Weiter Ärger und Querelen um den Staudamm Hidroituango

Um den im Mai beinahe gebrochenen Staudamm Hidroituango – rund 170 Kilometer nordöstlich von Medellín am Fluss Cauca gelegen – gibt es weiter Ärger und Querelen.

Von Christian Russau

Der mit geplanten 2,4 Gigawatt künftig größte Staudamm Kolumbiens, Hidroituango, der bei Fertigstellung 17 Prozent von Kolumbiens Elektrizität geliefert hätte und der im Mai dieses Jahres kurz vor dem Bruch stand und weswegen zehntausende Menschen zwischenzeitlich zwangsumgesiedelt werden mussten, sorgt weiter für erbitterten Streit in Kolumbien. Während weiterhin hunderte Zwangsevakuierte in überfüllten Behelfsunterkünften ausharren, die Widerstandsbewegung Ríos Vivos weiterhin die Bauarbeiten scharf kritisiert und vor den Risiken warnt, weist der kolumbianische Kontrollrechnungshof mit Nachdruck in seinem neuesten Prüfungsbericht auf 35 Konstruktions- und baurechtliche Genehmigungsunregelmässigkeiten beim Bau des Staudamms Hidroituango hin. Daraufhin ließ der Gouverneur des Departamentos von Antioquia, Luis Perez, öffentlich erklären, für die in dem Bericht genannten offensichtlichen Bau-, Plaungs- und Konstruktionsfehler sei die unter Vertrag genommene Baufirma, das Konsortium CCC, verantwortlich, es werden jedenfalls keine weiteren Gelder für den Bau bereitgestellt werden.

Indessen ließ die mit 50,74 Prozent staatliche Mehrheitseigentümerin Instituto para el Desarrollo de Antioquia (IDEA) erklären, sie hoffe, dass die Versicherung den absehbaren Schaden der in Zukunft entgangenen Gewinne den Eigentümern von Hidroituango entschädigen werde. Die Versicherungspolicen decken GegenStrömung-Recherchen zufolge insgesamt bis zu 3,178 Mrd US-Dollar ab. Mit bis zu 2,55 Milliarden US-Dollar werden dabei folgende Versicherungsfälle abgedeckt: Schäden an Infrastuktur und Baumaterialien, weitere 628 Millionen US-Dollar decken die sogenannten „entgangenen Gewinne“ ab. Die Versicherungspolicen indes sehen GegenStrömung-Recherchen zufolge keine Versicherungsleistungen für Schäden bei Dritten vor. Die Betroffenen gehen mal wieder leer aus.

Die aus Deutschland an dem Versicherungsgeschäft von Hidroituango beteiligten Firmen sind bei der Versicherung die Allianz, bei der Rückversicherung die Münchener Rück und die Hannover Rück.

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