Itaipu: Neu aufgetauchte Photos zeigen Menschenverachtung von Staudammbauern

Der Bau des damals, Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, weltgrößten Staudamms Itaipu gerät auch im nachhinein immer tiefer in den Sog menschenverachtender Praxis von Großprojekten. Gerade publik gewordene Photos zeigen, wie 1981 brasilianische Mitarbeiter des Wasserkraftwerks Itaipu vor von ihnen in Brand gesteckten Hütten indigener Guarani mit Daumen hoch posen; die Guarani waren den „Argumenten“, freiwillig ihr Land für Bau und Flutung des Itaipu-Stausees zu verlassen, zuvor nicht gefolgt. Darüber berichtet die brasilianische Investigativseite The Intercept.

Die Photos sind datiert auf Juli 1981. Damals herrschte in Brasilien noch die Militärdiktatur. Die Photos wurden von einem ehemaligen Mitarbeiter der Staudammbetreiberin Itaipu an MitarbeiterInnen der brasilianischen Wahrheitskommission übergeben. Die auf den Photos zu sehenden Mitarbeiter der Staudamm-Firma wurden unkenntlich gemacht. Der Abschlussbericht der Wahrheitskommission des Bundesstaats von Paraná, basierend auf Berichten, Aussagen und Interviews von sowohl Ex-Mitarbeitern der Staudammfirma als auch von Indigenen, die vor Ort lebten, berichtet von Greueltaten. Ein ehemaliger Angestellter sagte gegenüber der Wahrheitskommission aus: „Indios muss man mit Knüppeln behandeln, weil die mögen keine seichten Sachen“. Des Weiteren bezog er sich, wenn er von indigenen Guarani sprach, stets von dem „geilen, gierigen Pack“. Ein ehemaliger Bewohner sagte dem Pressebericht zufolge aus, dass die Anweisung, auch unter Aufsicht und mit Billigung der Bundesagrarreformbehörde Incra vonstatten gegangen sein soll. Die entsprechende Devise zum Umgang mit den Häusern der indigenen Guarani lautete demnach: „Da kamen die und sagten, ‘steck das Haus in Brand’ […] Und wenn da niemand weg wollte, dann kamen sie und haben das in Brand gesteckt. Die haben ihnen nicht einmal gesagt, warum sie dort wegmussten, die haben nichts dergleichen erklärt. Und da war nur die [Agrarreformbehörde] Incra vor Ort anwesend, keine Polizei“.

Ein weiterer ehemaliger Bewohner beklagte sich ebenfals über Incra: „[Die vom] Incra kommen hierher, vertreiben uns von unserem Land, jagen uns Angst ein. bedrohen uns, jagen uns davon, stecken unsere Häuser in Brand, setzen unsere Felder in Brand. Drohen dir, ins Bein zu schiessen, wenn du nicht auf den LKW aufspringst, der dich nach Paraguay abschiebt“.

Damals lebten dort, wo nun seit Jahrzehnten der 1.350 km² große Stausee liegt, Dutzende von Indígena-Familien. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, um dem „Fortschritt“ Platz zu machen.

// christianrussau

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