Weiter Streit um den Staudamm Sinop im Bundesstaat Mato Grosso wegen Fischsterbens

Das Wasserkraftwerk Sinop am Fluss Teles Pires, im zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso gelegen, hat nach Presseberichten den Betrieb vor Kurzem wieder aufgenommen. Das unter anderem im Besitz der französischen Firma EDF und im Besitz der brasilianischen Eletrobras befindliche 400-Megawattkraftwerk war im September vergangenen Jahres durch behördlichen Beschluss vorübergehend stillgelegt worden, da es durch das Kraftwerk zu wiederholtem massiven Fischsterben gekommen war. Nun urteilte ein Gericht, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden könne. Die Betreiberfirma Sinop Energia erklärte, die vom zuständigen Gericht erteilte einstweilige Verfügung erlaube dies, – dies obwohl noch immer die entsprechende Erlaubnis seitens der Landesumweltbehörde ausstehe. Dem widersprach die Umweltbehörde. Das Internetportal Terra zitierte die Behörden, die die Wiederaufnahme des Betriebs erst gestatten wollen, wenn alle Ergebnisse der Umbaumaßnahmen an den Überlaufrohren sowie dem Turbinentrakt ausgewertet seien, was bislang noch nicht geschehen sei. Solang dies nicht geschehen sei, bestehe weiterhin Gefahr für die Fischpopulationen. Die Behörde kritisierte, dass die Staudammbetreiberfirma einen Managementplan vorgelegt habe, der von idealisierten Bedingungen ausgehe, „was nicht der Fall“ sei. Außerdem habe die Firma es unterlassen, einen Notfallplan für wiederholte Vorkommnisse von Fischsterben vorzulegen. Die Umweltbehörde erklärte, sie werde gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch beim zuständigen Gericht einreichen.

Im August 2020 war es zum wiederholten Male zum Tod hunderter von Fischen verschiedener Arten im Fluss Teles Pires infolge des Betriebs des Wasserkraftwerks Sinop in den Bezirken Cláudia und Itaúba, 70 Kilometer von der Kleinstadt Sinop entfernt im zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, gekommen. Das Wasserkraftwerk liegt in direkter Anbindung an die Soja-Route der Bundesstraaße BR-163. Zunächst gab es mehrere Berichte von Fischer:innen, die eine große Anzahl von Piau, Matrinchã, Pacu, Curimba, Cachara, Tucunaré und anderen Arten tot im Wasser treibend in der Nähe des Staureservoirs des Wasserkraftwerks sichteten. Die Fischer:innen nahmen Bilder von den vielen toten Fischen unterschiedlicher Größe und Gewicht auf, die an den Ufern des Flusses lagen.

Die Betreiberfirma des Wasserkraftwerks teilte damals zu dem Vorgang auf ihrer Webseite mit, dass „infolge der Dürre der Wasserstand des Reservoirs bis nahe an die Minimalgrenze gesunken ist und die Kraftwerksblöcke gestoppt werden mussten. Vor diesem Hintergrund wurden entlang des Kraftwerkstaudamms schwimmende Fischarten beobachtet. Sofort beauftragte das Unternehmen die Teams mit der Abholung der Kadaver und ihrem korrekten Bestimmungsort“. Presseberichten zufolge war der Wasserspiegel wegen Trockenheit damals stark gefallen, so dass die Turbinen abgeschaltet und die Überläufe geschlossen werden mussten. Zur Ursache erklärte die betreiberfirma des Kraftwerks Sinop: „Die aquatische Umwelt in der Nähe des Reservoirs kann sich vorübergehend verändern und sich gelegentlich auf die Fische auswirken. Es ist jedoch erwähnenswert, dass diese Art von Manöver zum Betrieb eines Wasserkraftwerks gehört und in der Umweltgenehmigung vorgesehen ist. Die Standortbedingungen werden beobachtet, um die Hypothese des eingetretenen Ereignisses unter Berücksichtigung der verschiedenen Aspekte zu bewerten, damit so schnell wie möglich die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden können. Die Companhia Energética Sinop bekräftigt, dass sie die Gesetzgebung und die Umweltgenehmigungen einhält und ihr Engagement für die Umwelt und die Erzeugung sauberer und erneuerbarer Energie schätzt“, sagte das Unternehmen.

Doch lokale Medien wollten diese Erklärung nicht so einfach stehen lassen. Laut Aussage eines anonym bleibenden Spezialisten war die Folge der Schließung der Anlage stehendes Gewässer, in dem es schnell an Sauerstoff für die im Wasser lebenden Fische mangelte. Denn, so der Spezialist, laut Umweltgenehmigung hätte die Firma vor Flutung des Staureservoirs bis zu 80 Prozent der im Gelände vorhandenen Vegetation entfernen müssen, damit diese absterbende Biomasse nicht später klimaschädliches Methan in die Umwelt entlasse und auch nicht zur Umkippung des Sees beitragen dürfe. Laut dem anonymen Spezialisten habe die Firma aber statt 80 damals nur 30 Prozent der Biomasse entfernt.

Die Umweltbehörden widersprechen zudem der Firma, dass Vorgänge wie solch ein Fischsterben durch die Umweltfolgenstudie als eine mögliche Folge definiert worden sei, die qua Umweltgenehmigung erlaubt wäre. Denn dies sind zwei verschiedene Sachen. Eine ist die Warnung vor dem Ereignis in der Umweltfolgenstudie, die andere wäre, dass die Umweltgenehmigung dies erlauben würde, wie Medien berichteten.

Dies war nicht das erste Fischsterben wegen des Wasserkraftwerks Sinop. Bereits im Februar 2019 starben rund 13 Tonnen Fisch und erst im März 2020 kam es damaligen Presseberichten zufolge „zum größten Fischsterben seit der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes“.

// christian russau

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