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	<title>Kleinwasserkraftwerke &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Kleinwasserkraftwerke &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Indigene protestieren gegen den Bau sogenannter &#8222;kleiner&#8220; Wasserkraftwerke am Rio das Mortes</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/indigene-protestieren-gegen-den-bau-sogenannter-kleiner-wasserkraftwerke-am-rio-das-mortes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 15:03:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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					<description><![CDATA[Indigene Völker aus dem zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso hatten vergangene Woche an einer von der Bundesstaatsanwaltschaft organisierten öffentlichen Anhörung teilgenommen, die in der Gemeinde Barra do Garças &#8211; westlich der brasilianischen Bundeshauptstadt Brasília und östlich der Hauptstadt Cuiabá gelegen &#8211; veranstaltet wurde. Ziel der Anhörung war es laut der Bundesstaatsanwaltschaft war es, die indigenen Völker&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Indigene Völker aus dem zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso hatten vergangene Woche an einer <a href="https://www.mpf.mp.br/mt/sala-de-imprensa/noticias-mt/mpf-realiza-reuniao-com-indigenas-para-tratar-dos-impactos-de-hidreletricas-no-rio-das-mortes-em-mt" target="_blank" rel="noopener">von der Bundesstaatsanwaltschaft organisierten öffentlichen Anhörung teilgenommen</a>, die in der Gemeinde Barra do Garças &#8211; westlich der brasilianischen Bundeshauptstadt Brasília und östlich der Hauptstadt Cuiabá gelegen &#8211; veranstaltet wurde. Ziel der Anhörung war es laut der Bundesstaatsanwaltschaft war es, die indigenen Völker zu den Auswirkungen des Baus von vier Kleinwasserkraftwerken auf den Lauf des Rio das Mortes anzuhören. Nun wurde durch <a href="https://www.semana7.com.br/cidades/indigenas-protestam-contra-construcao-de-quatro-hidreletricas-no-rio-das-mortes/70664" target="_blank" rel="noopener">weitere Medienberichte</a> bekannt, dass die auf der Anhörung anwesenden rund 40 Indigenen gegen die Kleinwasserkraftwerke und deren Bau mit Nachdruck protestieren, da sie sich durch den geplanten Bau der Wasserkraftwerke in ihren Rechten verletzt sehen.</p>
<p>Der Fluss Rio das Mortes, der in der Gemeinde Campo Verde entspringt und in der Nähe der Stadt São Félix do Araguaia in den Araguaia-Flüsse mündet, fließt dem Medienbericht zufolge durch die indigenen Gebiete von Sangradouro, Volta Grande, Merure, São Marcos, Areões und Pimentel Barbosa. Für den Kaziken Edmundo Dzu&#8217;aiwi Õmore aus dem Dorf São Francisco im Indigenen Territorium São Marcos, der zugleich auch Präsident des Indigenen Gesundheitsbezirksrates &#8211; Condisi Xavante &#8211; ist, hätten die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Kleinwasserkraftwerke einen negativen Einfluss auf die Fauna, Flora und die psychische Gesundheit der Mitglieder der indigenen Gemeinschaften. &#8222;Diese Gier nach Kleinwasserkraftwerken, der Bau dieser Wasserkraft-Dämme am Rio das Mortes, sie versuchen bereits, unsere Verfassung mit ihren Artikeln 233 und 232 zu zerreißen. Die Xavante-Bevölkerung sehen diese Politik des Kapitalismus mit ihren Auswirkungen, wir stehen aber auf der Seite des Rechts&#8220;, sagte der Kazike laut dem Portal Semana7. Die Artikel 232 und 233 sind Artikel der brasilianischen Verfassung, die den Schutz und die Territorialrechte der Indigenen Völker Brasiliens als unveräusserliche Grundrechte festlegen.</p>
<p>Silvério Xavante, der Generaldirektor des indigenen Territoriums Areões, betonte laut dem Medienbericht bei Semana7 seine Besorgnis über die Bauarbeiten. &#8222;Die Auswirkungen, die das Wasserkraftwerk auf unser Land haben wird, sind, dass wir nicht wissen, wo wir trinken werden, wo die Tiere trinken werden, es ist der einzige Fluss, in dem alle baden, wir wollen nicht, dass das Unternehmen dort Wasserkraftwerke am Fluss installiert. Wir Anführer, die am unteren Teil des Flusses Mortes leben, sind nie von den Unternehmen angesprochen worden, sie waren nie dort, wir wurden nie konsultiert“, erklärte er.</p>
<p>Brasiien hat die ILO-Konvention Nr. 169 ratifiziert, die den Schutz der indigenen Völker verlangt. Und Brasiliens Gesetzgebung und Rechtssprechung sieht angepasst an die ILO 169 die freie, vorherige und informierte Konsultation der indigenen Völker bei allen die direkt oder indirekt betreffenden Projekten vor. Rechtlich nicht ganz geklärt ist, wie genau eine solche Konsultation abzulaufen hat. In der Vergangenheit sah Brasilien es beim Bau von Staudämmen wie dem Bau des 11-GW-Staudamms Belo Monte als hinreichend an, wenn Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt wurde, Auflagen seitens des Staates an die Unternehmen ausgesprochen und diese auch gerichtlich bekräftigt wurden, von denen aber viele bis heute (wie beim <a href="https://www.gegenstroemung.org/?s=Belo+Monte" target="_blank" rel="noopener">Fall Belo Monte, siehe umfassende Berichterstattung von GegenStrömung</a>) noch nicht umgesetzt wurden. Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob es hinreichend sei, öffentliche Anhörungen durchzuführen, um die Betroffenen zu Worte kommen zu lassen. In der Vergangenheit waren dies oft regionale Veranstaltungen, die schwer zu erreichen waren für eher in ländlich geprägten Gegenden lebende Betroffene und deren Sprache laut Aussage der Anwesenden (wie im Falle Belo Monte) oft in zu technischer Fachsprache abgehalten werden. Auch die Anwesenheit von nicht selten auch bewaffnetem Sicherheitspersonal wirkt oft einschüchternd auf die Betroffenen.</p>
<p>Um ihren Rechten als traditionelle Gemeinschaften und Völker mehr Nachdruck zu verleihen, setzen in Brasilien in den letzten Jahren die indigenen Völker, die Quilombola-Gemeinschaften und die weiteren traditionellen Gemeinschaften vermehrt auf die Erstellung sogenannter selbsterstellter Konsultationsprotokolle.</p>
<p>Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an von den traditionellen Völkern und Gemeinschaften selbst erstellten Konsultationsprotokollen: von Indigenen Völkern und Gemeinschaften, von Quilombola-Völkern und Gemeinschaften, von traditionellen Völkern und Gemeinschaften, von traditionellen Gemeinschaften zur Erhaltung der Sozio-Biodiversität sowie von Indigenen, Quilombolas und anderen traditionellen Gemeinschaften zusammen erstellten Konsultationsprotokollen. Und die Tendenz ist weiter steigend. Denn: Es gab einen Präzedenzfall, der die potentiell in den selbsterstellten Konsultationsprotokollen schlummernde Gesetzeswirkmächtigkeit offenbarte: der Fall Belo Sun und die indigenen Juruna.</p>
<p>Am deutlichsten sichtbar wurde die Effektivität dieser selbsterstellten Konsultationsprotokolle im Falle der indigenen Juruna (traditionelle Bezeichnung Yudjá) im Indigenen Territorium Terra Indígena Paquiçamba in der Volta Grande do Xingu im Kampf gegen Brasilien künftig vielleicht größten Offenen Goldtagebau der Firma Belo Sun. Das Volk der Juruna hatte 2017 selbst ein Konsultationsprotokoll erstellt, das genau festlegt, auf welche Art und Weise jedweder von Außen sie betreffender Kontakt (einschließlich ökonomischer Aktivitäten oder auch journalistischer oder anthropologische Kontaktaufnahme) abzulaufen habe. Noch im selben Jahr wurde dieses Protokoll bei den kommunalen, bundesstaatlichen und föderalen Behörden hinterlegt. Und gleich im Dezember 2017 setzte das Justizgericht von Pará TRF1 die laufende Umweltgenehmigung für die Firma Belo Sun an der Volta Grande do Xingu aus. Das Gericht folgte darin der Einschätzung der Klage der Bundesstaatsanwaltschaft, dass die Firma aus Kanada sich in ihrem Vorgehen vor Ort nicht an die Richtlinien des bei den Behörden hinterlegten Konsultationsprotokoll der Juruna gehalten habe und somit eine Verletzung der ILO-Konvention 169 zum Schutze der Rechte der Indigene Völker vorliege.</p>
<p><strong>Zum Hintergrund sogenannter &#8222;kleiner Wasserkraftwerke&#8220;</strong><br />
Kleinwasserkraftprojekte werden meist als umweltfreundliche Alternativen zu größeren Staudämmen gefördert und als „harmlos“ wegen ihrer geringen Größe propagiert. Vor allem in Brasilien führt dies oft dazu, dass in einem Wassereinzugsgebiet eine Vielzahl an Kleinwasserkratwerken gebaut werden, ohne dass hinreichend darauf geachtet wird, welche kumulativen Effekte diese Kaskaden an Kleinwasserkraftwerken auf Flora, Fauna und Mensch bewirken. Es gibt keine international gültige Definition eines „Kleinwasserkraftwerks“. Was als Kleinwasserkraftwerk zählt, variiert von Fall zu Fall. Laut der International Commission on Large Dams sind alle Staumauern ab 15 Metern Höhe vom Fundament bis zur Krone oder von 5 bis 15 Metern mit einem Reservoir von mehr als drei Millionen Kubikmetern Großstaudämme. In vielen Ländern wird dagegen eine Megawattzahl zur Klassifizierung herangezogen: In der Regel werden demnach Kraftwerke bis zehn MW Nominalkapazität als Kleinwasserkraftwerke angesehen, von zehn bis 30 MW gelten sie als mittelgroße Kraftwerke. Länder mit besonders hohem Wasserkraftpotenzial wie Brasilien und China betrachten dagegen alle Kraftwerke bis 30 MW als „klein“, wie dem Handbuch Kleinwasserkraftwerke des Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK / Bundesamt für Energie BFE: Handbuch Kleinwasserkraftwerke. Informationen für Planung, Bau und Betrieb, Ausgabe 2011 entnommen werden kann. In Indien gelten Kleinwasserkraftwerke als „klein“, solange sie unter 25MW Größe haben.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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			</item>
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		<title>Brasilianischer Bundesstaat Mato Grosso: Justiz entscheidet, auch dort war die Flexibilisierung der Gesetzgebung zur Umweltverträglichkeitsprüfung bei kleinen Wasserkraftwerke nicht vereinbar mit der Verfassung</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianischer-bundesstaat-mato-grosso-justiz-entscheidet-auch-dort-war-die-flexibilisierung-der-gesetzgebung-zur-umweltvertraeglichkeitspruefung-bei-kleinen-wasserkraftwerke-nicht-vereinbar-mit-de/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Nov 2022 09:16:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Nur wenige Wochen, nachdem der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene Ausnahmeregelung für sogenannte „kleine“ Wasserkraftwerke im Bundesstaat für verfassungswidrig erklärt hatte (GegenStrömung berichtete), fällt Brasiliens Oberster Gerichtshof STF in Bezug auf die Gesetzeslage im Bundesstaat Mato Grosso ein ähnliches Urteil. Die Oberste Richterin Rosa Weber erläuterte bei der&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nur wenige Wochen, nachdem der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene Ausnahmeregelung für sogenannte „kleine“ Wasserkraftwerke im Bundesstaat für verfassungswidrig erklärt hatte (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianischer-bundesstaat-santa-catarina-auch-kleine-wasserkraftwerke-brauchen-vorab-eine-umfassende-umweltvertraeglichkeitspruefung/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>), fällt Brasiliens Oberster Gerichtshof STF in Bezug auf die Gesetzeslage im Bundesstaat Mato Grosso <a href="https://www.olharjuridico.com.br/noticias/exibir.asp?id=50314&amp;edt=8&amp;noticia=stf-invalida-normas-de-mato-grosso-que-flexibilizavam-construcao-de-hidreletricas&amp;edicao=1" target="_blank" rel="noopener">ein ähnliches Urteil</a>.<br />
Die Oberste Richterin Rosa Weber erläuterte bei der Urteilsfindung, dass der Bund im Bereich der Umweltgenehmigungen für die Festlegung allgemeiner Regeln zuständig sei und dass auf der Grundlage dieser Zuständigkeit das Bundesgesetz 6.938/1981 erlassen wurde, das die Zuständigkeit für diesen Bereich dem Nationalen Umweltrat (Conama) zuweist. Dieses Gremium, die CONAMA, habe aber bereits im jahre 1986 eine Entscheidung getroffen, und zwar den Beschluss 1/1986, der das Verfahren für Wasserkraftprojekte über 10 MW bundesweit gültig vorschreibe. Für die berichterstattende Richterin Rosa Weber beschränkte sich das Gesetz von Mato Grosso, das eine Umweltgenehmigung nur für Wasserkraftwerke mit einer Leistung von mehr als 30 MW vorschreibt, nicht auf die Ausarbeitung ergänzender Vorschriften, sondern schuf andere Regeln als die einschlägigen Bundesgesetze. Dies war grundsätzlich die gleiche Argumentation, die der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina unlängst im vergleichbaren Falle getroffen hatte, nämlich, dass Landesrecht allenfalls ergänzend, aber nicht im Widerspruch zum Bundesrecht definiert und ausgelegt werden könne. Die Richterin wies auch darauf hin, dass mit dem Gesetz ein neues Kriterium für die Genehmigungsanforderungen eingeführt wurde, nämlich die Ausdehnung des überschwemmten Gebiets, die in der Bundesvorschrift nicht vorgesehen ist. Außerdem verstoße die Landes-Regelung durch den Ausschluss des Verfahrens für potenziell umweltschädliche Projekte gegen Artikel 225 der Verfassung der Republik, der das Recht auf eine ökologisch ausgewogene Umwelt garantiere. Wirtschaftliche Aktivitäten wie die Nutzung von Wasserkraftressourcen werden nur dann als rechtmäßig und verfassungskonform angesehen, wenn sie den Regeln des Umweltschutzes untergeordnet werden&#8220;, schloss die Richterin in ihrem mehrheitlich von ihrem Amtskolleg:innen mitgetragenen und daher rechtsgültigen Urteilsspruch.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
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		<title>Brasilianischer Bundesstaat Santa Catarina: Auch kleine Wasserkraftwerke brauchen vorab eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilianischer-bundesstaat-santa-catarina-auch-kleine-wasserkraftwerke-brauchen-vorab-eine-umfassende-umweltvertraeglichkeitspruefung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2022 15:13:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) hat die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene Ausnahmeregelung für sogenannte &#8222;kleine&#8220; Wasserkraftwerke im Bundesstaat für verfassungswidrig erklärt. Von Christian Russau Es ist ein Erfolg für Umweltgruppen, Flussanwohnende, Anrainer wie Indigene und andere traditionelle Bevölkerungsgruppen: Der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) hat die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) hat die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene Ausnahmeregelung für sogenannte &#8222;kleine&#8220; Wasserkraftwerke im Bundesstaat für verfassungswidrig erklärt.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Es ist ein Erfolg für Umweltgruppen, Flussanwohnende, Anrainer wie Indigene und andere traditionelle Bevölkerungsgruppen: Der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) hat die vom Bundesstaat Santa Catarina erlassene Ausnahmeregelung für sogenannte &#8222;kleine&#8220; Wasserkraftwerke im Bundesstaat für verfassungswidrig erklärt. Vor der Erteilung einer Genehmigung für ein kleines Wasserkraftwerk müsse zuerst eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung für das gesamte Wassereinzugsgebiet durchgeführt werden, die bisherige im Bundessstaat Santa Catarina geltende Bestimmung, die die Betreiber von sogenannten &#8222;kleinen&#8220; Wasserkraftwerken davon befreite, wurde von zuständigen Gericht für verfassungswidrig erklärt. Der Oberste Gerichtshof von Santa Catarina (TJSC) hat damit der direkten Verfassungsklage der Landesstaatsanwaltschaft von Santa Catarina (MPSC) gegen die Vorschrift stattgegeben, die den Verzicht auf die umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung im gesamten Wassereinzugsgebiets für kleine Wasserkraftwerke zum Zwecke der Erteilung einer Umweltgenehmigung gestattete. <a href="https://www.mpsc.mp.br/noticias/licenca-para-pequena-central-hidreletrica-deve-ser-precedida-de-estudo-de-impacto-ambiental-em-toda-a-bacia-hidrografica" target="_blank" rel="noopener">Dies entschied der TJSC am 16.11., der einstimmig die Verfassungswidrigkeit von Artikel 2 des Staatsgesetzes 14.652/2009, geändert durch die Staatsgesetze 16.344/2014 und 17.451/2018, erklärte</a>.</p>
<p>Die Klagenden gegen Artikel 2 des Staatsgesetzes 14.652/2009 stellten die Vorschrift in Frage, die den Verzicht auf die umfassende Bewertung des Wassereinzugsgebiets für kleine Wasserkraftwerke erlaubte, außer in Fällen, in denen die Rodung einheimischer Vegetation von mehr als 100 Hektar pro Projekt oder eine überflutete Gesamtfläche von mehr als 200 Hektar pro Projekt erforderlich sei. Die Bundesstaatsanwaltschaft argumentierte jedoch, dass die einzelstaatliche Regelung im Widerspruch zu den auf Bundesebene allgemeinen Regeln stehe, die ausnahmslos eine umfassende Analyse des Wassereinzugsgebiets vorsähen. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass der Bundesstaat Santa Catarina die Grenzen seiner Zuständigkeit überschritten und in die ausschließliche Zuständigkeit der Union für den Erlass von allgemeinen Umweltschutzvorschriften im Rahmen der nationalen Wasserpolitik eingegriffen habe. Folge dieser verfassungswidrigen Politik sei, so die Staatsanwaltschaft, dass &#8222;diese Norm die Erteilung einer Vorabgenehmigung für mehrere Kleinwasserkraftwerke im selben Wassereinzugsgebiet erlaubt, sofern jedes Unternehmen (einzeln betrachtet) eine bestimmte Menge an abgeholzter oder überschwemmter Fläche nicht überschreitet, und dies ohne eine umfassende oder umfassende Bewertung, so dass die Anforderungen der Bundesvorschriften abgeschwächt wurden. [Die landesgesetzgebung könne aber &#8222;die bundesstaatlichen Gesetze nur ergänzen, nicht jedoch abschwächen&#8220;.</p>
<p>Kleinwasserkraftprojekte werden meist als umweltfreundliche Alternativen zu größeren Staudämmen gefördert und als &#8222;harmlos&#8220; wegen ihrer geringen Größe propagiert. Vor allem in Brasilien führt dies oft dazu, dass in einem Wassereinzugsgebiet eine Vielzahl an Kleinwasserkratwerken gebaut werden, ohne dass hinreichend darauf geachtet wird, welche kumulativen Effekte diese Kaskaden an Kleinwasserkraftwerken auf Flora, Fauna und Mensch bewirken. Es gibt keine international gültige Definition eines „Kleinwasserkraftwerks“. Was als Kleinwasserkraftwerk zählt, variiert von Fall zu Fall. Laut der International Commission on Large Dams sind alle Staumauern ab 15 Metern Höhe vom Fundament bis zur Krone oder von 5 bis 15 Metern mit einem Reservoir von mehr als drei Millionen Kubikmetern Großstaudämme. In vielen Ländern wird dagegen eine Megawattzahl zur Klassifizierung herangezogen: In der Regel werden demnach Kraftwerke bis zehn MW Nominalkapazität als Kleinwasserkraftwerke angesehen, von zehn bis 30 MW gelten sie als mittelgroße Kraftwerke. Länder mit besonders hohem Wasserkraftpotenzial wie Brasilien und China betrachten dagegen alle Kraftwerke bis 30 MW als „klein“, wie dem Handbuch Kleinwasserkraftwerke des Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK / Bundesamt für Energie BFE: Handbuch Kleinwasserkraftwerke. Informationen für Planung, Bau und Betrieb, Ausgabe 2011 entnommen werden kann. In Indien gelten Kleinwasserkraftwerke als „klein“, solange sie unter 25MW Größe haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kleinwasserkraftwerke schädigen Wasserhaushalt und Fischpopulationen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/kleinwasserkraftwerke-schaedigen-wasserhaushalt-und-fischpopulationen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2018 14:20:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinwasserkraftwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Vertiefte Studie bestätigt Erkenntnisse der verausgegangen Studie vom vergangenen Jahr Von Christian Russau GegenStrömung hatte über die Arbeiten der Umweltwissenschaftlerin Suman Jumani zu Kleinwasserkraftprojekten in Indien bereits im vergangenen Jahr berichtet (siehe &#8222;Wütende Elephanten, sterbende Fische und ausgedorrte Äcker dank „Small is beautiful“&#8220;) In den vergangenen Monaten wurde die Studie fortgeführt und die Ergebnisse sind&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Vertiefte <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/aqc.2904">Studie</a> bestätigt Erkenntnisse der verausgegangen Studie vom vergangenen Jahr</em></strong></p>
<p>Von Christian Russau</p>
<p>GegenStrömung hatte über die Arbeiten der Umweltwissenschaftlerin Suman Jumani zu Kleinwasserkraftprojekten in Indien bereits im vergangenen Jahr berichtet (siehe <a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/wuetende-elefenaten-sterbende-fische-und-ausgedorrte-aecker-dank-small-is-beautiful/">&#8222;Wütende Elephanten, sterbende Fische und ausgedorrte Äcker dank „Small is beautiful“&#8220;</a>) In den vergangenen Monaten wurde die Studie fortgeführt und die Ergebnisse sind &#8211; vor allem für alle diejenigen, die der Ansicht sind, Kleinwasserkraftwerke seien wesentlich harmloser als Großwasserkraftwerke &#8211; mehr als ernüchternd. Vor allem vor dem Hintergrund, dass &#8222;in Indien bereits mehr als 1.000 Kleinwasserkraftwerke errichtet wurden und weitere 6.474 potentielle Baustellen für weitere Kleinwasserkraftwerke identifiziert wurden&#8220;, erklärte Jumani den <a href="https://www.firstpost.com/india/small-hydropower-projects-turning-rivers-into-series-of-static-water-bodies-shows-study-4528521.html">Journalisten von IndiaSpend</a>.</p>
<p>Kleinwasserkraftprojekte werden meist als umweltfreundliche Alternativen zu größeren Staudämmen gefördert und als &#8222;harmlos&#8220; wegen ihrer geringen Größe propagiert. Die Auswirkungen von Kleinwasserkraftprojekten wurden jedoch bislang nur unzureichend untersucht, insbesondere in tropischen Entwicklungsländern, wo derzeit ihr Wachstum überproportional gefördert wird, so Jumani. Die Wissenschaftlerin untersuchte die Auswirkungen von zwei Kleinwasserkraftwerken auf Süßwasserfischgemeinschaften im Biodiversitäts-Hotspot von Western Ghats in Indien. Zwei gestaute und ein ungedämmter Nebenfluss des Netravathi-Flusses mit ähnlicher Stromordnung, Höhenlage und umgebenden Landnutzungstypen wurden als Test- bzw. Kontrollorte identifiziert. Die Wissenschaftlerin stellte fest, dass die Kleinwasserkraftprojekte Strömungsänderungen hervorriefen, die die Breite und Tiefe des Stroms nachhaltig beeinflusste. Als weitere Folge nahm die Menge an Sedimenten ab, die Wassertemperatur nahm zu und der im Wasser vorhandene Sauerstoff ging  deutlich zurück. Dadurch variierte die Zusammensetzung der Fischarten. An den Staubecken fand sich geringerer Fischartenreichtum, die Biodiversität ging messbar zurück. Analysen der im Fluss vorhandenen Biodiversität zeigte, dass der Fischartenreichtum in gestauten Strömen mit der Entfernung vom Staudamm in der stromaufwärts gelegenen Richtung zunahm. Des Weiteren wurde festgestellt, dass die Kleinwasserkraftwerke besonders in der Trockenzeit gravierende Auswirkungen auf die Stromgeometrie, Wasserchemie und aquatische Lebensgemeinschaften haben.</p>
<p>Die Wissenschaftlerin Jumani rät angesichts des geplanten dramatischen Ausbaus von Kleinwasserkraftwerken vor allem in Indien daher dringend zu grundlegenden Verfahrensänderungen bei den Genehmigungsverfahren für Kleinwasserkraftwerke, um die Vielfalt der Flussfische zu erhalten. Dazu gehören obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie weitere umfangreiche Umweltsicherungsmaßnahmen, die zur Vermeidung der massiven Negativfolgen der vermeintlich harmloseren Kleinwasserkraftwerke beitragen könnten.</p>
<p>Es gibt keine international gültige Definition eines „Kleinwasserkraftwerks“. Was als Kleinwasserkraftwerk zählt, variiert von Fall zu Fall. Laut der <a href="http://www.icold-cigb.net/GB/dams/definition_of_a_large_dam.asp">International Commission on Large Dams</a> sind alle Staumauern ab 15 Metern Höhe vom Fundament bis zur Krone oder von 5 bis 15 Metern mit einem Reservoir von mehr als drei Millionen Kubikmetern Großstaudämme. In vielen Ländern wird dagegen eine Megawattzahl zur Klassifizierung herangezogen: In der Regel werden demnach Kraftwerke bis zehn MW Nominalkapazität als Kleinwasserkraftwerke angesehen, von zehn bis 30 MW gelten sie als mittelgroße Kraftwerke. Länder mit besonders hohem Wasserkraftpotenzial wie Brasilien und China betrachten dagegen alle Kraftwerke bis 30 MW als „klein“, wie dem Handbuch Kleinwasserkraftwerke des Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK / Bundesamt für Energie BFE: Handbuch Kleinwasserkraftwerke. Informationen für Planung, Bau und Betrieb, Ausgabe 2011 entnommen werden kann. In Indien gelten Kleinwasserkraftwerke als &#8222;klein&#8220;, solange sie unter 25MW Größe haben.</p>
<p>Was als &#8222;kein&#8220; definiert&#8220;, soll dergestalt schnell als &#8222;harmlos&#8220; gelten. So wird z. B. auch das Agua-Zarca-Projekt in Honduras immer wieder als harmlos klingendes „Kleinwasserkraftwerk“ dargestellt. Auch bei Small Hydro ist also Vorsicht geboten: sie ist weder per se umweltfreundlich noch menschenrechtskonform.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wütende Elephanten, sterbende Fische und ausgedorrte Äcker dank &#8222;Small is beautiful&#8220;</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/wuetende-elefenaten-sterbende-fische-und-ausgedorrte-aecker-dank-small-is-beautiful/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2017 14:16:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Elephanten]]></category>
		<category><![CDATA[Fischpopulation]]></category>
		<category><![CDATA[Gundia]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinwasserkraftwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Netravathi]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Christian Russau In Südindien, im Staat Karnataka, fliesst der Fluss Gundia, ein Zufluss des Netravathi-Flusses. Wegen seiner geologischen Lage scheint es Staudammbefürwortern ausgemacht, dass dies der ideale Ort für Wasserkraftwerke sei. Vor allem für sogenannte kleine Wasserkraftwerke. Dezentral und klein, dies sei doch beautiful, so die Maxime, da es dort zu deutlich weniger sozialen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
<p>In Südindien, im Staat Karnataka, fliesst der Fluss Gundia, ein Zufluss des Netravathi-Flusses. Wegen seiner geologischen Lage scheint es Staudammbefürwortern ausgemacht, dass dies der ideale Ort für Wasserkraftwerke sei. Vor allem für sogenannte kleine Wasserkraftwerke. Dezentral und klein, dies sei doch beautiful, so die Maxime, da es dort zu deutlich weniger sozialen und Umweltfolgenproblemen als bei Großstaudämmen käme. Aber stimmt das? Eine Feldstudie, die die Region zwischen den Jahren 1999 und 2013 untersuchte und sich dabei die Folgen von vier sogenannten Kleinwasserkraftprojekte vor Ort anschaute und <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/labs/articles/28074405/">deren Folgen analysierte</a>, kam zu anderen Schlüssen. Was das mit wütenden Elephanten, sterbenden Fischen und ausgedorrten Äckern dank &#8222;Small is beautiful&#8220; zu tun hat, wird hier erläutert.</p>
<p>In qualitativen Interviews mit den Bewohnern haben die Forscher zunächst festgestellt, dass es zwischen 1999 und 2004 &#8211; vor dem Bau der kleinen Wasserkraftwerke &#8211; insgesamt 248 Zwischenfälle zwischen Elefanten und Anwohnern gab. Die Elephanten zerstörten die Felder, drangen in Siedlungen ein und brachten Menschen in Gefahr. Nach dem Bau der vier kleinen Wasserkraftwerke in den Jahren 2005 bis 2013 stieg diese Zahl der Konflikte auf 2.030 an, eine Verachtfachung.</p>
<p>Die Ursache: durch die Fragmentierung des Wanderungsbiet der Elephanten mittels Leitungen, Kanälen, Straßen und infolge dessen auch Waldrodungen sowie durch Reduzierung der Wassermengen in den ursprünglichen Flussläufen und damit einhergehender vetrocknender Vegetation wie dem für die Nahrung der Elephanten unerlässlichem Bambus entlang der Flussläufe waren die Elephanten mehr und mehr in ihrem Lebensumfeld und in ihrer Ernährung eingeschränkt, so dass sie vermehrt auf die Felder und in die Dörfer der Menschen auf Suche nach Nahrung eindrangen. Hinzu kam es durch die sinkenden Wasserpegel der ursprünglichen Flussläufe zu zurückgehenden Fischpopulationen: Die Fische schwammen wie gewohnt saisonal zum Laichen flussaufwärts, strandeten aber wegen des geringeren Wasserstands auf Sandbänken, wo sie verendeten, was den Kleinfischern das Überleben schwerer machte, gar in etlichen Fälle ihre Ernährungssouveränität in Gefahr brachte. Und die verringerte Wassermenge reichte nach der Abzweigung für die Kleinwasserkraftwerke nicht mehr für die Bewässerung durch das traditionelle Kanal- und Leitungssystem für die lokale kleinbäuerliche Bewässerungslandwirtschaft. Dabei erwies sich zudem, dass jedes Kleinwasserkraftwerk lokale Folgen zeitigte, aber vor allem die Fülle der oft in Reihe geschalteten Kleinwasserkraftwerke dann über die lokale Ebene hinaus regional für die Menschen und die Umwelt gravierendere Folgen hatte, als zuvor angenommen. Möglich macht dies vor allem die Tatsache, dass Kleinwasserkraftwerke (nicht nur in Indien, in Brasilien besipielsweise auch) als harmlos gelten, mit geringen Impakten für Mensch und Umwelt, da sie eben &#8222;klein&#8220; seien, und dass dies eben die Begründung dafür ist, dass diese Kleinwasserkraftwerke keine Umweltverträglichkeitsprüfung und von daher keiner Umweltprüfung durch Behörden benötigen. Sie können einfach gebaut werden. &#8222;Small is beautiful&#8220;, macht es alles einfach &#8211; und bedenkt dabei nicht die potentiellen Folgen.</p>
<p>Das Beispiel Brasilien verdeutlicht dies: Eine Untersuchung über den Fall von Kleinwasserkraftwerken an den Zuflüssen des brasilianischen Pantanal sollte diesbezüglich noch weiter nachdenklich stimmen.</p>
<p>Eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde, das brasilianische Pantanal, ist durch den Bau von Kleinwasserkraftwerken an den Zuläufen bedroht. Dies geht aus der neuesten Studie von Wissenschaftlern des Instituto Nacional de Ciência e Tecnologia em Áreas Úmidas (INCT-INAU) im Bundesstaat Mato Grosso hervor, die von der Bundesuniversität Mato Grosso <a href="http://www.ufmt.br/ufmt/site/noticia/visualizar/34247/Cuiaba">zitiert wird</a> (<a href="https://www.gegenstroemung.org/web/blog/kleinwasserkraftwerke-an-zufluessen-bedrohen-brasilianisches-pantanal/">GegenStrömung berichtete</a>). Demnach solle die Zahl der Kleinwasserkraftwerke an den Zuflüssen zu dem artenreichen, unter Naturschutz stehenden und seit 2000 zum Welterbe durch die UNESCO anerkannten Feuchtbiotop von gegenwärtig 41 durch 96 weitere Kleinwasserkraftwerke erhöht werden. Die Folgen, so die Wissenschaftler auf Basis ihrer dreijährigen Untersuchung, seien vor allem die Unterbrechung der nährstoffreichen Sedimentfracht unterhalb der Stauwerke, die Änderung des Flusslaufs und die Zunahme der Wassertrübung sowie die Beeinträchtigung der Fischmigration auf dem Weg zu den Laichgründen. &#8222;Wenn all diese 96 Vorhaben zusätzlich zu den bereits bestehenden 41 Kleinwasserkraftwerken in die Tat umgesetzt werden, gehen unsere Schätzungen davon aus, dass 30 Prozent der Fischmigrationsrouten verloren gehen&#8220;, so Professor Ibraim Fantin von der Bundesuniversität Universidade Federal de Mato Grosso (UFMT), der für die Studie &#8222;Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf die Flüsse des Pantanal&#8220; (&#8222;Impactos das Hidrelétricas nos rios do Pantanal&#8220;) zuständig war.</p>
<p>Der Forscher Fantin warnte zudem vor der Verkennung der auch von Kleinwasserkraftwerken ausgehenden Gefahr für das Gleichgewicht der Natur und die Biodiversität. Denn die bis zu 30 Megawatt großen &#8222;Kleinwasserkraftwerke&#8220; werden oft in Reihe in den Flüssen gebaut, ohne dass deren kumulativen Effekte in Betracht gezogen würden. Die brasilianische Gesetzgebung biete eben diesen Kleinwasserkraftwerke, wenn ihre Stauseen kleiner als 13 Quadratkilometer seien, die Möglichkeit der Befreiung von den eigentlich vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen an, die in Brasilien EIA-Rima heißen. Im Bundesstaat Mato Grosso, wo Zuflüsse des Pantanalgebiets fließen, obliege die Entscheidung, ob bei einem Kleinwasserkraftwerk eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden müsse, den Umweltbehörden des Bundesstaats. Diese analysierten in der Regel aber nur die jeweils lokal begrenzten Auswirkungen des jeweiligen Kleinwasserkraftwerks. Zusammentreffende und gegebenenfalls kumulierend wirkende Effekte würden nicht in Betracht gezogen, ebensowenig wie Folgen wie flussabwärts oder -aufwärts Beachtung finden würden in den Entscheidungen zum Bau von Kleinwasserkraftwerken, so die Forscher. &#8222;Dies sind die Faktoren, die uns in Bezug auf die Zukunft des Pantanal extrem besorgt sein lassen, zumal wir noch immer nicht genau wissen, was passieren wird, wenn all diese 96 Vorhaben umgesetzt werden&#8220;, so Ibraim Fantin.</p>
<p>Es gibt keine international gültige Definition eines „Kleinwasserkraftwerks“. Was als Kleinwasserkraftwerk zählt, variiert von Fall zu Fall. <a href="http://www.icold-cigb.net/GB/dams/definition_of_a_large_dam.asp">Laut der International Commission on Large Dams</a> gelten alle Staumauern ab 15 Metern Höhe vom Fundament bis zur Krone oder von 5 bis 15 Metern mit einem Reservoir von mehr als drei Millionen Kubikmetern Großstaudämme. In vielen Ländern wird aber dagegen eine Megawattzahl zur Klassifizierung herangezogen: In der Regel werden demnach Kraftwerke bis zehn MW Nominalkapazität als Kleinwasserkraftwerke angesehen, von zehn bis 30 MW gelten sie als mittelgroße Kraftwerke. Länder mit besonders hohem Wasserkraftpotenzial wie Brasilien, China und Indien betrachten dhingegen alle Kraftwerke bis 30 MW als „klein“, wie dem &#8222;Handbuch Kleinwasserkraftwerke des Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK / Bundesamt für Energie BFE: Handbuch Kleinwasserkraftwerke. Informationen für Planung, Bau und Betrieb, Ausgabe 2011&#8220; entnommen werden kann. So wird z. B. auch das Agua-Zarca-Projekt in Honduras immer wieder als harmlos klingendes &#8222;Kleinwasserkraftwerk&#8220; dargestellt. Auch bei Small Hydro ist also Vorsicht geboten: sie ist weder per se umweltfreundlich noch gleichbedeutend mit menschenrechtskonform.</p>
<p>Auch bei Small Hydro ist also grundsätzlich Vorsicht geboten, um die Umwelt vor &#8222;beträchtlichen Desillusionierungen und Umweltschäden zu bewahren&#8220;. So kommt eine umfassende <a href="http://www.research.lancs.ac.uk/portal/en/publications/trust-and-community-exploring-the-meanings-contexts-and-dynamics-of-community-renewable-energy{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}28238bde19-8f5c-4649-b9e1-0b93b7b13638{9e009e84285f804eca7493dc8c4a6bef7e81844e43bcb1306604e8ac820ea06f}29/export.html">Studie zu Kleinst- und Kleinwasserkraftwerken</a> zu dem Schluss, dass es bei der Frage, ob ein Kleinenergieprojekt von den Betroffenen sozial und politisch akzeptiert wird, immer auf mindestens vier Faktoren ankommt: 1) Auf den Grad an Aufdringlichkeit und Kontroversität der angewandten Technologie; 2) auf die Größe des Projekts; 3) auf den Grad, zu dem die Vorteile durch das Projekt privat oder kollektiv waren sowie 4) auf den Grad, zu dem der Projektentscheidungsfindungsprozess als offen, partizipativ und das Gemeinwesen miteinbindend wahrgenommen wurde.</p>
<p>Es geht wie so oft um die Frage, inwieweit ein wirklich partizipativer Stakeholder-Ansatz bei der Beteiligung aller Betroffenen und Beteiligten zur Entscheidung von Projekten, die ein soziales Gemeinwesen betreffen könnten, garantiert wird.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Kleinwasserkraftwerke an Zuflüssen bedrohen brasilianisches Pantanal</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/kleinwasserkraftwerke-an-zufluessen-bedrohen-brasilianisches-pantanal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2017 15:10:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinwasserkraftwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Mato Grosso]]></category>
		<category><![CDATA[Pantanal]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.gegenstroemung.org/web/?p=1350</guid>

					<description><![CDATA[Von Christian Russau, GegenStrömung „Small is beautiful&#8220; – oder doch nicht? Kleinst- und Kleinwasserkraftwerke gelten gemeinhin als sozial- und umweltbezogen bessere, da sanftere Alternativen. Als Argumente werden dafür oft ins Feld geführt, es seien für Kleinst- und Kleinwasserkraftwerke keine großen Stauseen vonnöten, durch die Menschen zu Tausenden von ihrem Land vertrieben würden, auch die Biodiversität&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Christian Russau, GegenStrömung</p>
<p>„Small is beautiful&#8220; – oder doch nicht? Kleinst- und Kleinwasserkraftwerke gelten gemeinhin als sozial- und umweltbezogen bessere, da sanftere Alternativen. Als Argumente werden dafür oft ins Feld geführt, es seien für Kleinst- und Kleinwasserkraftwerke keine großen Stauseen vonnöten, durch die Menschen zu Tausenden von ihrem Land vertrieben würden, auch die Biodiversität würde in weitaus geringerem Maße Schaden nehmen, da die Kleinst- und Kleinwasserkraftwerke keine großflächigen Bauarbeiten und Überflutungen erforderten. Stimmt das? Eine neue Untersuchung über den Fall von Kleinwasserkraftwerken an den Zuflüssen des brasilianischen Pantanal sollte nachdenklich stimmen.</p>
<p>Eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde, das brasilianische Pantanal, ist durch den Bau von Kleinwasserkraftwerken an den Zuläufen bedroht. Dies geht aus der neuesten Studie von Wissenschaftler*innen des Instituto Nacional de Ciência e Tecnologia em Áreas Úmidas (INCT-INAU) im Bundesstaat Mato Grosso hervor, die von der Bundesuniversität Mato Grosso <a href="http://www.ufmt.br/ufmt/site/noticia/visualizar/34247/Cuiaba">zitiert wird</a>. Demnach solle die Zahl der Kleinwasserkraftwerke an den Zuflüssen zu dem artenreichen, unter Naturschutz stehenden und seit 2000 zum Welterbe durch die UNESCO anerkannten Feuchtbiotop von gegenwärtig 41 durch 96 weitere Kleinwasserkraftwerke erhöht werden. Die Folgen, so die Wissenschaftler*innen auf Basis ihrer dreijährigen Untersuchung, seien vor allem die Unterbrechung der nährstoffreichen Sedimentfracht unterhalb der Stauwerke, die Änderung des Flusslaufs und die Zunahme der Wassertrübung sowie die Beeinträchtigung der Fischmigration auf dem Weg zu den Laichgründen. &#8222;Wenn all diese 96 Vorhaben zusätzlich zu den bereits bestehenden 41 Kleinwasserkraftwerken in die Tat umgesetzt werden, gehen unsere Schätzungen davon aus, dass 30 Prozent der Fischmigrationsrouten verloren gehen&#8220;, so Professor Ibraim Fantin von der Bundesuniversität Universidade Federal de Mato Grosso (UFMT), der für die Studie &#8222;Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf die Flüsse des Pantanal&#8220; (“Impactos das Hidrelétricas nos rios do Pantanal”) zuständig war.</p>
<p>Fantin warnt zudem vor der Verkennung der auch von Kleinwasserkraftwerken ausgehenden Gefahr für das Gleichgewicht der Natur und die Biodiversität. Denn die bis zu 30 Megawatt großen Kleinwasserkraftwerke werden oft in Reihe in den Flüssen gebaut, ohne dass deren kumulativen Effekte in Betracht gezogen würden. Die brasilianische Gesetzgebung biete eben diesen Kleinwasserkraftwerke, wenn ihre Stauseen kleiner als 13 Quadratkilometer seien, die Möglichkeit der Befreiung von den eigentlich vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen an, die in Brasilien EIA-Rima heißen. Im Bundesstaat Mato Grosso, wo Zuflüsse des Pantanalgebiets fliessen, obliege die Entscheidung, ob bei einem Kleinwasserkraftwerk eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden müsse, bei den Umweltbehörden des Bundesstaats. Diese analysierten in der Regel aber nur die jeweils lokal begrenzten Auswirkungen des jeweiligen Kleinwasserkraftwerkes. Zusammentreffende und gegebenenfalls kumulierend wirkende Effekte würden nicht in Betracht gezogen, ebensowenig wie Folgen wie flussabwärts oder -aufwärts Beachtung finden würden in den Entscheidungen zum Bau von Kleinwasserkraftwerken, so die Forscher. &#8222;Dies sind die Faktoren, die uns in Bezug auf die Zukunft des Pantanal extrem besorgt sein lassen, zumal wir noch immer nicht genau wissen, was passieren wird, wenn all diese 96 Vorhaben umgesetzt werden&#8220;, so Ibraim Fantin.</p>
<p>Es gibt keine international gültige Definition eines &#8222;Kleinwasserkraftwerks&#8220;. Was als Kleinwasserkraftwerk zählt, variiert von Fall zu Fall. Laut der <a href="http://www.icold-cigb.net/GB/dams/definition_of_a_large_dam.asp">International Commission on Large Dams</a> sind alle Staumauern ab 15 Metern Höhe vom Fundament bis zur Krone oder von 5 bis 15 Metern mit einem Reservoir von mehr als drei Millionen Kubikmetern Großstaudämme. In vielen Ländern wird dagegen eine Megawattzahl zur Klassifizierung herangezogen: In der Regel werden demnach Kraftwerke bis zehn MW Nominalkapazität als Kleinwasserkraftwerke angesehen, von zehn bis 30 MW gelten sie als mittelgroße Kraftwerke. Länder mit besonders hohem Wasserkraftpotenzial wie Brasilien, China und Indien betrachten dagegen alle Kraftwerke bis 30 MW als „klein“, wie dem Handbuch Kleinwasserkraftwerke des Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK / Bundesamt für Energie BFE: Handbuch Kleinwasserkraftwerke. Informationen für Planung, Bau und Betrieb, Ausgabe 2011 entnommen werden kann. So wird z. B. auch das Agua-Zarca-Projekt in Honduras immer wieder als harmlos klingendes „Kleinwasserkraftwerk“ dargestellt. Auch bei Small Hydro ist also Vorsicht geboten: sie ist weder per se umweltfreundlich noch menschenrechtskonform.</p>
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