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	<title>Volta Grande &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Volta Grande &#8211; GegenStrömung</title>
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		<title>Staudamm Belo Monte: Hin und Her bei erlaubter Wassermenge und neue, durchaus ambivalente Entwicklungen bei Umweltkompensationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 06:41:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
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		<category><![CDATA[Volta Grande]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Christian Russau Am 24. Januar wurden die Anwohner:innen der Großen Flussschleife am Xingu-Fluss &#8211; der Volta Grande do Xingu &#8211; von steigendem Wasserpegel zunächst angenehm überrascht. Diesmal aber nicht wegen zuvoriger Regenfälle, sondern weil die brasilianische Umweltbundesbehörde IBAMA im Oktober 2024 angeordnet hatte, dass ab Januar 2025 die Staudammbetreiberin Norte Energia den Wasserfluss zur&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Am 24. Januar wurden die Anwohner:innen der Großen Flussschleife am Xingu-Fluss &#8211; der Volta Grande do Xingu &#8211; von steigendem Wasserpegel zunächst angenehm überrascht. Diesmal aber nicht wegen zuvoriger Regenfälle, sondern weil die brasilianische Umweltbundesbehörde IBAMA im Oktober 2024 angeordnet hatte, dass ab Januar 2025 die Staudammbetreiberin Norte Energia den Wasserfluss zur Abzweigung hin zum Staudamm Belo Monte reduzieren müsse, damit es eben in der Volta Grande endlich wieder für die anwohnenden Menschen &#8211; Indigene, Kleinbäuerinnen und -bauern sowie allgemein Fluss anwohnende Ribeirinhos &#8211; ausreichend Wasser gäbe, damit die grundlegenden lebensweltlichen Bedingungen für die Menschen &#8211; Transport, Fischfang, Wasser zum alltäglichen Bedarf &#8211; endlich wieder gesichert werden, und dass die Volta Grande nicht mehr wie seit dem Bau von Belo Monte so oft gesehen: eine Brühe stehender Wasserreste ist, in denen Malariamücken ihr Paradies finden. So entschied also IBAMA, dass Norte Energia bei der ersten Staustufe vpn Pimental weniger Flusswasser gen Staudamm Belo Monte abzweige und dergestalt die Flusspegel auf der 130 Kilometer langen Strecke der Volta Grande wieder ansteigen konnten: Der Durchfluss der Wassermenge wurde von rund 1.800 Kubikmetern pro Sekunde (m3/s) auf mehr als 5-000 m³/s erhöht.</p>
<p>Das <a href="https://apublica.org/2025/02/decisao-do-ibama-sobre-belo-monte-retoma-disputa-entre-energia-e-vida-tradicional-no-xingu/" target="_blank" rel="noopener">Investigativportal Agência Pública berichtete dazu</a>: Diese Erhöhung des Wasserzuflusses &#8222;reichte aus, damit das Wasser zum ersten Mal seit Monaten in eine der Inseln der Volta Grande do Xingu eindrang und einen kleinen Bach auf dem Waldboden bildete. Das war das Signal, auf das die Fische gewartet hatten: die Chance, ihre Eier an einem sicheren Ort im Wasser abzulegen. Am nächsten Tag ließ die Strömung jedoch nach und das wenige Wasser, das auf die Insel gelangt war, zog sich zurück. Da fand Jainy Kuruya de Almeida, 42 Jahre alt, ein schreckliches Bild vor: Die Tausende von Fischogen, die gerade abgelegt worden waren, waren alle auf dem Trockenen gelandet. Ein Todesurteil, denn sie brauchen Wasser, um zu überleben. &#8222;Man konnte die &#8218;kleinen Fische&#8216; darin springen sehen. Sehr traurig&#8220;, so der Bericht bei Agência Pública.</p>
<p>Dies zeigt, es muss darauf geachtet werden, dass der Zufluss nicht zu großen Schwankungen ausgesetzt werden darf, um die Fischpopulationen nicht zu gefährden. Unvergessen auch die Episode aus dem Jahr 2016, als infolge mutmaßlich überraschend starke Regenfälle weit flussaufwärts das Staureservoir von Belo Monte und der ersten Staustufe Pimental überzulaufen drohten und die Staudammbetreiberin Norte Energia ohne als ersthaft und bemüht zu verstehende Kommunikationsversuche gegenüber den flussabwärts lebenden indigenen Arara die Überlaufschleusen öffnete und Teile der Uferzonen der Volta Grande in kürzester Zeit geflutet wurden, und die überraschten Anwohner:innen in Panik ihr Hab und Gut und ihr Leben zu retten suchten (<a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/jose-carlos-arara-immer-aktiv-im-widerstand-gegen-belo-monte-nun-hat-ihn-covid-19-getoetet/" target="_blank" rel="noopener">GegenStrömung berichtete</a>)</p>
<p>So besteht (oder bestand) nach der IBAMA-Entscheidung von Oktober die Hoffnung in der Volta Grande, dass es mehr verfügbares Wasser für die Volta Grande gäbe und dass dieser Wasserpegel harmonischer mit den bekannten jahreszeitlichen Wechsel weniger abrupt gesteuert werde, dies alles eben dank der Entscheidung der IBAMA. Doch, wie so oft in Brasilien, machte dem die Justiz einen Strich durch die Rechnung: Ein Bundesgericht von Pará hat eine <a href="https://oglobo.globo.com/economia/noticia/2025/02/20/justica-anula-decisao-do-ibama-que-reduziu-geracao-de-energia-em-belo-monte.ghtml" target="_blank" rel="noopener">einstweilige Verfügung erlassen, mit der die Entscheidung der Behörde IBAMA zu mehr Wasserdurchlass für die Volta Grande wieder aufgehoben wurde</a>. Organisationen des Elektrizitätssektors hatten zuvor vor den Betriebsrisiken und Kosten der Entscheidung der IBAMA gewarnt.</p>
<p>Und die Argumentation der Kraftwerksbetreiberin und der nationalen Stromnetzagentur ONS lief dabei wie folgt: Nach Angaben des ONS ist Belo Monte in den wasserreichsten Monaten, in der Regel von Dezember bis Juni, eines der landesweit größten und wichtigsten Kraftwerke, die für die Energieerzeugung und die Bereitstellung von Strom im Netz verantwortlich sind. Diese Erzeugung &#8222;trägt stark zur Deckung der Nachfrage bei&#8220;, so das ONS, und trage dazu bei, die anderen Stauseen zu füllen, insbesondere in den Becken im Südosten/Zentralwesten, damit sie in der Trockenzeit, hauptsächlich von September bis November, genutzt werden können. Der Präsident der Nationalen Stromagentur Aneel, Sandoval Feitosa, ließ zudem verlauten, dass die Verringerung der Stromerzeugung infolge des für Belo Monte verminderten Wasserzuflusses den Stromverbraucher:innen im ganzen Land Kosten zwischen 1,2 und 2,4 Milliarden R$ verursachen könnte. Es wurde also wieder einmal das nationale Notstandsargument und das Argument der normativen Kraft des Faktischen eingeführt: (paraphrasierend) Jetzt ist er also da der Damm (vor dessen Umwelt- und sozialen Folgen, die nun seit Jahren eintreten, die Kritiker:innen zuvor ausgiebig gewarnt hatten), also wäre es ja dumm, wenn wir nun nicht die Vorteile (mutmaßlich billigeren und viel mehr Strom) nutzen würden, eine Nichtnutzung wäre ein viel größerer nationaler Schaden (als der lokale Schaden der direkt betroffenen vor Ort). Der Kampf um die Wasserzuflussmenge für die Volta Grande vs Belo Monte dürfte also weitergehen.</p>
<p>Dennoch gibt es in Bezug auf den Staudamm Belo Monte und dessen Umwelt- und sozialen Folgen seit Kurzem eine neue Entwicklung, die so nicht erwartet worden war: Einer der Obersten Richter am STF, Richter Flávio Dino, entschied am 11. März 2025, dass die vom Bau des Belo Monte-Staudamms in Pará betroffenen indigenen Gemeinschaften an den Gewinnen des Kraftwerks beteiligt werden müssen. Laut der Verfügung sollen die Gemeinden 100 Prozent des Betrags erhalten, den die Konzessionärin &#8211; Norte Energia &#8211; an die Bundesregierung in Form von Royalties weiterleitet. Dino gab dem Kongress außerdem 24 Monate Zeit, um ein spezielles Gesetz zu verabschieden, das diese Frage regelt. Grund für die Entscheidung des Richters war eine Klage der indigenen Vereinigung Yudjá Miratu aus dem Volta Grande do Xingu. Die Organisation argumentierte vor dem STF, dass der Kongress es versäumt habe, ein Gesetz zu verabschieden, das die verfassungsrechtlichen Bestimmungen regelt, die eine Beteiligung der Gemeinschaften an den Ergebnissen der Ausbeutung von Wasserressourcen und Bodenschätzen auf indigenem Land garantieren. Die Gemeinschaften berichteten über die Probleme, mit denen sie seit dem Bau des Belo Monte-Staudamms auf dem Gebiet der indigenen Gemeinschaften Paquiçamba, Arara da Volta Grande do Xingu und Trincheira Bacajá konfrontiert sind.</p>
<p>Der <a href="https://agenciabrasil.ebc.com.br/justica/noticia/2025-03/dino-determina-participacao-de-indigenas-nos-ganhos-de-belo-monte" target="_blank" rel="noopener">Richter Flávio Dino vom Bundesgerichtshof STF entschied also</a>, dass die vom Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte in Pará betroffenen indigenen Gemeinschaften an den Gewinnen des Kraftwerks beteiligt werden müssen. Laut der Verfügung sollen die betroffenen indigenen Gemeinschaften 100 Prozent des Betrags erhalten, den die Konzessionärin an die Bundesregierung in Form von Royalties weiterleitet. Medienberichten zufolge ginge es dabei um einen Betrag in Höhe von 210 Millionen Reais je Jahr.</p>
<p>Dies ist ein Novum. Das juristische Argument der Indigenen der Yudjá Miratu (vormals Juruna) dabei ist klar: der Bau von Belo Monte ist erfolgt, der Betrieb läuft, es werden Royalties an den Staat gezahlt, aber wir Indigene vor Ort mit unseren angestammten und demarkierten Landrechten werden negativ durch den Staudamm Belo Monte betroffen, also steht uns eine Entschädigung zu. So weit, so klar. Beachtenswert ist bei der juristischen Argumentation der in den Medienberichte zitierte folgende Punkt: &#8222;dass der Kongress es versäumt habe, ein Gesetz zu verabschieden, das die verfassungsrechtlichen Bestimmungen regelt, die eine Beteiligung der Gemeinden an den Ergebnissen der Ausbeutung von Wasserressourcen und Bodenschätzen auf indigenem Land garantieren&#8220; &#8211; denn ein solches Gesetz ist ja eigentlich das, was viele der indigenen Organisationen vehement bekämpfen, da es ihrer Ansicht nach den integralen Schutz indigener Territorien untergraben würde, indem diese für wirtschaftliche Exploration freigegeben würden. Verständlich, dass die von Belo Monte bereits schon seit Jahren betroffenen Indigenen nun sagen, dann wollen wir wenigstens eine Entschädigung haben, aber auch verständlich, dass viele anderen indigenen Gruppen, die sich künftig bedroht fühlen durch eine potentiell neue Gesetzgebung, die solche Entschädigungszahlungen vorsieht als Kompensation für die künftige wirtschaftliche Exploration der indigenen Territorien, sich gegen so etwas massiv zur Wehr setzen. Die neue Argumentation des Obersten Richters Flavio Dino ist somit als zweischneidig und ambivalent zu bewerten. Und es bleibt abzuwarten, wie dort das juristische Narrativ sich fortsetzen wird.</p>
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		<title>Belo Monte: Wegen Dürre soll noch mehr Wasser der lokalen Bevölkerung an der Volta Grande do Xingu vorenthalten werden</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/belo-monte-wegen-duerre-soll-noch-mehr-wasser-der-lokalen-bevoelkerung-an-der-volta-grande-do-xingu-vorenthalten-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Oct 2024 15:02:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Dürre]]></category>
		<category><![CDATA[Volta Grande]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Jahr 2023 verzeichnete China im ersten Halbjahr wegen einer schweren Dürre einen Rückgang von 8,5% seiner Wasserkraft-Stromproduktion im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022; die USA erlitten wegen der dortigen Dürre einen Rückgang von 6% im gleichen Vergleichzeitraum, während Brasilien leicht erhöhte Werte verzeichnete, &#8211; doch jetzt trifft es Brasilien mit voller Wucht: Seit Beginn&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 2023 verzeichnete China im ersten Halbjahr wegen einer schweren Dürre einen Rückgang von 8,5% seiner Wasserkraft-Stromproduktion im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022; die USA erlitten wegen der dortigen Dürre einen Rückgang von 6% <a href="https://www.weforum.org/agenda/2023/11/hydroelectricity-generation-falls-droughts-climate-change/" target="_blank" rel="noopener">im gleichen Vergleichzeitraum</a>, während Brasilien leicht erhöhte Werte verzeichnete, &#8211; doch jetzt trifft es Brasilien mit voller Wucht: Seit Beginn der historischen Reihe der Wetteraufzeichnungen verzeichnet Brasilien &#8211; vor allem Amazonien und der Mittlere Westen &#8211; die seit 1950 schlimmste Dürre. Die sozialen, wirtschaftlichen und Umweltfolgen treffen alle in der Region sehr hart. Von der Außenwelt abgeschnittene Gemeinden, da die Flüsse ausgetrocknet sind und nicht einmal mehr mit kleinen Booten befahrbar sind; von ausgetrockneten Brunnen am Tapajós-Fluss berichten die indigenen Munduruku; die Landwirtschaft wartet dringend auf Regen; die Erde verkrustet auch dort, wo nomalerweise grüne Vegetation blüht. Und auch die Wasserkraft leidet. Im letzten Monat <a href="https://oantagonico.net.br/belo-monte-a-seca-a-baixa-disponibilidade-de-agua-os-3-de-geracao-de-energia/" target="_blank" rel="noopener">berichteten Medien</a>, dass der bekanneste &#8211; und meist kritisierte &#8211; Staudamm in Amazonien: Belo Monte derzeit nur 2,9 % seiner portentiellen 11-GW-Kapazität produziert. Eine von achtzehn Turbinen läuft nur überhaupt. Es fehlt an Wasser.</p>
<p>Doch statt die Fehler und falschen Versprechungen der Vergangenheit einzugestehen und deren Behebung anzugehen, statt sich wirklich Gedanken über Klimakrise zu machen und zu fragen, was Klimaveränderungen für Wasserkraft überhaupt bedeutet, <a href="https://oglobo.globo.com/economia/noticia/2024/10/23/belo-monte-abre-nova-frente-de-batalha-entre-ministerio-de-minas-e-energia-e-ibama.ghtml" target="_blank" rel="noopener">verlangt nun der Energie- und Bergbauminister, Alexandre Silveira, von der Bundesumweltbehörde IBAMA</a>, dass diese ab nächstem Jahr (wenn es dann in der Region wieder regnet) den gesetzlich erlaubten Maximalrahmen zur Ableitung des Flusswassers des Xingu bei der ersten Staustufe, Pimentel, in den Kanal hin zum Staureservoir von Belo Monte, deutlich erhöhen müsse: ansonsten wären wegen geringerer Stromproduktion höhere Energiepreise die Folge, da das Land dann fossile Kraftwerke zwischenschalten müsste, um die Lücke zu schließen. Zudem zitiert der Medienbericht bei GLOBO das Bergbau- und Energieministerium mit der Überlegung, den Staudamm Belo Monte als wichtig für die nationale Energiesicherheit einzustufen, wodurch die Diskussion um die Entscheidung über die Freigabe der Wasserfreigabe in den Nationalen Rat für Energiepolitik (CNPE, ein Gremium, das sich aus verschiedenen Ministerien zusammensetzt) getragen würde. So wäre es dann nicht mehr das Bundesumweltministerium IBAMA alleine, das darüber entscheidet. Wer sich hierbei an den gezielten Rück- und Kompetenzabbau beim IBAMA unter Bolsonaro erinnert fühlen mag, die/der liegt vielleicht so falsch nicht, zumindest wenn es nach den Vorstellungen des Energie- und Bergbauministers geht.</p>
<p>Das Problem einer weiter erhöhten Ableitung von Xingu-Wasser in den Kanal hin zum Staureservoir von Belo Monte: Die Volta Grande leidet schon jetzt auf 100 km Länge an Wassermangel, <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/neue-studie-belo-monte-staudamm-foerdert-ernaehrungsunsicherheit/" target="_blank" rel="noopener">teilweise führt die Volta Grande nur noch 20 % des eigentlichen Wassers</a>.</p>
<p>Beim Bau und bei der Erteilung der Betriebsgenehmigung wurden hunderte von richterlich festgehaltenen Vereinbarungen getroffen zum Schutze der 25 flussabwärts von Pimentel in der Volta Grande do Xingu befindlichen Fischer:innengemeinschaften und der dort sich ebenfalls befindlichen 3 indigenen Gemeinschaften, denn diese sind auf einen Mindestpegel des Xingu zu ihrem Überleben angewiesen. Nun spielt der Minister Alexandre Silveira die Rechte der lokalen Bevölkerung gegen die Interessen der Wirtschaftslobby mit dem eiskalten Argument der Stromnotlage und steigenden Preisen aus &#8211; und die damaligen Versprechen zum Schutz der Rechte der lokalen Bevölkerung wären dann &#8211; wieder einmal &#8211; nichts mehr wert. All dies &#8211; und noch viel mehr dessen, was dann auch eingetreten ist, hatten die Kritiker:innen den Befürworter:innen von Belo Monte aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entgegen gehalten, niemand wollte sie damals anhören. Und nun zahlen einmal mehr die lokalen Anwohner:innen, die Kleinfischer:innen und Indigenen den Preis für diese Ignoranz.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<div id="attachment_2849" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-scaled.jpg" data-dt-img-description="Der Staudamm Belo Monte am Xingu-Fluss in Pará. Krasses Beispiel, wie Infrastrukturvorhaben in den politischen Zentralen des Landes über die Köpfe der lokal Betroffenen vor Ort hinweg entschieden wurde. Foto: Christian Russau [2016]" data-large_image_width="2560" data-large_image_height="1920"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2849" class="size-medium wp-image-2849" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-300x225.jpg" alt="Der Staudamm Belo Monte am Xingu-Fluss in Pará. Krasses Beispiel, wie Infrastrukturvorhaben in den politischen Zentralen des Landes über die Köpfe der lokal Betroffenen vor Ort hinweg entschieden wurde. Foto: Christian Russau [2016]" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2023/04/Belo_Monte_foto_christian_russau_2016-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-2849" class="wp-caption-text">Der Staudamm Belo Monte am Xingu-Fluss in Pará. Krasses Beispiel, wie Infrastrukturvorhaben in den politischen Zentralen des Landes über die Köpfe der lokal Betroffenen vor Ort hinweg entschieden wurde. Foto: Christian Russau [2016]</p></div>
<div id="attachment_1672" style="width: 2058px" class="wp-caption alignnone"><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-scaled.jpg" data-dt-img-description="Der Kanal, der das Xingu-Wasser von der ersten Staustufe Pimentel zum Staureservoir von Belo Monte - unter Umgehung der Volta Grande do Xingu - umleitet. Foto: christian russau [2026]" data-large_image_width="2048" data-large_image_height="1536"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1672" class="size-medium wp-image-1672" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-300x225.jpg" alt="Der Kanal, der das Xingu-Wasser von der ersten Staustufe Pimentel zum Staureservoir von Belo Monte - unter Umgehung der Volta Grande do Xingu - umleitet. Foto: christian russau [2026]" width="300" height="225" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-300x225.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-1024x768.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-768x576.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-1536x1152.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-scaled.jpg 2048w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-100x75.jpg 100w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-150x113.jpg 150w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-200x150.jpg 200w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-450x338.jpg 450w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-600x450.jpg 600w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2018/02/DSCN7141-900x675.jpg 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-1672" class="wp-caption-text">Der Kanal, der das Xingu-Wasser von der ersten Staustufe Pimentel zum Staureservoir von Belo Monte &#8211; unter Umgehung der Volta Grande do Xingu &#8211; umleitet. Foto: christian russau [2026]</p></div>
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		<title>José Carlos Arara: immer aktiv im Widerstand gegen Belo Monte &#8211; nun hat ihn Covid-19 getötet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2020 10:36:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Arara]]></category>
		<category><![CDATA[Volta Grande]]></category>
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					<description><![CDATA[José Carlos Arara, Anführer der Arara-Indigenen der Terra Indígena Terrã Wãgã an der Volta Grande do Xingu und wichtiger Aktivist im Kampf gegen den Staudamm Belo Monte, ist am Dienstag, dem 9. Juni dieses Jahres an der dem Sars-Cov-2-Virus geschuldeten Krankheit Covid-19 verstorben. Er kämpfte gegen Belo Monte und Belo Sun, brachte das Gebahren der&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>José Carlos Arara, Anführer der Arara-Indigenen der Terra Indígena Terrã Wãgã an der Volta Grande do Xingu und wichtiger Aktivist im Kampf gegen den Staudamm Belo Monte, <a href="https://xinguvivo.org.br/2020/06/10/nota-de-pesar-e-solidariedade-jose-carlos-arara-tambem-encantou/">ist am Dienstag, dem 9. Juni dieses Jahres an der dem Sars-Cov-2-Virus geschuldeten Krankheit Covid-19 verstorben</a>. Er kämpfte gegen Belo Monte und Belo Sun, brachte das Gebahren der Firmen zur persönlichen Anzeige bei der Bundesstaatsanwaltschaft und war stets ein integrer Kämpfer, Verteidiger der Menschenrechte. Auch offen ausgesprochene Morddrohungen gegen ihn konnten ihn nicht von seinem Kampf abhalten.</p>



<p><br />In Erinnerung an Zé Carlos, wie ihn alle nannten, dokumentieren wir hier den Abschnitt aus dem Buch <a href="https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/VSA_Russau_Abstauben_in_Brasilien.pdf">&#8222;Abstauben in Brasilien. Deusche Konzerne im Zwielicht&#8220;</a>, in dem es um Zé Carlos ging:</p>



<p>Zé Carlos gehört zu denen, die wenig lächeln. Er ist wütend wegen dem, was vor nicht allzu langer Zeit seiner aldeia, seinem indigenen Dorf, zugestoßen ist. Zé Carlos Arara ist der indigene Anführer, der Kazike der Terra Indígena Arara, die in der Volta Grande, einer rund 100 Kilometer langen natürlichen Flussschleife des Xingu liegt, flussabwärts der ersten Staustufe von Belo Monte, Pimental, und flussaufwärts des Hauptturbinenhauses. Als Abkürzung des Flusslaufes haben die Staudammbetreiberin, das größtenteils aus staatlichen Energieversorgern zusammengesetzte Firmenkonsortium Norte Energia, und die Baufirmen einen kilometerlangen Kanal gezogen, der den Großteil des Flusswassers in das große Staureservoir leitet, das der Deich Nr. 6C sichert. Ende Februar 2016 war der sich zum Hauptwasserkraftwerk hin zuspitzende Stausee randvoll. Es hatte so viel geregnet, dass der Staubereich augenscheinlich schneller, als von den IngenieurInnen geplant, volllief. Oder aber diese hatten sich gründlich verrechnet.<br />Im Dorf der Arara leben über 100 Menschen, und sie verfügen über Radiofunk, über den sie mit der Außenwelt kommunizieren. Immer morgens zwischen acht und elf Uhr sowie am Nachmittag gegen drei Uhr steht die Verbindung. Zé Carlos hat ein Handy, über das er, wenn er Empfang hat, meistens erreichbar ist. Ende Februar war er in der Stadt Altamira, einige Bootsstunden flussaufwärts, um Besorgungen für die aldeia zu machen. Da klingelte am Abend sein Handy, und ein Mitarbeiter von Norte Energia rief an, um ihm mitzuteilen, dass sie jetzt die Schleusentore bei der ersten Staustufe Pimental öffnen würden und dort viel Wasser in die Volta Grande ablassen würden, sodass der dortige Wasserstand rapide steigen werde. Ob er die AnwohnerInnen davon in Kenntnis setzen könne? „Ich sagte Norte Energia, ich bin jetzt in Altamira. Ich habe Norte Energia am Telefon gefragt: ‚Kann man das nicht morgen machen? Jetzt kann ich die aldeia nicht erreichen und meine Leute nicht warnen, wenn wir das Morgen am Vormittag machen, alles kein Problem.‘ Und die Antwort von Norte Energia: ‚Keine Chance. Wir müssen das jetzt machen‘“. Das gibt Zé Carlos Arara Mitte März 2016 in Altamira der Bundesanwältin Thaís Santi zu Protokoll. Die Bundesstaatsanwältin ermittelt seit Jahren gegen die Betreiber- und Baufirmen von Belo Monte, hat bereits mehrere Klagen gegen sie eingereicht. Gemeinsam mit ihren KollegInnen der Bundesstaatsanwaltschaft in Belém sowie den LandesstaatsanwältInnen des Bundesstaats Pará nehmen sie die Beschwerden der von Belo Monte betroffenen Bevölkerung auf, ermitteln und erheben Anklage vor Gericht, um die Rechte der Betroffenen zu schützen. Doch die Gerichte lassen sich meist reichlich Zeit.<br />Zé Carlos war nach dem Telefonat in höchster Aufregung. Die Schleusentore zu öffnen, ohne dass die BewohnerInnen der aldeia vorher gewarnt worden waren. Er war sehr unruhig, konnte nicht einschlafen. „Ich bin früh am Morgen aufgestanden und habe versucht rauszufinden, was denn nun passiert ist. Um acht Uhr am Morgen habe ich es dann geschafft, die aldeia per Radio zu erreichen. Die haben mir dann sofort erzählt, dass in der Nacht auf einmal all das Wasser den Fluss runterkam und vieles von den Fluten mitgerissen wurde. Boote, Motoren, Netze, alles, was da abgelegt worden war. Und was nicht mitgerissen wurde, wurde oftmals zerstört von den Wassermassen. Die Zementmischung zum Beispiel, komplett aufgeweicht und somit nutzlos.“<br />Die Menschen rannten in Panik davon. Sie dachten, der Damm sei gebrochen. Bei Pimental sind die umgebenden Deiche rund elf Meter hoch, weiter flussabwärts kommen die Deiche auf 50 und 60 Meter Höhe. Das geht bis zu den 65 Metern bei Deich Nummer 6C. Nicht auszumalen, was passieren würde, wenn hier ein Deich Risse aufweisen sollte. „Das zeigt ganz klar: Norte Energia handelt unverantwortlich!“, so Thaís Santi. „Die haben nicht den geringsten Notfallkommunikationsplan! Und das betrifft die ganze Volta Grande.“ Die Bundesstaatsanwältin erklärt, dass es eine Vereinbarung gegeben habe, wonach man sofort nach der Versteigerung der Baulizenz für Belo Monte mit der Umsetzung des Plans zum Schutz der indigenen Bevölkerungen hätte beginnen müssen. Dieser wurde von der Indigenenbehörde Funai festgelegt und sieht für die indigenen Dörfer neben dem Bau von Schulen, Gesundheitsposten und Häusern sowie der Schaffung von alternativen Einkommensmöglichkeiten für die Indigenen die angemessene Konsultation und Beratung, Entschädigungen in Form von Konsumgütern sowie die Zusicherung vor, dass sich die Lebenssituation der Indigenen nicht verschlechtern dürfe. Am Rio Xingu gibt es laut diesem Schutzplan mehr als 30 indigene Dörfer und Territorien. Ein paar der Gebäude wurden gebaut, aber die ÄrztInnen fehlen. Die Indigenen bekamen Motorboote, aber zu wenig Benzin. Sie erhielten Mopeds, aber die Erdstraße ist bei Regen unbefahrbar. Sie erhielten Dieselaggregate zur Stromproduktion, aber nicht genug Diesel. Dann wurde eine Überlandleitung gebaut, die Dörfer wurden an das Stromnetz angeschlossen, und als Erstes wurden Stromzähler installiert. Die Flachbildschirme laufen den ganzen Tag, da die Menschen nicht mehr fischen gehen können, und die Stromrechnungen können sie nicht bezahlen. Dass die Indigenen angemessen konsultiert und befragt werden, dass ihnen garantiert wurde, es würde ihnen mit dem Staudamm nicht schlechter als zuvor gehen, und dass den betroffenen Indigenen durch kulturelle Maßnahmen ihre Identität bewahrt werde, das stellen die KritikerInnen infrage. All das hätte eigentlich schon 2010 passieren müssen. „Aber bis heute wurde dahingehend rein gar nichts unternommen“, kritisiert die Bundesstaatsanwältin.<br />Was umgesetzt wurde, sind „Computer, Cars and Cash“. So kommentiert es Todd Southgate, ein kanadischer Dokumentarfilmer. Seit Jahren beobachtet er die mit dem Staudammprojekt Belo Monte zusammenhängenden Veränderungen in den aldeias der Volta Grande. Wo die Indigenen am Xingu zuvor fischten und sich selbst versorgen konnten, trinken sie nun gelieferte Softdrinks aus PET-Flaschen, schauen unterirdische Fernsehshows der Medienzentralen aus dem Süden des Landes und können Fisch meist nur noch essen, wenn sie in die Stadt fahren und dort im Supermarkt Tiefkühlfisch aus Südbrasilien, Thailand oder dem Nordatlantik kaufen. „Die vielfältige indigene Kultur am Xingu wurde durch Belo Monte in all ihren Facetten zerstört“, so Southgate.<br />Die neuen Bootsmotoren, die Autos, die Mopeds, das Benzin, die Flachbildschirme und die Computer, die die Staudammbetreiberin Norte Energia an die verschiedenen indigenen Dörfer entlang des Xingu-Flusses als Entschädigungen für den Bau von Belo Monte verteilt hat, haben Zwietracht gesät. „Vorher waren wir hier 18 indigene Dörfer, dann kamen die vielen Geschenke von Norte Energia, und es gab Neid und Streit zwischen den verschiedenen Gruppen, sodass sich einige abgesondert haben“, sagt Gilliard Juruna, Kazike im kleinen Dorf Muratu. „Heute sind es 45 aldeias“, so Gilliard. Das alte Teile und Herrsche? „Ja“, sagt Gilliard, „das war die Strategie, sie wollten uns spalten, um unseren Widerstand zu schwächen.“<br />Thaís Santi spitzt den Vorwurf noch zu. „Meine Ermittlungen in dem Fall haben ergeben, dass die Auswirkungen des Staudammbaus nicht wie vorgeschrieben gemindert, sondern im Gegenteil sich verschärft haben. Die Untersuchungen aller Dokumente, Zeugen- und Betroffenenaussagen sowie selbst die Studien der Indigenenbehörde Funai ergeben das gleiche Bild: Bei Belo Monte handelt es sich um einen Ethnozid.“ Durchgeführt vom brasilianischen Staat und der Staudammbetreiberin Norte Energia. Über die Zuwendungen würden Abhängigkeiten geschaffen und die Sozial- und Alltagsstruktur in den aldeias zerstört. „Was hier vorgeht, ist ein kompletter Umbruch des Lebenswandels, der Ernährung, der Arbeitswelt der Indigenen“, so Santi, die in São Bernardo do Campo südlich von São Paulo geboren wurde, in Curitiba in Südbrasilien aufwuchs und seit vier Jahren als Bundesstaatsanwältin in Altamira arbeitet. Sie hat 2015 wegen Ethnozid Klage bei Gericht gegen Belo Monte eingereicht. „Während ein Genozid die Völker physisch ermordet, tötet ein Ethnozid sie in ihrem Geist“, erklärt sie. Eine ganze Kultur und Lebensweise stehe hier auf dem Spiel.<br />Bevor sie als Bundesstaatsanwältin anfing, arbeitete sie als Universitätsprofessorin für Philosophie. Ihre Abschlussarbeit hat sie über Hannah Arendts Totalitarismustheorie verfasst. Mit ihren StudentInnen, so erzählt sie, habe sie oft diskutiert über eine Welt, in der alles möglich ist, eine Welt am Rande der Legalität, eine Welt des Terrors. Und das, sagt Thaís Santi, habe sie am Xingu vorgefunden. „Belo Monte ist ein Ethnozid in einer Welt, in der alles möglich ist.“ Denn dieser Großstaudamm zeige die Extremseite eines als flexibel handhabbar verstandenen Rechts. Die Verletzung der Rechte der vom Staudammprojekt Belo Monte betroffenen Menschen sei ein Verfassungsbruch. Vor Gericht werde aber nicht mit dem Recht argumentiert, sondern mit der Kraft des Faktischen. „Die Staudammbetreiberin entgegneten den Klagen mit dem Argument, wie viel schon für den Bau ausgegeben worden sei und wie viele BauarbeiterInnen bei Einstellung des Projekts ihren Job verlieren würden. […] Dass der Bau von Belo Monte weiterging, das ist der Terror der Welt des Faktischen, in der alles möglich ist, in der das Recht keine Grenzen mehr setzt. Die Welt des ‚Alles ist möglich‘ – das ist Belo Monte“, so Thaís Santi.</p>



<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org">Christian Russau</a></p>
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		<title>Staudamm Belo Monte: Bundesstaatsanwaltschaft fordert Revision der festgelegten Durchflussmengen des Xingu-Fluss</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/staudamm-belo-monte-bundesstaatsanwaltschaft-fordert-revision-der-festgelegten-durchflussmengen-des-xingu-fluss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Sep 2019 10:23:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Volta Grande]]></category>
		<category><![CDATA[Xingu]]></category>
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					<description><![CDATA[Anwohner*innen und die Fischmigration leiden unter den nach Wirtschaftlichkeitskriterien für den Staudamm festgelegten Wasserdurchflussmengen. Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft fordert eine schnelle und grundlegende Revision der festgelegten Durchflussmengen für den Staudamm Belo Monte am Xingu-Fluss im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Denn die Anwohner*innen beschweren sich seit Inbetriebnahme der ersten Turbinen 2016, dass die Wassermenge der sogenannten Großen Flusschleife&#8230;]]></description>
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<p>Anwohner*innen und die Fischmigration leiden unter den nach Wirtschaftlichkeitskriterien für den Staudamm festgelegten Wasserdurchflussmengen. </p>



<p>Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft fordert eine schnelle und 
grundlegende Revision der festgelegten Durchflussmengen für den Staudamm
 Belo Monte am Xingu-Fluss im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Denn
 die Anwohner*innen beschweren sich seit Inbetriebnahme der ersten 
Turbinen 2016, dass die Wassermenge der sogenannten Großen Flusschleife 
(&#8222;Volta Grande do Xingu&#8220;) ihren Bedürfnissen nicht gerecht wird. Auf 100
 Kilometer Länge wird der Volta Grande bis zu 80 Prozent der Wassermenge
 entzogen, um diese mittels des damals für den Staudamm Belo Monte 
ausgehobenen Kanals in das neue große Reservoir der Wasserkraftanlagen 
zu leiten und dort die errechnete Wirtschaftlichkeit des Staudamms zu 
gewährleisten. Das sogenannte &#8222;Konsenshydrogramm&#8220; legte fest, dass rund 
80 Prozent des Xingu-Flusses für den Antrieb der Turbinen des Kraftwerks
 verwendet werden und eben nur 20 Prozent in die Große Flusschleife 
gelangen müsste, dies sei ausreichend für die dortigen 
Flussanwohner*innen. Die Staatsanwaltschaft MPF hat aber nun 
festgestellt, dass diese Zahl damals ohne die notwendigen technischen 
Studien definiert wurde und jetzt zeigten sich die negativen Folgen für 
den Fluss, das lokale Biom und die nahewohnende einheimische 
Bevölkerung.<br />Den Einwohner*innen entlang der Flussschleife geht durch
 den Niedrigstand des Wasser die Möglichkeit des durchgängigen 
Flusstransports abhanden, und die Fischmigration hat durch die Stauwerke
 stark gelitten. Durch den Niedrigstand des Flusses wird auch das Wasser
 brackiger und sauerstoffärmer, da es sich mehr und mehr teilweise um 
gänzlich stehendes Wasser handelt, was der Fischpopulation zusetzt.<br />Die
 Bundesstaatsanwaltschaft MPF will nun die Revision dieses 
&#8222;Konsenshydrogramm&#8220;, und stellt dabei auch gleich klar, warum allein 
schon der Name irreführend sei. &#8222;Dieser technische Name kann irreführend
 sein, denn das Konsensus-Hydrogramm bedeutet nicht, dass dies 
ausgehandelt wurde&#8220;, sagte Ubiratan Cazetta, Staatsanwalt in Pará, 
gegenüber <a href="https://m.br.investing.com/news/stock-market-news/mpf-quer-rever-vazao-da-hidreletrica-de-belo-monte-que-teme-enormes-prejuizos-681549?fbclid=IwAR0CJoHjoAantE_XhozETOXAwHiK-wNZ2BGKf0_cBc7oC0QYGAKbi7qvMG0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medien</a>. Zudem gebe hinreichende &#8222;Elemente, die darauf hindeuten, dass das ganze so nicht nachhaltig ist&#8220;, so Cazetta.</p>



<p>Ein
 Vorfall von Februar 2016, als die Ingenieur*innen das Staureservoir 
rechtzeitig zur pompösen Eröffnung im Mai genügend gefüllt haben 
wollten, zeigt das Dilemma zwischen Wirtschaftlichkeit für den Damm und 
massiven Risiken für die flussabwärts lebende Bevölkerung:</p>



<p>Zé  Carlos gehört zu denen, die wenig lächeln. Er ist wütend wegen dem, was  vor nicht allzu langer Zeit seiner aldeia, seinem indigenen Dorf,  zugestoßen ist. Zé Carlos Arara ist der indigene Anführer, der Kazike  der Terra Indígena Arara, die in der Volta Grande, einer rund 100  Kilometer langen natürlichen Flussschleife des Xingu liegt, flussabwärts  der ersten Staustufe von Belo Monte, Pimental, und flussaufwärts des  Hauptturbinenhauses. Als Abkürzung des Flusslaufes haben die  Staudammbetreiberin, das größtenteils aus staatlichen Energieversorgern  zusammengesetzte Firmenkonsortium Norte Energia, und die Baufirmen einen  kilometerlangen Kanal gezogen, der den Großteil des Flusswassers in das  große Staureservoir leitet, das der Deich Nr. 6C sichert. Ende Februar  2016 war der sich zum Hauptwasserkraftwerk hin zuspitzende Stausee  randvoll. Es hatte so viel geregnet, dass der Staubereich  augenscheinlich schneller, als von den Ingenieur*innen geplant,  volllief. Oder aber diese hatten sich gründlich verrechnet.<br />Im Dorf  der Arara leben über 100 Menschen, und sie verfügen über Radiofunk, über  den sie mit der Außenwelt kommunizieren. Immer morgens zwischen acht  und elf Uhr sowie am Nachmittag gegen drei Uhr steht die Verbindung. Zé  Carlos hat ein Handy, über das er, wenn er Empfang hat, meistens  erreichbar ist. Ende Februar war er in der Stadt Altamira, einige  Bootsstunden flussaufwärts, um Besorgungen für die aldeia zu machen. Da  klingelte am Abend sein Handy, und ein Mitarbeiter von Norte Energia  rief an, um ihm mitzuteilen, dass sie jetzt die Schleusentore bei der  ersten Staustufe Pimental öffnen würden und dort viel Wasser in die  Volta Grande ablassen würden, sodass der dortige Wasserstand rapide  steigen werde. Ob er die Anwohner*innen davon in Kenntnis setzen könne?  &#8222;Ich sagte Norte Energia, ich bin jetzt in Altamira. Ich habe Norte  Energia am Telefon gefragt: ‚Kann man das nicht morgen machen? Jetzt  kann ich die aldeia nicht erreichen und meine Leute nicht warnen, wenn  wir das Morgen am Vormittag machen, alles kein Problem.‘ Und die Antwort  von Norte Energia: ‚Keine Chance. Wir müssen das jetzt machen‘&#8220;. Das  gab Zé Carlos Arara Mitte März 2016 in Altamira der Bundesanwältin Thaís  Santi zu Protokoll. Die Bundesstaatsanwältin ermittelt seit Jahren  gegen die Betreiber- und Baufirmen von Belo Monte, hat bereits mehrere  Klagen gegen sie eingereicht. Gemeinsam mit ihren KollegInnen der  Bundesstaatsanwaltschaft in Belém sowie den Landesstaatsanwält*innen des  Bundesstaats Pará nehmen sie die Beschwerden der von Belo Monte  betroffenen Bevölkerung auf, ermitteln und erheben Anklage vor Gericht,  um die Rechte der Betroffenen zu schützen. Doch die Gerichte lassen sich  meist reichlich Zeit.<br />Zé Carlos war nach dem Telefonat in höchster  Aufregung. Die Schleusentore zu öffnen, ohne dass die BewohnerInnen der  aldeia vorher gewarnt worden waren. Er war sehr unruhig, konnte nicht  einschlafen. &#8222;Ich bin früh am Morgen aufgestanden und habe versucht  rauszufinden, was denn nun passiert ist. Um acht Uhr am Morgen habe ich  es dann geschafft, die aldeia per Radio zu erreichen. Die haben mir dann  sofort erzählt, dass in der Nacht auf einmal all das Wasser den Fluss  runterkam und vieles von den Fluten mitgerissen wurde. Boote, Motoren,  Netze, alles, was da abgelegt worden war. Und was nicht mitgerissen  wurde, wurde oftmals zerstört von den Wassermassen. Die Zementmischung  zum Beispiel, komplett aufgeweicht und somit nutzlos.&#8220;<br />Die Menschen  rannten in Panik davon. Sie dachten, der Damm sei gebrochen. Bei  Pimental sind die umgebenden Deiche rund elf Meter hoch, weiter  flussabwärts kommen die Deiche auf 50 und 60 Meter Höhe. Das geht bis zu  den 65 Metern bei Deich Nummer 6C. Nicht auszumalen, was passieren  würde, wenn hier ein Deich Risse aufweisen sollte. &#8222;Das zeigt ganz klar:  Norte Energia handelt unverantwortlich!&#8220;, so Thaís Santi. &#8222;Die haben  nicht den geringsten Notfallkommunikationsplan! Und das betrifft die  ganze Volta Grande.&#8220;</p>



<p>// <a href="http://www.outro-mundo.org">christian russau</a></p>
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