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	<title>Allgemein &#8211; GegenStrömung</title>
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	<title>Allgemein &#8211; GegenStrömung</title>
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	<item>
		<title>Staudamm Belo Monte: Bundesjustiz läßt Klage der Bundesstaatsanwaltschaft MPF wegen Ethnozids an Indigenen Völkern zu</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/staudamm-belo-monte-bundesjustiz-laesst-klage-der-bundesstaatsanwaltschaft-mpf-wegen-ethnozids-an-indigenen-voelkern-zu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 07:39:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnozid]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit zehn Jahren ist der Staudamm Belo Monte in Betrieb. Dagegen laufen seit der ersten Bauphase noch immer Dutzende an Verfassungsklagen, die noch immer nicht entschieden wurden. Nun gibt es eine neue Klage, die von der Bundesjustiz zugelassen wurde: Die juristische Klärung des Vorwurfs, ob der Staudamm Belo Monte für die Indigenen Völker vor Ort&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Seit zehn Jahren ist der Staudamm Belo Monte in Betrieb. Dagegen laufen seit der ersten Bauphase noch immer Dutzende an Verfassungsklagen, die noch immer nicht entschieden wurden. Nun gibt es eine neue Klage, die von der Bundesjustiz zugelassen wurde: Die juristische Klärung des Vorwurfs, ob der Staudamm Belo Monte für die Indigenen Völker vor Ort einen Ethnozid bedeutet.</strong></em></p>
<p>Seit 2011 war der 11-GW-Staudamm Belo Monte auf Betreiben Brasílias am Fluss Xingu gebaut worden, seit 2016 ist dieser in Betrieb. Bereits vor Beginn der Bauarbeiten hatten Indigene, Umweltschützer:innen, Menschenrechtsaktivist:innen und Nichtregierungsorganisationen aus dem In- wie Ausland vor den Folgen des Staudammbaus gewarnt und Wissenschaftler:innen wiesen zudem auf die sich infolge jahreszeitlicher Schwankungen bei der zur Stromerzeugung verfügbaren Wassermenge ergebenden ökonomischen Risiken hin, die nur durch Externalisierung der Impakte auf die lokale Bevölkerung der rund 100 km Flusslänge der Volta Grande gemildert werden könnte. Letzteres ist der Grund für den noch immer anhaltenden Streit um die Verteilung der Wassermenge, die durch das per Ableitungskanal zum Wasserkraftwerk Belo Monte gesetzlich hinzugeführt werden darf und wieviel Wasser der seit dem Staudammbau teilweise bis zu 80 Prozent auf dem Trockenen sitzenden lokalen Bevölkerung in der Volta Grande do Xingu zugeführt werden muss. Zudem mehren sich seit Jahren die Stimmen der vom Staudamm negativ betroffenen Indigenen, dass Belo Monte ihre verfassungsgemässen Grundrechte mißachtet und dass die Auswirkungen von Belo Monte einem Ethnozid an den Indigenen bedeute.</p>
<p>Diese äußerst schwerwiegenden Vorwürfe nahm nun die Bundesstaatsanwaltschaft MPF zum Anlass und reichte bei der Bundesjustiz Klage ein, damit ein Gericht sich der Frage widme und untersuche, ob Belo Monte einen Ethnozid an den Indigenen bewirke. Diese Anzeige &#8211; die Aufforderung der MPF an die Bundesjustiz, die Frage kompetent zu analysieren &#8211; hatte die Staudammbetreiberin Norte Energia zurückgewiesen und ist damit nun vor Gericht gescheitert. Das zuständige Gericht (Tribunal Regional Federal da 1ª Região, TRF1) <a href="https://www.mpf.mp.br/o-mpf/unidades/prr1/noticias/abril-indigena-a-pedido-do-mpf-trf1-garante-pericia-independente-para-apurar-etnocidio-em-belo-monte" target="_blank" rel="noopener">entschied am gestrigen 8. April</a>, dass es die Klage der MPF zulasse, um in einem Gerichtsverfahren die sozio-ökologischen Schäden des Wasserkraftwerks Belo Monte in einer multidisziplinären ökologischen Begutachtung in vollem Umfang zu untersuchen. Die Entscheidung des TRF1 gewährleiste die Fortsetzung des Gerichtsverfahrens und der Beweisaufnahme zur Aufklärung des Ethnozids und des sozialen Zerfalls der Völker des Mittleren Xingu, so berwertet die Bundesstaatsanwaltscaft MPF den Entschluss der Bundesgerichts(https://www.mpf.mp.br/o-mpf/unidades/prr1/noticias/abril-indigena-a-pedido-do-mpf-trf1-garante-pericia-independente-para-apurar-etnocidio-em-belo-monte). Das Gutachten zu der Analyse des Vorwurfs des Ethnozids an den Indigenen Völker soll, so das Gericht, erstellt werden von Sociedade Brasileira para o Progresso da Ciência (SBPC). Diese weise aufgrund ihrer anerkannten Neutralität und ihrer Fähigkeit, verschiedene Fachbereiche zu vereinen, ausgewählt, wodurch eine Distanz zu jenen vorherigen Umweltfolgenstudien geschaffen werde, die vom Unternehmen selbst finanziert und geleitet wurden. Darüber hinaus ermögliche der Prozess auf Basis der Analyse die Fortsetzung dringender Maßnahmen, die für das Überleben der traditionellen Gemeinschaften lebenswichtig sind, wie die Durchführung einer Finanzprüfung der Mittel der Indigenen-Komponente (PBA-CI) und die Analyse dringender Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Territorialschutz in den indigenen Gebieten Paquiçamba und Cachoeira Seca&#8220;, so heißt auf der <a href="https://www.mpf.mp.br/o-mpf/unidades/prr1/noticias/abril-indigena-a-pedido-do-mpf-trf1-garante-pericia-independente-para-apurar-etnocidio-em-belo-monte" target="_blank" rel="noopener">Webseite der Bundesstaatsanwaltschaft</a>.</p>
<p>Die Staudammbetreiberfirma hatte gefordert, dass statt einer unabhängigen Untersuchung durch Dritte die Bundesbehörden IBAMA und FUNAI entsprechende Analysen und Berichte vorzunehmen hätten, was die Bundesstaatsanwaltschaft ablehnte, da die seit zehn Jahren sich kumulierenden Kritikpunkte in Bezug auf die negativen Auswirkungen von Belo Monte auf die Indigenen Völker vor Ort auch auf das Versagen der beiden Bundesbehörden zurückzuführen sei, die entsprechend auch selbst Gegenstand der Analyse sein müssten. &#8222;Den Fortgang des Gerichtsverfahrens von der Überprüfung der Auswirkungen durch eben jene Behörde abhängig zu machen, deren Verhalten selbst Gegenstand der gerichtlichen Überprüfung ist, bedeutet, die Justiz vom Rechtsverletzer abhängig zu machen, was die Unabhängigkeit der Instanzen verletzt. Die Feststellung von Mängeln darf niemals von der IBAMA im selben Verfahren vorgenommen werden, das sie selbst leitet&#8220;, erklärte Staatsanwalt Felício Pontes. das Gericht folgte ihm in dieser Einschätzung. Die Bundesstaatsanwaltschaft MPF wies zudem darauf hin, dass sich die Umweltgenehmigungen der IBAMA ihrerseits auf künftige Maßnahmen konzentriere, während nur der Rechtsweg vor Gerichten wie diesem letztlich geeignet sei, zivilrechtliche Schadensersatzansprüche für bereits während des Baus und des Betriebs des Kraftwerks begangene Rechtsverletzungen zu klären. &#8222;Die Justiz darf nicht untätig bleiben und auf den Abschluss von Verfahren warten, die von Behörden durchgeführt werden, deren eigenes Handeln Gegenstand der Klage ist, und das zudem mit einer Verzögerung von einem Jahrzehnt&#8220;, argumentierte der Staatsanwalt. Somit wird sich nun die brasilianische Bundesjustiz der Frage widmen, ob Belo Monte einen Ethnozid an den Indigenen Völkern vor Ort bedeutet oder nicht.</p>
<p>// <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung geschlechtergerecht umsetzen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/menschenrecht-auf-wasser-und-sanitaerversorgung-geschlechtergerecht-umsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Löbbecke T.]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 13:59:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Frei Fließende Flüsse]]></category>
		<category><![CDATA[gender]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 19.03.2026 hat GegenStrömung im Bündnis aus Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen anlässlich des Internationalen Weltwassertags am 22. März 2026, der unter dem Motto „Water and Gender“ steht, die Bundesregierung aufgefordert, Geschlechtergerechtigkeit systematisch und strukturell in der internationalen Wasser-, Klima- und Entwicklungspolitik zu verankern, Investitionen in Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung auszubauen und die Entstigmatisierung der Menstruation&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19.03.2026 hat GegenStrömung im Bündnis aus Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen anlässlich des Internationalen Weltwassertags am 22. März 2026, der unter dem Motto „Water and Gender“ steht, die Bundesregierung aufgefordert, Geschlechtergerechtigkeit systematisch und strukturell in der internationalen Wasser-, Klima- und Entwicklungspolitik zu verankern, Investitionen in Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung auszubauen und die Entstigmatisierung der Menstruation aktiv zu fördern. Nur wenn die Menschenrechte auf Wasser und sanitäre Grundversorgung umfassend verwirklicht werden, können Frauen und Mädchen weltweit gleichberechtigt teilhaben – und nachhaltige Entwicklung gelingen. Zur Pressemitteilung geht es <a href="https://forumue.de/menschenrecht-auf-wasser-und-sanitaerversorgung-geschlechtergerecht-umsetzen/">hier</a> sowie folgend:</p>
<p>&#8222;Die Dringlichkeit ist hoch: Fehlende Toiletten und Hygieneeinrichtungen führen in vielen Ländern dazu, dass Mädchen die Schule abbrechen, Frauen von Erwerbsarbeit ausgeschlossen bleiben und das Risiko sexualisierter Gewalt steigt. Ohne Wasser, Sanitäranlagen und sichere Hygiene endet Bildung für viele Mädchen mit Beginn der Menstruation. Zugleich verschärft die Klimakrise bestehende Ungleichheiten. Dürren und Überschwemmungen verstärken Wasserknappheit und Konflikte – mit gravierenden Folgen für Frauen. Hinzu kommt, dass Deutschland aufgrund seiner Lieferketten weiterhin stark von globalen Ressourcen abhängig ist und durch seinen hohen virtuellen Wasserverbrauch trägt es zudem vielfach zur Belastung lokaler Wasserressourcen in anderen Regionen bei.</p>
<p>Zugleich rückt das Thema international stärker in den Fokus: Die Vorbereitungskonferenz für die UN-Wasserkonferenz 2026 fand am 26. und 27. Januar 2026 in Dakar, Senegal, statt. Die UN-Wasserkonferenz selbst wird vom 2. bis 4. Dezember 2026 ausgerichtet. Fragen von „Water and Gender“ müssen dort eine zentrale Rolle spielen.</p>
<p>„Wasser ist ein Menschenrecht – aber ohne sichere Sanitärversorgung bleibt es unvollständig. Gerade für Frauen und Mädchen entscheidet der Zugang zu Toiletten, Hygiene und sauberem Wasser über Bildung, Gesundheit und Schutz vor Gewalt“, erklärt Johanna Erdmann vom Berliner Wassertisch/ Blue Community Berlin.</p>
<p>„Die Klimakrise verschärft Wasserknappheit – und trifft Frauen und Mädchen am härtesten. Wer ihre Rechte stärkt, stärkt nachhaltige Entwicklung und Frieden zugleich.“</p>
<p>Nina Rothermel vom Weltfriedensdienst e.V. Jutta Himmelsbach, Misereor, die jüngst aus dem Südsudan zurückkehrte, betont: „Ohne Wasser, Duschen und sichere Toiletten können Mädchen nicht zur Schule gehen. Das bedeutet nicht nur Bildungsabbruch, sondern häufig Frühverheiratung und ein Leben ohne Perspektive.“ Ähnliche Herausforderungen zeigen sich auch in Senegal, wo Geschlechtergerechtigkeit und gerechte Wasserpolitik aktuell intensiv diskutiert werden.</p>
<p>Ulrike Dieterle, Naturfreunde verweist auf die internationale Verantwortung: „Als global tätige Umweltorganisation erleben wir in Projekten etwa in Togo oder Senegal, wie eng Umweltbildung, Geschlechtergerechtigkeit und Wasserfragen zusammenhängen. Das Thema ist bei uns fest verankert.“</p>
<p>“Staaten sind verpflichtet, das Menschenrecht auf Wasser auch außerhalb ihrer Grenzen gegenüber Wirtschaftsinteressen zu schützen. Die Bundesregierung gibt aber entgegen ihren eigenen Aussagen der Versorgung der deutschen Industrie mit Rohstoffen aus anderen Ländern oft Vorrang – zum Beispiel in der Außenwirtschaftsförderung. Insbesondere der Bergbau in Ländern ohne wirksame Regulierung verursacht oft Zerstörung und Verschmutzung von lebenswichtigen Wasserquellen für die örtliche Bevölkerung.Vor allem Frauen sind von den Folgen betroffen, da sie in der Regel für die Versorgung ihrer Familien zuständig sind“, fordert Gertrud Falk von FIAN Deutschland.</p>
<p>„Staudamm- und Wasserkraftprojekte verschärfen bestehende Ungleichheiten: Frauen und insbesondere indigene Frauen verlieren oft nicht nur Zugang zu Wasser und Lebensgrundlagen, sondern werden auch systematisch von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Eine gerechte Wasser- und Energiepolitik muss ihre Rechte, ihr Wissen und ihre Perspektiven ins Zentrum stellen.“ erklärte Dominique Eckstein von GegenStrömung.</p>
<p>Michael Bender, Grüne Liga/ Stiftung Living Rivers erklärte: Flüsse sind natürliche Lebensadern und Quellen kultureller Identität, doch weltweit oft verschmutzt, begradigt und aufgestaut. Viele weltweite Staudamm- und Infrastrukturprojekte drohen die letzten ursprünglichen Wildflüsse zu zerstören. Doch es gibt auch Restaurationsprojekte, wie den Rückbau von 4 Staudämmen am Klamath River, die wir in unseren mit dem FUE gemeinsam veranstalteten Online-Seminaren vorstellen. Wir sollten uns von indigenen Völkern dazu inspirieren lassen, unsere Verbindung zu lebendigen Flüssen wiederherzustellen.“</p>
<p>Roland Brunner vom Netzwerk Blue Community kündigte an: „Zum Weltwassertag 2026 starten wir als Blue Community Network eine weltweite Kampagne, um die Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung in den Verfassungen aller Staaten zu verankern. Eine verfassungsrechtliche Anerkennung schafft die Grundlage, Verletzungen gerichtlich anzufechten, und stärkt die Wasserpolitik dauerhaft über einfache Gesetzgebung hinaus. Wo diese Rechte bereits in der Verfassung stehen, setzen wir uns für verbindliche Ausführungsbestimmungen und wirksame Kontrollmechanismen ein. Die Kampagne läuft bis zur UN-Wasserkonferenz vom 2. bis 4. Dezember 2026 und zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Im Juni wird zudem unsere Botschafterin Erin O’Donnell, Professorin an der Melbourne Law School, in Europa für lebendige Flüsse und die Rechte indigener Gemeinschaften werben. Wir laden Institutionen und Organisationen ein, sich anzuschließen und diese Plattform zu nutzen.“</p>
<p>Durmuş Ünlü, Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft ergänzt mit Blick auf die Situation in Deutschland: „Die kommunale Daseinsvorsorge trägt hierzulande die Umsetzung der Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung. Sie verpflichtet zu einer flächendeckenden, bezahlbaren und diskriminierungsfreien Versorgung. Geschlechtergerechtigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern Voraussetzung einer menschenrechtsbasierten Wasser- und Abwasserwirtschaft.“</p>
<p>Das Bündnis im Forum Umwelt und Entwicklung – AG Wasser unterstützt daher die Kampagne und Aktionen vom Netzwerk Blue Community und ruft zu vielfältigen Aktivitäten rund um den 22. März auf. Ziel ist es, die enge Verbindung von Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik deutlich zu machen: Der Schutz von Wasserressourcen, die Stärkung öffentlicher Daseinsvorsorge und die konsequente Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit gehören untrennbar zusammen.</p>
<p>Pressekontakte:</p>
<p>Durmuş Ünlü | Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft I Koordinator AG-Wasser Tel: +49 (0)30 39 74 36 06 uenlue@aoew.de</p>
<p>Johanna Erdmann, Berliner Wassertisch/ Blue Community Berlin, johanna.erdmann@gmx.de</p>
<p>Jutta Himmelsbach, Misereor, jutta.himmelsbach@misereor.de</p>
<p>Ulrike Dieterle, Naturfreunde, ulrike.dieterle@naturfreunde-baden.de Gertrud Falk, FIAN Deutschland, g.falk@fian.de</p>
<p>Dominique Eckstein, GegenStrömung, dominique.eckstein@gegenstroemung.org</p>
<p>Michael Bender, Grüne Liga/ Stiftung Living Rivers, wasser@grueneliga.de</p>
<p>Roland Brunner, Blue Community Network, rbr@blue-community.net</p>
<p>Nina Rothermel, Weltfriedendienst e.V., rothermel@wfd.de.net &#8222;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brasilien: Oberster Justizgerichtshof STF verurteilt Staudammbetreiber von Jirau und Santo Antônio zur Entschädigung der Kleinfischerinnen und -fischer</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasilien-oberster-justizgerichtshof-stf-verurteilt-staudammbetreiber-von-jirau-und-santo-antonio-zur-entschaedigung-der-kleinfischerinnen-und-fischer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 07:47:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Jirau]]></category>
		<category><![CDATA[Rio Madeira]]></category>
		<category><![CDATA[Santo Antonio]]></category>
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					<description><![CDATA[In erster Instanz war die Klage noch abgewiesen worden, da ein Gutachten keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Staudammprojekten und möglichen Schäden für die Fischerei sehen wollte. Die 3. Kammer des Obersten Justizgerichtshofs STJ hat jedoch am Dienstag (03.03.2026) entschieden, dass das Recht auf Entschädigung auf der Grundlage der Vermutung eines Umweltschadens bestehe und somit dass&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>In erster Instanz war die Klage noch abgewiesen worden, da ein Gutachten keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Staudammprojekten und möglichen Schäden für die Fischerei sehen wollte. Die 3. Kammer des Obersten Justizgerichtshofs STJ hat jedoch am Dienstag (03.03.2026) entschieden, dass das Recht auf Entschädigung auf der Grundlage der Vermutung eines Umweltschadens bestehe und somit dass die Auswirkungen der Wasserkraftwerke die Zahlung einer Entschädigung auch ohne konkrete individuelle Kausalbeweise rechtfertigen würde.</strong></em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Die Geschichte der Staudämme in Brasilien wird oft gelesen als eine Geschichte des Fortschritts. Doch so wie Walter Benjamin das Motiv von Paul Klees Aquarell-Zeichnung &#8222;Angelus Novus&#8220; als einen Engel der Geschichte interpretierte, dessen &#8222;Antlitz [er] der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert&#8220; &#8211; so kann in Brasilien (und auch anderswo&#8230;) die Geschichte der Staudämme eben auch anders gelesen werden.</p>
<p>Jirau und Santo Antonio &#8211; das sind zwei Monster am Rio Madeira. Am Rio Madeira produzieren die Staudämme Jirau (3,75 GW Nennleistung) und Santo Antonio (3,58 GW Nennleistung) Strom, der Nominalkapazität zufolge sind sie die Staudämme Nummer 4 und 5 auf der Liste der größten Staudämme Brasiliens.</p>
<p>Aber wird der Blick gerichtet auf die &#8222;Kette von Begebenheiten&#8220;, auf die &#8222;Trümmer&#8220; dieses &#8222;Fortschritts&#8220; der 2012 bzw. 2013 eröffneten Staudämme, so ist die Kette von Katastrophen nur schwer von der Hand zu weisen: Zuerst kam es 2011 zu den massiven Arbeiterprotesten während der Bauphase, ein Umstand der später sogar <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/hoffentlich-allianz-versichert-und-mit-privatem-schiedsgericht-doppelt-abgesichert/" target="_blank" rel="noopener">vor internationalen Schiedsgerichten der Versicherungswirtschaft</a> (Arias in London) verhandelt wurde, obwohl Brasilien nie ein einziges diesbezügliches bilaterales Investitionsschutzabkommen ratifiziert hatte; nach Inbetriebnahme der Wasserkraftwerke kam es lokal zu einer Häufung von Überschwemmungen; die Sedimente, die die Dämme zunehmend blockieren und die eigentlich alle paar Jahre ausgebaggert und flussabwärts hinter die Dämme verbracht werden müssten, was aber sehr teuer ist – da ist es praktischer, wenn die brasilianischen Staudammfirmen flussaufwärts die bolivianischen Akteur*innen aus Politik und Wirtschaft überzeugen, dort selbst Dämme zu errichten, so dass diese dort sich mit den Sedimentablagerungen zuerst auseinandersetzen müssen; die Verletzung der Rechte der von den Kraftwerken indirekt wie direkt betroffenen Indigenen Völker, die laut jüngsten Gerichtsurteilen angemessen der freien, vorherigen und informierten Konsultation angehört werden müssen; die Universitätsstudie, die im März 2020 nachweisen konnte, dass die Fischer:innen und <em>Ribeirinhos</em> Recht hatten mit ihrer vorherigen Angst und späteren Gewissheit, dass die Staudammbauten am Rio Madeira zu einem Rückgang der Fischbestände um 40 Prozent geführt haben. Und die ebenfalls wissenschaftlich belegte erschreckende Erkenntnis, dass etliche der Fischerinnen und Fischer, die nach der Inbetriebnahme von Jirau und Santo Antônio ihren Lebensunterhalt nicht mehr wie zuvor bestreiten konnten und sich illegalen Tätigkeiten, wie Holzfällen, Goldschürferei oder Landtitelbetrug zugewandt hätten, um dergestalt ihr finanzielles Überleben zu sichern.</p>
<p>Und nun hat die 3. Kammer des Obersten Justizgerichtshofs STJ übereinstimmenden Medienberichten zufolge (z.B. <a href="https://www.jota.info/justica/stj-mantem-condenacao-de-hidreletricas-por-reducao-de-peixes-no-rio-madeira" target="_blank" rel="noopener">hier</a> oder <a href="https://www.migalhas.com.br/quentes/446102/stj-analisa-se-usinas-no-rio-madeira-devem-indenizar-pescadores" target="_blank" rel="noopener">hier</a>) am Dienstag (03.03.2026) mit Stimmenmehrheit die Betreiberfirmen der Wasserkraftwerke Jirau und Santo Antônio am Madeira-Fluss in Rondônia dazu verurteilt, eine Entschädigung an die Fischer:innen für die Beeinträchtigung ihrer Tätigkeit zu zahlen. Denn diese hatten demnach zu Recht behauptet, aufgrund des Rückgangs der Fischbestände in der Region erhebliche Einkommensverluste erlitten zu haben, und fordern Entschädigung für entgangene Gewinne und erlittene materielle Schäden. In erster Instanz war die Klage abgewiesen worden, da ein Gutachten keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Projekten und möglichen Schäden für die Fischerei feststellen wollte. Die 3. Kammer des Obersten Justizgerichtshofs STJ hob das erstinstanzliche sowie das zwischenzeitliche zweitinstanzliche Urteil nun jedoch auf und erkannte abschließend das Recht auf Entschädigung auf der Grundlage der Vermutung eines Umweltschadens an, wobei es feststellte, dass die Auswirkungen der Kraftwerke eine Entschädigung auch ohne konkrete individuelle Beweise rechtfertigen würden.</p>
<p>Das Urteil fiel mit 3 zu 2 Stimmen (siehe hierzu den gesamten Prozessvorgang unter <a href="https://processo.stj.jus.br/processo/pesquisa/?src=1.1.2&amp;aplicacao=processos.ea&amp;tipopesquisa=tipopesquisagenerica&amp;num_processo=resp2238459" target="_blank" rel="noopener">https://processo.stj.jus.br/processo/pesquisa/?src=1.1.2&amp;aplicacao=processos.ea&amp;tipopesquisa=tipopesquisagenerica&amp;num_processo=resp2238459</a>). Die Mehrheit der Richter:innen schloss sich der Position der Bericht erstattenden Richterin Daniela Teixeira an. Die Richterin war der Ansicht, dass die im Verfahren durchgeführte Begutachtung sehr wohl Schäden für die Fischereiaktivitäten nachgewiesen habe, trotz der erfolgten Maßnahmen zur Schadensminderung durch die Unternehmen. Richterin Teixeira hob auch hervor, dass in anderen Fällen die Auswirkungen der Staudämme sowie deren Ausmaß auf die Flussanrainer:innen bereits anerkannt worden seien. Nach Ansicht der Richterin ist die Haftung für Umweltschäden objektiv feststellbar und müsse den vollständigen Ersatz des Schadens umfassen. In seiner abweichenden Meinung sprach sich Richter Ricardo Villas Bôas Cueva für die Aufhebung des zweitinstanzlichen Urteils des TJ/RO und die Rückverweisung der Akten zur erneuten Verhandlung aus. Seiner Ansicht nach lag Mißachtung der Rechtspflege vor und vorgelegte Beweise seien nicht angemessen gewürdigt worden, insbesondere hinsichtlich des von den Unternehmen bezweifelten und mithin seiner Ansicht nach nicht schlüssig nachgewiesenen Kausalzusammenhangs zwischen dem Bau der Kraftwerke und dem Rückgang der Fischerei. Richter Humberto Martins schloss sich Medienberichten der abweichenden Meinung an. Doch dies waren nur zwei Stimmen &#8211; die Mehrheit der Richter:innen sah mit drei zu zwei Stimmen die Verpflichtung der Unternehmen zur Entschädigungszahlung.</p>
<p>Die genaue Höhe der Entschädigungszahlungen an die Fischer:innen müsse in der nun folgenden Phase der Urteilsvollstreckung ermittelt werden. Dabei sei den Medienberichten zufolge als Kriterium der Durchschnittsgewinn anzuwenden, den jede:r Fischer:in in den zwei Jahren vor Baubeginn für einen Zeitraum von 32 Monaten (von September 2008 bis April 2011) erzielt habe.</p>
<p>Es erscheint eine Kette von Begebenheiten, als eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie den Betroffenen vor die Füße schleudert.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tapajós-Fluss erneut im Fokus: Entwicklungsversprechen und Rechtsverletzungen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/tapajos-fluss-erneut-im-fokus-entwicklungsversprechen-und-rechtsverletzungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 06:21:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Frei Fließende Flüsse]]></category>
		<category><![CDATA[Tapajós]]></category>
		<category><![CDATA[Ẃasserstraßen]]></category>
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					<description><![CDATA[Baggern und Privatisieren für die Tapajós-Vertiefung löst massiven Protest von 14 Indigenen Völkern an Soja-Export-Terminal in Santarém aus. Protestcamp an der Zufahrt zum Soja-Terminal in Santarém. Aufnahme vom 23.01.2026. Foto (mit herzlicher Genehmigung): Comunicação CITA Von Christian Russau Einer der größten Flüsse Amazoniens – der Tapajós – steht wieder einmal im Mittelpunkt eines schweren Konflikts&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="content">
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<p><em><strong>Baggern und Privatisieren für die Tapajós-Vertiefung löst massiven Protest von 14 Indigenen Völkern an Soja-Export-Terminal in Santarém aus.</strong></em></p>
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<p><a href="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-scaled.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-13267" src="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-300x169.jpg" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" srcset="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-300x169.jpg 300w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-1024x577.jpg 1024w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-768x432.jpg 768w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-1536x865.jpg 1536w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-2048x1153.jpg 2048w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-107x60.jpg 107w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-71x40.jpg 71w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-a-200x113.jpg 200w" alt="Protestcamp an der Zufahrt zum Soja-Terminal in Santarém. Aufnahme vom 23.02.2026. Foto (mit herzlicher Genehmigung): Comunicação CITA" width="300" height="169" aria-describedby="caption-attachment-13267" /></a></p>
<p id="caption-attachment-13267" class="wp-caption-text">Protestcamp an der Zufahrt zum Soja-Terminal in Santarém. Aufnahme vom 23.01.2026. Foto (mit herzlicher Genehmigung): Comunicação CITA</p>
</div>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Einer der größten Flüsse Amazoniens – der Tapajós – steht wieder einmal im Mittelpunkt eines schweren Konflikts zwischen den Interessen auf der einen Seite von Politik und Wirtschaft, die Entwicklung und Wachstum durch Infrastrukturprojekte versprechen, und auf der anderen Seite von den dort am, von und mit dem Fluss lebenden Indigenen Völkern.</p>
<p>Die Landesregierung des brasilianischen Bundesstaates Pará und die Bundesregierung in Brasília wollen den Tapajós-Fluss auch für größere Transportschiffe und Schüttguttanker für den logistisch kostengünstigeren Transport von meist Soja für den Export schiffbarer machen, – wobei schon jetzt vor allem ab dem Hafen Mirituba – gegenüber von Itaituba gelegen – <a href="https://inesc.org.br/wp-content/uploads/2025/04/clua-soja_corredor_logistico_norte_epicc-v3.pdf" target="_blank" rel="noopener">Millionen Tonnen an Soja Richtung der Atlantikhäfen</a> transportiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_11195" class="wp-caption alignnone">
<p><a href="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau.png"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-11195" src="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau-300x149.png" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" srcset="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau-300x149.png 300w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau-120x60.png 120w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau-80x40.png 80w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau-200x100.png 200w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2023/04/Amazoniens-Fluesse-und-Menschen-sind-bedroht-foto-christian-russau.png 741w" alt="[Symbolbild]: Amazoniens Flüsse sind bedroht. Foto: Christian Russau" width="300" height="149" aria-describedby="caption-attachment-11195" /></a></p>
<p id="caption-attachment-11195" class="wp-caption-text">[Symbolbild]: Amazoniens Flüsse sind bedroht. Foto: Christian Russau</p>
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<p><strong>Aktuelle Ausbaggerungsarbeiten am Tapajós-Fluss lösen massive Proteste von Indigenen Völkern aus</strong><br />
Um den bereits bestehenden Schiffsverkehr des (vor allem Soja-)Transports fortzusetzen, werden aktuell im Flussbett des Tapajós Sedimentablagerungen abgebaggert. Diese Arbeiten sind laut den Landesbehörden zur Aufrechterhaltung des bereits bestehenden Schiffsverkehr angesichts der anhaltenden Dürre und den damit einhergehenden niedrigen Wasserpegeln notwendig. Die Fahrrinnen müssten von Sedimentablagerungen freigehalten werden. Eine entsprechende <a href="https://www.gov.br/portos-e-aeroportos/pt-br/assuntos/noticias/2026/01/edital-para-dragagem-no-rio-tapajos-pa-preve-r-74-8-milhoes-de-investimentos" target="_blank" rel="noopener">Ausschreibung des Bundesministeriums für Häfen und Flughäfen</a> (Bundesministerium MPor) sieht die Beauftragung eines Unternehmens im Wert von 74,8 Millionen Real (derzeit umgerechnet 12 Mio. Euro) für drei Jahre vor, um den Schifffahrtskanal der Wasserstraße Tapajós (HN-206) auf der Strecke zwischen Santarém und Itaituba freizuhalten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ausschreibung <a href="https://www.gov.br/portos-e-aeroportos/pt-br/assuntos/noticias/2026/01/edital-para-dragagem-no-rio-tapajos-pa-preve-r-74-8-milhoes-de-investimentos" target="_blank" rel="noopener">erklärte der MPor-Bundesminister für Häfen und Flughäfen, Silvio Costa Filho</a>, dass die Instandhaltung der Wasserstraße für das reibungslose Funktionieren der Logistik in der Region von grundlegender Bedeutung sei. Und die Landesumweltbehörde von Pará, <a href="https://infoamazonia.org/2026/01/30/indigenas-cobram-revogacao-de-decreto-da-hidrovia-do-tapajos-e-dizem-que-rio-nao-e-mercadoria/" target="_blank" rel="noopener">die Secretaria de Estado de Meio Ambiente, Clima e Sustentabilidade (Semas), ließ gegenüber dem Medienportal InfoAmazonia erklären</a>, dass diese von den zuständigen Behörden genehmigten Ausbaggerungsarbeiten „strikt punktuell erfolgen, und dies nur im Flussbett“.</p>
<p>Indigene Völker vom Unteren, Mittleren und Oberen Tapajós kritisieren diese aktuell laufenden Ausbaggerungsarbeiten scharf. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, haben am 22. Januar dieses Jahres in Santarém zunächst 150 Indigene vor der Zufahrt zu einem der größten Soja-Terminals am Tapajós – der Firma Cargill – protestiert. Seit nunmehr fast zwei Wochen blockieren die Indigenen vom Unteren und Mittleren Tapajós von insgesamt 14 Indigenen Völker und Gemeinschaften die Zufahrt zum Terminal, in dem sie auf der direkt davor gelegenen Zufahrtstraße ein Protestcamp errichtet haben. Jüngsten Medienberichten zufolge ist die protestierende Menge auf mittlerweile 700 Personen angestiegen, nachdem gestern (03.02.2026) auch eine größere Gruppe von Munduruku vom Mittleren und Oberen Tapajós hinzugestoßen ist. Laut Aussagen der vom Protest direkt betroffenen Firma, <a href="https://infoamazonia.org/2026/01/30/indigenas-cobram-revogacao-de-decreto-da-hidrovia-do-tapajos-e-dizem-que-rio-nao-e-mercadoria/" target="_blank" rel="noopener">Cargill, die diese gegenüber Medien verbreiten ließ</a>, gäbe es „keine Besetzung innerhalb des Betriebsgeländes, aber eine Anwesenheit von Personengruppen vor der LkW-Zufahrt, was die Zu- und Abfahrt der Lastkraftwagen verhindert“.</p>
<p>Die Indigenen fordern, dass Regierungsvertreter:innen „höchster Ebene“ umgehend vor Ort zu Verhandlungen zu erscheinen hätten. Regierungsvertreter:innen der „zweiten Ebene“ hätten sich vor wenigen Tagen online gemeldet, die Indigenen verlangen aber „ein Gespräch mit direktem Augenkontakt vor Ort“, so die Protestnoten und Forderungen, die in sozialen Medien geteilt wurden. Bis zum Redaktionsschluss dieses Textes waren noch keine Meldungen über eine Umsetzung der Forderung der Indigenen für ein Vorort-Gespräch mit Regierungsvertreter:innen „höchster Ebene“ eingegangen.</p>
<p><a href="https://www.mpf.mp.br/o-mpf/unidades/pr-pa/noticias/mpf-e-indigenas-cobram-presenca-de-autoridades-em-dialogos-sobre-ilegalidades-da-dragagem-do-rio-tapajos-pa" target="_blank" rel="noopener">Die Bundesstaatsanwaltschaft unterstützt die Forderung der protestierenden Indigenen</a>, dass Regierungsvertreter:innen zu einem dringenden Vorort-Gespräch mit den Protestierenden zu erscheinen hätten. Der zuständige Bundesstaatsanwalt Vinícius Schlickmann Barcelos bekräftigte die Rechtmäßigkeit dieser Forderung unter Berufung auf die Resolution Nr. 454/2022 des Nationalen Justizrats CNJ. Die Norm schreibe vor, so <a href="https://www.mpf.mp.br/o-mpf/unidades/pr-pa/noticias/mpf-e-indigenas-cobram-presenca-de-autoridades-em-dialogos-sobre-ilegalidades-da-dragagem-do-rio-tapajos-pa" target="_blank" rel="noopener">die MPF auf ihrer Internetseite</a>, dass „Verfahrenshandlungen, die indigene Völker betreffen, vorzugsweise persönlich und auf deren eigenem Territorium durchgeführt werden müssen, um die ethnisch-kulturelle Vielfalt zu respektieren“. Zudem warte die MPF noch immer auf die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts der 1. Region TRF1 in Brasília über einen Rechtsbehelf, in dem sie eine dringende Entscheidung beantragt, „um den Bundesstaat Pará daran zu hindern, Arbeiten an der Wasserstraße des Tapajós-Flusses – insbesondere Baggerarbeiten – ohne Durchführung vollständiger Umweltstudien und freier, vorheriger und informierter Konsultation für indigene Völker und traditionelle Gemeinschaften zu genehmigen oder zuzulassen“. Die Bundesstaatsanwatschaft sieht in den aktuellen Ausbaggerungsarbeiten im Tapajós die Gefahr, dass die Behörden „die irreversiblen Risiken ignorieren, die mit der Fortsetzung der Baggerarbeiten am Tapajós-Fluss ohne angemessene ökologische und soziale Schutzmaßnahmen verbunden sind“, so die MPF. Nach Ansicht der MPF ignoriere die Entscheidung auch technische Dokumente der ICMBio und des IBAMA, die auf schwerwiegende Umweltrisiken durch die Ausbaggerung des Tapajós-Flusses hinweisen.</p>
<p>Die Bundesstaatsanwaltschaft sieht durch die Ausbaggerungsarbeiten die Gefahr einer Freisetzung von Schwermetallen wie Quecksilber und von Sedimenten, wodurch die Wasserqualität und das Leben im Wasser beeinträchtigt werden und dass eine direkte Gefahr für die Gesundheit der Menschen entstehe, die dieses Wasser und seine Fische konsumieren. Des Weiteren sieht die MPF die Gefahr einer Schädigung der Fischbestände und anderer Wasserorganismen, die die Grundlage der Nahrungskette bilden, aufgrund der Trübung des Wassers und Veränderungen im Ökosystem, was sich direkt auf die Fischerei und die Ernährungssicherheit der Flussufer- und indigenen Gemeinschaften auswirkt, die von diesen Ressourcen abhängig sind. Die MPF sieht auch die Gefahr der Zerstörung und Störung von Lebensräumen, die für die Fortpflanzung, Ernährung und Migration bedrohter Arten wie Delfine, Amazonas-Manatis, Schildkröten und Wasservögel von entscheidender Bedeutung sind. Weitere Argumente der MPF in der Berufung sind die Tatsache, dass die Entscheidung des Bundesgerichts in Santarém die Berichte der indigenen Führungskräfte der potenziell betroffenen traditionellen Völker und Gemeinschaften, die in der Anhörung angehört wurden, nicht berücksichtigt hat, und dass sich das Bundesgericht in Santarém nicht zu der Verletzung des Rechts der traditionellen Völker und Gemeinschaften auf freie, vorherige und iformierte Konsultation geäußert hat, das durch das Übereinkommen Nr. 169 der ILO garantiert ist, und dass die Entscheidung die Logik des Vorsorgeprinzips in Umweltfragen umkehrte, indem sie von der MPF den Nachweis des konkreten Schadens durch die Baggerarbeiten verlangte, obwohl es Aufgabe des Unternehmens gewesen wäre, das Fehlen signifikanter Auswirkungen nachzuweisen. Darüber hinaus bestehe ein Widerspruch in der Entscheidung, wenn das Bundesgericht in Santarém feststellte, dass keine Gefahr durch die Verzögerung bestehe, aber gleichzeitig das Vorliegen einer laufenden Genehmigung für jährliche Baggerarbeiten, den Jahresplan für Wartungsbaggerarbeiten, anerkennt. Die Bundesstaatsanwaltschaft sieht zudem das Risiko einer Wiederaufnahme der Baggerarbeiten ohne entsprechende Studien und Konsultationen. Die Bundesstaatsanwaltschaft bestreitet die Begründung einer „Notlage“ für die Baggerarbeiten und erklärt, dass die Arbeiten bereits während der Hochwasserperiode durchgeführt wurden und dass das Argument der Notlage dazu diene, gesetzliche Verpflichtungen zu umgehen. Die MPF hält es auch für inakzeptabel, dass die Behörden jahrelang bewusst die Notwendigkeit einer angemessenen Planung der Instandhaltung der Wasserstraße des Tapajós-Flusses ignoriert haben, um dann das Argument eines „Notfall“ als Rechtfertigung dafür anzuführen, die Grundrechte traditioneller Völker und Gemeinschaften sowie die verfassungsmäßig vorgesehenen Umweltschutzmaßnahmen zu missachten. Darüber hinaus ermöglichte die Ausbaggerung den Transport von Agrarprodukten und integriert einen Logistikkorridor, der zur Entwaldung und zur Klimakrise beitrage. Die Entscheidung ignoriere zudem die synergistischen und kumulativen Auswirkungen, d. h. Auswirkungen, die sich mit der Zeit summieren und verstärken und immer größer werden.</p>
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<p><a href="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-scaled.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-13268" src="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-300x200.jpg" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" srcset="https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-300x200.jpg 300w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-1024x683.jpg 1024w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-768x512.jpg 768w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-1536x1024.jpg 1536w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-2048x1366.jpg 2048w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-90x60.jpg 90w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-60x40.jpg 60w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-195x130.jpg 195w, https://www.fdcl.org/wp-content/uploads/2026/02/Foto_Comunicacao-CITA-20260223-b-200x133.jpg 200w" alt="Protestcamp an der Zufahrt zum Soja-Terminal in Santarém. Aufnahme vom 23.02.2026. Foto (mit herzlicher Genehmigung): Comunicação CITA" width="300" height="200" aria-describedby="caption-attachment-13268" /></a></p>
<p id="caption-attachment-13268" class="wp-caption-text">Protestcamp an der Zufahrt zum Soja-Terminal in Santarém. Aufnahme vom 23.01.2026. Foto (mit herzlicher Genehmigung): Comunicação CITA</p>
</div>
<p>Die in Santarém protestierenden Indigenen betonen ihrerseits, dass „ihr Kampf nicht nur gegen ein bestimmtes Unternehmen gerichtet ist, sondern gegen ein Projekt, das den Tapajós in eine Exportroute, einen Korridor für den Transport von Soja, verwandeln will und dabei diejenigen ignoriert, die seit Generationen in diesem Gebiet leben, es pflegen und dort existieren. Der Tapajós ist nicht nur ein Fluss, er ist die Heimat von Fischen, Tieren, Pflanzen, Menschen und den Verzauberten, er ist ein lebendiges, uraltes und heiliges Gebiet.“ Die Indigenen vom Tapajós argumentieren, dass „Eingriffe in den Tapajós das Leben, das in seinen sichtbaren und unsichtbaren Gewässern existiert, zutiefst verletzen und Körper, Geist und ihre Art, in der Welt zu existieren, erschüttern“, und dass sie sich deshalb zur Wehr setzen.</p>
<p>Zur Unterstützung dazu argumentieren auch die kirchliche Fachstelle für Landfragen CPT und der Pastoralrat der Fischer und Fischerinnen CPP des Erzbistums von Santarém: Diese veröffentlichten am 29. Januar dieses Jahres eine <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/cpt-und-cpp-verteidigungsschrift-fuer-den-rio-tapajos" target="_blank" rel="noopener">„Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós“</a>.</p>
<p><strong>Privatisierung der Flüsse als Bedrohung indigener Rechte</strong><br />
Doch bei dem aktuellen Protest in Santarém geht es um mehr. Im Zentrum des indigenen Proteststurmes steht ein Bundesdekret zur künftigen Aufnahme mehrere amazonischer Flüsse in das Nationale Entstaatlichungsprogramm, was laut Kritiker:innen letztlich die Privatisierung der Flüsse dahingehend bewirke, dass es öffentliche Ausschreibungen und Auktionen ermöglichen soll, die künftige Schiffbarmachung und den Betrieb der Privatwirtschaft zu überlassen.</p>
<p>Es ist fast genau fünf Monate her, dass Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva das Dekret 12.600/25 unterzeichnete. Es war am 28. August vergangenen Jahres, als die Regierung in Brasília wieder einmal ganz groß die Karte des Entwicklungsversprechens zog. Schon der Titel dieses Dekrets spricht Bände: Das Dekret „[r]egelt die Aufnahme öffentlicher Bundesprojekte im Bereich der Wasserstraßen in das Nationale Entstaatlichungsprogramm.“ Damit wird die Umsetzung der neuen Politik zur Vergabe von Konzessionen für die Flüsse des Landes an den Markt – also eine neoliberale Privatisierung der Flüsse, so Kritiker:innen – einen Schritt weiter vorangebracht, und, besonders brisant: den Anfang dabei macht wieder einmal: Amazonien. Denn der Text des Dekrets 12.600/25 bezieht explizit die Wasserstraßen der Flüsse Tapajós und Tocantins in Pará sowie den Rio Madeira in Amazonas und Rondônia in das Nationale Privatisierungsprogramm (kurz PND) mit ein. Das Projekt umfasst zusammengerechnet mehr als 3.000 Kilometer schiffbare Abschnitte der Amazonasflüsse. Allein für Amazonien soll das Projekt der Wasserstraße des Tapajós-Flusses etwa 250 Kilometer geplante schiffbare Strecke zwischen den Gemeinden Itaituba und Santarém im Bundesstaat Pará umfassen; auf dem Tocantins-Fluss soll die Strecke sich über 1.731 Kilometer zwischen Belém (PA) und der Gemeinde Peixe (TO) erstrecken; die Wasserstraße des Madeira sieht die Schifffahrt zwischen Porto Velho (Rondônia) und Itacoatiara (Amazonas) vor und verbindet sich mit dem Amazonas auf einer geschätzten Strecke von 1.075 Kilometern. Die Abschnitte durchqueren dabei Quilombola-, Flussufer- und Indigenengebiete sowie Naturschutzgebiete.</p>
<p>Am Tapajós ist demnach vorgesehen, dass der Fluss auf etwa 250 Kilometer für noch weit größere, mit mehr Tiefgang das Soja an den Weltmarkt transportierende Schüttguttanker schiffbar gemacht werden soll. Für Brasília ist klar: Das bringt Entwicklung und Wachstum, könnte doch dann das Soja aus dem Mittleren Westen kostengünstiger und schneller an den Weltmarkt geliefert werden. Sollten die Wasserstraßenprojekte wie beispielsweise im Tapajós-Becken insgesamt (Das Tapajós-Becken umfasst dabei als potentiell schiffbar ausbaubare Flüsse den Tapajós sowie dessen zwei hauptsächlichen Zuflüsse Juruena und Teles Pires) wie geplant realisiert werden, so erklären die Soja-Farmer:innen und ihre <em>ruralista</em>-Lobby im Nationalkongress schon lange explizit, dann würde dem brasilianischen Agrobusiness eine Kostenersparnis von satten 41 Prozent beim Transport ihrer Produkte blühen. Denn: Bislang, so klagen Soja-Farmer:innen vor allem im zentral gelegenen Mato Grosso, hätten sie bis zu viermal höhere Logistikkosten pro Tonne Soja als ihre Konkurrenten im Mittleren Westen der USA. Die geplanten Infrastrukturprojekte am Tapajós würden die Logistikkosten enorm senken und den Anbau von Soja im großen Stil in Regionen lohnenswert machen, die bislang von der Expansion der Agrarindustrie verschont geblieben waren. Dies würde brasilianische Agrargüter (und Mineralien) noch mehr auf dem Weltmarkt reüssieren lassen. Die gleiche Absicht – verbesserten Zugang zum Weltmarkt – verfolgt Brasília mit den nach wie vor geplanten Bahnlinien wie Ferrogrão (EF-170) oder der Asphaltierung der Bundesstraße BR-163.</p>
<p><strong>Konsultationsrechte und Konsultationsprotokolle achten!</strong><br />
Für Kritiker:innen ist klar: Den Tapajós schiffbar zu machen, dies dient den Interessen der Agrarindustrie und anderer Wirtschaftssektoren – aber all dies erhöht bereits bestehende Landkonflikte im Land, lässt die Waldrodung ansteigen und birgt enormen sozialen Sprengstoff vor allem für die traditionellen Völker und Gemeinschaften. Denn es schadet den dort <em>vom</em>, <em>mit</em> und <em>am</em> Fluss lebenden indigenen und weiteren traditionellen Völkern sowie den <em>Ribeirinhos</em>, so die Kritiker:innen. Und es verletzt die gesetzlich garantierten Konsultationsrechte traditioneller Gemeinschaften.</p>
<p>Nun hat Brasilien die ILO-Konvention Nr. 169 zum Schutze der Rechte der Indigenen und weiteren traditionellen Völker und Gemeinschaften unterzeichnet, ratifiziert und entsprechende Gesetzesgebungen, die das Recht auf Konsultation der betroffenen traditionellen Gemeinschaften garantieren sollen, seit Jahren inkraftgesetzt. Doch die Praxis der vergangenen Jahrzehnte lehrte die indigenen und weiteren traditionellen Völker und Gemeinschaften, dass die formale Ausgestaltung dieses gesetzlich verbürgten Konsultationsrechts indigener Gemeinschaften oft einiges zu wünschen offen lässt, um es noch diplomatisch auszudrücken.</p>
<p>Wer darüber ein jahrelanges Klagelied singen kann, sind beispielsweise die Munduruku vom Tapajós-Fluss. Diese beklagen die mangelnde Konsultation und fehlerhaften Respekt seitens der in Brasília oder in Belém sitzenden Bundes- und Landesregierungseit in einer ganzen Reihe von Großprojekten, die ihr Territorium betrafen und/oder noch immer betreffen und/oder betreffen werden: Seien es Staudammprojekte wie der erst 2016 infolge des massiven Munduruku-Protestes gestoppte Plan zum Bau des 8 GW-Staudamms São Luiz do Tapajós, seien es Bahnlinien wie die nach wie vor geplante Soja-Linie Ferrogrão (EF-170), seien es zu asphaltierende Straßen wie die BR-163, seien es mangelnde Kontrolle von legalem wie illegalem Goldbergbau und Holzabbaus oder sei es das weitere Voranschreiten der legalen wie illegalen Grenzen des Agrobusiness in Amazonien – oder seien es eben auch der Ausbau der amazonischen Flüsse zu Wasserstraßen wie am Tapajós (und seinen beiden Zuflüssen Teles Pires und Juruena).</p>
<p>Erst im November vergangenen Jahres hatten die Munduruku äußerst öffentlichkeitswirksam die Eingänge zur Blue Zone der COP30 in Belém derart blockiert, sodass sich die COP-Leitung ebenso wie die Regierungsvertreter:innen zu Verhandlungen und Eingeständnissen an die Munduruku gezwungen sahen: Der <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/munduruku-protest-zeigt-wirkung-regierung-sagt-freie-vorherige-und-informierte-konsultation-aller-von-grossprojekten-betroffenen-indigenen-voelkern-der-tapajos-region-zu" target="_blank" rel="noopener">neue Leiter des Generalsekretariats des Präsidenten, der vormalige Anführer der Obdachlosenbewegung MTST und ex-Abgeordnete Guilherme Boulos versprach</a>: „Wir haben uns verpflichtet, und die Bundesregierung wird in Bezug auf den Tapajós eine freie, vorherige und informierte Konsultation aller Völker der Region durchführen, bevor sie irgendwelche Projekte am Fluss umsetzt. Und wir vom Generalsekretariat der Präsidentschaft der Republik werden einen Dialog mit all diesen Völkern einrichten, um sie in Brasília zu empfangen und eine Lösung zu finden“, sagte <a href="https://agenciabrasil.ebc.com.br/meio-ambiente/noticia/2025-11/governo-consultara-indigenas-sobre-hidrovia-no-tapajos-diz-boulos" target="_blank" rel="noopener">Boulos damals laut Agência Brasil</a>.</p>
<p><a href="https://blogs.taz.de/latinorama/amazonien-wie-die-munduruku-das-protokollverfahren-zur-konsultation-wollen/" target="_blank" rel="noopener">Nun haben die Munduruku im Jahr 2015 ihr Konsultationsprotokoll erstellt</a>. An dieses müsste sich die Brasilianische Bundesregierung nun eigentlich halten, wenn Brasília plant, aus dem Tapajós eine Wasserstraße zu machen. Und genau dieses gegebene Versprechen wird nun von den Munduruku und weiteren Indigenen Völkern vom Tapajós öffentlich und mit Nachdruck eingefordert.</p>
<p>Dass die Einhaltung der ILO-Konvention Nr. 169 zum Schutze der Rechte der Indigenen Völker den Staat verpflichtet, eine angemessene freie, vorherige und informierte Konsultation der Indigenen Völker durchzuführen und dass dies auch konkret in dem Fall des Protestes gegen die Ausbaggerung des Tapajós-Fluss als in Zukunft noch schiffbarere Wasserstraße gilt, hat zumindest das Ministerium für Indigene Völker eingeräumt. Gestern (03.02.2026) <a href="https://www.gov.br/povosindigenas/pt-br/assuntos/noticias/2026/02/nota-sobre-mobilizacao-no-baixo-tapajos" target="_blank" rel="noopener">veröffentlichte das Ministerium für Indigene Völker MPI</a>:</p>
<blockquote><p>„Das Ministerium für indigene Völker bekräftigt, dass der Tapajós-Fluss Leben, Territorium, Erinnerung und Grundlage der physischen, kulturellen und spirituellen Existenz der indigenen Völker und traditionellen Gemeinschaften ist, die von ihm abhängig sind und ihn pflegen. Der Schutz des Lebens am Tapajós erfordert mehr als nur Verwaltungsmaßnahmen: Er erfordert Verständnis, Partnerschaft, er erfordert die Präsenz des Staates und wirksame Maßnahmen zum Schutz der Völker und der Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger. Seit Beginn der Mobilisierung im unteren Tapajós steht das MPI über seine Abteilung für Mediation und Schlichtung indigener Landkonflikte (Demed) und das Nationale Sekretariat für Umwelt- und Territorialmanagement (Segat) in direktem Dialog mit den Anführer:innen der Demonstrationen.<br />
Das Ministerium erkennt die Legitimität der vorgebrachten Bedenken an und bekräftigt, dass keine Initiative im Zusammenhang mit Baggerarbeiten, der Instandhaltung der Wasserstraßen oder anderen Projekten am Tapajós-Fluss ohne die freie, vorherige, informierte und in gutem Glauben erteilte Zustimmung der direkt betroffenen Völker vorangetrieben werden darf, gemäß der ILO-Konvention Nr. 169 und der Bundesverfassung. Zu diesem Zweck führt es institutionelle Gespräche mit den anderen zuständigen Stellen, um sicherzustellen, dass der Konsultationsprozess mit den betroffenen Völkern eingehalten wird. Derzeit werden bereits bestehende Konsultationsprotokolle zwischen den indigenen Völkern der Region identifiziert, um den umfassenderen Konsultationsprozess zu unterstützen, zu dem sich die Regierung während der COP30 verpflichtet hat.“</p></blockquote>
<p>Weitere brasilianische Ministerien oder gar Präsident Lula haben sich (zum Redaktionsschluss dieses Textes) noch nicht geäußert, wie dieser akute Konflikt zwischen Entwicklungsversprechen und Rechtsverletzungen gelöst werden kann.</p>
<p>// Christian Russau</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td>Die Munduruku werden u.a. unterstützt durch die <a href="https://eineweltstadt.berlin/themen/klima-und-ressourcen/ini-berlin-aktiv-im-klima-buendnis/" target="_blank" rel="noopener">Initiative „Berlin aktiv im Klimas-Bündnis“ des Landes Berlin (LEZ)</a>. 2024 konnte so ein neu errichtetes Bildungs- und Kulturzentrum eröffnet werden. Das Zentrum trägt den Namen „Centro de Formação Munduruku Akay Buray“. Das ist Munduruku und bedeutet auf Portugiesisch „Estou a disposição. É um prazer receber vocês“ – übersetzt: „Ich bin bereit und es ist mir ein Vergnügen dich zu empfangen!“</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</article>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Belo-Monte-Staudamm und seine anhaltenden Auswirkungen</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/der-belo-monte-staudamm-und-seine-anhaltenden-auswirkungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Drillisch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 14:11:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Anschluss an die Klimaverhandlungen (COP 30) in Belém in Brasilien hatte Heike Drillisch für GegenStrömung die Gelegenheit, an einer mehrtägigen Kanutour auf der Volta Grande des Xingu-Flusses teilzunehmen, die die dort lebenden und vom Belo-Monte-Staudamm betroffenen, indigenen Juruna organisierten. Der Belo-Monte-Staudamm ist der drittgrößte Staudamm der Welt und war gegen massiven Widerstand indigener Gemeinschaften&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Anschluss an die Klimaverhandlungen (COP 30) in Belém in Brasilien hatte Heike Drillisch für GegenStrömung die Gelegenheit, an einer mehrtägigen Kanutour auf der Volta Grande des Xingu-Flusses teilzunehmen, die die dort lebenden und vom Belo-Monte-Staudamm betroffenen, indigenen Juruna organisierten. Der Belo-Monte-Staudamm ist der drittgrößte Staudamm der Welt und war gegen massiven Widerstand indigener Gemeinschaften und lokaler Anwohner*innen durchgesetzt worden. 2016 wurden die ersten Turbinen offiziell eingeweiht, 2019 ging er vollständig in Betrieb.</p>
<p>Auch GegenStrömung hatte die Kampagne zum Belo-Monte-Staudamm unterstützt, da aus Deutschland u. a. der Turbinenlieferer Voith Hydro und die Versicherer Munich Re und Allianz an dem Projekt beteiligt waren. Die Kanutour bot nun die Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, welche Auswirkungen das Projekt langfristig zeigt und wie die indigenen Gemeinschaften damit umgehen.</p>
<p>Am ersten Tag machte stundenlanges Paddeln die Dimensionen des Stausees bewusst. An vielen Stellen ragen kleine Wälder aus toten Bäumen aus dem Wasser und bei den heißen Temperaturen Amazoniens lässt es sich erahnen, wie viel Wasser verdunstet und wie viel Methan freigesetzt wird. Ein großer Unterschied dann hinter der Staumauer, wo Schwärme kleiner Fischchen um das Boot herumsprangen und der Fluss lebendig war. Es gab  immer wieder kleine oder größere Stromschnellen zu überwinden,  durch welche Sauerstoff in den Fluss gebracht wird, ein Prozess, der die Wasserqualität verbessert. An einem Ruhetag erhielten die Teilnehmer*innen der Kanutour Einblicke in die Geschichte der Juruna, ihr großes Wissen über die Pflanzen- und Tierwelt und ihre jetzigen Anbaumethoden. Die Tour endete nach vier Tagen an einem phantastischen Wasserfall, wo der Überlieferung nach die Welt der Juruna &#8211; bzw. Yudjá, wie sie sich selbst bezeichnen &#8211; erschaffen wurde.</p>
<p>Für die Yudjá selbst war die Kanutour ebenfalls etwas Besonderes, die erste nach der Pandemie und etwas Einendes, da alle umliegenden Gemeinden daran beteiligt waren. Sie diente auch dazu, sich und der Welt zu zeigen: „Xingu vivo!“ Denn die Folgen des Staudammbaus machen sich nach wie vor sehr bemerkbar. Es kommen nur noch 30 % des Flusswassers durch diesen Flussabschnitt, was den Fischfang drastisch reduziert und das Ökosystem völlig verändert hat. So fehlt jetzt z. B. die Überflutung der Igapó-Wälder, durch die die Fische von den Früchten der Bäume besonders fett wurden und es musste eine ganz neue Methode des Fischfangs entwickelt werden. Die nicht-indigenen Flussanwohner*innen (Ribeirinhos) hat es besonders hart getroffen, denn sie haben noch weniger Rechte als die Indigenen und zehn Jahre nach der Flutung gibt es immer noch ungelöste Landkonflikte. Gleichzeitig wurden Orte per Straße an die Stadt angeschlossen mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen.</p>
<p>Für die Yudjá hat der Staudammbau das Leben daher komplett umgekrempelt. Weitere Probleme drohen durch eine Goldmine, die in direkter Nachbarschaft des Staudamms in Planung ist, was Landschaft und Fluss noch einmal extrem in Mitleidenschaft ziehen wird. Aber die Yudjá sind entschlossen, nicht aufzugeben, neue Einkommensmöglichkeiten im landwirtschaftlichen wie im touristischen Bereich zu entwickeln und ihre Forderung, dass sie an der Regulierung des Wasserabflusses beteiligt werden, durchzusetzen. Einen Teilerfolg haben sie immerhin erreicht: kürzlich wurde ihnen per Gerichtsurteil zusätzliches Land zugesprochen, was ihre Situation etwas verbessern wird.</p>
<p>Von Heike Drillisch</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brasiliens CPT und CPP: Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/brasiliens-cpt-und-cpp-verteidigungsschrift-fuer-den-rio-tapajos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Feb 2026 07:52:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserstrassen]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 29. Januar dieses Jahres haben die Comissão Pastoral da Terra (CPT) und der Conselho Pastoral dos Pescadores e Pescadoras (CPP) des Erzbistum Santarém sich in einer Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós ausgesprochen und das Dekret 12.600/25 vehement abgelehnt, da es &#8222;den Weg freimacht für private Konzessionen und Auktionen, was direkt die Territorien von Indigenen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Am 29. Januar dieses Jahres haben die Comissão Pastoral da Terra (CPT) und der Conselho Pastoral dos Pescadores e Pescadoras (CPP) des Erzbistum Santarém sich in einer Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós ausgesprochen und das Dekret 12.600/25 vehement abgelehnt, da es &#8222;den Weg freimacht für private Konzessionen und Auktionen, was direkt die Territorien von Indigenen und flussanwohnenden Ribeirinhos beeinträchtigen&#8220; werde. All dies geschehe zudem ohne irgendeine vorherige Konsultation der traditionellen Gemeinschaften.</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Brasílias <a href="https://www.planalto.gov.br/ccivil_03/_ato2023-2026/2025/decreto/D12600.htm" target="_blank" rel="noopener">Dekret 12.600/25 vom 28. August vergangenen Jahres</a> (siehe GegenStrömung <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/alles-fliesst-in-amazonien-bald-nicht-mehr-so/" target="_blank" rel="noopener">hier</a>) &#8222;[r]egelt die Aufnahme öffentlicher Bundesprojekte im Bereich der Wasserstraßen in das Nationale Entstaatlichungsprogramm.&#8220; Damit wird die Umsetzung der neuen Politik zur Vergabe von Konzessionen für die Flüsse des Landes an den Markt &#8211; also eine neoliberale Privatisierung der Flüsse, so Kritiker:innen &#8211; einen Schritt weiter vorangebracht, und, besonders brisant: den Anfang dabei macht wieder einmal: Amazonien. Denn der Text des Dekrets 12.600/25 bezieht explizit die Wasserstraßen der Flüsse Tapajós und Tocantins in Pará sowie den Rio Madeira in Amazonas und Rondônia in das Nationale Privatisierungsprogramm (kurz PND) mit ein.</p>
<p>Am Tapajós ist demnach vorgesehen, dass der Fluss auf etwa 250 Kilometer schiffbar gemacht werden soll. Für Brasília ist klar: das bringt Entwicklung und Wachstum, könnte doch dann das Soja aus dem Mittleren Westen kostengünstiger und schneller an den Weltmarkt geliefert werden. Sollten die Wasserstraßenprojekte wie beispielsweise im Tapajós-Becken wie geplant realisiert werden, so erklären die Soja-Farmer:innen und ihre <em>ruralista</em>-Lobby im Nationalkongress schon lange explizit, dann würde dem brasilianischen Agrobusiness eine Kostenersparnis von satten 41 Prozent beim Transport ihrer Produkte blühen. Denn: Bislang, so klagen Soja-Farmer:innen vor allem im zentral gelegenen Mato Grosso, hätten sie bis zu viermal höhere Logistikkosten pro Tonne Soja als ihre Konkurrenten im Mittleren Westen der USA. Die geplanten Infrastrukturprojekte am Tapajós würden die Logistikkosten enorm senken und den Anbau von Soja im großen Stil in Regionen lohnenswert machen, die bislang von der Expansion der Agrarindustrie verschont geblieben waren. Dies würde brasilianische Agrargüter (und Mineralien) noch mehr auf dem Weltmarkt reüssieren lassen.</p>
<p>Für Kritiker:innen ist jedoch klar &#8211; den Tapajós schiffbar zu machen, dies dient den Interessen der Agrarindustrie und anderer Wirtschaftssektoren. Nun haben sich die kirchliche Fachstelle für Landfragen CPT und der Pastoralrat der Fischer und Fischerinnen CPP des Erzbistums von Santarém geäußert. Und diese sehen Brasílias Versprechen von Entwicklung und Wachstum ganz anders: als Verletzung der Konsultations- und Zustimmungsrechte der indigenen und traditionellen Völker.</p>
<p>Am 29. Januar dieses Jahres veröffentlichten die CPT und CPP eine &#8222;Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós&#8220;, die wir hier in deutschsprachiger Übersetzung dokumentieren:</p>
<blockquote><p><strong>Verteidigungsschrift für den Rio Tapajós, 29. Januar 2026</strong><br />
Originalquelle: <a href="https://cptnacional.org.br/2026/01/29/nota-defesa-rio-tapajos/" target="_blank" rel="noopener">https://cptnacional.org.br/2026/01/29/nota-defesa-rio-tapajos/</a></p>
<p>“30. Während die Qualität des verfügbaren Wassers ständig schlechter wird, nimmt an einigen Orten die Tendenz zu, diese knappe Ressource zu privatisieren; so wird sie in Ware verwandelt und den Gesetzen des Marktes unterworfen.” (ENZYKLIKA LAUDATO SI’ VON PAPST FRANZISKUS ÜBER DIE SORGE<br />
FÜR DAS GEMEINSAME HAUS) (Anm.d.Ü.: siehe unter <a href="https://www.vatican.va/content/dam/francesco/pdf/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si_ge.pdf#page=30" target="_blank" rel="noopener">https://www.vatican.va/content/dam/francesco/pdf/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si_ge.pdf#page=30</a> )</p>
<p>&#8222;Die Comissão Pastoral da Terra (CPT) und der Conselho Pastoral dos Pescadores e Pescadoras (CPP) des Erzbistums von Santarém stellen mit dieser öffentlichen Erklärung ihre tiefe Empörung und ihren entschiedenen Widerstand gegen die für den Tapajós-Fluss geplanten Privatisierungsprojekte mit Ausbaggerungsarbeiten dar, Arbeiten, die ausschließlich den privaten wirtschaftlichen Interessen multinationaler Getreideunternehmen weltweit dienen.<br />
Der Tapajós-Fluss ist nicht eine einfache Wasserstraße. Der Fluss war schon immer ein Lebenssystem, ein pulsierendes Lebewesen, das den Wald erhält, das das Klima reguliert, das eine unvergleichliche Artenvielfalt beherbergt und das vor allem die physische, kulturelle und spirituelle Existenz der Flussanrainer:innen und indigenen Völker sichert, die diesen seit Jahrhunderten schützen und aus ihm ihren Lebensunterhalt beziehen.<br />
Die Umsetzung dieses von der Bundesregierung geplanten Projekts, das den Tod des Tapajós-Flusses bedeutet und den Interessen multinationaler Agrarkonzerne dient, wird irreversible Veränderungen im aquatischen Ökosystem verursachen und die Qualität des von den einheimischen Bevölkerungsgruppen genutzten Wassers beeinträchtigen. Der Fischfang, der die Nahrungsgrundlage dieser Bevölkerungsgruppen bildet, wird irreparablen Schaden nehmen. Die Erosion wird die Wohngebiete und die gesamte wunderschöne Landschaft beeinträchtigen, auf die angestammt dort Lebenden so stolz sind und die in unserer Region für touristische Aktivitäten genutzt wird.<br />
In diesem Sinne unterstützen wir die friedliche Demonstration, die von den indigenen Völkern des Baixo Tapajós vor dem multinationalen Unternehmen Cargill zur Verteidigung des Lebens und des Flusses Tapajós initiiert wurde, und schließen uns ihr an. Diese indigenen Völker verteidigen ein natürliches Recht, stützen sich aber auch auf die Verpflichtung zur Gewährleistung und Einhaltung der ILO-Konvention Nr. 169, die vorsieht, dass sie vor jedem Eingriff in ihre Gebiete angehört werden müssen.<br />
Die in dem von der Bundesregierung unterzeichneten Dekret Nr. 12.600/25 vorgesehene Privatisierung des Tapajós-Flusses ebnet den Weg für private Konzessionen und Auktionen, was sich direkt auf die Gebiete der indigenen Völker und Flussanrainer auswirkt. All dies geschieht ohne vorherige Konsultation der indigenen Bevölkerung. Die Demonstration ist daher legitim und hat nur ein einziges Ziel: die Aufhebung des Dekrets Nr. 12.600/25.<br />
Der Profit einiger Unternehmen darf nicht über das Leben ganzer Bevölkerungsgruppen und die Integrität eines für das globale Klimagleichgewicht wesentlichen Bioms gestellt werden. Der Tapajós-Fluss ist viel mehr wert als das Geld, das diese Unternehmen verdienen wollen. Seine Gewässer tragen Geschichte, Identität, Zukunft und Leben in sich.&#8220;</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stellungnahme des zivilgesellschaftlichen Netzwerks AK Rohstoffe zum BMZ- Aktionsplan „Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/stellungnahme-des-zivilgesellschaftlichen-netzwerks-ak-rohstoffe-zum-bmz-aktionsplan-starke-partnerschaften-fuer-eine-erfolgreiche-wirtschaft-weltweit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Löbbecke T.]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 14:14:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[BMZ]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungszusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffe]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 14. Januar 2026 haben die zivilgesellschaftlichen Organisationen des AK Rohstoffe, unter ihnen GegenStrömung, eine Stellungsnahme an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gesendet. In diesem führen sie ihre Befürchtung aus, dass das BMZ durch den Aktionsplan &#8222;Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit&#8220; und deren Ausrichtung eine folgenschwere Vernachlässigung seiner Kernaufgaben und&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 14. Januar 2026 haben die zivilgesellschaftlichen Organisationen des <a href="https://ak-rohstoffe.de/">AK Rohstoffe</a>, unter ihnen GegenStrömung, eine Stellungsnahme an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gesendet. In diesem führen sie ihre Befürchtung aus, dass das BMZ durch den Aktionsplan &#8222;Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit&#8220; und deren Ausrichtung eine folgenschwere Vernachlässigung seiner Kernaufgaben und eine Marginalisierung der Anliegen der lokalen Bevölkerung in den Zielländern und der globalen Zivilgesellschaft mit sich bringt. Mehr dazu in der Stellungsnahme <a href="https://ak-rohstoffe.de/wp-content/uploads/2026/01/AK-Rohstoffe-Stellungnahme_BMZ-Aktionsplan.pdf">hier.</a></p>
<p><a href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/01/AK-Rohstoffe-Stellungnahme_BMZ-Aktionsplan.pdf">AK Rohstoffe Stellungnahme_BMZ Aktionsplan</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Staudamm Belo Monte: Oberster Gerichtshof STF verurteilt Brasiliens Bundesregierung zur sofortigen Entschädigungszahlung an Indigene</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/staudamm-belo-monte-oberster-gerichtshof-stf-verurteilt-brasiliens-bundesregierung-zur-sofortigen-entschaedigungszahlung-an-indigene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 14:49:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Entschädigung]]></category>
		<category><![CDATA[Indigene]]></category>
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					<description><![CDATA[Staudamm Belo Monte: Oberster Gerichtshof STF verurteilt Brasiliens Bundesregierung zur sofortigen Entschädigungszahlung an Indigene Von Christian Russau Belo Monte, der nach Itaipu zweitgrößte Staudamm Brasiliens, stand seit der politischen Entscheidung Brasílias zum Bau desselben in scharfer Kritik, seitens der Wissenschaftler:innen, die auf die sowohl sozialen, ökologischen, klimatischen und auch ökonomischen Folgen des Staudamms am Xingu-Fluss&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Staudamm Belo Monte: Oberster Gerichtshof STF verurteilt Brasiliens Bundesregierung zur sofortigen Entschädigungszahlung an Indigene</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Belo Monte, der nach Itaipu zweitgrößte Staudamm Brasiliens, stand seit der politischen Entscheidung Brasílias zum Bau desselben in scharfer Kritik, seitens der Wissenschaftler:innen, die auf die sowohl sozialen, ökologischen, klimatischen und auch ökonomischen Folgen des Staudamms am Xingu-Fluss hinwiesen. Fast alle dieser Kritikpunkte haben sich leider bewahrheitet (siehe die <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/xingu-vivo-para-sempre-zieht-bilanz-von-einem-jahrzehnt-belo-monte/" target="_blank" rel="noopener">10-Jahres-Bilanz, die Xingu Vivo erstellt hatte</a>). Auch die entlang der Volta Grande do Xingu lebenden indigenen Völker hatten jahrelang davor gewarnt, dagegen protestiert und darauf hingewiesen, dass der Bau des 11 GW-Staudamms negative Auswirkungen auch für sie haben würde. Brasília hatte alle Kritikpunkte weggewischt, die bis zu 25 Verfassungsklagen dagegen in den Aktenordnern des Obersten Gerichtshofs zu weiteren Bearbeitung abgelegt, und Brasília hatte stets argumentiert, die am Xingu-Fluss lebenden Indigenen Völker seien von Bau und Betrieb Belo Montes nicht betroffen. Denn &#8211; darin folgte Brasília einer verfassungsrechtlichen Interpretation &#8211; Belo Monte werde ja kein indigenes Territorium vor Ort fluten für den Bau des Reservoirs, was von der Verfassung her verboten ist.</p>
<p>Dass aber durch den Bau des Abzweigkanals vor der ersten Staustufe Pimentel zur Umleitung bis zu 80% des Wassers, das eigentlich durch den ursprünglichen Flusslauf an der Volta Grande fließen sollte, hin zum Staureservoir von Belo Monte und danach in hinreichend Gefälle auf kurzer Strecke durch das Wasserkraftwerk Belo Monte fließen soll, war ja auch schon vorher allseits bekannt &#8211; denn das ist der ganze Gedanke an Belo Monte. Dass dies in Konsequenz bedeuten würde, dass die Indigenen Völker der Volta Grande nahezu auf dem Trockenen sitzen, hatten auch alle Studien vorhergesagt, &#8211; nur Brasília wiegelte immer ab. Nun aber kommt die Quittung: Der Richter Flávio Dino vom Obersten Bundesgericht (STF) hat die brasilianische Bundesregierung zur sofortigen Überweisung von 19 Millionen Real aus dem Fonds für den Ausgleich der Nutzung von Wasserressourcen (CFURH) an die indigenen Gemeinschaften angeordnet, die vom Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte in Pará betroffen sind. Die Freigabe soll durch eine Sonderzulage zum Bolsa Família-Programm für die indigene Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet erfolgen. Dies geht aus einer <a href="https://noticias.stf.jus.br/postsnoticias/stf-determina-repasse-imediato-de-r-19-milhoes-a-indigenas-afetados-por-belo-monte/" target="_blank" rel="noopener">Mitteilung des Obersten Gerichtshofes hervor.</a></p>
<p>Der Richter Flávio Dino vom Obersten Bundesgericht hat diese Entscheidung zur Entschädigung der Indigenen auf Basis einer Verfassungsklage der Vereinigungen indigener Völker aus der Region Xingu in Pará getroffen. Erst im März dieses Jahres urteilte der Richter Dino, dass es der Nationalkongress Brasilien unterlassen habe, den indigenen Völkern das Recht auf Entschädigung für Schäden durch Wasserkraftprojekte in ihren Gebieten zu garantieren. Er setzte der Legislative eine Frist von 24 Monaten, um entsprechende Artikel der Bundesverfassung zu regeln, die die Beteiligung der betroffenen Völker an den Ergebnissen der Ausbeutung von Ressourcen in ihren Gebieten garantieren. Dies ist bisher nicht vom Nationalkongress umgesetzt worden.</p>
<p>Im konkreten Fall von Belo Monte sieht Flávio Dinos Entscheidung vor, dass 100 % der an den Bund als sogenannte Finanzielle Kompensation zur Nutzung der Wasserressourcen &#8211; die Compensação Financeira pela Utilização dos Recursos Hídricos CFURH &#8211; an die Indigenen gehen muss. Die bis dato an die Bundesregierung überwiesenen Beträge müssen demnach an die Indigenen Völker weitergeleitet werden sollten. In einer Stellungnahme zu dem Verfahren teilte der Bund mit, dass er von März bis Oktober etwas mehr als 19 Millionen R$ von Norte Energia S. A. erhalten habe. Dieser betrag geht nun einmal an die Indigenen. In der Entscheidung stellte Richter Flávio Dino fest, dass die Festlegung der Verwendung der Mittel bisher nicht eingehalten wurde und dass die Maßnahme für die Würde der betroffenen Gemeinden, insbesondere in Volta Grande do Xingu, unerlässlich sei. Um weitere schwere Schäden zu vermeiden, ordnete er an, dass der Betrag als Zusatz zum Bolsa Família-Programm für die indigene Bevölkerung verwendet wird, bis ein Plan für die Verwendung dieser Mittel vorgelegt wird. Die jetzige Zahlung schliesst weitere Urteile zu Zahlungen in der Zukunft nicht aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wasserkraft-Vernetzung in Belém</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/wasserkraft-vernetzung-in-belem/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Drillisch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 13:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Amazonas]]></category>
		<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Frei Fließende Flüsse]]></category>
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		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
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		<category><![CDATA[Wasserkraft und Emissionen]]></category>
		<category><![CDATA[COP30]]></category>
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		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
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					<description><![CDATA[Anlässlich der Klimaverhandlungen im November 2025 in Brasilien (COP30) haben Wasserkraft-Betroffene ein großes Vernetzungstreffen in Belém veranstaltet, an dem GegenStrömung teilnahm. Vor Ort tauschte sich GegenStrömung mit anderen Mitgliedern des Rivers-for-Climate-Netzwerks aus und beteiligte sich auf der COP an Side Events zum Thema Wasserkraft. Das „IV. Treffen der Betroffenen von Staudämmen, dem Energiemodell und der&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der Klimaverhandlungen im November 2025 in Brasilien (COP30) haben Wasserkraft-Betroffene ein großes Vernetzungstreffen in Belém veranstaltet, an dem GegenStrömung teilnahm. Vor Ort tauschte sich GegenStrömung mit anderen Mitgliedern des Rivers-for-Climate-Netzwerks aus und beteiligte sich auf der COP an Side Events zum Thema Wasserkraft.</p>
<p>Das „IV. Treffen der Betroffenen von Staudämmen, dem Energiemodell und der Klimakrise“ wurde von der brasilianischen Bewegung der Staudammbetroffenen, MAB, organisiert. Die Bewegung entstand 1991 und hat ihre Wurzeln in dem Widerstand gegen Großstaudämme schon in den 1970er Jahren. Nach einem Zusammenschluss zum lateinamerikanischen „Movimiento de Afectados por Represas (MAR) im Jahr 2016 gingen die Organisator*innen nun einen Schritt weiter, um die internationale Vernetzung und Zusammenarbeit zu stärken. Sie erweiterten ihren Fokus um Betroffene des herrschenden extraktivistischen Energiemodells und Betroffene der Klimakrise. Neben Staudammaktivist*innen vor allem aus Lateinamerika, Asien und Afrika waren denn auch Bewegungen vertreten, die sich z. B. gegen Windkraft auf indigenem Land und gegen Bergbau in Europa einsetzen. Aus Deutschland war &#8211; neben einer Vertreterin einer kurdischen ökologischen Organisation GegenStrömung dabei und nutzte die Gelegenheit vor allem dazu, Kontakte zu knüpfen oder zu erneuern und sich über die gegenwärtige Situation an verschiedenen Hotspots des Staudammbaus zu informieren. Ein Eindruck, der sich dabei u. a. aufdrängte, war, dass die Weltbank trotz aller bekannten Kritik an Großstaudämmen wieder massiv in das Geschäft einsteigt und das ganz nach altem Muster, z. B. ohne ernsthafte Konsultationen der betroffenen Bevölkerung, ungeachtet ihrer eigenen Standards, die anderes vorschreiben.</p>
<p>Abschluss und Highlight des Treffens war die Beteiligung am People’s Summit, dem großen Alternativkongress zu den offiziellen Klimaverhandlungen, und an den großen Demos in Belém. Beim Alternativkongress organisierte die Bewegung u. a. eine Veranstaltung, bei der sie ihr <a href="https://mab.org.br/2025/11/13/manifesto-publico-e-anuncio-da-construcao-do-movimento-internacional-de-populacoes-atingidas/">Manifest</a> für ihre stärkere internationale Ausrichtung vorstellte. Bei der Bootsdemo am 12.11. war die Staudammbewegung mit einem eigenen Boot dabei und bei der zentralen Demo durch die Stadt am 15.11.25 mit einem eigenen Block, der mit seiner Größe und einheitlichem – auf der Farbe weiß basierendem &#8211; Auftreten beeindruckte und zeigte, welche Bedeutung die Bewegung in der Zivilgesellschaft Brasiliens einzunehmen vermag. Gemeinsam mit den anderen farbigen Blöcken &#8211; der Organisation der Fischer*innen in blau, Landlose in grün, Frauen in lila usw -, den Indigenen, dem internationalen Block der NGOs und vielen weiteren Akteur*innen zeigten die vielen Fahnen, phantasievollen Artefakte und die Begeisterung der Brasilianer*innen für lautstarke Parolen mehr als deutlich, dass es nach wie vor eine starke Zivilgesellschaft gibt, die ernsthafte Fortschritte bei den Klimaverhandlungen fordert.</p>
<p>Bei der COP selbst war INFOE, der Rechtsträger von GegenStrömung, Mitorganisator eines offiziellen Side Events zum Thema „The Central Role of Indigenous Peoples and Local Communities in Just Energy Transitions“. Auf Anregung von GegenStrömung sprach Ruby Rain Williams von der Quartz Valley Indian Reservation über den Rückbau von Staudämmen am Klamath River in den USA und die Rolle, die die indigenen Gemeinschaften dabei gespielt haben. Mehr dazu <a href="https://www.ids.ac.uk/events/ids-at-cop30-centring-the-role-of-indigenous-peoples-in-just-energy-transitions/">hier.</a><a class="dt-pswp-item" href="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-scaled.jpg" data-dt-img-description="" data-large_image_width="2560" data-large_image_height="1707"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-3596 alignright" src="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-300x200.jpg" alt="" width="333" height="222" srcset="https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-300x200.jpg 300w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-1024x683.jpg 1024w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-768x512.jpg 768w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-1536x1024.jpg 1536w, https://www.gegenstroemung.org/wp-content/uploads/2026/02/COP-30_17_Zanotti_50-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px" /></a></p>
<p>Darüber hinaus gab es ein Side Event des Rivers-for-Climate-Netzwerks zum Thema <a href="https://www.instagram.com/p/DRDZko7EgVt/">„Hydropower is a false climate solution that produces counterfeit carbon credits</a>“, bei dem eine große Bandbreite an Sprecher*innen – von Indigenen bis zu Wissenschaftler*innen – verschiedene schädliche Aspekte der Wasserkraft beleuchteten, darunter auch Methanemissionen.</p>
<p>Von Heike Drillisch</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lehrstück politischen Protests der Basis: Indigene Munduruku blockieren den Eingang zur COP30 &#8211; und erhalten von der brasilianischen Regierung die Zusage auf FPIC</title>
		<link>https://www.gegenstroemung.org/blog/lehrstueck-politischen-protests-der-basis-indigene-munduruku-blockieren-den-eingang-zur-cop30-und-erhalten-von-der-brasilianischen-regierung-die-zusage-auf-fpic/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Russau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 15:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Belo Monte]]></category>
		<category><![CDATA[Staudämme]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkraft und Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[FPIC]]></category>
		<category><![CDATA[Munduruku]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist ein Lehrstück politischen Protests der Basis: Dutzende Indigene Munduruku blockierten am vergangenen Freitag in den Morgenstunden für mehrere Stunden den Eingang zur COP30 &#8211; und erhalten nun von der brasilianischen Regierung die Zusage auf freie, vorherige und informierte Konsultation (FPIC) für alle sie am Tapajós-Fluss betreffenden Projekte. Ein wichtiger Erfolg für die Munduruku!&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Es ist ein Lehrstück politischen Protests der Basis: Dutzende Indigene Munduruku blockierten am vergangenen Freitag in den Morgenstunden für mehrere Stunden den Eingang zur COP30 &#8211; und erhalten nun von der brasilianischen Regierung die Zusage auf freie, vorherige und informierte Konsultation (FPIC) für alle sie am Tapajós-Fluss betreffenden Projekte. Ein wichtiger Erfolg für die Munduruku! Ein wichtiger Erfolg für Menschenrechte, für Indigene Territorialrechte, für frei fließende und saubere Flüsse!</em></p>
<p>Von <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></p>
<p>Am Freitag in der Frühe, ab 5 Uhr, blockierten Dutzende indigene Munduruku, die zuvor bis zu 7 Tage auf Booten vom Oberen und Mittleren Tapajós-Fluss bis nach Belém unterwegs gewesen waren, den Haupteingang zur sogenannten Blue Zone der COP30. Über mehrere Stunden kam &#8222;Niemand mehr raus, niemand rein!&#8220;, wie es auf Videos in den sog. sozialen Medien skandierend gezeigt wurde. Der Protest richtete sich gegen die Großprojekte, die Brasília an den Flüssen plant, an denen, von denen und mit denen die Munduruku leben: Jamanxim und Tapajós und Teles Pires und bis hin zum Juruena. Bedroht sind sie seit Jahren durch Staudammprojekte (gewonnen hatten sie 2016 gegen den Plan Brasílias, am Tapajós das Wasserkraftwerk São Luiz do Tapajós zu errichten), doch aktuell plant Brasília (wieder einmal) <a href="https://www.gegenstroemung.org/blog/alles-fliesst-in-amazonien-bald-nicht-mehr-so/" target="_blank" rel="noopener">den Ausbau u.a. der Flüsse Teles Pires und Tapajós zu einer gigantischen Wasserstraße</a>, so dass durch die Schiffbarmachung auch für Schüttguttanker mit noch mehr Tiefgang der Soja-Export noch weiter im Land reüssiere &#8211; und der Druck auf die indigenen Territorien weiter ansteigt. Bedroht fühlen sich die Munduruku auch durch den von Brasília geplanten Bau einer neuen Eisenbahnlinie, Ferrogrão, die ebenfalls zum Soja-Transport genutzt werden soll. Und die Munduruku leiden unter dem Druck durch das Agrobusiness, durch das Eindringen durch Holzfäller und Goldsucher:innen. Und der Demarkationsprozess ihrer Territorien wurde noch immer nicht vollends abgeschlossen. Also entschlossen sich die Munduruku, die weite Reise vom Tapajós und dessen Zuflüssen hin zur COP30 nach Belém zu machen, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen &#8211; und dies ist ihnen gelungen.</p>
<p>Zwei Tage nach dem Protest einiger Dutzend Munduruku vor der sogenannte Sicherheitszone, der Blue Zone der Weltklimakonferenz COP30 in Belém, bei dem über mehrere Stunden der Eingang zur COP30 für Tausende von Delegierte versperrt war und diese ersatzweise den eigentlich als Ausgang eingerichteten hinteren Torbereich nutzen mussten, was zu stundenlanger Verspätung geführt hatte, äußerte sich nun der erst vor wenigen Monaten ins Amt des Leiters des Generalsekretariats des Präsidenten ernannte, vormalige Anführer der Obdachlosenbegweung MTST und Abgeordnete Guilherme Boulos: &#8222;Wir haben uns verpflichtet, und die Bundesregierung wird in Bezug auf den Tapajós eine freie, vorherige und informierte Konsultation aller Völker der Region durchführen, bevor sie irgendwelche Projekte am Fluss umsetzt. Und wir vom Generalsekretariat der Präsidentschaft der Republik werden einen Dialog mit all diesen Völkern einrichten, um sie in Brasília zu empfangen und eine Lösung zu finden&#8220;, <a href="https://agenciabrasil.ebc.com.br/meio-ambiente/noticia/2025-11/governo-consultara-indigenas-sobre-hidrovia-no-tapajos-diz-boulos" target="_blank" rel="noopener">sagte Boulos laut Agência Brasil</a>.</p>
<p>Guilherme Boulos, dessen Leitungsposten des Generalsekretariat der Präsidentschaft der Republik einem Ministerrang entspricht, erklärte, er habe kurz vor Ende des COP30-Gipfels mit dem Präsidenten der Republik, Luiz Inácio Lula da Silva, und dem Minister für Inneres, Rui Costa, telefonisch über das Thema gesprochen. Neben dem expliziten Versprechen, eine freie, vorherige und informierte Konsultation (FPIC) der indigenen Völker am Tapajós durchzuführen, erklärte er zudem, dass die Regierung die Demarkation indigener Gebiete fortsetzen werde. &#8222;Es wird weitere Demarkationen geben, und das ist die Zusage von Präsident Lula, dass bis zum nächsten Jahr weitere Demarkationen vorgenommen werden, um das Engagement unserer Regierung für Amazonien, für unsere Völker und für die sozialen Bewegungen zu gewährleisten&#8220;, so Boulos.</p>
<p>Damit formalisiert und bekräftigt Minister Boulos die seitens der Regierung bereits am Freitag getätigten ersten Äußerungen der brasilianischen Bundesregierung in Reaktion auf den Blockadeprotest der Munduruku. Eine der Forderungen der die Blockade am Haupteingang durchführenden Munduruku war es gewesen, dass Präsident Lula vor Ort zu einem direkten Gespräch mit den Indigenen erscheinen solle. Dies tat er nicht. Wer aber zum Gespräch kam, waren der Präsident der diesjährigen COP30, André Correa do Lago, sowie die Geschäftsführerin der Cop30, Ana Toni. In mehreren, auch internationalen Medienberichten war André Correa do Lago zu sehen gewesen, wie er demonstrativ Hand in Hand mit einer der Anführereinnen der Blockade, Alessandra Korap Munduruku, zum gemeinsamen Gespräch schritt. Am Freitagabend hatte es erste Medienberichte darüber gegeben, dass die Regierung bereits sei für die Forderung der Indigenen nach freier, vorheriger und informierter Konsultation. Eine solche hat Guilherme Boulos nun formell zugesagt.</p>
<p>Dabei ist Brasilien als Unterzeichnerin der ILO-Konventon Nr 169 und durch die UN-Erklärung über die Rechte der Indigenen Völker (UNDRIP) eigentlich sowieso bei allen die Territorien Indigener betreffenden Projekten verpflichtet, eine freie, vorherige und informierte Konsultation durchzuführen. In der Vergangenheit kam es bei mehreren Großprojekten zu massiver Kritik seitens der Indigenen, wie beim Staudamm Belo Monte am Xingu-Fluss, dass sie trotz völkerrechtlicher Verpflichtung Brasiliens zur freien, vorherigen und informierten Konsultation eben nicht angemessen konsultiert wurden: So gab es damals, zur Zeit der PT-Reguerung Dilma Rousseffs, in einigen Städten zwar Anhörungen, die Orte dieser Anhörungen waren aber für einen Großteil der betroffenen Indigenen nur schwer zu erreichen, die Sprache der Anhörung war auf Portugiesisch und wurde zudem meist von Fachleuten in deren eigenem Fachjargon durchgeführt und es war oft auch bewaffnete Militärpolizei vor Ort zur Sicherung der Anhörung, was aber von etlichen Indigenen als Einschüchterungsmaßnahmen interpretiert worden waren. Zudem kritisieren Brasiliens Indigenenverbände seit Jahren, dass sie die FPIC-Verpflichtung dergestalt verstehen, dass sie nicht nur angehört, sondern um ihre Zustimmung gebeten werden müssten &#8211; was auch dem Recht auf ein Veto gleichkäme. Beim Staudammbau von Belo Monte hatten die Betroffenen Indigenen vom Xingu-Fluss keine Möglichkeit auf ein Veto. Was ihre Bedenken auf Wahrung der sozialen Gerechtigkeit und sauberer Umwelt betraf, sollten die <a href="https://app.xingumais.org.br/sites/default/files/ficha-tecnica//node/202/edit/2023-04/Quadro-s%C3%ADntese%20condicionantes%20Licen%C3%A7a%20de%20Opera%C3%A7%C3%A3o%20UHE%20Belo%20Monte%20%281%29.pdf" target="_blank" rel="noopener">über 40 Sozial- und Umweltauflagen</a> der Behörden diese entschärfen, &#8211; von denen allerdings noch immer nicht alle erfüllt wurden. Das Betroffenen- und Menschenrechtsnetzwerk Movimento Xingu Vivo hatte nach zehn Jahren Belo Monte <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/xingu-vivo-para-sempre-zieht-bilanz-von-einem-jahrzehnt-belo-monte" target="_blank" rel="noopener">eine vernichtende Bilanz des zweitgrößten Staudamms Brasiliens ziehen müssen</a>.</p>
<p>Um dem oben genannten Mißstand des &#8222;Anhörens, aber nicht angemessen Konsultierens&#8220; etwas entgegenzusetzen, haben in Brasilien in den vergangenen Jahren mehr und mehr indigene und weitere traditionelle Völker sich selbst sogenannte Konsultationsprotokolle erstellt und diese rechtskräftig bei den Behörden hinterlegt. So gibt es mittlerweile eine Vielzahl an von den traditionellen Völkern und Gemeinschaften selbst erstellten Konsultationsprotokollen: von Indigenen Völkern und Gemeinschaften, von Quilombola-Völkern und Gemeinschaften, von traditionellen Völkern und Gemeinschaften, von traditionellen Gemeinschaften zur Erhaltung der Sozio-Biodiversität sowie von Indigenen, Quilombolas und anderen traditionellen Gemeinschaften zusammen erstellten Konsultationsprotokollen.</p>
<p>Bisher am deutlichsten sichtbar wurde die Effektivität dieser selbsterstellten Konsultationsprotokolle im Falle der indigenen Juruna (traditionelle Bezeichnung Yudjá) im Indigenen Territorium Terra Indígena Paquiçamba in der Volta Grande do Xingu im Kampf gegen Brasilien künftig vielleicht größten Offenen Goldtagebau der Firma Belo Sun. Das Volk der Juruna hatte 2017 selbst ein Konsultationsprotokoll erstellt, das genau festlegt, auf welche Art und Weise jedweder von Außen sie betreffender Kontakt (einschließlich ökonomischer Aktivitäten oder auch journalistischer oder anthropologische Kontaktaufnahme) abzulaufen habe. Noch im selben Jahr wurde dieses Protokoll bei den kommunalen, bundesstaatlichen und föderalen Behörden hinterlegt. Und gleich im Dezember 2017 setzte das Justizgericht von Pará TRF1 die laufende Umweltgenehmigung für die Firma Belo Sun an der Volta Grande do Xingu aus. Das Gericht folgte darin der Einschätzung der Klage der Bundesstaatsanwaltschaft, dass die Firma aus Kanada sich in ihrem Vorgehen vor Ort nicht an die Richtlinien des bei den Behörden hinterlegten Konsultationsprotokoll der Juruna gehalten habe und somit eine Verletzung der ILO-Konvention 169 zum Schutze der Rechte der Indigenen Völker vorliege.</p>
<p>Und am Tapajós? Da gibt es z.B. das Konsultationsprotokoll der Munduruku aus dem Jahr 2016 (2015 wurde es erstellt), <a href="https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/menschenrechte-gesellschaft/traditionelle-voelker-gemeinschaften/wie-die-munduruku-das-protokollverfahren-zur-konsultation-wollen" target="_blank" rel="noopener">das KoBra im Mai 2017 ins Deutsche übersetzt hatte</a>. An dieses müsste sich die brasilianische Bundesregierung nun eigentlich halten. Zur Erinnerung, hier das Protokollverfahren der Munduruku noch einmal in voller Länge:</p>
<p class="sdfootnote-western"><em>Quelle: Movimento Munduruku Ipereg Ayu, Associações: Da’uk, Pusuru, Wixaximã, Kerepo und Pahyhyp: Protocolo de Consulta Munduruku, Jan. 2016</em></p>
<p align="justify">Im Entstehensprozess des Dokuments, das in den indigenen Dörfern mit allen Munduruku 2015 gemeinsam debattiert und im Konsens verabschiedet wurde, war den Munduruku immer wichtig zu betonen, dass sie für sich selbst selbst reden und dass niemand Einzelnes ohne Weiteres für die Gruppe sprechen darf. Daher hier die Erklärung der Munduruku zum Protokollverfahren der Konsultation im Wortlaut:</p>
<p align="justify">„<i><b>Wir, das Volk der Munduruku,</b></i></p>
<p align="justify"><i>wir wollen hören, was die Regierung uns zu sagen hat. Aber wir wollen keine Ausreden. Damit das Volk der Munduruku entscheiden kann, müssen wir wissen, was tatsächlich geschehen wird. Und die Regierung muss uns anhören. Zuallererst fordern wir die Demarkation des Indigenen Territoriums Sawré Muybu. Auf gar keinen Fall akzeptieren wir eine Umsiedlung. Wir fordern von der Regierung zudem, dass unsere isoliert in unserem Land lebenden Verwandten geschützt werden und dass das Recht auf Konsultation der anderen Völker, wie der Apiaká und der Kayabi, die auch durch diese Projekte bedroht sind, garantiert werde. Außerdem fordern wir, dass den durch die Staudämme im Tapajós betroffenen Gemeinden der Flussanwohner von Montanha-Mangabal, Pimental und São Luiz ihr Recht auf Konsultation angemessen und ihrer besonderen Realität angepasst gewahrt werde. Genauso wie wir haben die Flussanwohner das Recht auf eigene Konsultation.</i></p>
<p align="justify"><i><b>Wer soll konsultiert werden?</b></i></p>
<p align="justify"><i>Die Munduruku aller Dörfer – des Oberen, Mittleren und Unteren Tapajós – müssen konsultiert werden, auch diejenigen aus indigenen Gebieten, die noch nicht demarkiert wurden.</i></p>
<p align="justify"><i><b>Soll die Regierung nicht denken, wir seien gespalten:</b></i></p>
<p align="justify">„<i><b>Es gibt nur ein Volk der Munduruku“</b></i></p>
<p align="justify"><i><b>Es sollen konsultiert werden:</b></i></p>
<ul>
<li>
<p align="justify"><i>die weisen Alten, die pajés, die Geschichtenerzähler, die Kenner traditioneller Medizin, die Kenner der Wurzeln und der Blätter, diejenigen, die die heiligen Orte kennen.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>die Kaziken und Anführer, die Krieger und Kriegerinnen. Die Kaziken sind miteinander vernetzt und teilen die Informationen mit allen Dörfern. Es sind sie, die alle zusammenrufen, damit wir debattieren, was wir machen werden. Die Krieger und Kriegerinnen unterstützen den Kaziken, gehen mit ihm und schützen unser Territorium.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>die Anführer, die Lehrer sind, und die, die für die Gesundheit zuständig sind, die also, die mit der ganzen Gemeinschaft arbeiten.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>die Frauen, damit sie ihre Erfahrungen und Informationen weitergeben. Es gibt Frauen, die sind pajés, Hebammen und Kunsthandwerkerinnen. Sie bearbeiten das Feld, geben Ideen und Rat, bereiten das Essen zu, stellen medizinische Produkte her und verfügen über ein großes und breites traditionelles Wissen.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>die Universitätsstudenten, die Erzieher der Munduruku, die Ibaorebu-Studenten, die Jugendlichen und Kinder müssen auch konsultiert werden, weil sie die zukünftige Generation sind. Viele Jugendliche haben Zugang zu Kommunikationsmedien, lesen Zeitungen, gehen ins Internet, sprechen portugiesisch und kennen unsere Realität und haben aktiven Anteil an dem Kampf unseres Volkes.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>unsere Organisationen (Conselho Indígena Munduruku Pusuru Kat Alto Tapajós – Cimpukat, Da’uk, Ipereg Ayu, Kerepo, Pahyhy, Pusuru und Wixaxim</i><i>ã</i><i>) müssen auch konsultiert werden, aber sie dürfen niemals alleine konsultiert werden. Die Stadtverordneten Munduruku sprechen nicht für unser Volk. Die Entscheidungen des Volks der Munduruku werden kollektiv getroffen.</i></p>
</li>
</ul>
<p align="justify"><i><b>Wie soll der Prozess der Konsultation ablaufen?</b></i></p>
<ul>
<li>
<p align="justify"><i>Die Regierung darf uns nicht erst dann konsultieren, wenn alle Entscheidungen schon getroffen sind. Die Konsultation muss vor allem anderen stattfinden. Alle Treffen müssen in unserem Territorium stattfinden – in dem Dorf, das wir auswählen –, und nicht in der Stadt, nicht einmal in Jacareacanga oder Itaituba.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>Die Treffen dürfen nicht zu Zeiten stattfinden, die die Aktivitäten unserer Gemeinschaft stören (also zum Beispiel nicht während der Feldarbeits-Saison des Feldfurchens oder des Pflanzens; nicht während der Zeit des Kastanien-Sammelns, nicht während der Zeit des Mehls, nicht während unserer Festtage; nicht am Tag des Indigenen). Wenn die Regierung in unser Dorf zur Konsultation kommt, dürfen sie nicht nur kurz einfliegen und am nächsten Tag wieder weggehen. Sie müssen in Ruhe mit uns Zeit verbringen.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>Die Treffen müssen in der Sprache Munduruku abgehalten werden und wir entscheiden, wer übersetzen wird. In diesen Treffen muss unser Wissen genauso anerkannt werden wie dies der pariwat (nicht-indigener). Weil es sind wir, die wir die Flüsse kennen, den Wald, die Fische und das Land. Es sind wir, die wir die Treffen koordinieren, nicht die Regierung.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>An den Treffen sollen die Partner unseres Volkes teilnehmen: Die Bundesstaatsanwaltschaft, die von uns ausgewählten Partnerorganisationen sowie Fachleute unseres Vertrauens, die wir auswählen. Die Unkosten unserer Anwesenheit und die unserer Partner während aller Treffen gehen auf Kosten der Regierung.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>Damit die Konsultation wirklich frei sein wird, werden wir auf den Treffen unter keinen Umständen bewaffnete pariwat (Militärpolizei, Bundespolizei, Bundesstraßenpolizei, Heer, Nationaler Sicherheitskräfte, Brasilianischen Geheimdienst oder jedwede anderen staatlichen oder privaten Sicherheitskräfte) akzeptieren.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>Wenn die Regierung mit Kameras ankommt, darf sie ohne unsere Autorisierung keine Aufnahmen machen. Zu unserer Sicherheit sollen die Treffen gefilmt werden und die Regierung muss uns die vollständigen Kopien der Aufnahmen übergeben.</i></p>
</li>
</ul>
<p align="justify"><i><b>Die von uns bisher angesprochenen Treffen teilen sich in folgende auf:</b></i></p>
<ul>
<li>
<p align="justify"><i><b>Treffen zum Beschluss über den Plan für die Konsultation: </b></i><i>Die Regierung muss sich mit dem Volk der Munduruku treffen, damit wir eine Übereinkunft treffen, welchen Plan wir für die Konsultation festlegen. Dieser Plan für die Konsultation muss dieses Dokument hier in Gänze respektieren, da es erklärt, wie wir uns organisieren und wie wir unsere Entscheidungen treffen.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i><b>Informationstreffen: </b></i><i>Die Regierung muss sich mit unserem Volk treffen, in jedem Dorf einzeln, um uns über ihre Vorhaben zu informieren und unsere Zweifel und Nachfragen zu beantworten. Neben uns sollen die Partner unseres Volkes an diesem Treffen jeweils teilnehmen.</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i><b>Interne Treffen: </b></i><i>Nach diesen Informationstreffen brauchen wir Zeit zum Diskutieren unter uns über die Vorschläge der Regierung. Wir werden Zeit brauchen, um den Vorschlag den Verwandten, die nicht an den Informationstreffen teilnehmen konnten, zu erläutern. Des Weiteren wollen wir uns mit den Flussanwohnern (beispielsweise mit denen von Montanha-Mangabal) treffen und beratschlagen. Wir werden unsere Partner zu unseren internen Treffen hinzuladen. Aber die Regierung darf dabei nicht anwesend sein. Sollten Unklarheiten oder neue Informationen aufkommen, dann muss die Regierung weitere Informationstreffen mit uns und unseren Partnern abhalten. Danach dann würden wir weitere Treffen mit unseren Partner, ohne die Regierung, machen, um die Unklarheiten zu klären und um zu debattieren. Egal wie viele Treffen dafür notwendig wären, damit das Volk der Munduruku sich vollständig informiert</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i><b>Verhandlungstreffen:</b></i><i> Wenn wir hinreichende Informationen haben und mit unserem ganzen Volk debattiert haben, wenn wir also eine Antwort an die Regierung haben, dann muss die Regierung sich mit uns, in unserem Territorium treffen. An diesem Treffen sollen auch unsere Partner teilnehmen. Die Regierung muss zuhören und auf unseren Vorschlag antworten, selbst wenn unser Vorschlag anders als der von der Regierung sei. Und wir mahnen: Wir akzeptieren nicht, dass die Regierung Rechte so einsetzt, wie die, die uns eigentlich zustehen, aber nie respektiert werden, um uns letztlich reinzulegen.</i></p>
</li>
</ul>
<p align="justify"><i><b>Wie treffen wir Munduruku unsere Entscheidungen?</b></i></p>
<ul>
<li>
<p align="justify"><i>Wenn ein Vorhaben uns alle betrifft, dann ist unsere Entscheidung eine kollektive. Die Regierung darf nicht nur einen Teil des Volks der Munduruku konsultieren (sie darf zum Beispiel nicht nur die Munduruku des Mittleren Tapajós oder nur die des Oberen Tapajós konsultieren).</i></p>
</li>
<li>
<p align="justify"><i>Keine Vereinigung der Munduruku entscheidet für das Volk der Munduruku, keine Organisation redet für unser Volk. Die Entscheidungen unseres Volks werden auf der Vollversammlung getroffen, die durch unsere Kaziken einberufen wird. Es sind unsere Kaziken, die gemeinsam und zusammen Zeit und Ort der Generalversammlung festlegen und die Munduruku zur Teilnahme einladen. Auf diesen Versammlungen werden die Entscheidungen im Anschluss an die Debatte getroffen: Wir diskutieren und kommen zu einem Kosens. Wenn es nötig ist, diskutieren wir viel. Wir stimmen nicht ab. Wenn es keinen Konsens gibt, entscheidet die Mehrheit.</i></p>
</li>
</ul>
<p align="justify"><i><b>Was erwartet das Volk der Munduruku von dieser Konsultation?</b></i></p>
<p align="justify">„<i><b>Wir erwarten, dass die Regierung unsere Entscheidung respektiert. Wir haben Veto-Recht.</b></i></p>
<p align="justify"><i><b>Sawe!!“</b></i></p>
<p align="justify"><i>// Übersetzung und Text (oben): <a href="https://www.outro-mundo.org" target="_blank" rel="noopener">Christian Russau</a></i></p>
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