird von der De-Facto-Regierung, die sich Mitte 2016 durch einen parlamentarischen Putsch an die Macht in Brasília gebracht hatte, nun das Kostenargument ins Feld gebracht. Denn dies ist mittlerweile zu offensichtlich: die sozial und ökologisch verheerenden Folgen von Jirau, Santo Antonio, Belo Monte und weiteren wie die derzeit fertigzustellenden Wasserkraftwerke Teles Pires und São Manoel sind zu offensichtlich, der Widerstand der Betroffenen hat zu internationalen Protesten geführt, so dass der politische Preis für solche Großprojekte immer höher wird. Dem wollen die Regierung und der Kongress in Brasília zwar durch Dekrete und Verfassungsänderungen wie zum Beispiel durch die PEC 65/2012, die eine weitestgehende Schleifung der Umweltgesetzgebung und Baugenehmigungsverfahren für industrielle Großprojekte <span class="link-https"><a class="external-link" href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/die-pec-65-2012-das-fanal">in Form einer unternehmerfreundlicheren Gesetzgebung vorsieht</a></span>, entgegenwirken, aber dennoch ergäben sich in Zukunft höhere <i>politische</i> Kosten für jedwedes dieser Großprojekte.</p>
<p>Es kommen aber noch zwei entscheidende Faktoren hinzu: Wind und vor allem Photovoltaik sind in den vergangenen Jahren deutlich im Preis gesunken, so dass die so genannte grid parity vielerorts erreicht wurde. Vor allem die Photovoltaik hat <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://www.seia.org/solar-industry-data" target="_blank" rel="noopener">Kostensenkungen von 2010 bis 2017 um 70 Prozent erlebt</a></span>, als Halbleiterindustrie sind dort weitere Kostensenkungen vorprogrammiert. Allein schon deshalb ist seit Längerem klar, dass es binnen weniger Jahre keine <i>ökonomisch</i> begründeten Großstaudammprojekte mehr geben wird. Wohl bemerkt: &#8222;keine <i>ökonomisch</i> Begründeten&#8220; mehr, denn &#8222;<i>politisch</i> begründete&#8220; Großstaudämme gab es in Brasilien in den vergangenen Jahren viele. Dies belegten nicht zuletzt die Medienberichte über Millionenschmiergelder der Baufirmen an Politiker der vormaligen Regierungskoalition aus PT und PMDB beim Bau von Belo Monte, bei dem es die Abmachung gab, die vorsah, dass <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://istoe.com.br/propinas-em-belo-monte-05-para-o-pt-e-05-para-o-pmdb/" target="_blank" rel="noopener">ein Prozent der Baukosten je Hälfte-Hälfte paritätisch zwischen Politikern von PT und PMDB aufgeteilt werden müsse</a></span>. 2013 wartete eine Universitätsstudie mit dem Ergebnis auf, wenn Industrie- und Baufirmen den sich zur Wahl stellenden Kandidaten in Brasilien Gelder zum Wahlkampf spendeten, dass diese Firmen in den darauffolgenden Regierungsjahren <span class="link-external"><a class="external-link" href="https://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2014/07/GegenStr{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}C3{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}B6mung_Belo-Monte-und-Europ-Konzerne_2014.pdf#page=27" target="_blank" rel="noopener">das 14-Fache an Regierungsaufträgen erhielten</a></span>.Dies war die in den vergangenen Jahrzehnten sogenannte &#8222;unheilige Allianz&#8220; aus Kapital und Politik.</p>
<p>In Brasilien steht nun aber im Zuge der (politsch durchaus umstrittenen und auf jeden Fall in Teilen auch parteipolitischen Interessen folgenden) Lava-Jato-Anti-Korruptionsermittlungen und -verurteilungen eine grundlegende Neuorientierung der Politiker an, die andere Wege als die bisher üblichen Caixa1-, Caixa2- und Caixa3-Finanzierungsmodelle suchen müssen. Wenn also in Zukunft industrielle Großprojekte wie der Belo-Monte-Staudamm nicht mehr dafür herhalten können, die Wahlkampf- und Parallelkassen der Politikerkaste zu füllen, dann wird leicht einsichtig, warum selbst Brasiliens Politiker das Interesse an Großstaudammprojekten verlieren und nun ihrerseits &#8211; geschickt verpackt als Kosten-, soziale und Umweltfrage &#8211; das Ende der großen Wasserkraftwerke propagieren.</p>
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