Inga 3-Wasserkraftwerk am Kongo-Fluss rückt näher

Ein chinesisches und ein spanisches Konsortium hat mit der DR Kongo den Vertrag zum Bau von Inga 3 unterzeichnet.

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo unterzeichnete Mitte Oktober dieses Jahres einen Vertrag, dessen Ziel der Bau der dritten Staustufe zur Wasserkraftgewinnung am Kongo-Fluss ist. Inga-3 würde die 1972 und 1982 an den Inga-Wasserfällen erbauten Staustufen Inga 1 und Inga 2 um eine dritte ergänzen. An den Inga-Fällen stürzt der Fluss Kongo 100 Meter in die Tiefe und wegen dieses Gefälles ist die Stromproduktion für Regierung und Firmen äußerst attraktiv. Die Inga-Wasserfälle liegen 260 Kilometer flussabwärts der Hauptstadt Kinshasa.

Das voraussichtlich bis zu 14 Milliarden Dollar teure Wasserkraftprojekt wird von zwei Konsortien entwickelt: Ein Konsortium unter Führung der China Three Gorges Corporation und einem zweiten, das die spanische ACS (Actividades de Construccion y Servicios SA) anführt. Wegen der Größe des Projekts hatte die Regierung der DR Kongo bereits im Juni des vergangenen Jahres die beiden verbliebenen Bieter für das Projekt gebeten, ihr Angebot als Joint-Venture einzureichen. Im nächsten Schritt müssen die Investoren nun detaillierte Durchführungs- und Umweltverträglichkeitsstudien für das Projekt erarbeiten, unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte, sagte die für das Projekt zuständige staatliche Behörde in einer Stellungnahme laut Medienberichten.

Das Inga-3-Projekt ist Teil eines 50- bis 80-Milliarden-Dollar-Programms zur Erweiterung von Staudämmen entlang des Kongos, hat sich jedoch immer wieder durch Bürokratie und Meinungsverschiedenheiten zwischen der Demokratischen Republik Kongo und ihren Partnern verzögert. Inga 3 wäre mit den geplanten 4.800 Megawatt das größte Wasserkraftwerk in der gesamten Sub-Sahara-Region. Würde die geplante Staustufe von Inga 3 (4.800 MW Nominalleistung) mit denen der beiden weiteren, bereits bestehenden Staustufen Inga 1 (351 MW Nominalleistung) und Inga 2 (1.424 MW Nominalleistung) zusammengerechnet, wären die kumulativen 6.575 MW größer als der derzeit im fortgeschrittenen Bau befindliche Staudamm der Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre in Äthiopien, die demnächst den Titel des größten Staudamms Afrikas für sich beanspruchen will.

Die Bauverzögerungen ergäben sich auch aus der noch unklaren Finanzierung des Mammut-Projekts, nachdem sich die Weltbank im Jahr 2016 auch infolge massiver Proteste aus dem Projekt zurückzog. Die Weltbank hatte unterschiedliche Vorstellung über Projektplanung und -durchführung sowie mangelnde Transparenzkriterien als Argument für die Stornierung der finanziell-technischen Kooperation angegeben.

Das von der DR Kongo geplante „Grand Inga“-Wasserkraftprojekt soll insgesamt bis zu acht Staustufen haben, deren Wasserkraftanlagen zusammengerechnet eine Nominalkapazität von rund 44 GW hätten und zusammengerechnet 80 Milliarden US-Dollar kosten sollen. Inga wäre damit, sollte es realisiert werden, das größte Wasserkraftwerk der Welt.

Die Nichtregierungsorganisation International Rivers fürchtet, dass durch den Bau der Wasserkraftwerke die reiche Biodiversität der Region gefährdet wird, dass die Rolle des Fluss Kongo als einem der weltgrößten natürlichen Mechanismen zur CO2-Versenkung durch Sedimentfracht in den Atlantik in Gefahr gerät und dass die vom Bau betroffenen lokalen Gemeinschaften in ihrem natürlichen Lebens- und Arbeitsumfeld bedroht werden. Kritiker/innen monieren zudem, dass der Strom ja gar nicht den bedürftigen Menschen zugute käme, sondern größtenteils im energieintensiven Bergbau genutzt sowie ins Ausland exportiert werde.

// christian russau