Langzeitstudie in Amazonien zu flussabwärts hinter Staudämmen befindlichen Wäldern deutet auf vermehrtes Baumsterben hin

Eine internationale Gruppe von Forscher*innen hat sich in einer Langzeitstudie den Folgen für Bäume in natürlichen Überschwemmungsgebieten flussabwärts von Staudämmen in Amazonien gewidmet. Bei der Analyse des seit 1991 in Betrieb befindlichen Staudamms Balbina, am Rio Uatumã im Bundesstaat Amazonas bei Manaus gelegen, zeigte sich, dass die natürlicherweise in Überschwemmungsgebieten stehenden Bäumen in großer Zahl abgestorben sind. Überschwemmungen bis zu 300 Tage am Stücke konnten historisch den bis zu mehrere hundert Jahre alten Bäumen wie den castanha-do-pará-Bäumen nichts anhaben, aber seit der Inbetriebnahme des 250 MW-Staudamms Balbina ist ein Großteil der Bäume abgestorben. Laut den Forscher*innen sei durch die 33 Meter hohe Staumauer flussabwärts der Wasserpegel nicht mehr jahreszeitlich entsprechend gestiegen oder gefallen, sondern die höchsten Fluten wurden geringer, da die Wassermassen zur Füllung des bis zu 2.360 Quadratkilometer großen See mit einem Speicherraum von 17.540 Millionen Kubikmeter genutzt wurden. Gleichzeitig haben sich aber die Niedrigwasserstände erhöht, so dass in einigen flussangrenzenden Regionen die Überschwemmungen weniger hoch, aber dafür langanhaltender wurden. Diesem Wasserstress ausgesetzt, so die Forscher*innen, verloren die Bäume ihre Widerstandskraft und starben ab. Diese Folgen zeigten sich auf einer flussabwärts des Staudamms gelegenen Strecke von bis zu 100 Kilometer. „Unsere Hauptthese ist“, so der am Institut INPA arbeitenden Wissenschaftler Jochen Schöngart, „dass die Bäume wegen der Störungen im hydrologischen System, die wiederum im Zusammenhang mit dem Betrieb des Staudamms Balbina stehen, absterben“, so der Forscher laut einem Bericht eines brasilianischen Internetportals.
Laut den Forscher*innen konzentrierten sich die meisten Umweltverträglichkeits- und Umweltfolgenstudien auf die sozialen und Umweltauswirkungen im direkten Einzusgebiet eines Staudamms wie dem Staureservoir und zu selten auf die flussabwärts, teilweise bis zu 100 KIlometer weiter reichenden dortigen Folgen. Zudem warnten die Forscher*innen vor weiterer erhöhter Methanproduktion durch diese abgestorbenen Bäume. Diese Erkenntnis wirkt umso schlimmer, da im vergangenen Jahr eine umfassende internationale Studie zu dem Ergebnis gekommen war, dass Staudämme vor allem in tropischen Regionen bis zu 25% mehr Methan ausstoßen als bisher angenommen. Methan gilt als 25 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. das Diktum der Wasserkraft als „klimaschonender“ Energieproduktion bedarf einer gründlichen Neuüberprüfung.

// Christian Russau

Mehr Informationen zum weltweiten Geschäft mit der Wasserkraft, ihren ökologischen Folgen und den Verbindungen zu europäischen Konzernen finden sie in in unserer aktuellen Studie.

 

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